Einleitung
Die Gemeinde Ampfing hat ein umfassendes Modernisierungsvorhaben für ihr Rathaus beschlossen, das sich auf drei zentrale Bereiche konzentriert: den Austausch der Fassade, die Herstellung der Barrierefreiheit und die Modernisierung der technischen Gebäudeausrüstung. Dieses Projekt stellt eine bedeutende Investition in die Zukunft der kommunalen Infrastruktur dar und wird durch EU-Mittel im Rahmen des EFRE-Programms gefördert. Mit einer Bruttogrundfläche von rund 1.738 Quadratmetern umfasst das Gebäude nicht nur Verwaltungsräume, sondern auch die Gemeindebücherei. Im Folgenden wird das Sanierungsvorhaben detailliert vorgestellt, das geplanten Maßnahmen, die technischen Spezifikationen sowie den Zeitplan für die Umsetzung.
Bauwerksübersicht
Das Rathaus Ampfing ist ein Stahlbetonskelettbau, der aus einem Sockelgeschoss, einem Hochparterregeschoss, einem ersten Obergeschoss und einem zweiten Obergeschoss besteht. Die Dachkonstruktion besteht aus einem Flachdach, das als Kaltdach ausgeführt ist, wobei sich die Dämmung im Dachraum befindet. Besonderes Merkmal des Gebäudes ist ein kleiner Dachgarten, der zusätzliche gestalterische und ökologische Elemente bietet.
Die aktuelle Fassadengestaltung des Rathauses setzt sich aus zwei unterschiedlichen Materialien zusammen: In Teilen besteht sie aus vorgehängten Stahlbetonfertigteilen, während andere Bereiche mit einer schwarzen Metallfassade verkleidet sind. Eine Schadstoffvorerkundung hat ergeben, dass die Fassade nicht schadstoffbelastet ist, was den Rückbau- und Entsorgungsprozess vereinfacht. Die Gesamtfassadenfläche beträgt ca. 1.250 Quadratmeter.
Projektumfang und geplante Maßnahmen
Die energetische Sanierung des Rathauses Ampfing umfasst mehrere umfangreiche Maßnahmen, die sowohl die Gebäudehülle als auch die technische Infrastruktur betreffen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Erhöhung der Energieeffizienz, der Verbesserung des Nutzerkomforts und der Anpassung an moderne bau- und brandschutztechnische Anforderungen.
Fassadensanierung
Eine der zentralen Maßnahmen ist der vollständige Rückbau der vorhandenen Außenwandkonstruktion und der Neubau der Außenwand mit einem hohen energetischen Standard. Die gesamte Fassadenfläche von ca. 1.250 m² wird dabei erneuert. Der Gemeinderat hat sich in seiner Sitzung im Februar 2025 für eine Lochfassaden-Lösung entschieden, nachdem zwei Designvorschläge – eine Bandfassade und eine Lochfassade – zur Abstimmung vorgelegen waren. Diese Entscheidung markiert einen wichtigen gestalterischen Meilenstein für das Erscheinungsbild des sanierten Rathauses.
Barrierefreiheit
Ein weiteres wesentliches Ziel des Sanierungsvorhabens ist die Herstellung der Barrierefreiheit im gesamten Gebäude. Hierfür ist der Einbau eines Personenaufzugs geplant, der alle Geschosse des Rathauses anfährt. Dieser Aufzug wird vor dem Gebäude errichtet und ermöglicht einen barrierefreien Zugang zu allen Verwaltungseinrichtungen und zur Gemeindebücherei. Ergänzt wird diese Maßnahme durch den Einbau von Feuerschutztüren, die sowohl den Brandschutzstandard verbessern als auch die Barrierefreiheit im Notfall sicherstellen.
Technische Modernisierung
Neben den baulichen Maßnahmen umfasst das Sanierungsvorhaben auch die Modernisierung der technischen Gebäudeausrüstung. Hierzu gehören:
- Mögliche energetische Verbesserung der Kellerumfassungsflächen
- Teilweiser Ersatz des Schwachstromnetzes
- Ersatz des Heizungssystems mit Heizkörpern und Leitungssystem, Anschluss an die Nahwärmeversorgung
- Erneuerung der Lüftungsanlage im Sitzungssaal
- Möglicher Ersatz von Leuchten und abgehängten Decken
Besonderes Augenmerk wird auf die Wärme- und Feuchtigkeitsschutzmaßnahmen gelegt. Neben der Erstellung der Genehmigungsunterlagen zum Gebäudeenergiegesetz (GEG) sind auch Unterlagen zur Beantragung von Fördermitteln nach dem Bundesfördergesetz (BEG) bzw. dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zu erstellen.
Planung und Vergabe
Für die Umsetzung des Sanierungsvorhabens wurde die Tragwerksplanung an das Ingenieurbüro Kayser+Böttges Barthel+Maus Ingenieure und Architekten GmbH aus München vergeben. Der Vertrag über die Tragwerksplanung gemäß HOAI § 51 LPH 1-3 und 5-6 sowie die ingenieurtechnische Kontrolle des Tragwerks wurde am 28. Oktober 2024 mit einem Auftragsvolumen von 107.480,00 EUR abgeschlossen. Das Vergabeverfahren wurde als Verhandlungsverfahren durchgeführt.
Die Leistungen werden in stufenweiser Beauftragung erbracht, was eine flexible und schrittweise Umsetzung des Projekts ermöglicht. Die Bauleistungen müssen in den Gewerken der VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) vergeben werden, was für öffentliche Bauvorhaben in Deutschland Standard ist und eine transparente und faire Vergabepraxis sicherstellt.
