Umbau des Frankfurter Hauptbahnhofs: Milliardenschweres Projekt für Sicherheit und Attraktivität bis 2030

Einleitung

Der Frankfurter Hauptbahnhof, international bekannt als eines der wichtigsten Verkehrsdrehkreuze Deutschlands, befindet sich seit Oktober 2020 in einer umfassenden Sanierungsphase. Das Milliardenschweres Projekt, das bis zum Jahr 2030 andauern soll, verfolgt das Ziel, das "Tor zu Frankfurt" sicherer, einladender und funktionaler zu gestalten. Im Mittelpunkt der Umbaumaßnahmen steht die sogenannte B-Ebene, der zentrale Durchgangsbereich, der den Fern- und Regionalverkehr mit dem städtischen Nahverkehr verbindet. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, Ziele und aktuellen Entwicklungen des umfassenden Modernisierungsprojekts, das nicht nur die Infrastruktur, sondern auch die Aufenthaltsqualität für täglich bis zu eine halbe Million Reisende deutlich verbessern soll.

Geschichte und Bedeutung des Frankfurter Hauptbahnhofs

Der Frankfurter Hauptbahnhof blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Nach seiner Eröffnung im Jahr 1888 erlebte er mehrere Umbau- und Erweiterungsphasen, die zeigen, dass das Bahnhofsareal sich laufend an die Anforderungen der jeweiligen Zeit anpassen muss. Heute ist der Hauptbahnhof nicht nur ein Verkehrsknotenpunkt von überregionaler Bedeutung, sondern auch ein repräsentatives Eingangstor zur Stadt Frankfurt.

In der aktuellen Zeit, in der immer mehr Menschen vom Reisen mit dem Auto absehen und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, sind die Sanierungsarbeiten ein wichtiger Schritt, um die Infrastruktur an die gewachsenen Anforderungen anzupassen. Der Umbau bietet zudem die Chance, ein repräsentatives Eingangstor zur Stadt zu schaffen, das sowohl funktionell als auch ästhetisch überzeugt.

Die B-Ebene: Herzstück des Umbaus

Die B-Ebene ist der zentrale Zugang von der Gleishalle zu den U- und S-Bahnen unterhalb des Bahnhofsvorplatzes. Sie verbindet den Fern- und Regionalverkehr mit dem städtischen Nahverkehr und beherbergt zudem zahlreiche Geschäfte, Restaurants und Dienstleistungen. In der ersten Baustufe des Projekts gestaltet die Bahn diese Verteilerebene und den Nordbau des Empfangsgebäudes (Bereich vor den Gleisen 14-24) neu: Sie werden heller, freundlicher und offener gestaltet.

Ziele der Neugestaltung

Das Konzept hinter dem Umbau der B-Ebene basiert auf der Vision, dass sich Reisende und Gäste am Frankfurter Hauptbahnhof in Zukunft willkommen und gut orientiert fühlen sollen. Die neuen Gestaltungsziele umfassen:

  • Eine verbesserte Orientierungshilfe für Besucher:innen, die es ihnen ermöglicht, sich künftig viel leichter zurechtzufinden und den Weg von der Eingangshalle in die Verteilerebene zu finden.
  • Eine übersichtlichere Gestaltung des Bereichs, die Kontrollen erleichtert und die Sicherheit erhöht.
  • Ein neues Beleuchtungskonzept, das zu einer freundlicheren und einladenderen Atmosphäre beiträgt.
  • Ein geschossübergreifender Lichthof in der Empfangshalle und der Verteilerebene, der die Orientierung verbessert und die Bewegungsströme im Bahnhof beschleunigt.

Aktueller Stand der Arbeiten

Die Umbauten in der B-Ebene sind bereits in vollem Gange und für viele Reisende bereits spürbar. Wo früher Kosmetikartikel verkauft wurden, sind nun Bauarbeiter am Werk. Ein Teil der ehemals mit dunklen Ecken und Angsträumen gespickten Passage ist bereits fertiggestellt und wurde zur Fußball-Europameisterschaft geöffnet. Nächstes Jahr sollen hier die ersten Läden einziehen. Die anderen rund 70 Prozent der ehemaligen B-Ebene sind jedoch noch abgesperrt.

