Einleitung
Der Rathausturm von Rothenburg ob der Tauber ist eines der markantesten Wahrzeichen der mittelalterlichen Stadt. Als Teil des denkmalgeschützten Rathauses überragt er mit seinen 60 Metern die Altstadt und bietet Besuchern einen atemberaubenden Blick über die historische Umgebung. Doch wie viele Baudenkmale in Deutschland benötigt auch dieser Turm regelmäßige Sanierungsarbeiten, um seinen historischen Charme und seine Stabilität zu bewahren. Aktuell finden umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt, die sowohl die Fassade als auch den Inneren Bereich des Turms betreffen. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Turms, die aktuellen Sanierungsmaßnahmen einschließlich der notwendigen Kranarbeiten sowie Besucherinformationen für die, die den Turm erkunden möchten.
Geschichte und Architektur des Rathausturms
Das denkmalgeschützte Rathaus von Rothenburg ob der Tauber, unter der Denkmalnummer D-5-71-193-410 in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen, ist ein beeindruckendes Beispiel für mittelalterliche und Renaissance-Architektur. Der Gebäudekomplex besteht aus zwei parallelen Gebäudetrakten, die durch Höfe getrennt sind. Die dreigeschossigen Massivbauten aus Quadermauerwerk im Baustil der Renaissance sind mit steilen Satteldächern bedeckt. In der Mitte des Gebäudetraktes am Marktplatz befindet sich ein achteckiger Treppenturm, an der Südostecke ein Erker. Der Wachturm am westlichen Giebel, heute ein Aussichtsturm, wurde im Kern um 1200 errichtet. Er bekam seine heutige Form 1555/58. Der Laubengang zum Marktplatz wurde 1681 vorgesetzt.
Der Rathausturm selbst ist eine faszinierende Kombination aus verschiedenen Bauepochen. Interessant ist die Geschichte des vorderen Teils des Turms: Ursprünglich im gotischen Stil errichtet, wurde er durch den Stadtbrand vor etwa 500 Jahren zerstört und später im Renaissancestil wieder aufgebaut. Im Jahre 1572 wurde er im Renaissancestil an das Turmgebäude angebaut.
Die Architektur des Turms spiegelt die wechselvolle Geschichte Rothenburgs wider. Der achteckige Treppenturm in der Mitte des Gebäudetrakts am Marktplatz sowie der Erker an der Südostecke sind weitere architektonische Besonderheiten, die die Bedeutung dieses Bauwerks unterstreichen.
Aktuelle Sanierung und Kranarbeiten
Die Sanierung des Rathausturms ist ein kontinuierlicher Prozess, da der ständige Kampf gegen Witterungseinflüsse und den Zeitablauf notwendig ist. Aktuell ist der Nordgiebel nahe des Grünen Marktes eingerüstet, und diese Maßnahme wird voraussichtlich bis Ende September andauern. Diese Arbeiten sind Teil der nie endenden Geschichte der Sanierungsarbeiten an der Außenfassade des Rathauses.
Fassadensanierung
Die aktuelle Fassadensanierung konzentriert sich auf verschiedene Aspekte des Turms. Eines der Hauptprojekte ist die Restaurierung des aus Stein gefertigten Schlingrippengewölbes, das auf das Jahr 1577 datiert ist. Dieses architektonische Element wird in einem anhand von Befunden der alten Farbfassungen ermittelten Farbton neu gefasst, um die historische Authentizität zu bewahren.
Die Wappen im Gewölbe werden gereinigt und dort, wo es nötig ist, behutsam restauriert. Gleichzeitig werden Schäden im Sandstein im Bereich der Fensternischen behoben. Obwohl das Hauptaugenmerk der jetzigen Arbeit auf der Putz- und Farbsanierung liegt, werden auch strukturelle Aspekte berücksichtigt, um die Langlebigkeit des Bauwerks zu gewährleisten.
Die Beleuchtung im Treppenturm wird ebenfalls erneuert, da die bisherigen Lampen als zu dunkel und zu unwirtschaftlich eingestuft wurden. Die Elektroarbeiten werden von dem Rothenburger Unternehmen Sudler ausgeführt, das auf solche spezialisierten Aufgaben spezialisiert ist.
Innensanierung
Auch der innere Bereich des Turms erhält Aufmerksamkeit. Die 220 Stufen, die Besucher erklimmen müssen, um auf die Aussichtsplattform zu gelangen, werden sorgfältig instand gehalten. Diese konstante Nutzung macht eine regelmäßige Überprüfung und Wartung notwendig, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten.
Herausforderungen bei der Turmhelmsanierung
Ein besonders komplexes und noch nicht gelöstes Problem ist die anstehende Fassaden- und Turmhelmsanierung, die später im Jahr auf dem Programm steht. Die Fachleute bereiten sich derzeit auf Herausforderungen vor, die mit dieser Aufgabe verbunden sind: Soll der Turmhelm als Ganzes zur Instandsetzung abgenommen werden oder wäre es möglich, ihn mit Trägern nur zu unterbauen und dann daran zu arbeiten?
Diese Frage hat erhebliche praktische Implikationen für die Durchführung der Arbeiten und die Dauer der Sperrung für Besucher. Eine vollständige Demontage könnte präziser durchgeführt werden, wäre aber zeitaufwändiger und kostspieliger. Eine Unterbau-Lösung könnte schneller und kostengünstiger sein, könnte aber die Qualität der Arbeiten beeinträchtigen.
Ein weiteres Problem bei der Turmhelmsanierung ist der Ausbau der Glocke, der ebenfalls erforderlich sein wird. Dies stellt zusätzliche logistische Herausforderungen dar, da die Glocke sorgfältig demontiert, gelagert und wieder installiert werden muss.
