Zeltdach, Turm und Stadion: Die teure Erneuerung des Münchner Olympiaparks

Einleitung

Der Münchner Olympiapark, Wahrzeichen der Stadt und Erbe der Olympischen Sommerspiele 1972, steht vor der größten Modernisierung seiner Geschichte. Mit Kosten in dreistelliger Millionenhöhe werden die ikonische Zeltdachkonstruktion, der Olympiaturm und das Olympiastadion grundlegend saniert. Die Baumaßnahmen, die sich über mehrere Jahre erstrecken und teils parallel durchgeführt werden, stellen eine der größten baulichen Herausforderungen für die Stadt München dar. Dieser Artikel beleuchtet die geplanten Sanierungen, die damit verbundenen Kosten und die organisatorischen Herausforderungen dieses Mammutprojekts.

Die Sanierung des Olympiastadions

Das Olympiastadion, das für die Olympischen Sommerspiele 1972 erbaut wurde und Ort des deutschen Fußball-Weltmeistertitels 1974 war, befindet sich derzeit im Zustand einer Teil-Baustelle. Bis Sommer 2027 ist eine umfassende Kernsanierung geplant, die vollständig durch die Landeshauptstadt München finanziert wird. Bereits im Juli 2023 hatte der Münchner Stadtrat für diese Maßnahmen 193,7 Millionen Euro bewilligt. In Zeiten stark steigender Baukosten kann jedoch derzeit niemand garantieren, dass dieser Kostenrahmen eingehalten werden kann.

Das Stadion ist nicht nur sportlich von Bedeutung. Es war Schauplatz legendärer Derbys zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860 und ist seit 1982 eine bedeutende Konzertbühne, auf der im Sommer erneut Weltstars wie AC/DC auftreten werden. Die historische Bedeutung des Bauwerks, das zu den wichtigsten Bauten der bundesdeutschen Nachkriegsarchitektur zählt, rechtfertigt nach Ansicht von Oberbürgermeister Dieter Reiter die erheblichen Investitionen.

Die Stadt rechtfertiert diese Ausgaben im Kontext ihrer insgesamt hohen Schulden, die sich zum 31. Dezember 2023 auf 3,958 Milliarden Euro beliefen. Für 2024 sind zusätzlich Kredite in Höhe von 1,45 Milliarden Euro geplant, die vor allem in die Infrastruktur, den Bau neuer Schulen und Kindertagesstätten sowie die Sanierung von Straßenbahnstrecken fließen sollen. "Wir investieren in die Zukunft unserer Stadt, in die Zukunft unserer Kinder und in ein gutes Leben im Hier und Jetzt", erklärt Städtekämmerer Christoph Frey die Investitionspolitik der Stadt.

Das Zeltdach: Das größte Modernisierungsprojekt

Das Herzstück des Olympiaparks bildet die ikonische Zeltdachkonstruktion, die bei ihrer Fertigstellung im April 1972 als einmalig galt. Diese "feine Haut aus rund 11.000 Acrylplatten" überspannt das Olympiastadion, das Schwimmbad und die Olympiahalle und ist ein architektonisches Unikat. Mitte der 90er Jahre wurde das Dach erstmals vollständig saniert, wobei die Plexiglaseindeckung ausgetauscht und die Seile unter anderem mit einem Brandschutz versehen wurden. Bereits damals war klar, dass eine erneute Sanierung etwa 2022 anstehen würde, da das Plexiglas nur eine Haltbarkeit von 25 Jahren hat.

Anfang Oktober 2025 hat der Münchner Stadtrat die Mittel für die Sanierung des Olympia-Zeltdachs freigegeben. Das genehmigte Projektvolumen beträgt 298,4 Millionen Euro und ist damit das größte Projekt der Modernisierungsmaßnahmen im Olympiapark. Ursprünglich war von Kosten in Höhe von rund 84 Millionen Euro die Rede, diese bezogen sich jedoch nur auf die Erneuerung der Plexiglas-Eindeckung. Nach Überprüfung des Zustands des gesamten Dachs wurde der Sanierungsumfang deutlich erweitert.

