Einleitung
Der Berliner Dom, einer der prächtigsten Sakralbauten Deutschlands und eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Bundeshauptstadt, gegenwärtig umfassenden Renovierungsarbeiten unterzogen. Besonders aufwendig gestaltet sich die Sanierung der Hohenzollerngruft, die als eines der größten dynastischen Gräberfelder Europas gilt. Mit 91 Särgen aus fünf Jahrhunderten birgt diese Gruft die sterblichen Überreste bedeutender Persönlichkeiten des Hauses Hohenzollern, darunter des ersten Preußenkönigs Friedrich I. und seiner Frau Sophie-Charlotte. Die Sanierung dieses historischen Raums entwickelte sich zu einem der größten Bauprojekte am Dom seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, begleitet von erheblichen budgetären Überschreitungen und technischen Herausforderungen.
Historische Bedeutung des Berliner Doms und der Hohenzollerngruft
Der Berliner Dom, gelegen in der historischen Mitte der Hauptstadt, wurde im Jahr 1905 nach elfjähriger Bauzeit fertiggestellt. Der repräsentative Zentralbau mit seiner imposanten Kuppel entstand im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. in Formen der Neorenaissance und des Neobarock. Als eine der größten evangelischen Kirchen Deutschlands umfasst der Dom die Predigtkirche, Tauf- und Traukirche, die Hohenzollerngruft und das Dommuseum.
Während des Zweiten Weltkriegs erlitt das Gebäude schwere Beschädigungen. Ein Bombentreffer verursachte, dass die brennende Kuppel ins Innere stürzte. Die Arbeiten zum Wiederaufbau begannen erst im Jahr 1975. Heute zählt der Dom zu den bedeutendsten historischen Stätten Berlins und zieht jährlich zahlreiche Besucher aus aller Welt an.
Die Hohenzollerngruft unter dem Dom stellt eine der zentralen Begräbnisstätten des ehemaligen Kaiserhauses dar und gilt als eine der größten Grablegen Europas. Neben den Särgen erwachsener Mitglieder des Hauses Hohenzollern birgt die Gruft auch zahlreiche Kindersärge, die einen traurigen Einblick in die hohe Kindersterblichkeit vergangener Jahrhunderte ermöglichen. Die geschichtliche Bedeutung dieser Stätte lässt sich kaum überschätzen, da sie nicht nur architektonisch, sondern auch als Zeugnis preußisch-deutscher Geschichte von unschätzbarem Wert ist.
Gründe für die umfassende Sanierung
Die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung der Hohenzollerngruft resultierte aus mehreren Faktoren. Hauptursache war das veränderte Raumklima durch die gestiegene Zahl der Besucher. Feuchtigkeit und Wärme setzten den empfindlichen Särgen über Jahre hinweg zu, was zur Bildung von Schimmelpilzen führte. Diese Entwicklung stellte eine ernsthafte Bedrohung für den Erhalt der historischen Särge dar.
Der Berliner Dom reagierte auf diese Probleme mit einer umfassenden Renovierung, die weit über reine kosmetische Maßnahmen hinausgeht. Ziel ist nicht nur die Erhaltung der Bausubstanz, sondern auch die Schaffung dauerhafter Bedingungen zum Schutz der Kunstschätze und die Verbesserung der Besuchererfahrung. Die Sanierung ist somit sowohl dringende Maßnahme zum Erbe des Denkmals als auch Investition in die Zukunft der historischen Stätte.
Umfang des Sanierungsprojekts
Die Sanierung der Hohenzollerngruft stellt ein äußerst komplexes Unterfangen dar. Neben der Installation einer Klimaanlage zur Regulierung des Raumklimas wird ein Aufzug eingebaut, um die Gruft barrierefrei zugänglich zu machen. Diese Maßnahme ist besonders wichtig, da sie erstmals auch mobilitätseingeschränkten Besuchern den Zugang zu diesem historischen Ort ermöglicht.
Ein weiteres zentrales Element der Sanierung ist die Einrichtung einer neuen Ausstellung, die sich mit Bestattungsritualen beschäftigt. Diese Präsentation wird Besuchern nicht nur die Geschichte der Gruft, sondern auch die kulturellen Praktiken rund um den Tod in verschiedenen Epochen vermitteln. Die Ausstellung wird somit einen wichtigen Bildungsbeitrag leisten und das Verständnis für historische Bestattungskultur vertiefen.
