Einleitung
Die Otto-Lilienthal-Schule in Erfurt stellt sich als bedeutende Bildungseinrichtung der Stadt dar, die im Juli 2022 vom Stadtrat für eine umfassende Generalsanierung im Zeitraum von 2031 bis 2034 ausgewählt wurde. Mit geplanten Kosten von 12 Millionen Euro und einem vorübergehenden Umzug in die Räumlichkeiten an der Bukarester Straße 1 und 2 während der Bauzeit steht die Schule vor einem bedeutenden Wandel. Dieser Artikel beleuchtet das pädagogische Konzept der Schule, die geplanten Sanierungsmaßnahmen sowie den Kontext des umfassenden Schulbauprogramms der Stadt Erfurt.
Pädagogisches Konzept der Otto-Lilienthal-Schule
Die Otto-Lilienthal-Schule versteht sich als lernbegleitende, stärkenorientierte Ganztagsschule mit reformpädagogischen Elementen. Als Ort des gemeinsamen Lernens sieht die Schule Vielfalt als Chance und begrüßt alle Schülerinnen und Schüler herzlich. Das pädagogische Konzept basiert auf mehreren zentralen Säulen:
Altersgemischtes Lernen
Ein wesentlicher Bestandteil des pädagogischen Ansatzes ist das Arbeiten in altersgemischten Lernhäusern. Dabei werden Schüler aus verschiedenen Jahrgangsstufen gemeinsam unterrichtet. Diese Struktur ermöglicht nicht nur einen fächerübergreifenden Wissenserwerb, sondern fördert auch soziale Kompetenzen und das Lernen voneinander. Die älteren Schüler können den jüngeren als Vorbilder dienen, während die Jüngeren von der Erfahrung der Älteren profitieren.
Demokratische Schulgemeinschaft
Die Otto-Lilienthal-Schule legt großen Wert auf demokratische Strukturen und Mitbestimmung. Das Schulleben wird gemeinsam gestaltet, und Vielfalt wird als Stärke der Gemeinschaft wahrgenommen. Respekt, Toleranz und Verantwortung sind zentrale Werte, die das Handeln aller Mitglieder der Schulgemeinschaft prägen. Dieser Ansatz bereitet die Schüler auf die aktive Rolle in einer demokratischen Gesellschaft vor und fördert das Bewusstsein für gemeinschaftliche Verantwortung.
Individuelle Förderung und Eigenverantwortung
Die Schule orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen und Stärken der Schüler. Ziel ist es, sie zu selbstständigem und eigenverantwortlichem Lernen zu befähigen. Anstatt eines einheitlichen Lehrplans werden individuelle Lernwege berücksichtigt, die den persönlichen Stärken und Schwächen der Schüler Rechnung tragen. Dieser Ansatz ermöglicht eine optimale Förderung jedes Einzelnen und stellt sicher, dass die Schüler ihr volles Potenzial entfalten können.
Projektorientierter Unterricht
Ein weiterer Schwerpunkt liegt im projektunterricht. Durch die regelmäßige und intensive Auseinandersetzung mit Themen aus der Lebenswelt werden nicht nur Fachkenntnisse vermittelt, sondern auch umfassende Kompetenzen entwickelt. Die Projekte fördern die Fähigkeit zur selbstständigen Recherche, kritischen Analyse und kreativen Problemlösung. Darüber hinaus werden soziale Kompetenzen durch die Zusammenarbeit in Gruppen gestärkt.
Ganztägiges Angebot
Für Schüler im Primarbereich bietet die Schule eine umfassende Ganztagsbetreuung von 6:00 Uhr bis 17:00 Uhr. Dieses Angebot ermöglicht eine flexible Betreuung, die den Bedürfnissen arbeitender Eltern entspricht. Gleichzeitig werden die Schüler durch ein vielfältiges Angebot an Arbeitsgemeinschaften und Aktivitäten gefördert, die über den regulären Unterricht hinausgehen.
Die geplante Generalsanierung
Umfang und Zeitplan
Gemäß den Plänen der Stadt Erfurt vom Juli 2022 steht für die Otto-Lilienthal-Schule (TGS 8) eine Generalsanierung an. Das umfangreiche Projekt ist für den Zeitraum von 2031 bis 2034 geplant. Diese zeitliche Einordnung ist Teil eines 15-jährigen Programms, mit dem die Stadt Erfurt die Sanierung von 38 ihrer insgesamt 83 Schulen plant.
