Einleitung
Das Anexo II in Playa del Inglés, eines der bekanntesten Einkaufszentren an der Südküste Gran Canarias, steht seit Jahren vor einer ungewissen Zukunft. Einerseits gibt es seit über einem Jahrzehnt Pläne zur Sanierung und Modernisierung des seit den 1980er Jahren unverändert gebliebenen Komplexes, andererseits fordert die Inselregierung Cabildo de Gran Canaria nun den Abriss der Anlage. Dieser Konflikt zwischen verschiedenen Verwaltungsebenen und den Eigentümern des Einkaufszentrums hat eine lange Geschichte und hat bisher zu keiner endgültigen Lösung geführt. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Perspektiven, geplanten Maßnahmen und rechtlichen Aspekte im Zusammenhang mit der Zukunft des Anexo II.
Historischer Hintergrund und aktueller Zustand
Das Anexo II wurde im Jahr 1979 eröffnet, also neun Jahre vor dem Inkrafttreten des Küstengesetzes im Jahr 1988 und vierzehn Jahre vor der Einrichtung des Naturschutzgebiets der Dünen von Maspalomas im Jahr 1995. Diese zeitliche Abfolge ist für die rechtliche Bewertung des Projekts von entscheidender Bedeutung, wie der Bürgermeister Alejandro Marchial betont: "Nachteilige Meldungen können nicht rückwirkend erfolgen".
Derzeit befindet sich das Anexo II in einem Zustand, der sowohl aus touristischer als auch aus rechtlicher Sicht problematisch ist. Aus Sicht der Eigentümer führt die juristische Unsicherheit dazu, dass keine Investitionen vorgenommen werden, was eine negative Schleife auslöst, die das Image der Gegend nicht verbessert. Viele Geschäftsleute zögern mit Renovierungen, da unklar ist, ob das Gebäude in naher Zukunft abgerissen werden könnte.
Trotz des baulichen Zustands bleibt das Anexo II ein beliebtes Ziel für Touristen und Einheimische. Wie ein Nutzer in einem Forum anmerkte: "Waren gestern Abend am Anexo, so zwischen ca. 21 und 22 Uhr. Also so schlecht kann es den Leuten nicht gefallen. Es war richtig voll dort. Die meisten Restaurants sehr gut gefüllt." Dies deutet darauf hin, dass das Anexo II trotz seiner baulichen Mängel weiterhin eine wichtige Funktion im touristischen Leben von Playa del Inglés erfüllt.
Ein weiteres bekanntes Problem sind die seit den 1990er Jahren defekten Rolltreppen, die nie repariert wurden. Der Aufzug hingegen funktioniert weiterhin, was für einige Nutzer eine positive Überraschung ist.
Die verschiedenen Sanierungspläne
Der ursprüngliche Sanierungsplan (2011)
Schon 2011 gab es erste konkrete Pläne zur Sanierung des Anexo II. Damals trafen sich die Gemeinderegierung des Rathauses und das Konsortium mit den Geschäftsleuten vom Anexo II und präsentierten ihren Entwurf, der die Renovierung einer der wichtigsten touristischen Zonen ermöglichen sollte. Dieses Projekt hätte auch das Einverständnis der Küstenbehörde und der restlichen Verwaltungen gehabt.
Die ursprünglichen Pläne sahen vor, dem Zentrum einen Hauch Modernität zu verleihen, da seit dem Bau in den 1980er Jahren keine grundlegende Reform durchgeführt wurde. Konkret waren folgende Maßnahmen geplant:
- Neue Bodenfläche mit farbigen Platten für den Parkplatz
- Installation neuer Markisen, um parkenden Autos Schatten zu spenden
- Vereinheitlichung des Images der Geschäfte
- Einheitliche Beleuchtung der Schilder
- Installation einer durchgehenden Markise entlang der Promenade, die an die Geschäfte grenzt
Die Kosten für die Renovierung des Einkaufszentrums Anexo II, des Parkplatzes und der umliegenden Gärten wurden auf mehr als 3 Millionen Euro geschätzt. Davon sollte das Rathaus 800.000 Euro übernehmen, während der Rest durch die Eigentümer und Mieter der Lokale finanziert werden. In der ersten Phase, die bis Ende des Jahres 2011 abgeschlossen werden sollte, sollten Rathaus und Konsortium 400.000 Euro zahlen, im folgenden Jahr eine ähnliche Summe. Im Gegenzug sollten die Eigentümer das Äußere ihrer Geschäfte erneuern.
