Einleitung
Die Stuttgarter Oper zählt zu den renommiertesten Opernhäusern der Welt und ist ein kulturelles Aushängeschild Baden-Württembergs. Die Generalsanierung und Erweiterung des denkmalgeschützten Littmann-Baus ist eines der größten Bauprojekte der Stadt Stuttgart. Das Projekt umfasst nicht nur die Sanierung des historischen Opernhauses, sondern auch den Bau eines neuen Kulissenlagers und einer Interimsspielstätte während der Bauzeit. Der Zeitplan und die Kosten des Projekts sind jedoch Gegenstand intensiver Diskussionen, da Verzögerungen und Kostensteigerungen bereits absehbar sind. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über das Sanierungsvorhaben, die geplanten Baumaßnahmen, den Zeitplan sowie die geschätzten Kosten.
Das Projekt im Überblick
Die Generalsanierung der Stuttgarter Oper ist ein dreiteiliges Projekt, das mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Das Vorhaben hat zum Ziel, das Opernhaus für die nächsten Jahrzehnte zukunftsfähig zu machen und den internationalen Ruf der Stuttgarter Oper und des Balletts zu erhalten. Die Stuttgarter Oper und das Ballett haben Weltrang und sind international von herausragender Bedeutung. Mit der Generalsanierung und Erweiterung sollen die Württembergischen Staatstheater als kulturelles Aushängeschild des Landes und der Stadt für mindestens die nächsten 50 Jahre einen gesicherten und zukunftsweisenden Arbeitsort erhalten und somit weiterhin konkurrenzfähig bleiben.
Das bestehende Konzept zur Sanierung und Erweiterung der Oper beruht fast ausschließlich auf rechtlichen Vorgaben und zwingenden betrieblichen Belangen – insbesondere im Hinblick auf den Arbeitsschutz. Die Theaterbetriebe müssen modernen Sicherheitsstandards entsprechen, was umfangreiche Umbaumaßnahmen notwendig macht. Zudem wurden die Kosten eines fiktiven Neubaus geprüft, mit dem Ergebnis, dass bei Zugrundelegung des Flächenbedarfs der Württembergischen Staatstheater in der Gesamtschau noch höhere Kosten anfallen würden, da der Littmann-Bau ohnehin saniert werden muss. Darüber hinaus gibt es keinen geeigneten Standort für einen Neubau.
Die drei Teilprojekte
Sanierung des Littmann-Baus
Das Kernstück des Sanierungsprojekts ist die Sanierung des eigentlichen Opernhauses, des Littmann-Baus. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1902 umfasst nicht nur den Zuschauerraum mit über 1.400 Plätzen, sondern auch zahlreiche Bühnen-, Werkstätten- und Verwaltungsräume. Die Sanierung dieses historischen Bauwerks erfordert besondere Sorgfalt und Expertise, um den Denkmalstatus zu wahren und gleichzeitig moderne technische Standards zu implementieren.
Die Sanierung des Littmann-Bauses soll im Sommer 2033 beginnen und voraussichtlich zwischen Frühling und Sommer 2041 abgeschlossen werden. Die Wiedereröffnung des sanierten Opernhauses ist dann für das zweite Quartal 2042 geplant. Nach der Fertigstellung soll das Opernhaus am Oberen Schlossgarten wieder genutzt werden können.
Neues Kulissenlager
Als zweite Maßnahme ist der Bau eines neuen Kulissenlagers auf dem Areal der ehemaligen Zuckerfabrik im Hallschlag geplant. Diese Maßnahme ist notwendig, da das bestehende Kulissenlager den Anforderungen des modernen Theaterbetriebs nicht mehr gerecht wird. Das neue Lager soll ausreichend Platz für die umfangreichen Requisiten und Kulissen bieten, die für die Produktionen der Stuttgarter Oper benötigt werden.
Die Projektgesellschaft Württembergische Staatstheater Stuttgart GmbH rechnet mit dem Baubeginn des Kulissenlagers im zweiten Quartal 2028. Die Nutzung des neuen Lagers ist jedoch erst ab dem dritten Quartal 2031 vorgesehen. Diese zeitliche Verzögerung ergibt sich aus den komplexen Planungs- und Genehmigungsverfahren für das Bauvorhaben.
Interimsspielstätte
Während der rund zehnjährigen Sanierungszeit des Littmann-Bauses ist eine Interimsspielstätte erforderlich, um den Spielbetrieb der Württembergischen Staatstheater aufrechtzuerhalten. Diese Interimsspielstätte soll auf dem C-1-Gelände im Nordbahnhofviertel entstehen, im sogenannten Rosenstein-Quartier hinter den Wagenhallen in der Maker City.
