Einleitung
Psychische Erkrankungen betreffen viele Menschen in Deutschland und beeinflussen maßgeblich deren Alltag und Lebensqualität. Die Behandlung und Unterstützung von Menschen mit psychischen Erkrankungen stellt einen wichtigen Teil des Gesundheitssystems dar. Während stationäre Behandlungen für viele Betroffene notwendig sind, ermöglicht das betreute Wohnen eine Kombination aus größtmöglicher Selbstständigkeit und professioneller Begleitung im eigenen Wohnraum. Dieser Artikel gibt einen Überblick über Unterstützungsangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen, insbesondere das betreute Wohnen, sowie Anlaufstellen in Krisensituationen.
Was ist betreutes Wohnen für Menschen mit psychischen Erkrankungen?
Betreutes Wohnen ist ein Wohn- und Unterstützungsangebot für Menschen, die ihren Alltag aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht alleine bewältigen können. Es handelt sich dabei nicht um einen dauerhaften Aufenthalt in einer Klinik, sondern um Hilfen, die im eigenen Wohnraum oder in einem Wohnheim geleistet werden. Das Ziel ist, die größtmögliche Selbstständigkeit mit professioneller Begleitung zu kombinieren.
Zielgruppe des betreuten Wohnens
Das Angebot richtet sich an Menschen mit psychischen Erkrankungen, die zwar nicht dauerhaft stationär versorgt werden müssen, aber dennoch Unterstützung in bestimmten Lebensbereichen benötigen. Dies betrifft insbesondere Personen mit:
- Schizophrenie oder schizoaffektiven Störungen
- Bipolaren Störungen
- Schweren Depressionen
- Persönlichkeitsstörungen
- Suchterkrankungen
Die Hilfen werden individuell an den Bedarf der Person angepasst und können von wenigen Stunden pro Woche bis hin zur rund um die Uhr Betreuung reichen.
Formen der Unterstützung im betreuten Wohnen
Die Betreuung und Hilfeleistung wird unter anderem von Sozialarbeitern und Pflegekräften durchgeführt und umfasst folgende Bereiche:
- Begleitung im Umgang mit Behörden und Finanzen
- Hilfe bei Medikamenteneinnahme und sonstiger Gesundheitsvorsorge
- Förderung der Selbstorganisation
- Psychische Begleitung und Hilfe (durch Einzel- oder Gruppengespräche)
- Krisenintervention
- Freizeitangebote
- Hilfe bei der Arbeitsvermittlung
Zugang zum betreuten Wohnen
Um Zugang zum betreuten Wohnen zu erhalten, sollten sich Betroffene an verschiedene Träger wenden:
- Sozialpsychiatrischer Dienst oder Sozialdienst
- Wohlfahrtsverbände
- Psychiatrische Kliniken
- Wohnheime
In der Regel werden für den Antrag eine ärztliche Diagnose einer psychischen Erkrankung sowie ein ärztlicher Nachweis des Unterstützungsbedarfs benötigt.
Kosten des betreuten Wohnens
Die Kosten für betreutes Wohnen setzen sich in der Regel aus zwei Teilen zusammen: den Wohnkosten (Miete, Nebenkosten, Verpflegung) und den Betreuungskosten. Die Wohnkosten werden meist von den Betroffenen selbst bezahlt, während die Träger der Eingliederungshilfe in der Regel die Kosten für die Betreuung übernehmen. In manchen Fällen müssen bestimmte Kostenbeiträge gezahlt werden, wenn Freibeträge überschlossen werden.
Dauer des betreuten Wohnens
Die Dauer des betreuten Wohnens hängt vom individuellen Hilfebedarf ab. Manche Menschen benötigen nur für einige Monate Unterstützung, während andere über Jahre im betreuten Wohnen bleiben.
Anlaufstellen bei psychischen Problemen
Erkennung von psychischen Erkrankungen
Die Anzeichen für psychische Erkrankungen können vielfältig sein. Depressionen beispielsweise gehen mit Beschwerden wie Traurigkeit, Schlafstörungen, innerer Unruhe, Gereiztheit, Energieverlust oder Appetitverlust einher. Betroffene fühlen sich so niedergeschlagen, dass sie sich aus diesem Tief nicht mit eigener Kraft befreien können. Bemerken Menschen Symptome dieser Art über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen, sollten sie Hilfe suchen.
Der erste Schritt kann bereits darin bestehen, mit Menschen zu sprechen, die einem nahestehen. Das Öffnen gegenüber der Partnerin, dem Partner, einem Verwandten oder einer Freundin kann Betroffene vom Gefühl lösen, allein mit der Krankheit zu sein. Ratschläge wie "nimm dich zusammen" oder "geh auf Reise" sind jedoch eher dazu angetan, die Situation der Betroffenen zu verharmlosen.