Ein zentrales Ziel dieser Sanierung war es, eine Strandpromenade ähnlich wie die von Meloneras zu schaffen. Allerdings gab es auch kritische Stimmen, die befürchteten, dass dies zu einem "charmlosen und geschichtslosen" Ergebnis führen könnte, das "überall auf der Welt stehen könnte". Einige Nutzer regten stattdessen an, Elemente des Retro-Stils der 70er und 80er Jahre aufzunehmen, wie weiße gestrichene Holzelemente, um den ursprünglichen Charakter des Ortes zu bewahren.
Der aktualisierte Sanierungsplan (2022)
Im Juli 2022 legten die Eigentümer des Anexo II gemeinsam mit dem Rathaus von San Bartolomé de Tirajana aktualisierte Pläne vor, um das Image dieser Zone aufzupolieren. Anders als beim früheren Plan handelte es sich dabei bisher nur um einen Vorschlag ohne festgelegtes Budget. Die Planung sah vor, die Bearbeitung des Plans nach dem Sommer, also ab September, zu beginnen.
Der von dem Architektenbüro Víctor Sánchez Pescador entwickelte Vorschlag sah folgende Maßnahmen vor:
- Verkleinerung des Parkplatzes am Anexo II, um Freifläche für einen Park entlich des Gebäudes zu gewinnen
- Homogenisierung der Fassaden am Anexo II
- Anpassung der Dächer durch Installation von Sonnensegeln
- Einrichtung faltbarer Pergolen
- Sicherstellung, dass alle Terrassen einen Meerblick haben
Der zuständige Gemeinderat Samuel Henríquez nutzte die Vorstellung des Plans auf einer Eigentümerversammlung, um die Eigentümer aufzufordern, diese "Chance zu nutzen" und um Zusammenarbeit zu bitten. Er wies darauf hin, dass viele Terrassen die zugewiesenen Räume überschreiten, was die Gemeinde nicht länger dulden werde.
Die Abrissforderungen des Cabildo
Im Gegensatz zu den Bestrebungen der Stadt und der Eigentümer steht die Position des Cabildo de Gran Canaria, das einen Abriss des Anexo II fordert. Auf einem internationalen Tourismusforum in Maspalomas veröffentlichte der zuständige Stadtrat Alejandro Marchial einen negativen Bericht des Umweltministeriums von Gran Canaria, der diesen Abriss empfiehlt.
Laut dem Bericht sollte der Abriss des Anexo II gleichzeitig mit einer Verlegung des Einkaufszentrums in den Hang neben dem Parkplatz erfolgen. Der Bericht, der bereits einige Monate alt war, wurde nun erstmals öffentlich diskutiert.
Marchial betonte jedoch, dass die Gemeinde trotz des Berichts an ihrem Engagement für die Sanierung des Anexo II festhalten werde. Der Bericht sei zwar gesetzlich vorgesehen, aber "nicht bindend". Er kündigte an, "die Absicht zu haben, die Akte weiter zu bearbeiten" und werde "den Vorschlag einer Umweltverträglichkeitsprüfung durch kommunale Instanzen" unterbreiten.
Das Cabildo hat ein gewisses Mitspracherecht an dem Projekt, da die Zuständigkeit für den geschützten Naturraum der Dünen von Maspalomas direkt an das Anexo II angrenzt. Zudem nimmt das Anexo II öffentlichen maritim-terrestrischen Grund ein. Die Küstenbehörde muss ebenfalls noch einen Bericht abgeben, der jedoch noch aussteht.