Der Bau der Interimsspielstätte ist nach den vorliegenden Planungen sogar erst Ende 2028 vorgesehen, die Übergabe dann im letzten Quartal 2032. Der Spielbetrieb wird vermutlich im dritten Quartal 2033 beginnen können. Für die alternative Spielstätte ist also eine Bauzeit von knapp fünf Jahren vorgesehen. Nach der Sanierung des Opernhauses soll die Interimsspielstätte im Rosenstein-Quartier als multifunktionaler Veranstaltungsort weitergenutzt werden.
Zeitplan und Meilensteine
Der Zeitplan für das gesamte Sanierungsprojekt ist ambitioniert und bereits mehrfach angepasst worden. Dass sich die Sanierung der Oper in Stuttgart verzögert, ist vor rund zwei Wochen offiziell bestätigt worden. Nun gibt es auch genaue Daten zur dreiteiligen Sanierung und zur Wiedereröffnung des Littmann-Baus.
Der gesamte Zeitplan des Projekts lässt sich wie folgt darstellen:
- 2028 Q2: Baubeginn des Kulissenlagers auf dem Zuckerfabrik-Areal
- 2031 Q3: Inbetriebnahme des neuen Kulissenlagers
- 2028 Q4: Baubeginn der Interimsspielstätte
- 2032 Q4: Fertigstellung und Übergabe der Interimsspielstätte
- 2033 Q3: Beginn des Spielbetriebs in der Interimsspielstätte
- 2033 S: Baubeginn der Sanierung des Littmann-Baus
- 2041 F-S: Fertigstellung der Sanierung des Opernhauses
- 2042 Q2: Wiedereröffnung des sanierten Littmann-Baus
Dieser Zeitplan ist jedoch bereits als "äußerst ambitioniert" eingestuft worden. Der Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater wird am 18. November über den aktuellen Stand des Projekts informiert werden, wobei weitere Anpassungen des Zeitplans nicht ausgeschlossen werden.
Kostenentwicklung und Finanzierung
Die Kosten für die Sanierung der Stuttgarter Oper sind bereits seit längerem ein Thema der Diskussion. Ursprünglich war von einer Milliarde Euro die Rede, doch nun deutet alles darauf hin, dass der bisher geplante Kostenrahmen nicht zu halten sein wird. Die Ministerin für Finanzen hat eine "deutliche Richtungsänderung" und "spürbare Veränderungen" angekündigt.
Die genauen Kosten für die Sanierung sind noch unklar, doch es gibt bereits Hinweise auf signifikante Kostensteigerungen. Ein unbestätigter Bericht legt nahe, dass die Sanierung des Opernhauses in Stuttgart erheblich teurer werden könnte als die ursprünglich veranschlagte eine Milliarde Euro.
Vergleichbare Projekte in anderen Städten zeigen, dass sich die Kosten in einer ähnlichen Größenordnung bewegen – auch wenn sie im Vorfeld günstiger schienen. Bei den Städtischen Bühnen Köln, einem Dreispartenhaus mit rund 700 Beschäftigten, waren die reinen Baukosten anfangs mit 253 Millionen Euro veranschlagt. Aktuell rechnet man dort damit, dass die Sanierung zwischen 618 und 644 Mio. Euro kosten wird (Baukosten, inklusive Baunebenkosten und aller bekannter Risiken).
Die Württembergischen Staatstheater Stuttgart sind mit 1.400 Beschäftigten das größte Drei-Sparten-Theater weltweit (Oper, Ballett, Schauspiel). Im Vergleich dazu erhält die Deutsche Oper am Rhein am Standort Düsseldorf für über 700 Millionen Euro einen Neubau.
Die im Raum stehende Summe ist nicht auf dem Papier künstlich günstiger gerechnet worden im Wissen, dass diese Summe später nicht mehr zu halten sein wird. Vergleichbare Projekte in anderen Städten zeigen, dass sie sich in einer ähnlichen Größenordnung bewegen – auch wenn sie im Vorfeld günstiger schienen.
Sparmaßnahmen und Prioritäten
Angesichts der steigenden Kosten und des Zeitdrucks wurden bereits erste Maßnahmen zur Kostenoptimierung eingeleitet. Unter anderem soll geprüft werden, ob auch andere Räume in der Stadt wie etwa Proberäume genutzt werden können. Auch an Büros, Garderoben, Proberäumen, Logistikflächen und "Standards" soll gespart werden.
