Pergamonmuseum: 1,5-Milliarden-Euro-Umbau bis 2037 - Eine Sanierung für die Weltkultur

Einleitung

Das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel befindet sich derzeit in einer der aufwändigsten Sanierungsphasen seiner Geschichte. Mit einem Budget von 1,5 Milliarden Euro und einer Bauzeit von über einem Jahrzehnt wird nicht nur das marode Gebäudeensemble instand gesetzt, sondern auch ein ursprünglich geplanter, aber nie realisierter vierter Flügel ergänzt. Das Projekt stellt eine der größten kulturhistorischen Baumaßnahmen in Deutschland dar und wird das Weltkulturerbe grundlegend für zukünftige Generationen erhalten und zugänglich machen. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, Planungen und Herausforderungen des Mammutprojekts.

Hintergrund und Bedeutung des Pergamonmuseums

Das Pergamonmuseum zählt zu den beliebtesten Museen Deutschlands und zieht jährlich über eine Million Besucher an. Im Jahr 1999 wurde das Gebäudeensemble aufgrund seiner herausragenden Bedeutung von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Das Museum beherbergt drei bedeutende Sammlungen: die Antikensammlung, das Museum für Islamische Kunst und das Vorderasiatische Museum. Zu seinen berühmtesten Ausstellungsstücken gehören der sagenhafte Pergamonaltar und das berühmte Ischtar-Tor aus Babylon.

Die besondere Herausforderung bei der Sanierung ergibt sich aus der Art der ausgestellten Exponate. Wie Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, betonte: "Die Hauptausstellungsstücke, die Hauptattraktionen, sind eingebaute Großarchitekturen. Wenn man die herausbaut, sind sie zerstört. Da muss man unheimlich vorsichtig sein." Diese in den Bau integrierten Großstrukturen erfordern eine besonders behutsame Vorgehensweise während der Bauarbeiten.

Sanierungsbedarf

Das Gebäude befindet sich laut Parzinger in einem "fürchterlich maroden Zustand", der eine umfassende Sanierung dringend erforderlich macht. Die Ursachen dafür reichen bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück, als das Museum teilweise zerstört wurde. Vor allem die Dächer über den großen Architektursälen hatten stark gelitten. Der Wiederaufbau zog sich von 1948 bis 1959 hin und wurde 1980 durch eine Brücke über den Kupfergraben ergänzt, um die Zugangssituation zu verbessern.

Trotz dieser Maßnahmen hat sich der Zustand des Gebäudes in den folgenden Jahrzehnten weiter verschlechtert, sodass nun eine umfassende Sanierung unumgänglich ist. Die Maßnahme soll nicht nur den Erhalt des UNESCO-Weltkulturerbes sichern, sondern das Museum auch bestmöglich für die Zukunft aufstellen und seine weltweite Strahlkraft sogar noch steigern, wie Kulturstaatsministerin Claudia Roth betonte.

Der umfassende Sanierungs- und Umbauplan

Die Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums nach Plänen des 2007 verstorbenen Architekten O. M. Ungers wird in zwei Bauabschnitten realisiert. Das Projekt umfasst weit mehr als eine reine Sanierung – es handelt sich um eine Kombination aus Restaurierung, Modernisierung und Erweiterung.

Bauphase A: Nord- und Mittelteil

Die erste Bauphase konzentriert sich auf den Nordflügel und den nördlichen Mittelteil des Museums. Die bauliche Fertigstellung dieses Bereichs ist für das Jahr 2025 geplant, die Wiedereröffnung wird für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Nach der Wiedereröffnung werden Besucher hier den einzigartigen Pergamonaltar sowie eine komplett neue Dauerausstellung des Museums für Islamische Kunst bewundern können. Während der Schließzeit wird ein Interims-Schaufenster des Vorderasiatischen Museums sowie eine Ausstellung im bisherigen Pergamon Panorama den Berlinern und Gästen erhalten bleiben.