Die technischen Herausforderungen bei der Sanierung sind erheblich. Fast das gesamte Gruftgeschoss ist von den Bauarbeiten betroffen. Leitungen, Rohre und technische Anlagen müssen ersetzt oder entfernt werden. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Integration moderner Technik in eine historische Bausubstanz, ohne den Charakter des Denkmals zu beeinträchtigen.
Projektmanagement und Ausführung
Die Sanierung der Hohenzollerngruft gilt als das größte Bauvorhaben am Berliner Dom seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. An dem Projekt sind mehr als 15 Planungs- und Gutachterbüros sowie rund 300 Fachkräfte beteiligt. Diese große Zahl an Beteiligten unterstreicht die Komplexität des Vorhabens und die Notwendigkeit sorgfältiger Koordination.
Die Bauarbeiten gliedern sich in mehrere Phasen. Zunächst wurden umfangreiche vorbereitende Maßnahmen durchgeführt, darunter die Schadstoffsanierung in Bereichen der Heizungsanlage, der Versorgungsschächte und der abgehängten Decken in den Flur- und Nebenräumen sowie des ehemaligen Cafés im Gruftgeschoss. Diese Maßnahmen erweisen sich als besonders aufwändig und kompliziert, da Bauteile und Zustände zu Tage traten, die seit dem Wiederaufbau des Berliner Doms in den 1980er Jahren nicht mehr zu sehen waren.
Parallel dazu finden Abbrucharbeiten auf der Nordseite des Doms statt, die seit 1975 einen "traurigen, wüsten Anblick" boten. Bevor die Baugrube ausgehoben wird, erfolgten zwei Sondierungen unter Begleitung von Archäologen, um zu bewerten, welche Teile des Bodens der Denkmalkirche zu Tage gefördert werden. Diese archäologischen Begleitmaßnahmen sind bei einem Bauwerk mit so langer und bewegter Geschichte wie dem Berliner Dom von besonderer Bedeutung.
Finanzielle Aspekte und Budgetentwicklung
Die finanziellen Dimensionen des Sanierungsprojekts sind beachtlich und wurden im Laufe der Bauzeit deutlich nach oben korrigiert. Ursprünglich waren deutlich geringere Kosten veranschlagt worden, doch die finalen Schätzungen belaufen sich auf rund 29 Millionen Euro. Dies bedeutet eine Kostensteigerung von etwa 12 Millionen Euro im Vergleich zur ersten Planung.
Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch eine Kombination aus öffentlichen Mitteln und Eigenmitteln des Doms. Zu 90 Prozent wird das Bauprojekt vom Bund und vom Land Berlin finanziert. Die restlichen Mittel muss die Domgemeinde selbst aufbringen, wobei allein der Dom etwa 9,3 Millionen Euro der Gesamtkosten trägt. Dombaumeisterin Sonja Tubbesing verwies auf die schwierigen Rahmenbedingungen, die zu den Budgetüberschreitungen beigetragen haben. Der Beginn der Arbeiten während der Corona-Pandemie und die Folgen des Ukraine-Krieges hätten die Baupreise erheblich in die Höhe getrieben.
Neben der Sanierung der Gruft wird auch die Fassade des Berliner Doms saniert. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) engagiert sich mit einer deutschlandweiten Spendenkampagne für die größte evangelische Kirche Berlins. Bisher kamen 379.600 Euro zusammen. Mit den jüngsten Spendenmitteln wird die Sandsteinfassade des vierten und letzten Turms (Turm A in Richtung Alexanderplatz) instand gesetzt. Die drei anderen Türme, die in Richtung Friedrichswerdersche Kirche, Nationalgalerie und Hackescher Markt gerichtet sind, wurden bereits saniert.
Herausforderungen und Komplikationen bei der Bauausführung
Die Sanierung der Hohenzollerngruft stellte die Beteiligten vor zahlreiche Herausforderungen. Besonders komplex gestaltete sich die vorbereitende und notwendige Schadstoffsanierung in den Bereichen der Heizungsanlage, der Versorgungsschächte und der abgehängten Decken in den Flur- und Nebenräumen sowie des ehemaligen Cafés im Gruftgeschoss. Die Arbeiten förderten Bauteile und Zustände zu Tage, die seit dem Wiederaufbau des Berliner Doms in den 1980er Jahren nicht mehr zu sehen waren und die dringende Notwendigkeit unter anderem der Brandschutzertüchtigung deutlich machten.