Hinter den Trennwänden läuft derzeit die Entkernung. In dem riesigen, dunklen Raum stehen noch Reste der früheren Ladenfassaden. Asbest und andere Schadstoffe müssen aufwendig entfernt und entsorgt werden, was den Bauprozus verlangsamt. Lagerflächen für die Baustelle belegen einen Teil des Bahnhofvorplatzes, und ein Bauaufzug wird an einer Stelle betrieben, wo früher eine Rolltreppe in die Tiefe führte.

Die B-Ebene soll voraussichtlich bis zum Jahr 2027 fertiggestellt werden. Bis dahin müssen jedoch noch zahlreiche Herausforderungen gemeistert werden, insbesondere die Entfernung der Schadstoffe und die Neugestaltung der großen Flächen.

Das Atrium: Neues Licht in der Eingangshalle

Ein weiteres zentrales Element des Umbaus ist die geplante Errichtung eines Atriums in der Mitte der großen Eingangshalle. Dieses soll Blick und Weg frei machen zur neuen Ladenpassage darunter. Erste Vorarbeiten dafür sind bereits geplant, die Fertigstellung ist für das Jahr 2030 vorgesehen.

Durch den Lichthof sollen Sichtbezüge zum darunterliegenden Untergeschoss geschaffen werden. Das ist vor allem wichtig, damit sich Reisende besser orientieren können und um einen natürlichen Lichteinfall in die bisher dunkle B-Ebene zu gewährleisten. Die Schaffung dieser räumlichen Verbindungen trägt maßgeblich zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und zur besseren Orientierung im Gebäude bei.

Der Bahnhofsvorplatz: Neugestaltung des Zugangs

Auch der Bahnhofsvorplatz soll neu gestaltet werden. Das Ziel ist, die Aufenthaltsqualität zu steigern und den Zugang zur B-Ebene zu erleichtern. Bisher erfolgte der Zugang nur über den Innenraum; künftig sollen teilweise oberirdische Fußgängerquerungen den Weg verbessern.

Diese Maßnahme fällt in den Zuständigkeitsbereich der Stadt Frankfurt und startet erst, nachdem die Deutsche Bahn AG die Bauarbeiten im Bahnhofsgebäude abgeschlossen sind. Derzeit dient der Vorplatz unter anderem als Abstellfläche für Fahrzeuge und Geräte sowie zur Lagerung von Bauschutt. Die Neugestaltung wird dazu beitragen, den Bahnhofsvorplatz wieder stärker als öffentlichen Raum für die Bürger und Reisende nutzbar zu machen.

Der Masterplan: Umfassende Umstrukturierung des Bahnverkehrs

Die Sanierungsarbeiten sind Teil des umfassenden "Masterplan Frankfurt Hauptbahnhof", der insgesamt 17 Maßnahmen vorsieht. Bis zu 1,2 Milliarden Euro fließen in dieses Projekt, was bedeutet, dass auch in den kommenden Jahren Baustelle nach Baustelle entstehen wird. Wichtigstes Anliegen bei der Planung und Koordination ist jedoch, dass der laufende Betrieb des Hauptbahnhofs verlässlich aufrechterhalten bleibt.

Weitere Arbeiten sind für die nächsten Jahre fest eingeplant:

  • Vor dem Hauptbahnhof wird die Stadt Frankfurt die Straßenbahn-Haltestelle viergleisig ausbauen.
  • Für den Bau eines neuen Ver- und Entsorgungszentrums muss der Nordflügel des Gebäudes vorübergehend abgetragen werden.
  • Ein weiteres Gleis soll entstehen, um die Kapazitäten zu erhöhen.
  • Geplant ist zudem der Bau eines neuen Fernbahntunnels mit zusätzlichem Tiefbahnhof, was eine weitere Baustelle im Süden des Hauptbahnhofs bedeutet.

Der Fernbahntunnel: Zukunftsweisende Lösung für mehr Verlässlichkeit

Ein zukunftsweisendes Element des Masterplans ist der geplante Fernbahntunnel und die dazugehörige unterirdische Station unter dem Frankfurter Hauptbahnhof. Die Deutsche Bahn verfolgt aktiv ihre Pläne für den Bau neuer Gleise unter dem Frankfurter Hauptbahnhof. Fünf Varianten für die unterirdische Station wurden präsentiert und sollen nun geprüft werden.