Die Staatstheater Stuttgart haben da klare Prioritäten - und schauen eher weiter. Wirklich entscheidend sei weniger, unter welchen Umständen in der rund zehnjährigen Übergangszeit gespielt werden müsse, sagte der geschäftsführende Intendant der Staatstheater Stuttgart, Marc-Oliver Hendriks. "Das, was dann am Ende entsteht nach der Sanierung in den 40er Jahren und was die nächsten Jahrzehnte Heimstatt sein wird für Theater, Oper und Ballett, das hat für uns Priorität. Wir schauen in die Zukunft."
Diese Priorisierung bedeutet, dass die Qualität und die Zukunftsfähigkeit des sanierten Opernhauses im Vordergrund stehen, während die Ausstattung der Interimsspielstätte und anderer Bereiche möglicherweise reduziert wird.
Herausforderungen und Risiken
Das Sanierungsprojekt der Stuttgarter Oper steht vor zahlreichen Herausforderungen. Zum einen ist der denkmalgeschützte Littmann-Bau eine komplexe Sanierungsaufgabe, die besonderes Know-how erfordert. Zum anderen müssen während der Bauzeit die Theaterbetriebe aufrechterhalten werden, was die Notwendigkeit einer aufwendigen Interimslösung begründet.
Ein weiteres Risiko ist die Kostenentwicklung bei Großprojekten dieser Größenordnung. Erfahrungsgemäß neigen solche Projekte zu Kostenüberschreitungen, was bereits bei anderen Theaterbauten in Deutschland beobachtet werden konnte. Die Städtischen Bühnen Köln haben beispielsweise ihre Kostenschätzung von ursprünglich 253 Millionen Euro auf nunmehr 618 bis 644 Millionen Euro korrigiert.
Auch der Zeitplan ist ein sensibles Thema. Jede Verzögerung bei einem der drei Teilprojekte kann sich auf die gesamte Projektdauer auswirken und zusätzliche Kosten verursachen. Der bereits ambitionierte Zeitplan muss daher genau überwacht werden.
Bedeutung für Stuttgart und Baden-Württemberg
Die Stuttgarter Oper ist mehr als nur ein Theatergebäude – sie ist ein kulturelles Aushängeschild der Stadt und des Landes Baden-Württemberg. Mit der Generalsanierung und Erweiterung sollen die Württembergischen Staatstheater als kulturelles Aushängeschild des Landes und der Stadt für mindestens die nächsten 50 Jahre einen gesicherten und zukunftsweisenden Arbeitsort erhalten und somit weiterhin konkurrenzfähig bleiben.
Neben den theaterspezifischen Arbeiten sollen auch städtebauliche Akzente gesetzt werden und die Baukörper sollen eine Öffnung in die Stadtgesellschaft hinein vermitteln. Das Projekt wird daher auch städtebauliche Bedeutung haben und die Entwicklung des Rosenstein-Quartiers vorantreiben.
Die Bedeutung des Hauses unterstreicht auch seine Größe: Die Württembergischen Staatstheater Stuttgart sind mit 1.400 Beschäftigten das größte Drei-Sparten-Theater weltweit (Oper, Ballett, Schauspiel). Diese Dimension macht das Projekt zu einem der bedeutendsten Kulturbauvorhaben in Deutschland.
Fazit
Die Sanierung der Stuttgarter Oper ist ein Mammutprojekt mit einem ambitionierten Zeitplan und erheblichen finanziellen Herausforderungen. Das dreiteilig Vorhaben – bestehend aus der Sanierung des Littmann-Baus, dem Bau eines neuen Kulissenlagers und der Errichtung einer Interimsspielstätte – wird voraussichtlich über ein Jahrzehnthinziehen und Milliardenbeträge kosten.
Während die Fertigstellung der Sanierung ursprünglich für 2041 geplant war, ist nun eine Wiedereröffnung im zweiten Quartal 2042 vorgesehen. Der Baubeginn der Hauptbaumaßnahmen ist für den Sommer 2033 geplant.
Die Kostenentwicklung ist bereits jetzt ein kritischer Faktor. Während ursprünglich von einer Milliarde Euro die Rede war, deuten alle Anzeichen darauf hin, dass der finanzielle Rahmen gesprengt wird. Vergleichbare Projekte in anderen deutschen Städten zeigen, dass solche Unternehmungen häufig teurer werden als ursprünglich veranschlagt.
Dennoch ist das Projekt von großer Bedeutung für die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg. Die Stuttgarter Oper und das Ballett haben Weltrang und sind international von herausragender kultureller Bedeutung. Die Sanierung wird sicherstellen, dass dieses kulturelle Aushängeschild auch in Zukunft konkurrenzfähig bleibt und die Bürgerinnen und Bürger von herausragenden kulturellen Angeboten profitieren können.