Rechtliche und finanzielle Aspekte
Der Konflikt um das Anexo II wirft eine Reihe rechtlicher und finanzieller Fragen auf. Einerseits berufen sich die Eigentümer darauf, dass das Gebäude älter ist als die später erlassenen Gesetze, die nun seine Legitimität in Frage stellen. Andererseits argumentieren Naturschützer und das Cabildo, dass das Gebäude in einem geschützten Naturgebiet und auf öffentlichem Grund liegt.
Ein weiterer finanzieller Aspekt betrifft die Kosten eines möglichen Abrisses. Das CC Metro, das ebenfalls als Ruine eingestuft ist und abgerissen werden sollte, hätte laut Marchial bereits eine Fristüberschreitung. Für einen Abriss wären 500.000 Euro notwendig, die die Gemeinde derzeit nicht aufbringen kann. Stattdessen wird für 2025 ein neues Gesetz geplant, das den Eigentümern des CC Metro noch eine Chance geben soll, selbst zu handeln.
Im Vergleich dazu sind die Kosten für die Sanierung des Anexo II weitaus höher, auf mehr als 3 Millionen Euro geschätzt, wobei die Stadt 800.000 Euro übernehmen würde. Dies wirft die Frage auf, ob die Bereitschaft zur Finanzierung der Sanierung im Verhältnis zu den Kosten eines Abrisses steht.
Perspektiven und mögliche Lösungen
Die Zukunft des Anexo II bleibt ungewiss. Während die Stadt und die Eigentümer an einer Sanierung festhalten möchten, fordert das Cabildo einen Abriss und eine Verlegung des Einkaufszentrums. Ein Kompromiss könnte darin bestehen, eine temporäre Sanierung durchzuführen, bis sich der rechtliche Konflikt zwischen den Verwaltungen und den Eigentümern in 15 bis 20 Jahren klärt.
Ein weiterer Aspekt ist die touristische Bedeutung des Anexo II. Trotz seiner baulichen Mängel bleibt es ein beliebtes Ziel für Touristen und Einheimische. Eine Sanierung könnte das Image der gesamten Zone verbessern und den Tourismus in Playa del Inglés stärken.
Die Meinungen über die geplante Sanierung sind geteilt. Während einige eine vollständige Modernisierung mit einer ähnlichen Promenade wie in Meloneras befürworten, plädieren andere für den Erhalt des retro-charmsanten Stils der 70er und 80er Jahre. Ein Nutzer schlägt vor: "Ich würde mir wünschen, dass da ein bissl 'Retro' reinkommt, weiß gestrichenes Holz etc., einfach das Feeling der 70er/80er Jahre. Ich glaube, damit könnte man viel Publikum anlocken."
Fazit
Die Zukunft des Anexo II in Playa del Inglés bleibt ungewiss, mit konträren Positionen zwischen der lokalen Stadtverwaltung, die eine Sanierung befürwortet, und der Inselregierung Cabildo, die einen Abriss fordert. Während die Eigentümer und die Stadt Sanierungspläne verfolgen, die das Gebäude modernisieren und gleichzeitig seinen Charme bewahren sollen, argumentiert das Cabildo mit rechtlichen und ökologischen Bedenken gegen den Erhalt des Gebäudes.
Die Kosten für eine Sanierung werden auf über 3 Millionen Euro geschätzt, wobei die Stadt 800.000 Euro beisteuern würde. Ein Abriss wäre mit Kosten von etwa 500.000 Euro verbunden, würde jedoch auch den Verlust eines etablierten touristischen Zentrums bedeuten.
Unabhängig von der Entscheidung ist die juristische Unsicherheit ein Hindernis für Investitionen und die Verbesserung des Gebäudes. Eine Lösung dieses Konflikts ist entscheidend, um die Zukunft des Anexo II und des gesamten touristischen Bereichs von Playa del Inglés zu sichern.