Notwendigkeit von Kranarbeiten
Für die geplanten Sanierungsarbeiten, insbesondere für die Turmhelmsanierung, werden voraussichtlich umfangreiche Kranarbeiten notwendig sein. Obwohl die Quellen nicht explizit über Kranarbeiten berichten, ist es bei derartigen Sanierungsarbeiten an hohen Türmen und Fassaden üblich, dass Krane eingesetzt werden, um Materialien und Personal zu platzieren.
Bei der Frage der Turmhelmsanierung (komplette Demontage oder Unterbau) werden Kranarbeiten in jedem Fall eine wichtige Rolle spielen. Bei einer vollständigen Demontage des Turmhelms müsste dieser vorsichtig mit einem Kran abgehoben und nach der Restaurierung wieder montiert werden. Bei der Unterbau-Lösung müsste der Kran verwendet werden, um Träger und andere Materialien zu positionieren, während der Turmhelm an Ort und Stelle bleibt.
Die Kranarbeiten erfordern sorgfältige Planung, um die Sicherheit der Arbeiter und der Besucher zu gewährleisten, sowie um die historische Bausubstanz nicht weiter zu beschädigen. Die Arbeiten müssen zudem mit dem laufenden Tourismusbetrieb in Rothenburg abgestimmt werden, da die Stadt stark vom Fremdenverkehr abhängig ist.
Der Röderturm: Ein weiterer Turm mit Geschichte
Neben dem Rathausturm gibt es in Rothenburg ob der Tauber einen weiteren bemerkenswerten Turm, der für Besucher zugänglich ist: den Röderturm. Dieser aus dem 14. Jahrhundert stammende Turm ist der östlichste und einzige öffentlich zugängliche Turm der Stadtmauer.
Der Röderturm war lange Zeit ein wichtiger Meldeposten für die Stadt. Die zugehörige Bastei wurde im 16. Jahrhundert zu seiner Verstärkung angelegt und immer wieder aus- und umgebaut. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Turm bis auf die Mauern ausgebrannt, doch bereits kurz nach der Zerstörung begann der Wiederaufbau, maßgeblich unterstützt durch den Verein Alt-Rothenburg e.V.
Wer nach 103 Stufen in der Turmstube ankommt, wird mit einem einzigartigen Panorama belohnt. In den Zwischenetagen des Röderturms befindet sich eine Ausstellung über die Entwicklung der Stadt und ihrer Verteidigungsanlagen, die Besuchern einen tiefen Einblick in die Geschichte Rothenburgs bietet.
Besucherinformationen
Für Touristen, die den Rathausturm besuchen möchten, gibt es einige wichtige Informationen zu beachten:
Öffnungszeiten
- Januar bis März und November:
- Samstag und Sonntag 12:00 - 15:00 Uhr
- April bis Oktober:
- Täglich 09:30 - 12:30 Uhr und 13:00 - 17:00 Uhr
- Während des Reiterlesmarktes:
- Täglich 10:30 - 14:00 Uhr und 14:30 - 18:00 Uhr (Freitag bis Sonntag: bis 19:00 Uhr)
Eintrittspreise
- Erwachsene: 4,00 €
- Kinder unter 14 Jahren: 2,00 €
- Gruppen ab 10 Personen: 3,00 €
- Schwerbehinderte Personen: 2,00 €
- Familie (2 Erwachsene + 2 oder mehr Kinder): 10,00 €
Zahlung erfolgt nur bar direkt am Turm. Besucher sollten die Informationen am Drehkreuz im 3. Stock des Rathauses beachten.
Der Aufstieg zu den 220 Stufen bis zur Aussichtsplattform in 60 Metern Höhe ist zwar anstrengend, wird aber mit einem atemberaubenden Blick über die mittelalterliche Stadt Rothenburg und ihre Umgebung belohnt. Selbst bei mäßigen Wetterbedingungen können Besucher von hier das malerische Taubertal mit seinen wunderschönen Mühlen bewundern.
Fazit
Die Sanierung des Rathausturms in Rothenburg ob der Tauber ist ein komplexes und notwendiges Unterfangen, das die Sorgfalt erfordert, die für ein so historisch wertvolles Bauwerk angemessen ist. Die aktuellen Arbeiten an der Fassade und im Inneren des Turms zeigen, wie moderne Restaurierungstechniken eingesetzt werden, um die historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig den Besuchern einen sicheren Zugang zu ermöglichen.
Die bevorstehende Turmhelmsanierung stellt eine besondere Herausforderung dar, bei der Fachleute abwägen müssen, zwischen einer vollständigen Demontage und einer Unterbau-Lösung. In jedem Fall werden Kranarbeiten eine wichtige Rolle spielen, um die Qualität und Sicherheit der Arbeiten zu gewährleisten.
Für Besucher bleibt der Rathausturm trotz der Sanierungsarbeiten zugänglich und bietet weiterhin die Möglichkeit, von der Aussichtsplattform aus die Schönheit von Rothenburg ob der Tauber zu erleben. Der Turm, mit seiner wechselvollen Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, bleibt ein Symbol der Stadt und ein Zeugnis ihrer mittelalterlichen Vergangenheit.
Die parallele Existenz des Röderturms mit seiner eigenen Geschichte und seinem einzigartigen Panorama unterstreicht die Bedeutung der Türme in der Verteidigungs- und Stadtgeschichte Rothenburgs. Beide Türme sind nicht nur architektonische Meisterleistungen, sondern auch lebendige Zeugen der Geschichte, die durch sorgfältige Restaurierungsarbeiten für zukünftige Generationen erhalten bleiben.