Professionelle Hilfeangebote
Wenn das Gespräch mit Vertrauenspersonen nicht die erhoffte Erleichterung bringt, besteht die Möglichkeit, sich an weitere Anlaufstellen zu wenden. Zu den wichtigsten zählen:
Sozialpsychiatrische Zentren (SPZ)
Die Sozialpsychiatrischen Zentren bieten kostenlose umfassende Hilfen bei psychischen Erkrankungen oder seelischen Belastungen an. Sie bieten auch die Möglichkeit einer Beratung durch Betroffene für Betroffene ("Peer-Beratung").
Fachärztliche Hilfe
Psychiater und Psychotherapeutinnen bieten fachmännische Hilfe bei psychischen Problemen an. Die Suche nach einem Therapieplatz ist jedoch mit Geduld und Eigeninitiative verbunden.
Krisendienste
In akuten Krisensituationen, insbesondere bei Suizidgedanken, ist Soforthilfe gefragt. Folgende Anlaufstellen bieten schnelle Hilfe:
- Die TelefonSeelsorge ist täglich 24 Stunden erreichbar unter den Rufnummern 0800 1110111 und 0800 1110222. Die Hotline ist anonym und kostenlos. Es werden auch Mail-, Chat- und Vor-Ort-Beratungen angeboten.
- Das muslimische Seelsorgetelefon ist rund um die Uhr unter 030 443509821 erreichbar.
- Bei akuten Krisen kann auch die Notrufnummer 112 gewählt werden. Der Rettungsdienst leistet Ersthilfe in kürzester Zeit.
Weitere Anlaufstellen
- Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet eine Schnellsuche nach Kliniken und Anlaufstellen mit Schwerpunkt Psychiatrie und Psychotherapie auf ihrer Website an.
- Die LVR-Kliniken bieten sowohl ambulante als auch (teil-)stationäre psychiatrische Versorgung an.
- Opfer von Gewalttaten können sich an die OEG-Traumaambulanzen wenden, die spezialisierte und sofort verfügbare Angebote bereithalten.
Die geplante Krisenhotline 113
Die Einführung einer bundesweiten Krisenhotline unter der Nummer 113 wird als wichtiger Schritt zur Unterstützung von Menschen in psychischen Krisen gesehen. Diese einheitliche Nummer könnte folgende positive Effekte haben:
- Die Suizidrate könnte durch schnellere und zielgerichtete Intervention gesenkt werden
- Unnötige Einsätze von Polizei und Rettungsdienst werden vermieden
- Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen wird abgebaut
- Betroffene finden schneller den Weg zum passenden Hilfeangebot
- Angehörige erhalten bessere Unterstützung im Umgang mit Krisen
- Die gesellschaftliche Akzeptanz für psychische Gesundheitsthemen steigt
Auch wenn die bundesweite Krisenhotline 113 noch nicht verfügbar ist, können bereits jetzt wichtige Vorkehrungen getroffen werden:
- Speichern der Telefonnummern wichtiger Krisenanlaufstellen im Smartphone
- Recherche lokaler psychiatrischer Notdienste in der Region und Bereithaltung der Kontaktdaten
- Beitrag zum Abbau von Tabus durch offene Gespräche über psychische Gesundheit
- Lernen der Warnsignale bei sich selbst und anderen sowie frühzeitiges Suchen von Hilfe
- Unterstützung von Organisationen und Initiativen, die sich für eine bessere psychische Gesundheitsversorgung einsetzen
Fazit
Psychische Erkrankungen können jeden Menschen treffen und erfordern professionelle Unterstützung und Verständnis. Das betreute Wohnen bietet eine wichtige Form der Unterstützung, die es Menschen mit psychischen Erkrankungen ermöglicht, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen und dennoch die notwendige Unterstützung im Alltag zu erhalten. Es trägt entscheidend dazu bei, soziale Teilhabe und Lebensqualität zu verbessern und ist somit nicht nur eine Entlastung für Betroffene und Angehörige, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft.
Die Bandbreite der Unterstützungsangebote ist groß – von regelmäßiger Betreuung über ambulante Therapie bis hin zu Krisendiensten in akuten Notlagen. Wichtig ist, dass Betroffene und Angehörige wissen, wo sie Hilfe finden können und diese auch in Anspruch nehmen. Die geplante Einführung der Krisenhotline 113 wird voraussichtlich weitere wichtige Schritte in Richtung besserer Versorgung und gesellschaftlicher Akzeptanz für Menschen mit psychischen Erkrankungen darstellen.