Neben den Acrylglasplatten sollen nun auch die Tragkonstruktion inklusive der Fundamente und Seile sowie die Flutlichtmasten erneuert werden. Die Komplexität dieser Aufgabe wird durch die einzigartige Bauweise des Daches erhöht, die sich angeblich noch an die Bauweise mit Feinstrumpfhosen aus den späten 60er Jahren erinnert.

Die Arbeiten der Zeltdachsanierung haben nach aktueller Planung keine zusätzlich merklichen Auswirkungen auf den Betrieb im Olympiapark. Das Stadiondach wird saniert, während das Stadiongebäude für die Instandsetzung ohnehin gesperrt ist. Die Sanierung der Dächer von Olympiahalle und Olympiaschwimmhalle erfolgt bei laufendem Betrieb, wobei ein Zwischendach zum Schutz der Besucher unter dem Dach eingeplant wird.

Die Arbeiten sollen Mitte 2026 beginnen und voraussichtlich bis Ende 2029 dauern. Sie werden in mehreren Abschnitten durchgeführt: Zuerst der Dachbereich über dem Olympiastadion, dann das Zwischendach zwischen Stadion und Halle, gefolgt vom Dach über der Olympiahalle und schließlich der Olympiaschwimmhalle.

Umfang der Dachsanierung

Die Sanierung des Zeltdachs erfordert ein beeindruckendes Maß an Material und Arbeit:

  • Circa 12.400 Meter Hauptseile werden gereinigt und anschließend der Korrosionsschutz erneuert.
  • Circa 15.700 Seil- und Verbindungsklemmen werden in einem Spezialverfahren entschichtet, neu abgedichtet und neu beschichtet.
  • Circa 78.700 Quadratmeter Plexiglasplatten werden vollständig ausgetauscht.
  • Circa 157.000 Gummi-Metall-Puffer, die zur Befestigung der Plexiglasplatten dienen, werden ersetzt.
  • Circa 140 Kilometer Aluminium-Randklemmprofile, die die Verbindung zwischen Acrylglasplatten und Fugenband ermöglichen, werden ausgetauscht.

Die Sanierung des Olympiaturms

Der Olympiaturm, der bei schönem Wetter eine beeindruckende Aussicht von 190 Metern Höhe bis zu den Alpen bietet, wird für zwei Jahre geschlossen. Ab 1. Juni 2024 bleibt der Turm für Besucher geschlossen, die Wiedereröfnung ist für den 1. Juni 2026 geplant. Während dieser Zeit werden vor allem die Betriebstechnik, der Brandschutz, die gastronomischen Einrichtungen und die Aufzüge auf den neuesten Stand gebracht.

Die Kosten für die Turmsanierung werden von der Olympiapark GmbH mit 43,8 Millionen Euro beziffert. Im August 2022 hatte der Stadtrat noch rund 46 Millionen Euro einkalkuliert. Bisher gab es keine Kostensteigerungen, so die Olympiapark-Pressestelle auf Anfrage. Ursprünglich lag der Kostenrahmen jedoch nur bei rund 32,3 Millionen Euro. Die Erhöhung ist darauf zurückzuführen, dass der Stadtrat zunächst eine Teilsanierung mit einzelnen Abschnitten in Erwägung zog, dann aber eine Generalsanierung beschloss. Der Sanierungsumfang wurde dadurch größer, und auch Bereiche kamen hinzu, die zuvor nicht eingeplant waren.

Organisatorische Herausforderungen

Die Münchner Stadtwerke (SWM), die bei der Sanierung federführend beteiligt sind, müssen mehrere organisatorische Hürden meistern. Zum überschneidet sich die Sanierung des Zeltdachs mit der Sanierung des Stadions. "Das Areal ist aber groß genug, dass wir uns da hoffentlich nicht ständig im Weg umgehen", sagt Michael Silva von den Münchner Stadtwerken.