Bauphase B: Südflügel und vierter Flügel

Die zweite Bauphase ist wesentlich ambitionierter und umfasst die Grundinstandsetzung des Südkopfs, des Südflügels mit der Prozessionsstraße von Babylon und dem Ischtar-Tor sowie des Mittelbaus Süd mit dem Miletsaal. Kernstück dieser Bauphase ist die Errichtung des lange geplanten, aber nie realisierten vierten Flügels. Dieser wird direkt am Kupfergraben als Verbindungsbau zwischen Nord- und Südflügel entstehen und einen durchgehenden Rundgang durch die antiken Architekturexponate in chronologischer Reihenfolge ermöglichen.

Der vierte Flügel wurde ursprünglich bereits von Alfred Messel geplant, dann im Entwurf Ungers für die Erweiterung des Museums wieder aufgegriffen. Mit seiner Fertigstellung wird er einen Hauptrundgang schaffen, der sämtliche Großarchitekturen des Pergamonmuseums in chronologischer Reihenfolge präsentiert.

Verbindungsbauten und Außenanlagen

Im Zuge der Bauarbeiten entstehen neue Verbindungsbauten zum Bode-Museum, zum Neuen Museum und zur James-Simon-Galerie. Diese neuen Verbindungen werden dazu beitragen, das gesamte Museumsensemble der Museumsinsel stärker zu integrieren und eine einheitliche Besuchererfahrung zu schaffen. Gleichzeitig werden die Außenanlagen neugestaltet, um die Zugänge zu verbessern und das Gesamtbild der Museumsinsel aufzuwerten.

Besonders hervorzuheben ist die geplante Neugestaltung des Pergamonstegs über den Kupfergraben. Dieser soll als Neubau mit Treppenanlage und barrierefreien Aufzügen errichtet werden, was die Zugänglichkeit für alle Besucher deutlich verbessern wird.

Technische Aspekte und Nachhaltigkeit

Die Sanierung des Pergamonmuseums legt besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Nach Angaben der Projektverantwortlichen werden Photovoltaik-Module auf dem Glasdach des Südflügels und dem Dach des neuen Flügels installiert, um die Umweltbilanz zu verbessern. Die Sanierung erfüllt die Energieeffizienzvorgaben des Bundes, wobei für Bestandsgebäude der Standard EGB 55 und für den Neubau der Wert EGB 40 erreicht wird.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Schutz der ausgestellten Kunstwerke während der Bauarbeiten. Der tonnenschwere, unverrückbare Teil der Kunstwerke wird mit Sensoren ausgestattet und vor Erschütterungen und Feuchtigkeit geschützt. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die wertvollen Exponate während der komplexen Bauarbeiten nicht zu gefährden.

Zeitplan und Phasen

Der Zeitplan für die Sanierung des Pergamonmuseums ist ambitioniert und umfasst mehr als ein Jahrzehnt:

  1. Oktober 2023: Komplette Schließung des Museums für die Dauer von dreieinhalb Jahren
  2. 2025: Geplante Fertigstellung des Nordflügels und des nördlichen Mittelteils
  3. Frühjahr 2027: Geplante Wiedereröffnung des Nord- und Mittelteils
  4. 2036: Geplante Fertigstellung des Bauabschnitts B (Südflügel und vierter Flügel)
  5. 2037: Geplante Wiedereröffnung des gesamten Pergamonmuseums

Besonders hervorzuheben ist, dass der Südflügel des Museums wesentlich länger geschlossen bleiben wird als der Nord- und Mittelteil. Während dieser Bereich für etwa 14 Jahre nicht zugänglich sein wird, gehen die Experten davon aus, dass die Umbauarbeiten bis 2036 fertiggestellt werden und dieser Teil des historischen Gebäudes ab 2037 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Kosten und Finanzierung

Die Sanierung des Pergamonmuseums ist eines der teuersten Kulturprojekte in Deutschland. Die Kosten verteilen sich wie folgt:

  • Erster Bauabschnitt: 489 Millionen Euro
  • Zweiter Bauabschnitt: 722,4 Millionen Euro
  • Kosten für Risiken und Baupreissteigerungen: knapp 300 Millionen Euro

Insgesamt könnten sich die Gesamtkosten der Sanierung des Pergamonmuseums auf etwa 1,5 Milliarden Euro belaufen. Die gesamte Baumaßnahme wird komplett aus Bundesmitteln finanziert, wie Kulturstaatsministerin Claudia Roth betonte: "Deshalb finanziert der Bund als alleiniger Träger der Baukosten sehr gerne die aufwändige Sanierung des Pergamonmuseums mit erheblichen Mitteln."

