Einleitung
Die Stadt Asperg hat mit der Sanierung des Quartiers IV Bahnhofstraße ein umfassendes Stadtentwicklungsprojekt ins Leben gerufen, das auf die Revitalisierung des gesamten Bahnhofsviertels abzielt. Mit einem Budget von rund 2,7 Millionen Euro werden Maßnahmen zur Verbesserung des Ortsbildes, der Aufenthaltsqualität und der Verkehrssituation umgesetzt. Dieses Projekt steht im Kontext der langen Geschichte des Asperger Bahnhofs, der seit 1847 das Stadtbild prägt und eine zentrale Rolle in der Stadtentwicklung spielt. Der folgende Artikel beleuchtet die Ziele und Maßnahmen der Sanierung, die historische Entwicklung des Bahnhofs und aktuelle Arbeiten im Bereich der Bahnhofstraße.
Historische Entwicklung des Asperger Bahnhofs
Der Bahnhof Asperg blickt auf eine lange Geschichte zurück, die untrennbar mit der Entwicklung der Stadt verbunden ist. Am 11. Oktober 1847 begann der Regelbetrieb auf dem Abschnitt zwischen Ludwigsburg und Bietigheim der Königlich Württembergischen Staatsbahn. Als vorerst einzige Zwischenstation auf diesem etwa neuneinhalb Kilometer langen Streckenteil wurde der Bahnhof Asperg eröffnet, ausgestattet mit einem kleinen zweistöckigen Empfangsgebäude. Interessant ist, dass der Bahnhof etwa einen Kilometer östlich des damaligen Dorfes lag und der führende Weg zunächst unbefestigt war und bei schlechtem Wetter kaum passierbar war.
Ab 1852 war die Bahnstrecke von Stuttgart bis Bietigheim zweigleisig befahrbar, was die Bedeutung des Bahnhofs erhöhte. Die Stadt Asperg wuchs im Laufe der Zeit in Richtung Bahnhof, entlang der Bahnhofstraße entstanden neue Wohn- und Geschäftshäuser. Als 1875 die Einwohnerzahl der Gemeinde auf über 2.000 anstieg, erhielt die Gemeinde ihr im 18. Jahrhundert entzogenes Stadtrecht zurück.
Der Bahnhof wurde mehrfach erweitert und modernisiert. 1907 verzeichnete die Staatsbahndirektion erstmals eine Überlastung des Bahnhofs. Neben den Gleisanlagen und dem Güterabfertigungsbereich musste auch ein neues größeres Empfangsgebäude errichtet werden. Der Um- und Neubau begann 1912. Die Güterabfertigungshalle konnte ab 1913 genutzt werden, und am 22. April 1914 vollzog die Staatsbahndirektion die Einweihung des neuen Empfangsgebäudes, ließ den Vorgängerbau aber abreißen. Das Empfangsgebäude erhielt später einen einstöckigen Anbau auf der südlichen Seite.
Während der NS-Herrschaft nutzte das Regime den Hohenasperg als Sammellager für "Zigeuner". Der Abtransport in die Ghettos und Konzentrationslager im Osten erfolgte vom Bahnhof Asperg. Heute erinnert eine steinerne Gedenktafel an der Außenwand des Eingangsportals daran, dass der Leidensweg vieler unschuldiger Menschen hier begann.
Ein weiteres wichtiges Datum in der Bahnhofsgeschichte ist der 10. November 1950, als die Deutsche Bundesbahn den seit 1940 dreigleisigen Abschnitt Ludwigsburg–Bietigheim elektrifizierte. Dies ermöglichte Asperg den Anschluss an den Stuttgarter Vorortverkehr. Nach der Herstellung der Viergleisigkeit zwischen Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen wurde die Linie S5 der S-Bahn Stuttgart am 31. Mai 1981 über Asperg nach Bietigheim-Bissingen verlängert.
Die Sanierung des Quartiers IV Bahnhofstraße
Der Gemeinderat der Stadt Asperg hat beschlossen, zusätzliche Mittel für die Stadtsanierung im Haushalt der Stadt bereitzustellen. Für die Sanierungsmaßnahme LSP "IV Bahnhofstraße" stehen insgesamt ca. 2,7 Mio. Euro zur Verfügung. Das Gebiet befindet sich aktuell in der Abrechnungsphase, weshalb keine Anträge für Fördermittel mehr berücksichtigt werden können. Nach Abschluss des Sanierungsgebiets werden Sanierungsvermerke im Grundbuch kostenfrei gelöscht.
