Einleitung
Das Paracelsus-Bad in Berlin-Reinickendorf, eines der beiden öffentlichen Hallenbäder des Bezirks, befindet sich seit 2019 in einer umfassenden Sanierungsphase. Das nach dem Zweiten Weltkrieg erbaute und unter Denkmalschutz stehende Schwimmbad hat eine besondere historische Bedeutung für Berlin und war über Jahrzehnte ein unverzichtbarer Ort für Schwimmunterricht und Freizeitnutzung. Die Sanierungsarbeiten, die ursprünglich nur zwei Jahre dauern sollten, haben sich jedoch über acht Jahre hingezogen und waren mit erheblichen Kostensteigerungen verbunden. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe der Verzögerungen, die gestiegenen Kosten, die besonderen Herausforderungen bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes und die Auswirkungen auf die lokale Community.
Historische Bedeutung und Ausgangslage
Das Paracelsus-Bad ist nicht nur eines von zwei öffentlichen Hallenbädern in Berlin-Reinickendorf, sondern hat auch eine besondere historische Bedeutung. Es wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als erstes Hallenbad in Berlin neu errichtet und steht daher unter Denkmalschutz. Über 60 Jahre lang diente das Bad der Bevölkerung als Ort zum Schwimmen, für Sportveranstaltungen und als sozialer Treffpunkt. Nach über sechs Jahrzehnten im Betrieb wurde das Bad im Jahr 2019 aufgrund umfassender Sanierungsarbeiten geschlossen. Die damalige Entscheidung, das Bad zu sanieren, war notwendig geworden, da die Bausubstanz stark in Mitleidenschaft gezogen worden war und moderne Sicherheits- und Effizienzstandards nicht mehr erfüllt wurden.
Für Schulen und Sportvereine in Reinickendorf war das Paracelsus-Bad über Jahrzehnte ein unverzichtbarer Ort für Schwimmunterricht und Freizeitnutzung. Der Ausfall der Einrichtung hat die ohnehin angespannte Situation im Bezirk weiter verschärft. Besonders betroffen sind Kinder, die im Bezirk Schwimmen lernen sollen, sowie Sportvereine, die dringend Trainingsflächen benötigen. Die Stadträtin für Stadtentwicklung, Korinna Stephan (B'90/Grüne), betont in einer Pressemitteilung die Bedeutung der Wiedereröffnung für den Stadtteil und verweist auf die enge Zusammenarbeit mit den Bauherren, um gesetzeskonform und pragmatisch Lösungen zu finden.
Die Sanierung: Planung und Realität
Ursprüngliche Planungen
Ursprünglich war eine Wiedereröffnung des Paracelsus-Bades im Herbst 2021 geplant. Die geschätzten Kosten lagen bei zunächst 31 Millionen Euro. Die Planungen sahen eine umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes vor, die die Modernisierung der technischen Anlagen, die Sanierung der Bausubstanz und die Anpassung an moderne Sicherheitsstandards umfasste.
Mehrfache Verzögerungen
Die Realität der Sanierung hat sich jedoch grundlegend von den ursprünglichen Planungen unterschieden. Mittlerweile ist von einer Bauzeit von fast acht Jahren auszugehen, was bedeutet, dass sich die Eröffnung um mindestens sechs Jahre verzögert hat. Die Berliner Bäder-Betriebe haben die Prognose für das Großprojekt bereits zum vierten Mal nach hinten korrigiert. Zuletzt war von Ende 2025 die Rede, nun wird von einer Beendigung der Bauarbeiten Ende 2027 ausgegangen.
Ursachen der Verzögerungen
Mehrere Faktoren haben zu den erheblichen Verzögerungen beigetragen:
Unerwartete Schäden an der Gebäudesubstanz: Wie die Berliner Bäder-Betriebe mitteilen, wurden bei den Bauarbeiten unerwartet starke Schäden an der Gebäudesubstanz festgestellt, die zu einer hohen Kostensteigerung bei den Bauarbeiten geführt haben. Diese Entdeckungen erforderten zusätzliche Planungs- und Arbeitszeit.
Corona-Pandemie: Die COVID-19-Pandemie hat die Geschwindigkeit der Sanierung unvorhersehbar beeinträchtigt. Lieferkettenprobleme, Personalausfälle und eingeschränkte Arbeitsmöglichkeiten haben zu weiteren Verzögerungen geführt. Laut "t-online" habe die Pandemie die Geschwindigkeit der Sanierung unvorhersehbar beeinträchtigt.
