Sanierung und Neubau der B 210: Aktuelle Entwicklungen und Zeitplan für Ostfriesland

Einleitung

Die Bundesstraße 210 ist eine der wichtigsten Verkehrsadern auf der ostfriesischen Halbinsel, die die Städte Emden, Aurich und Norden verbindet. Tagtäglich wird sie von Tausenden Fahrzeugen befahren, was eine ständige Anpassung und Instandhaltung der Infrastruktur erforderlich macht. Während Teile der Strecke bereits saniert wurden, steht eine großflächige Sanierung im Bereich von Loppersum bis Georgsheil bevor, deren Beginn jedoch mehrfach verschoben wurde. Gleichzeitig wird an einem ambitionierten Neubauprojekt der B 210n zwischen Riepe und Aurich gearbeitet, das die Verkehrsbelastung in der Region deutlich reduzieren soll. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Sanierungs- und Bauprojekte an der B 210.

Bedeutung der B 210 für die Region

Die Bundesstraße 210 spielt eine zentrale Rolle im Verkehrsnetz Ostfrieslands. Sie dient nicht nur als wichtige Verbindung zwischen den Städten Emden, Aurich und Norden, sondern ist auch eine bedeutende Achte für den Pendler- und Urlaubsverkehr. Die hohe Verkehrsbelastung führt jedoch zu erheblichen Belastungen für die Straße und die anliegenden Gemeinden.

Besonders in Aurich ist die Verkehrssituation bereits heute kritisch. Die Stadtstraßen werden mit bis zu 30.000 Kfz/24h im Querschnitt einer Straße belastet, was für Mittelstädte mit rund 40.000 Einwohnern eine Ausnahme darstellt. Diese hohe Belastung resultiert nicht nur aus dem Pendler- und Urlaubsverkehr, sondern auch aus den großen Mengen an Schwerlastverkehr, der durch die stark frequentierten Gewerbegebiete im Norden und Süden Aurichs entsteht. Allein der im Norden der Stadt angesiedelte Windkraftanlagen-Hersteller Enercon verursacht pro Jahr etwa 3.500 bis 4.000 Großraum- bzw. Schwertransporte. Die resultierende Belastung auf die Stadtstraßen ist bereits teilweise über das Zulässige hinaus und erfordert dringend Entlastungsmaßnahmen.

Sanierung der B 210 zwischen Loppersum und Georgsheil

Eine der dringend notwendigen Maßnahmen ist die Sanierung der Bundesstraße 210 im Bereich von Loppersum bis Georgsheil. Diese Strecke gilt seit Jahren als sanierungsbedürftig, doch der Beginn der Arbeiten hat sich mehrmals verschoben.

Nach ursprünglichen Planungen sollte die Sanierung bereits im kommenden Jahr beginnen. Die zuständige Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich hat jedoch mitgeteilt, dass ein Baubeginn vor 2027 "voraussichtlich nicht zu realisieren sei". Diese Verzögerung stellt für die Anwohner und Pendler eine besondere Belastung dar, da die Straße bereits in einem schlechten Zustand ist und die Fahrtqualität leidet.

Die Gründe für die Verzögerung der Sanierungsarbeiten sind nicht vollständig in den Quellen genannt, jedoch wird angedeutet, dass "schwieriger Boden" eine Herausforderung darstellt. Dies könnte auf geologische Gegebenheiten hindeuten, die spezielle Bauverfahren oder längere Vorlaufzeiten erfordern.

Neubauprojekt B 210n zwischen Riepe und Aurich

Als langfristige Lösung für die Verkehrsprobleme in der Region wird der Neubau der Bundesstraße 210n zwischen Riepe (Anschluss an die A 31) und Aurich einschließlich einer Ortsumgehung Aurichs geplant. Dieses ambitionierte Projekt hat das Ziel, die Anbindung des mittelostfriesischen Raumes und der Stadt Aurich an das Autobahnnetz zu verbessern sowie die touristische Erschließung der Region zu fördern.

Die Hauptziele des Projekts sind: - Verbesserung der Anbindung des mittelostfriesischen Raumes und der Stadt Aurich an das Autobahnnetz - touristische Erschließung der Region - Entlastung der Ortsdurchfahrten Riepe, Ochtelbur, Westerende im Zuge der Landesstraße 1 - Entlastung des nachgeordneten Straßennetzes - starke Entlastung der vorhandenen Ortsdurchfahrt Aurich vom Durchgangsverkehr - Verbesserung der städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt Aurich

Das Raumordnungsverfahren für dieses Projekt wurde bereits am 24. Januar 2008 mit der Landesplanerischen Feststellung abgeschlossen. Am 19. Mai 2009 wurde auf dieser Grundlage die förmliche Linienbestimmung nach §16 FStrG beim Bundesverkehrsministerium beantragt, die am 29. August 2011 erfolgte.

Technische Details des Neubauprojekts

Das Projekt B 210n hat eine Gesamtlänge von 12,3 Kilometern und umfasst sowohl zweistreifige als auch dreistreifige Neubaustrecken. Die geplante Ortsumgehung Aurichs beginnt im Süden der Stadt an der vorhandenen Bundesstraße 72, umfährt das Stadtgebiet in einem südwestlich geführten Bogen und mündet nördlich in die vorhandene Bundesstraße 210 Richtung Wittmund/Jever ein.