Ziele der Sanierung
Die Sanierungsziele sind vielfältig und umfassen mehrere Aspekte der Stadtentwicklung:
Reaktivierung der Quartiere östlich der Königstraße: Dies ist der Schwerpunkt der Sanierungsmaßnahme und soll durch Neuordnung, Neubebauung und Neugestaltung erreicht werden.
Verbesserung des Ortsbildes: Durch Gestaltungsmaßnahmen an Gebäuden und deren Umfeld soll das Erscheinungsbild des Quartiers verbessert werden.
Erhöhung der Aufenthaltsqualität: Die Gestaltung attraktiver Straßen- und Platzräume soll die Qualität des Aufenthalts im öffentlichen Raum erhöhen.
Verbesserung der Verkehrssituation: Maßnahmen zur Optimierung des Verkehrsflusses und der Verkehrssicherheit sind Teil des Projekts.
Stärkung der Wohnfunktion: Durch Neubebauung, Umnutzungen von gewerblichen Flächen zu Wohnraum und Instandsetzungen soll die Wohnfunktion im Quartier gestärkt werden.
Stärkung der Mischfunktion: Der Erhalt der Nahversorgung als Teil der gemischt genutzten Flächen ist ein wichtiges Ziel.
Maßnahmen und Umsetzung
Obwohl die genauen Maßnahmen im Detail nicht vollständig aus den vorliegenden Informationen hervorgehen, lassen sich aus den Zielen bestimmte Schwerpunkte ableiten. Die Neuordnung, Neubebauung und Neugestaltung der Quartiere östlich der Königstraße werden wahrscheinlich die größten Veränderungen mit sich bringen. Dies könnte die Umgestaltung von leerstehenden oder untergenutzten Flächen, die Modernisierung von Gebäudefassaden und die Schaffung neuer öffentlicher Räume umfassen.
Die Verbesserung des Ortsbildes könnte sich in Fassadensanierungen, einheitlicherer Gestaltung von Werbeanlagen und der Aufwertung von Grünflächen äußern. Für die Erhöhung der Aufenthaltsqualität sind wahrscheinlich die Schaffung von Sitzgelegenheiten, die Verbesserung der Beleuchtung und die Anlage von kleinen Grünanlagen geplant.
Bei der Verbesserung der Verkehrssituation könnte es um die Anpassung der Straßenführung, die Schaffung neuer Parkmöglichkeiten oder die Optimierung der Fuß- und Radwegeinfrastruktur gehen. Die Stärkung der Wohnfunktion könnte sich in der Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohnungen oder in der Sanierung von Wohngebäuden äußern.
Der Erhalt der Nahversorgung als Teil der gemischt genutzten Flächen könnte die Unterstützung lokaler Geschäfte oder die Schaffung neuer Möglichkeiten für kleine Gewerbetreibende umfassen.
Aktuelle Situation des Asperger Bahnhofs
Der Bahnhof Asperg wird heute von der Linie S5 der S-Bahn Stuttgart bedient. Der Bahnhof verfügt über drei Bahnsteiggleise, von denen zwei regulär genutzt werden. Er ist der Preisklasse 4 zugeordnet und wird vom Stellwerk im Bahnhof Ludwigsburg ferngestellt.
Die Gleisanlagen des Bahnhofs sind wie folgt genutzt: - Gleis 1 (Hausbahnsteig): wird nicht mehr von Zügen genutzt, dient durchfahrenden Personenzügen nach Stuttgart und Güterzügen - Gleis 2: ebenfalls ohne Bahnsteig, wird von durchfahrenden Personenzügen nach Stuttgart und für Güterzüge genutzt - Gleis 3: hier halten die S-Bahnen nach Stuttgart Schwabstraße - Gleis 4: hier halten die S-Bahnen nach Bietigheim - Gleis 5: ebenfalls ohne Bahnsteig, ist ein Durchgangsgleis für Züge nach Osterburken, Karlsruhe, Heidelberg und Würzburg
Die Tabelle zeigt die Linienführung der S5, die den Asperger Bahnhof bedient:
| Linie | Strecke |
|---|---|
| S5 | Bietigheim-Bissingen – Asperg – Ludwigsburg – Zuffenhausen – Hauptbahnhof – Schwabstraße |
Aktuelle Bauarbeiten und Instandhaltungsmaßnahmen
Neben der langfristigen Sanierung des Quartiers IV Bahnhofstraße finden auch kurzfristige Instandhaltungs- und Bauarbeiten statt. Wie die Deutsche Bahn mitteilt, müssen in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli zwischen 22 Uhr und 1 Uhr Weichenarbeiten auf dem Streckenabschnitt zwischen Asperg und Bietigheim durchgeführt werden. Diese Arbeiten haben zur Folge, dass die S5 in Richtung Ludwigsburg in diesem Zeitraum nicht in Asperg hält.