Eine weitere Herausforderung war die vorübergehende Schließung und Verlegung des Dom-Cafés. Da fast das gesamte Gruftgeschoss vom Baustellenbereich betroffen war, musste das Café weichen. Als Übergangslösung wurde am Spreeufer ein provisorischer Standort eingerichtet, um den Besuchern weiterhin einen Kaffeegenuss anbieten zu können. Voraussichtlich ab Ende 2023 sollte das Café dann fast am alten Standort doch in einem neuen Gewand wiedereröffnen.
Die archäologischen Sondierungen auf der Nordseite des Doms erforderten besondere Sorgfalt und Expertise. Die Arbeiten unter Begleitung von Archäologen sollten klären, welche Teile des Bodens der Denkmalkirche bei den Bauarbeiten zu Tage gefördert werden könnten. Diese Maßnahmen sind bei einem Bauwerk mit so langer und bewegten Geschichte wie dem Berliner Dom von besonderer Bedeutung, um mögliche weitere historische Funde zu sichern und dokumentieren zu können.
Zeitplan und zukünftige Perspektiven
Die Sanierung der Hohenzollerngruft begann um das Jahr 2019/2020 und wird voraussichtlich Anfang 2026 abgeschlossen sein. Die Rückkehr der Särge in die Gruft ist für den Herbst 2025 geplant. Aktuell lagern die wertvollen Kunstschätze an einem sicheren Ort, um sie während der intensiven Bauarbeiten vor Beschädigungen und Umwelteinflüssen zu schützen.
Mit der Wiedereröffnung im Jahr 2026 erhält Berlin nicht nur ein bedeutendes Stück seiner Geschichte zurück. Die Gruft soll in neuer Form Raum für stille Momente bieten, für Wissen über die Monarchie und für einen bewussten Umgang mit Vergänglichkeit. Ab Anfang 2026 werden Besucher diesen besonderen Ort wieder selbst erleben und die Ergebnisse der jahrelangen Sanierungsarbeiten bewundern können.
Die Neugestaltung der Gruft wird auch die Besuchererfahrung deutlich verbessern. Durch die Integration moderner Technik wie der Klimaanlage und des Aufzugs wird die Stätte besser zugänglich und für die Aufbewahrung der historischen Särge besser geeignet sein. Die neue Ausstellung wird zusätzliche Informationen und Einblicke in die Bestattungsrituale und die Geschichte des Hauses Hohenzollern bieten.
Fazit
Die Sanierung der Hohenzollerngruft im Berliner Dom stellt ein herausragendes Beispiel für den Umgang mit historischer Bausubstanz im 21. Jahrhundert dar. Das Projekt verbindet den Schutz von unersetzlichem kulturellem Erbe mit der Schaffung moderner Besucherinfrastruktur. Die erheblichen Kostensteigerungen von ursprünglich auf 29 Millionen Euro spiegern die Komplexität der Arbeiten und die Herausforderungen wider, die bei der Sanierung von historischen Bauwerken auftreten können.
Die Beteiligung zahlreicher Fachexperten und Institutionen – von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bis zu den öffentlichen Förderern Bund und Land Berlin – zeigt die gesellschaftliche Bedeutung dieses Projekts. Die Wiedereröffnung der Gruft Anfang 2026 wird nicht nur einen geschichtsträchtigen Ort wieder zugänglich machen, sondern auch neue Möglichkeiten für Bildung und Auseinandersetzung mit preußisch-deutscher Geschichte bieten.
Die Balance zwischen Erhalt und Modernisierung, die bei diesem Projekt angestrebt wird, dient als Vorbild für ähnliche Sanierungsvorhaben weltweit. Der Berliner Dom wird nach Abschluss der Arbeiten nicht nur als architektonisches Juwel, sondern auch als modernes Denkmal präsent sein, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet und zukünftigen Generationen die Möglichkeit gibt, sich mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen.
Quellen
- Berlin Live: Sanierung der Hohenzollerngruft teurer als geplant
- Entwicklungsstadt: Hohenzollerngruft im Berliner Dom - Wiedereröffnung nach Millionen-Sanierung
- Berliner Dom: Bauarbeiten und Baufortschritt an der Hohenzollerngruft
- Evangelische Zeitung: Der Berliner Dom ist bald komplett runderneuert
- RBB24: Hohenzollerngruft Berliner Dom - Sanierung teurer Eintritt