Kosten und Finanzierung
Die Sanierung der Otto-Lilienthal-Schule ist mit Kosten in Höhe von 12 Millionen Euro veranschlagt. Diese Summe spiegelt den Umfang einer Generalsanierung wider, die typischerweise die Erneuerung von technischen Anlagen, die Sanierung von Fassaden und Dächern, die Modernisierung von Innenräumen und die Anpassung an aktuelle pädagogische Anforderungen umfasst. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des 500-Millionen-Euro-Programms der Stadt Erfurt für die Schulbausanierungen.
Ausweichobjekt während der Bauzeit
Während der umfangreichen Sanierungsarbeiten werden die Schüler der Otto-Lilienthal-Schule in den Räumlichkeiten an der Bukarester Straße 1 und 2 untergebracht. Diese vorübergehende Lösung stellt sicher, dass der Schulbetrieb während der Bauzeit nahezu ungestört weitergeführt werden kann. Die Auswahl der Bukarester Straße als Ausweichobjekt zeigt die strategische Planung der Stadt, die darauf abzielt, für jede Sanierung eine adäquate Übergangslösung bereitzustellen.
Kontext: Erfurts umfassendes Schulbauprogramm
Das 500-Millionen-Euro-Programm
Die Sanierung der Otto-Lilienthal-Schule ist Teil eines ehrgeizigen Programms, das die Stadt Erfurt mit einem Gesamtvolumen von mindestens 500 Millionen Euro über 15 Jahre plant. Dieses Programm richtet sich an 38 der 83 Schulen der Stadt und ist eine Reaktion auf den Sanierungsstau, der sich über Jahre aufgebaut hat. Allein in den ersten beiden Jahren des Programms sollen 67 Millionen Euro investiert werden.
Historischer Hintergrund
Das aktuelle Sanierungsprogramm ist bereits der zweite Anlauf der Stadt Erfurt zur umfassenden Sanierung der Schulen. Bereits 2017 hatte die Stadt das Ziel verfolgt, alle Schulen innerhalb von zehn Jahren zu sanieren. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch sowohl an finanziellen Engpässen als auch an organisatorischen Herausforderungen, die durch die Ausrichtung der Bundesgartenschau entstanden.
Aktuelle Planungsstände
Mit Stand Juli 2022 hat der Erfurter Stadtrat das Schulbauprogramm trotz einiger Bedenken genehmigt. Wie Baudezernent Matthias Bärwolff erklärte, verfügt die Stadt nun erstmals über eine klare Struktur und einen detaillierten Fahrplan für die Sanierungen. Die Planung umfasst nicht nur die Reihenfolge der Sanierungen, sondern auch die Organisation der Ausweichobjekte während der Bauzeiten.
Sanierungsplan für verschiedene Schularten
Das Programm umfasst Sanierungen für verschiedene Schularten in Erfurt:
Gemeinschaftsschulen
Neben der Otto-Lilienthal-Schule sind weitere Gemeinschaftsschulen in das Programm aufgenommen: - TGS 1 Friedrich-Schiller-Schule: Generalsanierung und Erweiterungsbau (2026-2029), 16 Millionen Euro - TGS 2 Gemeinschaftsschule am Roten Berg: Innensanierung, Brandschutz, Freifläche, energetische Sanierung (2028-2031), 12 Millionen Euro - TGS 5 Am Urbach: Erweiterungsbau, Generalsanierung, Sanierung/Ersatzneubau (2029-2032), 14,5 Millionen Euro - TGS 7 Gemeinschaftsschule Kerspleben: Generalsanierung oder Ersatzneubau (2035-2038), 10,4 Millionen Euro - TGS 10 Gemeinschaftsschule am Berliner Platz: Innensanierung (2023-2026), 12 Millionen Euro
Grundschulen
Die Sanierung von Grundschulen bildet einen erheblichen Teil des Programms: - GS 2 Thomas-Mann-Schule: Generalsanierung (2024-2029), 7,8 Millionen Euro - GS 6 Bechsteinschule: Generalsanierung und Ausbau (2031-2034), 5 Millionen Euro - GS 7 Moritzschule: Innensanierung, Brandschutz, Freifläche (2027-2030), 4,2 Millionen Euro - GS 8 Europa-Schule Erfurt: Generalsanierung (2027-2030), 10 Millionen Euro - GS 15 Wilhelm-Busch-Schule: Generalsanierung, Erweiterungsbau (2028-2031), 11,5 Millionen Euro
Weitere Schularten
Neben Gemeinschafts- und Grundschulen umfasst das Programm auch Regelschulen und Gymnasien: - RS 23 Regelschule an der Geraaue: Innensanierung, Brandschutz, Freifläche (2024-2027), 2,3 Millionen Euro - Gym 4 Heinrich-Hertz-Gymnasium: Generalsanierung (2029-2032), 18 Millionen Euro - Gym 5 Heinrich Mann-Gymnasium: Generalsanierung (2033-2036), 10 Millionen Euro - Gym 7a Albert-Schweitzer-Gymnasium: Generalsanierung, Spezialschulteil, Internat (2031-2034), 16 Millionen Euro
Herausforderungen bei der Umsetzung
Die Umsetzung des Sanierungsprogramms stellt die Stadt Erfurt vor erhebliche Herausforderungen. Neben der reinen Finanzierung müssen auch die Logistik der Ausweichobjekte und die Organisation der Baupläne für die einzelnen Schulen sorgfältig geplant werden. Besonders komplex ist die Koordination, da einige Schulen in mehreren Phasen saniert werden müssen und die Übergänge zwischen den Bauphasen reibungslos gestaltet werden müssen.