Besondere Herausforderungen ergeben sich bei der Sanierung der Dächer über dem Schwimmbad und der Olympiahalle, die bei laufendem Betrieb stattfinden soll. Das dort angebrachte Zwischendach werde zwar nicht saniert, doch man werde trotzdem eine Zwischenkonstruktion einziehen müssen, um Besucher des Parks unter dem Dach zu schützen, so Silva.

Kosten im Vergleich und politische Diskussionen

Die geplanten Sanierungskosten haben in München für hitzige Diskussionen im Stadtrat gesorgt. Insbesondere die Kosten für die Dachsanierung, die ursprünglich auf 85 Millionen Euro geschätzt und nun auf 298,4 Millionen Euro korrigiert wurden, standen im Fokus der Kritik. Ein Vergleich mit anderen Sportstätten unterstreicht die Dimension der Ausgaben: Der SC Freiburg hatte zwischen November 2018 und Oktober 2021 für 76,5 Millionen Euro ein komplett neues Bundesliga-Stadion für 34.700 Zuschauer gebaut – vom Fundament bis zum Dach. In München soll allein die Sanierung der Dachkonstruktion mehr als das Dreieinhalbfache kosten.

Oberbürgermeister Dieter Reiter rechtfertigt die hohen Kosten mit der einzigartigen Bauweise und Bedeutung des Olympiaparks. "Die mit der Sanierung beauftragten Stadtwerke haben von Anfang an gesagt, dass das Dach zunächst umfänglich untersucht werden muss, bevor eine belastbare Gesamtsumme genannt werden kann", sagt Reiter. "Bei den zitierten 85 Millionen handelte es sich lediglich um eine Teilsumme."

Die Olympiapark GmbH, die zu 100 Prozent zur Landeshauptstadt gehört, will sich nicht "an den Spekulationen zu den Gesamtkosten beteiligen". Die Sanierung des Stadiondaches befinde sich "in der Planungsphase", so die Betreibergesellschaft.

Fazit

Die Sanierung des Münchner Olympiaparks stellt eines der größten und teuersten Bauprojekte in der Geschichte der Stadt dar. Mit Gesamtkosten, die die 500-Millionen-Euro-Marke überschreiten werden, investiert München in die Erhaltung eines seiner wichtigsten Wahrzeichen und einer bedeutenden Sport- und Veranstaltungsstätte. Die komplexe Bauweise der 1972 errichteten Anlagen, insbesondere der Zeltdachkonstruktion, macht die Sanierung zu einer technischen Herausforderung, die hohe Kosten verursacht.

Trotz der erheblichen finanziellen Belastung in einer Zeit hoher städtischer Schulden wird das Projekt als notwendige Investition in die Zukunft der Stadt und ihre Infrastruktur gerechtfertigt. Die geplanten Arbeiten umfassen nicht nur die Erneuerung der sichtbaren Elemente wie die Plexiglasplatten des Dachs, sondern auch die grundhafte Sanierung tragender Konstruktionen, technischer Anlagen und Sicherheitsstandards.

Ob die geschätzten Kosten tatsächlich eingehalten werden können, bleibt abzuwarten. Erfahrungen mit Großbauprojekten zeigen, dass oft mit unerwarteten Herausforderungen und Kostensteigerungen zu rechnen ist. Dennoch stellt die Sanierung des Olympiaparks eine einmalige Chance dar, dieses architektonische Unikat für die kommenden Jahrzehnte zu sichern und gleichzeitig den Anforderungen an moderne Sicherheit, Effizienz und Besucherkomfort gerecht zu werden.

Quellen

  1. BR Nachrichten Bayern: Sanierung Olympiastadion: 300 Millionen für Münchens Wahrzeichen
  2. Abendzeitung München: Sanierung des Olympiturms in München dauert mehrere Jahre und wird teurer als geplant
  3. SWM: Olympiapark Modernisierung
  4. t-online: Olympiastadion München: Wie teuer wird die Sanierung für die Stadt?

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