Baurechtliche Vorgaben und Denkmalschutz: Als denkmalgeschütztes Gebäude aus dem Jahr 1960 erfordert das Paracelsus-Bad besondere Anforderungen an die Sanierung. Zwar betont die Bezirksstadträtin, dass Denkmalpflege nicht zwangsläufig zu Verzögerungen führen müsse, wenn sie von Beginn an konsequent in die Planungen integriert werde. Dennoch haben die Auflagen des Denkmalschutzes zusätzliche Herausforderungen mit sich gebracht. Die Berliner Bäderbetriebe bestätigen, dass aus Sicht des Denkmalschutzes zwar keine weiteren Hürden mehr bestehen, die die geplante Wiedereröffnung gefährden könnten, die besonderen Anforderungen jedoch zusätzliche Komplexität in die Planung und Ausführung gebracht haben.
Behördliche Einbindungen: Verzögerte Bauprozesse und die Einbindung verschiedener Behörden haben ebenfalls für Schwierigkeiten gesorgt.
Kostenentwicklung
Neben den zeitlichen Verzögerungen haben sich auch die Kosten für die Sanierung erheblich erhöht:
| Jahr | Geschätzte Kosten (in Millionen €) |
|---|---|
| 2019 (ursprünglich) | 31 |
| 2023 | 35 |
| 2025 | 36 |
Die Berliner Bäder-Betriebe geben an, dass das aktuelle Budget von 36 Millionen Euro "auskömmlich" sei. Die Kostensteigerung ist auf die bereits genannten Faktoren zurückzuführen: unerwartete Bauschäden, gestiegene Materialkosten infolge der Pandemie und den erhöhten Aufwand für die Einhaltung der Denkmalschutzauflagen. Dass die Sanierungsarbeiten am Paracelsus-Bad einmal über 35 Millionen Euro kosten und die Eröffnung des Hallenbads wiederholt um Jahre verschoben werden müsste, hatte zu Beginn der Bauarbeiten wohl niemand erwartet. Überraschend starke Schäden an der Gebäudesubstanz hätten zu einer hohen Kostensteigerung bei den Bauarbeiten geführt, heißt es auf der Internetseite der Berliner Bäder-Betriebe.
Die Sanierungsarbeiten im Detail
Die Sanierung des Paracelsus-Bades umfasst umfassende Arbeiten an verschiedenen Bereichen des Gebäudes:
- Fassade: Die instandsetzung der denkmalgeschützten Fassade erfordert besondere Sorgfalt, um das historische Erscheinungsbild zu erhalten.
- Innenräume: Das Foyer und das Treppenhaus werden vollständig saniert, um sowohl die Ästhetik als auch die Funktionalität zu verbessern.
- Fenster: Die Fenster werden ausgetauscht oder renoviert, um die Energieeffizienz des Gebäudes zu erhöhen.
- Umkleiden und Sanitärbereiche: Diese Bereiche werden modernisiert, um den heutigen Anforderungen an Komfort und Hygiene gerecht zu werden.
- Technik: Die gesamte technische Anlage, einschließlich Heizung, Lüftung, Wasseraufbereitung und Beleuchtung, wird erneuert, um Effizienz und Nachhaltigkeit zu verbessern.
Nach Jahren der Verzögerung rückt ein Ende der Sanierung des denkmalgeschützten Paracelsus-Bades in Reinickendorf nun in greifbare Nähe. Während die letzten denkmalschutzrechtlichen Hürden genommen wurden, bleibt der Weg zur Wiedereröffnung ein Beispiel für die strukturellen Herausforderungen bei der Instandhaltung öffentlicher Bäder in Berlin. Die Bezirksstadträtin betont, dass der Baufortschritt nun zügiger vorangehe, nachdem jahrelange Verzögerungen den ursprünglichen Zeitplan hinfällig gemacht hätten.
Die Erweiterung um ein Außenbecken
Neben der Sanierung des Hallenbades wird derzeit die mögliche Erweiterung des Bades um ein modernes Außenbecken geprüft. Dieses Vorhaben könnte nicht nur den Freizeitwert des Bades steigern, sondern auch helfen, die hohe Nichtschwimmerquote in Reinickendorf zu senken.