Die Deutsche Bahn bittet Fahrgäste, diese Abweichungen bei der Reiseplanung zu berücksichtigen und sich vorab über alternative Reiseverbindungen zu informieren. Um kurzfristige Änderungen nicht zu verpassen, wird empfohlen, unmittelbar vor Fahrtantritt die Reiseverbindungen zu überprüfen. Weitere Informationen sind auf den Webseiten s-bahn-stuttgart.de/betriebslage und bahn.de/bauarbeiten zu finden.
Auswirkungen auf Anwohner und Gewerbetreibende
Die Sanierungsmaßnahmen in der Bahnhofstraße werden zweifellos Auswirkungen auf die Anwohner und Gewerbetreibenden haben. Während der Bauphase kann es zu temporären Einschränkungen kommen, wie Lärm, Baustellen und möglicherweise eingeschränkter Zufahrtsmöglichkeiten. Langfristig verspricht die Sanierung jedoch eine Aufwertung des gesamten Quartiers, was zu einer Verbesserung der Lebensqualität und potenziell auch zu steigenden Immobilienwerten führen kann.
Die Maßnahmen zur Stärkung der Wohnfunktion und der Mischfunktion sollen dazu beitragen, dass das Quartier attraktiver für verschiedene Bevölkerungsgruppen wird. Die Erhaltung der Nahversorgung ist dabei besonders wichtig, um die Versorgung der Bevölkerung auch nach der Sanierung sicherzustellen.
Ausblick und zukünftige Entwicklung
Die Sanierung des Quartiers IV Bahnhofstraße ist ein wichtiger Schritt in der Stadtentwicklung Aspergs. Mit den investierten 2,7 Millionen Euro sollen nicht nur bauliche Maßnahmen umgesetzt, sondern auch die Lebensqualität für die Anwohner verbessert werden. Die Aufwertung des Bahnhofsviertels wird voraussichtlich auch positive Auswirkungen auf die gesamte Stadt haben und Asperg attraktiver machen.
Die Geschichte des Asperger Bahnhofs, der seit 1847 das Stadtbild prägt, zeigt die enge Verbindung zwischen der Entwicklung des Bahnhofs und der Stadt. Die aktuelle Sanierung knüpft an diese Tradition an und versucht, die Potenziale des Quartiers zu heben, ohne die historische Bedeutung zu vernachlässigen.
Fazit
Die Sanierung des Quartiers IV Bahnhofstraße in Asperg ist ein umfassendes Stadtentwicklungsprojekt, das mit einem Budget von rund 2,7 Millionen Euro die Revitalisierung des gesamten Bahnhofsviertels zum Ziel hat. Die Maßnahmen zielen darauf ab, das Ortsbild zu verbessern, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, die Verkehrssituation zu optimieren und die Wohn- und Mischfunktion zu stärken.
Die Geschichte des Asperger Bahnhofs, der seit 1847 eine zentrale Rolle in der Stadtentwicklung spielt, zeigt die enge Verbindung zwischen der Entwicklung des Verkehrsknotenpunkts und der Stadt. Aktuelle Weichenarbeiten unterstreichen die Bedeutung des Bahnhofs im regionalen Verkehrssystem.
Die Sanierungsmaßnahmen werden voraussichtlich positive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Anwohner haben und das Quartier attraktiver machen. Der Erhalt der Nahversorgung und die Stärkung der Mischfunktion sollen dabei sicherstellen, dass das Quartier auch nach der Sanierung lebenswert bleibt. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten werden die Sanierungsvermerke im Grundbuch kostenfrei gelöscht, was für die Eigentümer eine bürokratische Erleichterung bedeutet.