Einleitung
Radon, ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas, kann in Gebäuden zu einer gesundheitlichen Belastung werden. Insbesondere bei Renovierungsarbeiten besteht die Möglichkeit, gezielt Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration zu implementieren. Das Strahlenschutzgesetz (§ 123 StrlSchG) verpflichtet Bauherren bei der Errichtung neuer Gebäude, Vorkehrungen zum Schutz vor Radon zu treffen. Auch bei Bestandsgebäuden sind Maßnahmen angezeigt, wenn Messungen eine erhöhte Radonkonzentration zeigen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über wirksame Radon-Maßnahmen, die im Rahmen von Renovierungen umgesetzt werden können, um die Gesundheit der occupants zu schützen und gesetzliche Anforderungen zu erfüllen.
Radon im Überblick
Radon entsteht durch den Zerfall von Uran im Erdreich und kann über undichte Stellen in Gebäude eindringen. Besonders betroffen sind Kellerräume und erdberührte Bauteile. Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos, weshalb eine Messung die einzige Möglichkeit zur Feststellung einer Belastung ist. Nach § 123 StrlSchG müssen bei neuen Gebäuden mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen Maßnahmen getroffen werden, um das Eindringen von Radon zu verhindern oder erheblich zu erschweren. Bei Bestandsgebäuden gelten diese Anforderungen ebenfalls, wenn eine erhöhte Radonkonzentration festgestellt wird.
Radonmessung: Grundlage für Maßnahmen
Vor der Planung von Radon-Maßnahmen ist eine zuverlässige Messung der Radonkonzentration unerlässlich. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfieht Langzeitmessungen, da saisonale Schwankungen, etwa durch geringere Lüftung im Winter, die Messwerte beeinflussen können. Ein elektronisches Gerät wie der Ramon Radonmonitor 2.2 liefert nach 48 Stunden erste Ergebnisse und kann per Steckdose betrieben werden. Für eine Eigenkontrolle durch Bauherren eignen sich solche Geräte besonders gut.
Die Messung sollte repräsentative Werte für den gesamten Zeitraum liefern. In einem Beispiel aus Logistik-Verteilzentralen in Naila, Helmbrechts und Tirschenreuth wurden 3-Monats- und 1-Jahresmessungen kombiniert, mit Ergebnissen für die Radon-Raumluftkonzentrationen zwischen 73 und 230 Bq/m³. Diese Werte bestätigten die Vorhersagen zumindest bei großen Hallengebäuden.
Einfache Maßnahmen zur Reduzierung von Radon
Bei leichter bis mittlerer Radonbelastung können bereits einfache Maßnahmen wirksam sein:
Häufiges Lüften
Die Radonkonzentration in der Raumluft kann durch häufiges, stoßweises Lüften gesenkt werden. Besonders wichtig ist die Belüftung von Kellerräumen, da Radon dort primär ins Gebäude eindringt. Effektiv ist das Lüften insbesondere dann, wenn im Haus Unterdruck besteht, zum Beispiel durch den Betrieb von Ventilatoren in Nassräumen (WC) und Küchen (Ablufthauben) oder durch den thermischen Auftrieb in Kaminen. Unterdruck kann radonhaltige Luft aus den Kellerräumen in die Wohnräume ziehen.
Abdichten von Undichtigkeiten
Potentielle Eintrittsstellen für Radon müssen sorgfältig abgedichtet werden. Dazu gehören:
- Risse und Fugen im Keller (Bodenplatte und erdberührende Wände)
- Rohrdurchführungen
- Leitungskanäle und -rohre
- Kleine Spalten, beispielsweise entlang eines Bodensiphons
Punktuelle Undichtigkeiten können von geübten Heimwerkern selbst abdichtet werden. Als Abdichtmasse eignet sich zum Beispiel Silikon. Bei größeren undichten Stellen sollte jedoch ein Fachmann hinzugezogen werden.
Weitere einfache Maßnahmen
Weitere einfache Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration umfassen:
- Installation automatischer Türschließer
- Einbau von Türdichtungen zwischen Kellerräumen und Wohnbereichen
- Abdichtung von Installationskanälen
- Natürliche Belüftung des Kellers durch regelmäßiges Fensteröffnen
Bei der natürlichen Belüftung des Kellers ist im Sommer darauf zu achten, dass keine warme, feuchte Luft in den Keller gelangt, da sonst Schimmelbildung droht. In solchen Fällen kann eine mechanische Belüftung durch Ventilatoren oder Lüftungsanlagen sinnvoll sein.
Aufwendigere Maßnahmen bei Renovierungen
Bei höherer Radonbelastung oder wenn einfache Maßnahmen nicht ausreichen, sind aufwendigere Maßnahmen erforderlich, die idealerweise von erfahrenen Fachleuten geplant und umgesetzt werden sollten:
Sperrschichten
Der Radoneintritt kann durch den Einbau von Sperrschichten verringert werden. Ziel ist eine radondichte Schicht zwischen Untergrund und Gebäude oder zumindest zwischen Keller und Wohnbereich. Geeignet sind hierunter:
- Kunststofffolien
- Spezielle Beschichtungen
- Bitumenbahnen im Fundamentbereich
Besonders effektiv ist die Kombination aus einer durchgehenden Bodenplatte mit mechanischer Luftabführung und Abdichtung von Leitungsdurchführungen. Eine konvektionsdichte Abdichtung nach DIN 18533 ist der Standard im Neubau und kann auch bei Renovierungen umgesetzt werden, um Radon-haltige Bodenluft vom Gebäudeeintritt fernzuhalten. Beispielrechnungen zeigen, dass eine solche Abdichtung die Quellstärke von 97.450 Bq/h auf 30 Bq/h reduzieren kann – ein Unterschied, der die Effizienz verdeutlicht.