Eine Machbarkeitsstudie hat Anfang des Jahres bereits die technische Umsetzbarkeit eines solchen Außenbeckens bestätigt. Allerdings verwies die Studie auch auf den zusätzlichen Investitionsbedarf, der mit dem Bau verbunden wäre. Eine endgültige Entscheidung über die Realisierung des Außenbeckens steht noch aus.
Die Planung eines Außenbeckens ist eine Reaktion auf die besonderen Herausforderungen im Bezirk Reinickendorf. Wie eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) gezeigt hat, muss bundesweit ein Drittel der Kommunen Sportstätten aufgrund baulicher Mängel schließen. Auch in Berlin sind zahlreiche Hallenbäder außer Betrieb – teils seit Jahren. Die Erweiterung des Paracelsus-Bades um ein Außenbecken könnte dazu beitragen, die Angebotslücke im Bezirk zu schließen.
Auswirkungen auf die lokale Community
Die lange Schließzeit des Paracelsus-Bades hat erhebliche Auswirkungen auf die lokale Community in Reinickendorf:
Schulen: Für die Schulen im Bezirk ist das Bad eine wichtige Einrichtung für den Schwimmunterricht. Die fehlende Möglichkeit, Schwimmunterricht durchzuführen, hat zu einer Unterversorgung bei den Schwimmkenntnissen der Kinder geführt.
Sportvereine: Viele Sportvereine, die auf das Bad für ihre Trainingseinheiten angewiesen waren, haben alternative, oft weiter entfernte Standorte nutzen müssen, was zu zusätzlichen organisatorischen und finanziellen Belastungen geführt hat.
Einwohner: Die allgemeine Freizeitinfrastruktur im Bezirk hat gelitten, da das Bad nicht nur zum Schwimmen, sondern auch als sozialer Treffpunkt diente.
Die Situation des Paracelsus-Bades steht exemplarisch für den Zustand vieler Hallenbäder in Berlin. Die Abgeordnete Klara Schedlich (Grüne) fordert: "Ich erwarte vom Senat und den Bäderbetrieben, dass sie alles tun, um den Bau schnellstmöglich abzuschließen. Reinickendorf braucht endlich wieder ein funktionierendes Paracelsus-Bad, damit alle Kinder im Bezirk Schwimmen lernen können und genügend Wasserfläche für Vereine und Einzelpersonen zur Verfügung steht."
Fazit
Die Sanierung des Paracelsus-Bades in Berlin-Reinickendorf ist ein exemplarisches Beispiel für die Herausforderungen, die bei der Sanierung öffentlicher Bauten, insbesondere denkmalgeschützter Objekte, entstehen können. Die ursprünglich geplanten zwei Jahre Bauzeit haben sich in eine Bauzeit von fast acht Jahren verwandelt, und die Kosten haben sich von ursprünglich 31 auf nun 36 Millionen Euro erhöht.
Unerwartete Bauschäden, die Auswirkungen der Corona-Pandemie, baurechtliche Vorgaben und Denkmalschutzauflagen haben zu diesen erheblichen Verzögerungen und Kostensteigerungen beigetragen. Dennoch ist die Sanierung notwendig, um das Bad für zukünftige Generationen zu erhalten und die Versorgung des Bezirks mit einer wichtigen Sport- und Freizeiteinrichtung sicherzustellen.
Die geplante Erweiterung um ein Außenbecken könnte das Angebot des Bades ergänzen und dazu beitragen, die besondere Herausforderung der niedrigen Schwimmerquote in Reinickendorf zu adressieren. Obwohl die lange Schließzeit für die lokale Community erhebliche Belastungen bedeutet hat, wird mit der Wiedereröffnung im Jahr 2027 eine lang ersehnte Lösung für die Versorgungslücke im Bezirk erwartet.
Quellen
- Fast acht Jahre soll gebaut werden Paracelsus-Bad verschiebt Öffnung auf 2027
- Das Paracelsus-Bad in Berlin-Reinickendorf: Sanierung und Verzögerungen
- Reinickendorfs Paracelsus-Bad: Sanierung auf der Zielgeraden, Eröffnung 2026 geplant
- Noch teurer, noch länger: Tagesspiegel vom 08.01.2025
- Paracelsus-Bad soll 2027 fertig sein