Ein weiteres Problem stellt die Situation dar, dass für einige Schulen noch keine Ausweichobjekte feststehen. Dies betrifft unter anderem: - GS 3 Grundschule am Kleinen Herrenberg - GS 19 Christian-Reichart-Grundschule - GS 34 Bergkreisschule Alach - TGS 4 Gemeinschaftsschule 4 in Melchendorf - TGS 6 Gemeinschaftsschule Hochheim
Für diese Schulen muss die Stadt noch alternative Lösungen finden, um den Schulbetrieb während der Sanierung aufrechtzuerhalten.
Spezielle Herausforderungen bei der Sanierung der Otto-Lilienthal-Schule
Abstimmung von pädagogischem Konzept und baulichen Gegebenheiten
Bei der Sanierung der Otto-Lilienthal-Schule ist besonders die Abstimmung zwischen dem pädagogischen Konzept und den baulischen Anforderungen entscheidend. Die Schule arbeitet altersgemischten Lernhäusern, die spezifische räumliche Anforderungen stellen. Die Sanierung muss sicherstellen, dass diese Strukturen auch nach der Modernierung beibehalten werden können und dass die neuen Räumlichkeiten die pädagogischen Ziele optimal unterstützen.
Berücksichtigung der Ganztagsschule-Struktur
Als Ganztagsschule mit Betreuungsangeboten bis 17:00 Uhr muss die Sanierung auch die Anforderungen an die Infrastruktur für die außerunterrichtliche Betreuung berücksichtigen. Dazu gehören nicht nur ausreichende Unterrichtsräume, sondern auch Aufenthaltsbereiche, Essensmöglichkeiten und Außenanlagen, die den langen Schultag der Schüler unterstützen.
Integration moderner technischer Ausstattung
Die Generalsanierung bietet die Gelegenheit, die technische Ausstattung der Schule an moderne Standards anzupassen. Dazu gehören digitale Whiteboards, leistungsfähige Internetanbindungen und flexible Raumkonzepte, die sowohl traditionellen Unterricht als auch projektorientierte Arbeitsformen ermöglichen. Die Herausforderung besteht darin, diese Technologie so zu integrieren, dass sie das pädagogische Konzept unterstützt, ohne den Fokus vom menschlichen Miteinander abzulenken.
Fazit
Die Otto-Lilienthal-Schule in Erfurt steht vor einer umfassenden Generalsanierung, die von 2031 bis 2034 durchgeführt werden soll. Mit Kosten in Höhe von 12 Millionen Euro ist dies eines der bedeutendsten Bauvorhaben im Rahmen des 500-Millionen-Euro-Programms der Stadt zur Sanierung von 38 Schulen. Die Schule, die sich durch ihr reformpädagogisches Konzept mit altersgemischten Lernhäusern, demokratischer Struktur und individueller Förderung auszeichnet, wird von den Sanierungsarbeiten profitieren, da die baulichen Gegebenheiten an die pädagogischen Anforderungen angepasst werden können.
Während der Bauzeit werden die Schüler in den Räumlichkeiten an der Bukarester Straße 1 und 2 untergebracht, was den reibungslosen Fortbetrieb des Schulbetriebs sicherstellen soll. Die Sanierung bietet die Chance, die Infrastruktur der Schule zu modernisieren und den pädagogischen Ansatz durch adäquate räumliche Bedingungen zu unterstützen.
Das Schulbauprogramm der Stadt Erfurt ist ein ehrgeiziges Vorhaben, das nicht nur die baulige Substanz der Schulen sichert, sondern auch die Qualität der Bildung in der Stadt verbessert. Durch die vorausschauende Planung, die Berücksichtigung der pädagogischen Konzepte und die sorgfältige Organisation der Ausweichobjekte legt die Stadt den Grundstein für eine moderne und zukunftsfähige Schullandschaft in Erfurt.