Zeitplan und Prozessablauf
Die Sanierung des Rathauses Ampfing folgt einem detaillierten Zeitplan, der mehrere Phasen umfasst. Der Ausführungsbeginn ist für den 15. August 2024 vorgesehen, während die Fertigstellung der Bauleistungen für das vierte Quartal 2027 geplant ist. Damit handelt es sich um ein mehrjähriges Projekt, das sorgfältige Planung und Koordination erfordert.
Die Teilnahmefrist für die ersten Planungsleistungen lag am 12. Juli 2024, 11:00 Uhr, und die Angebotsabfassung endete gleichzeitig. Die Bindefrist für die abgegebenen Angebote war auf den 10. September 2024 festgelegt. Diese zeitlichen Vorgaben geben einen Einblick in den strukturierten Vergabeprozess, der für ein Projekt dieser Größenordnung notwendig ist.
Finanzierung und Förderung
Die energetische Sanierung des Rathauses Ampfing wird maßgeblich durch Fördermittel unterstützt. Das Vorhaben soll unter anderem mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert werden. Diese Förderung ist ein wichtiger Bestandteil des Finanzierungsplans und ermöglicht die Umsetzung ambitionierter energetischer Sanierungsziele.
Die Gesamtkosten des Projekts sind den Quellen nicht explizit zu entnehmen. Allerdings ist der Wert des Auftrags für die Tragwerksplanung mit 107.480,00 EUR ausgewiesen, was einen Teil der gesamten Projektkosten darstellt. Die Investition in die energetische Sanierung rechtfertigt sich langfristig durch die Reduzierung der Betriebskosten und die Erhöhung des Nutzerkomforts.
Auswirkungen auf die Gemeinde und Nutzer
Die Sanierung des Rathauses hat Auswirkungen auf die tägliche Arbeit der Gemeindeverwaltung und die Nutzung der Gemeindebücherei. Während der Bauzeit werden wahrscheinlich temporäre Maßnahmen notwendig sein, um die Dienstleistungen der Verwaltung aufrechtzuerhalten. Die Gemeindeverwaltung Ampfing wird über die genauen organisatorischen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Dienstleistungen während der Bauphase informieren.
Die Herstellung der Barrierefreiheit wird insbesondere für die Nutzer der Gemeindebücherei einen erheblichen Mehrwert darstellen. Der neue Personenaufzug ermöglicht einen barrierefreien Zugang zu allen Ebenen des Gebäudes und verbessert damit die Zugänglichkeit für alle Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von ihrer körperlichen Mobilität.
Technische Herausforderungen und Lösungsansätze
Die Sanierung eines bestehenden Verwaltungsgebäudes stellt spezifische technische Herausforderungen dar. Besonders bei der Sanierung von Fassaden im Bestand müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden:
Integration neuer Dämmsysteme: Die neue Fassade wird einen hohen energetischen Standard aufweisen, was die Integration effizienter Dämmmaterialien erfordert. Die Wahl der richtigen Dämmstärke und -materialien ist entscheidend für den energetischen Erfolg des Vorhabens.
Brandschutzanforderungen: Bei der Planung der neuen Fassade müssen die brandschutztechnischen Anforderungen berücksichtigt werden. Die Installation von Feuerschutztüren ist hier ein wichtiger Bestandteil der Brandschutzkonzeption.
Wärmebrückenmanagement: Besonders bei der Sanierung von Bestandsgebäuden ist das Management von Wärmebrücken eine Herausforderung. Durch eine sorgfältige Detailplanung können Wärmebrücken minimiert werden, die sonst zu Energieverlusten und Schäden an der Bausubstanz führen könnten.
Schallschutz: Die neue Fassade muss nicht nur energetische, sondern auch schalltechnische Anforderungen erfüllen, um einen angemessenen Schallschutz für die Nutzer der Gebäude zu gewährleisten.
Fazit
Die energetische Sanierung des Rathauses Ampfing ist ein umfassendes Modernisierungsvorhaben, das die Zukunftsfähigkeit des kommunalen Gebäudes sichert. Mit den zentralen Maßnahmen zur Fassadenerneuerung, Herstellung der Barrierefreiheit und Modernisierung der technischen Gebäudeausrüstung wird das Gebäude energetisch optimiert und an moderne Anforderungen angepasst. Die Förderung durch EFRE-Mittel ermöglicht die Umsetzung ambitionierter Sanierungsziele.
Das Projekt unterstreicht die Bedeutung nachhaltiger Bauweise im öffentlichen Sektor und zeigt, wie energetische Sanierung mit der Verbesserung der Barrierefreiheit verbunden werden kann. Mit einem geplanten Abschluss der Bauarbeiten im vierten Quartal 2027 wird das sanierte Rathaus in den kommenden Jahrzehnten den Bürgerinnen und Bürgern von Ampfing moderne und effiziente Räume für die Verwaltung und die Nutzung der Gemeindebücherei bieten.
Die strukturierte Planung und Vergabe, wie sie durch die Beauftragung der Tragwerksplanung an das Ingenieurbüro Kayser+Böttges Barthel+Maus deutlich wird, sowie die enge Einbindung des Gemeinderats in die gestalterischen Entscheidungen (wie die Wahl der Lochfassade) zeigen einen professionellen Ansatz für die Umsetzung dieses anspruchsvollen Bauvorhabens.