Diese enorme finanzielle Investition unterstreicht die nationale Bedeutung des Projekts und den Willen, das Weltkulturerbe für zukünftige Generationen zu erhalten.

Herausforderungen des Projekts

Die Sanierung des Pergamonmuseums stellt die Beteiligten vor zahlreiche Herausforderungen. Eine der größten ist die Komplexität der Arbeiten, wie Hermann Parzinger erklärte: "Die Hauptausstellungsstücke, die Hauptattraktionen, sind eingebaute Großarchitekturen. Wenn man die herausbaut, sind sie zerstört. Da muss man unheimlich vorsichtig sein."

Zusätzlich zu diesen technischen Herausforderungen kommt die logistische Bewältigung der Maßnahme. Wie Parzinger weiter ausführte, wurden in den letzten eineinhalb Jahren beinahe hunderttausend Objekte aus dem Südflügel des Pergamonmuseums beräumt – eine gewaltige logistische Leistung der beteiligten Museen.

Eine weitere Herausforderung ist die lange Schließzeit des Museums. Während der gesamten Bauphase können Besucher nicht auf die Hauptattraktionen zugreifen. Um dies zu kompensieren, wurden Interimsbereiche geschaffen, die den Museumsbetrieb für den nördlichen und mittleren Gebäudeteil während der Schließzeit sichern sollen.

Zukunftsvision

Mit der Fertigstellung der Sanierung im Jahr 2037 wird das Pergamonmuseum nicht nur saniert, sondern auch grundlegend erweitert und verbessert sein. Ein zentrales Element der Zukunftsvision ist das sogenannte "Forum" im zukünftigen Innenhof des Museums. Hier entsteht ein so genannter "Tempietto", eine Art städtische Vitrine in zeitgemäßer Architektur. Das kubusförmige, verglaste Gebäude wird als Auftakt zur Antikensammlung errichtet und soll zukünftig als Haupteingang des Pergamonmuseums genutzt werden.

Die Realisierung des vierten Flügels wird einen durchgehenden Rundgang durch alle Großarchitekturen des Museums ermöglichen, was die Präsentation der Exponate grundlegend verbessert. Die Verbindungsbauten zu anderen Museen auf der Museumsinsel werden ein einheitliches Besuchererlebnis schaffen und die gesamte Museumsinsel als kulturelles Ensemble erlebbar machen.

Fazit

Die Sanierung des Pergamonmuseums ist ein Projekt von nationaler und internationaler Bedeutung. Mit einem Investitionsvolumen von 1,5 Milliarden Euro und einer Bauzeit von über einem Jahrzehnt wird eines der wichtigsten Weltkulturerbestücke Deutschlands für zukünftige Generationen erhalten und zugänglich gemacht. Die Herausforderungen sind gewaltig – von der technischen Komplexität der Arbeiten an den eingebauten Großarchitekturen bis zur langen Schließzeit des Museums. Doch das Ergebnis wird ein modernes, nachhaltiges und barrierefreies Museum sein, das die Weltkulturerbe-Stätten optimal präsentiert und Millionen von Besuchern aus aller Welt anziehen wird.

Wie Kulturstaatsministerin Claudia Roth betonte, geht es bei der Sanierung nicht nur darum, das UNESCO-Weltkulturerbe im Herzen der Hauptstadt zu erhalten, sondern es auch bestmöglich für die Zukunft aufzustellen und seine weltweite Strahlkraft sogar noch zu steigern. Mit der Fertigstellung im Jahr 2037 wird das Pergamonmuseum eine neue Ära seiner über hundertjährigen Geschichte beginnen – als saniertes, erweitertes und zukunftsfähiges Museum für die Weltkultur.

Quellen

  1. entwicklungsstadt.de - Eine Kulturikone im Umbau: Wie sich das Pergamonmuseum bis 2037 verändern wird
  2. DW.com - Pergamonmuseum schließt von heute bis 2027 seine Pforten
  3. BBR - Pergamonmuseum: Baubeginn Bauabschnitt B

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