Die Bahnsteige sollen an einen neuen Tunnel für den Fernverkehr angeschlossen werden, der von Osten und Westen auf den bestehenden Kopfbahnhof zuläuft und bundesweit für pünktlicheren Verkehr sorgen könnte. Diese zusätzliche Station soll den bestehenden Hauptbahnhof ergänzen und oberirdisch mehr Platz für den Regionalverkehr schaffen.

Die fünf Varianten der neuen Tiefstation bieten unterschiedliche Vor- und Nachteile. Eine Entscheidung wird im nächsten Jahr erwartet, so Projektleiter Alexander Nolte. Eine wesentliche Anforderung ist dabei, die Einschränkungen durch den Bau so gering wie möglich zu halten. Der Bahnbetrieb soll weitgehend aufrechterhalten werden, und Eingriffe in das historische Bestandsbauwerk sollen minimiert werden. Auch der Vorplatz, die U- und Straßenbahn sowie der nahegelegene Hafentunnel sollen von den Bauarbeiten möglichst wenig betroffen werden.

Herausforderungen des Großprojekts

Das Umbauvorhaben stellt alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen. Einerseits müssen die komplexen technischen Anforderungen bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Bauwerks erfüllt werden, andererseits muss der laufende Betrieb des Bahnhofs mit täglich bis zu einer halbe Millionen Reisenden aufrechterhalten bleiben.

Besonders problematisch ist die Entfernung von Asbest und anderen Schadstoffen, die derzeit aufwendig entfernt und entsorgt werden muss. Diese Arbeiten verlangsamen den Bauprozus und erfordern besondere Sicherheitsvorkehrungen.

Auch die Koordination der verschiedenen Baumaßnahmen zwischen der Deutschen Bahn, der Stadt Frankfurt und dem Verkehrsverbund RMV stellt eine Herausforderung dar. Die enge Abstimmung ist jedoch notwendig, um die negativen Auswirkungen auf die Reisenden so gering wie möglich zu halten.

Zeitplan und Meilensteine

Der Umbau des Frankfurter Hauptbahnhofs folgt einem straffen Zeitplan mit mehreren Meilensteinen:

  • Oktober 2020: Spatenstich zum Start der Umbauarbeiten
  • 2024: Eröffnung des fertiggestellten Teils der B-Ebene (bereits erfolgt zur Fußball-Europameisterschaft)
  • 2025: Erste Läden öffnen in der renovierten B-Ebene
  • 2027: Fertigstellung der B-Ebene
  • 2030: Fertigstellung des gesamten Projekts, inklusive des neuen Atriums

Der Zeitplan ist ambitioniert und hängt maßgeblich von der schnellen und effizienten Durchführung der Arbeiten ab, insbesondere bei der Entfernung der Schadstoffe und bei der Koordination der verschiedenen Gewerke.

Fazit

Der Umbau des Frankfurter Hauptbahnhofs ist eines der größten und komplexesten Bauprojekte in Deutschland. Mit einem Investitionsvolumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro und einer Bauzeit von zehn Jahren verfolgt das Projekt das Ziel, das "Tor zu Frankfurt" sicherer, einladender und funktionaler zu gestalten. Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht die Neugestaltung der B-Ebene, die heller, freundlicher und offener werden soll. Weitere wichtige Elemente sind die Errichtung eines Atriums in der Eingangshalle, die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes und der Bau eines Fernbahntunnels mit unterirdischer Station.

Trotz der zahlreichen Herausforderungen, insbesondere bei der Entfernung von Asbest und anderen Schadstoffen, sind die Projektbeteiligten zuversichtlich, den gesteckten Zeitplan einhalten zu können. Der Frankfurter Hauptbahnhof wird nach Abschluss der Arbeiten nicht nur sicherer und komfortabler, sondern auch repräsentativer für die Stadt Frankfurt sein und die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs weiter stärken.

Quellen

  1. Für mehr Sicherheit und Passierbarkeit: So wird der Hauptbahnhof Frankfurt umgestaltet
  2. Umbau der B-Ebene
  3. Hauptbahnhof Frankfurt bleibt bis 2030 eine große Baustelle
  4. Frankfurts Zentrum: Zehn Jahre Bauzeit für komplette Bahn-Umstrukturierung

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