Für die Ortsumgehung Aurichs sind folgende Verknüpfungen vorgesehen: - Kreisstraße 111 (Kirchdorfer Straße) - Landesstraße 1 (Oldersumer Straße) - Bundesstraße 72 (Emder Straße) - Landesstraße 7 (Dornumer Straße)

Die geplante Neubaustrecke der Ortsumgehung Aurich führt innerhalb siedlungsnahen Grünf- und Ackerland mit einzelnen Gehölzen westlich an der Stadt vorbei. Im Trassenverlauf werden ein Fließgewässer und mehrere Gräben überquert. Weitere Bereiche mit besonderen Umweltqualitäten sind nach Angaben der Planer nicht betroffen.

Die Umweltverträglichkeit des Projekts wird als "gering" eingestuft, was darauf hindeutet, dass die Planer Maßnahmen ergriffen haben, um die Umweltauswirkungen so gering wie möglich zu halten.

Kosten und Finanzierung des Projekts

Das Neubauprojekt B 210n zwischen Riepe und Aurich ist mit erheblichen Kosten verbunden. Die Gesamtprojektkosten (Bruttokosten ohne Planungskosten, Preisstand 2014) belaufen sich auf 44,3 Millionen Euro. Die Ausbau-/Neubaukosten (ebenfalls Bruttokosten ohne Planungskosten, Preisstand 2014) liegen bei identischen 44,3 Millionen Euro.

Für die gesamtwirtschaftliche Bewertung werden jedoch Nettokosten in Höhe von 42,2 Millionen Euro (inklusive Planungskosten, Preisstand 2012) angesetzt. Diese Differenz resultiert aus unterschiedlichen Preisständen und Bewertungsmethoden.

Die Finanzierung des Projekts erfolgt hauptsächlich durch den Bund, da es sich um eine Bundesstraße handelt. Es gibt keine nennenswerten Kosten Dritter, da weder Länder, Kommunen noch die Deutsche Bahn direkt an diesem Projekt beteiligt sind.

Planungsstand und Zeitplan

Derzeit befindet sich das Projekt B 210n im Vorentwurf, der seit dem 21. September 2011 in Bearbeitung ist. Ein wichtiger Meilenstein wurde Anfang Mai erreicht, als die Planer das Projekt der Öffentlichkeit vorstellten und das Planfeststellungsverfahren starteten.

Das Planfeststellungsverfahren ist eine umfassende Prüfung, an deren Ende eine allgemeine Baugenehmigung steht. Dieses Verfahren wird nur für große Bauprojekte angewandt, von denen viele Menschen, Unternehmen oder Behörden betroffen sind. Im Rahmen dieses Verfahrens werden die Pläne öffentlich vorgestellt, und Betroffene können sich dazu äußern. Gibt es berechtigte Kritik, wird nachgearbeitet. Am Ende steht dann der Planfeststellungsbeschluss, der jedoch vor Gericht angefochten werden kann.

Die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich hat am 05.06.2019 einen Gesehen-Vermerk für den Vorentwurf vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in Bonn erhalten und damit die weitere Bearbeitung der Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren freigegeben.

Herausforderungen und Kontroversen

Das Projekt B 210n stößt in der Region auf unterschiedliche Reaktionen. Es gibt sowohl viele Befürworter als auch Gegner der neuen Straße. Die Befürworter sehen vor allem die Entlastung der Ortsdurchfahrten und die verbesserte Anbindung an das Autobahnnetz als große Vorteile. Für die Wirtschaft in der Region, insbesondere für den Windkraftanlagen-Hersteller Enercon, bedeutet die verbesserte Anbindung eine bessere Erreichbarkeit und damit potenziell wirtschaftliche Vorteile.

Die Gegner des Projekts befürchten jedoch negative Auswirkungen auf die Umwelt, insbesondere durch die Zerschneidung von landwirtschaftlichen Flächen und die Beeinträchtigung von Naturräumen. Auch die Lärmbelastung für Anwohner an der neuen Trasse ist ein Kritikpunkt.

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass sich der Verlauf des Projekts in den nachfolgenden Planungsständern ändern kann. In diesem Fall müsste eine neue gesamtwirtschaftliche Bewertung zum Nachweis der Bauwürdigkeit des Projekts durchgeführt werden, was weitere Verzögerungen mit sich bringen könnte.

Fazit

Die B 210 ist eine von zentraler Bedeutung für die Verkehrsinfrastruktur Ostfrieslands, steht jedoch vor großen Herausforderungen. Während die Sanierung im Bereich Loppersum-Georgsheil voraussichtlich nicht vor 2027 beginnen wird, arbeitet die zuständige Behörde bereits an dem ambitionierten Neubauprojekt B 210n zwischen Riepe und Aurich.

Dieses Projekt hat das Potenzial, die Verkehrssituation in der Region entscheidend zu verbessern, indem es die Ortsdurchfahrten entlastet und die Anbindung an das Autobahnnetz verbessert. Die Kosten von über 44 Millionen Euro sind jedoch erheblich und müssen durch den Bund getragen werden. Aktuell befindet sich das Projekt im Planfeststellungsverfahren, das weitere Klarheit über den Zeitplan und die genaue Trassenführung bringen wird.

Für die Anwohner und Pendler bedeutet dies, dass sie sich auf längere Bauphasen und mögliche vorübergehende Verkehrseinschränkungen einstellen müssen. Langfristig verspricht das Projekt jedoch eine deutlich verbesserte Verkehrssituation und mehr Entwicklungsmöglichkeiten für die Stadt Aurich und die gesamte Region.

Quellen

  1. Neubau der B 210 zwischen Riepe (A 31) und Aurich einschließlich Ortsumgehung Aurich
  2. B 210 Loppersum-Georgsheil: Sanierung der Bundesstraße nicht vor 2027
  3. Projektinformationssystem zum Bundesverkehrswegeplan 2030 - B 210
  4. Die B210n rückt näher: Baubehörde startet das Planfeststellungsverfahren

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