Drainage und Radonbrunnen
- Drainage: Mit einer Drainage unterhalb des Fundaments wird radonhaltige Bodenluft flächig abgesaugt und durch Unterdruck nach außen geleitet.
- Radonbrunnen: Bei einem sogenannten Radonbrunnen im Haus oder in der Nähe des Hauses wird die radonhaltige Bodenluft punktuell abgesaugt und so von den erdberührten Wänden des Hauses ferngehalten. Das verhindert den Eintritt des Radons in das Gebäude.
Das Bayerische Landesamt für Umweltschutz (LfU Bayern) empfiehlt, bei hohem Radonrisiko immer Dränagen oder Lüftungssysteme zu integrieren.
Weitere aufwendige Maßnahmen
Weitere Maßnahmen umfassen:
- Dichte Türen zwischen Kellerräumen und Wohnräumen
- Abgeschlossene Treppenhäuser
- Oberirdische Verlegung von Leitungen anstelle von Durchführungen durch erdberührte Bauteile
- Veränderung der Druckverhältnisse im Gebäude, um den Eintritt von Radon zu erschweren
Kombination von Maßnahmen für optimalen Schutz
Die Kombination mehrerer Maßnahmen bietet oft den besten Schutz gegen Radon. Eine besonders wirksame Kombination ist die aus:
- Durchgehender Bodenplatte statt Streifenfundament
- Mechanischer Luftabführung im Unterbau oder unter dem Gebäude
- Radondichter Folie unter der Bodenplatte
- Abdichtung aller Leitungsdurchführungen (Wasser, Elektrizität, TV, Erdsonden)
Diese Kombination wurde in verschiedenen Gebäuden erfolgreich eingesetzt und hat die Radonkonzentrationen signifikant gesenkt. Eine funktionierende Abdichtung senkt die Radonbelastung nachweislich um Größenordnungen.
Besondere Überlegungen bei Renovierungen
Bei Renovierungen gegenüber Neubauten ergeben sich besondere Herausforderungen:
Integration in geplante Renovierungsarbeiten
Radon-Sanierungen lassen sich kostengünstig in ohnehin vorgesehene Um- oder Ausbauarbeiten für ein Gebäude integrieren. Bei geplanten Sanierungen von Kellern oder erdberührten Wänden sollte immer auch an Radonschutzmaßnahmen gedacht werden.
Herausforderungen im Vergleich zum Neubau
Bei Bestandsgebäuden sind oft weniger radikale Maßnahmen möglich als bei Neubauten. Während bei Neubauten von vornherein eine durchgehende Bodenplatte oder eine Radondrainage eingeplant werden kann, müssen bei Bestandsgebäuden oft nachträgliche Lösungen gefunden werden. Zudem können bauliche Gegebenheiten die Umsetzung von Maßnahmen erschweren.
Fachliche Umsetzung
Während punktuelle Abdichtungen von Heimwerkern selbst durchgeführt werden können, sollten aufwendigere Maßnahmen immer von erfahrenen Fachleuten geplant und umgesetzt werden. Insbesondere bei Drainagesystemen oder Änderungen der Druckverhältnisse im Gebäude ist Fachwissen unerlässlich.
Regionale Besonderheiten und Vorsorgegebiete
In Regionen mit hohen Radonkonzentrationen in der Bodenluft muss bei konventioneller Bauweise unter Umständen mit erhöhten Radonkonzentrationen in Innenräumen gerechnet werden. Besonders in solchen Regionen sollten bei Renovierungen vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden.
Werden Gebäude in ausgewiesenen Radonvorsorgegebieten errichtet oder renoviert, muss in der Regel zusätzlich zum Feuchteschutz mindestens eine weitere bauliche Maßnahme zum Schutz vor Radon umgesetzt werden. Die Strahlenschutzverordnung nennt hierzu verschiedene mögliche Maßnahmen.
Vor Beginn von Bau- oder Renovierungsarbeiten sollte das Radonpotenzial des Baugrundes im Vorfeld mit BfS-Daten oder entsprechenden Tools geprüft werden. Eine solche Risikobewertung hilft bei der Planung geeigneter Schutzmaßnahmen.
Fazit
Radon-Maßnahmen bei Renovierungen sind wichtig, um die Gesundheit der occupants zu schützen und gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Einfache Maßnahmen wie häufiges Lüften und das Abdichten von Undichtigkeiten können bereits wirksam sein. Bei höherer Belastung oder in Risikogebieten sind aufwendigere Maßnahmen wie der Einbau von Sperrschichten, Drainagesystemen oder Radonbrunnen erforderlich.
Die Kombination mehrerer Maßnahmen bietet oft den besten Schutz. Besonders effektiv ist die Kombination aus einer durchgehenden Abdichtung, mechanischer Luftabführung und sorgfältiger Versiegelung aller Durchdringungen.
Bei Renovierungen sollten Radonschutzmaßnahmen frühzeitig geplant und, wenn möglich, in ohnehin vorgesehene Arbeiten integriert werden. Fachliche Unterstützung ist besonders bei komplexeren Maßnahmen empfehlenswert, um eine optimale Wirksamkeit sicherzustellen.
Durch die Umsetzung geeigneter Radon-Maßnahmen können Renovierungsprojekte nicht nur den Wert des Gebäudes erhalten, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge leisten.