Sanierung und Neubau des Bankhauses Lampe in Bielefeld: Ein Balanceakt zwischen Denkmalschutz und Modernität

Einleitung

Das Bankhaus Lampe am Alten Markt in Bielefeld stellt ein bedeutendes städtebauliches Wahrzeichen dar. Die jüngste Sanierungs- und Neubaumaßnahme bot die einmalige Gelegenheit, eine sensible Balance zwischen Denkmalschutz und Modernität zu finden. Dieser Artikel beleuchtet die Herausforderungen des Projekts, die enge Zusammenarbeit mit Denkmalschutzbehörden sowie die Lösung, die es ermöglichte, die historische Fassade zu erhalten und gleichzeitig ein zeitgemäßes Bankgebäude zu schaffen. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie historische Bausubstanz für die Zukunft nutzbar gemacht werden kann, ohne ihren kulturellen Wert zu verlieren.

Projektgeschichte und Ausgangslage

Die Geschichte der Sanierung des Bankhauses Lampe beg bereits im Winter 2016, als die Mitarbeiter der Bank ihr Ausweichquartier in der Hermannstraße bezogen. Zu diesem Zeitpunkt starteten die Abbrucharbeiten am Hauptgebäude, die eine umfassende Erneuerung des gesamten Gebäudekomplexes erforderlich machten. Der Projektumfang war dabei beachtlich: Nicht nur das Hauptgebäude am Alten Markt, sondern auch drei weitere Bankgebäude an diesem Standort sowie ein Gebäude am Gehrenberg und ein weiteres in der Piggenstraße waren in die Sanierung einbezogen.

Die Notwendigkeit der Sanierung ergab sich aus dem Alter und dem Zustand der Gebäude. Während die Fassaden am Alten Mark als prägendes Stadtbild und Baudenkmal unter Denkmalschutz standen, waren die rückwärtigen Gebäudeteile sanierungsbedürftig und entsprachen nicht mehr den technischen und energetischen Anforderungen eines modernen Bankgebäudes. Die Herausforderung bestand darin, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das die Erhaltung der historischen Substanz mit den Erfordernissen eines zeitgemäßen Bankbetriebs verbindet.

Für das Bankhaus Lampe bedeutete die Sanierung auch eine Investition in die Zukunft des Standorts. Die Rückkehr in die repräsentativen Räume im Herzen der Bielefelder Altstadt sollte nicht nur die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter verbessern, sondern auch die Präsenz des Instituts in der Stadt stärken. Gleichzeitig sollte Platz für die Vermietung von Büroflächen in bester Lage geschaffen werden, da das Gebäudeensemble durch die Maßnahmen deutlich an Größe gewonnen hatte.

Planung und Denkmalschutz

Die Planung des Sanierungs- und Neubauprojekts stellte besondere Anforderungen an die beteiligten Architekten und Ingenieure. In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege der Stadt Bielefeld und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) wurde ein Konzept entwickelt, das die Erhaltung der stadtbildprägenden Fassaden als Baudenkmal ermöglichte. Diese Kooperation war entscheidend, um die denkmalrechtlichen Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig eine funktionale Lösung für den Bankbetrieb zu schaffen.

Ein zentraler Aspekt der Planung war die Entscheidung, die Fassadengiebel und die direkt dahinter liegenden Räume zu erhalten. Diese historischen Elemente wurden während der gesamten Bauzeit aufwendig gesichert, um sie für die Nachwelt zu bewahren. Gleichzeitig wurde der rückwärtige Gebäudeteil zurückgebaut und durch einen Neubau ersetzt, der die technischen und energetischen Anforderungen moderner Bankgebäude erfüllt.

Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass neben den Giebelfassaden am Alten Markt auch die dahinterliegende sogenannte erste Raumachse erhalten und hofseitig durch neue Gebäude in Anlehnung an die vorhandene Bausubstanz ergänzt wurde. Diese sensible Vorgehensweise stellt sicher, dass das historische Gefüge des Ensembles trotz notwendiger Modernisierungen nicht verloren geht.

Die Planungsaufgabe bestand darin, ein zukunftsfähiges und gleichzeitig denkmalschutzkonformes Konzept zu entwickeln, das sowohl die Anforderungen der Bank als auch die städtebauliche Bedeutung des Gebäudes berücksichtigt. Die Lösung war ein modernes Bürogebäude, das sich als Reminiszenz an die 50er Jahre gestalterisch zurückhaltend und nahezu selbstverständlich in die bestehende Bielefelder Altstadt einfügt.

Die Generalplanung für das Projekt wurde von der Firma agn Niederberghaus & Partner GmbH durchgeführt, die auf komplexe Bauvorhaben im Bereich Denkmalpflege spezialisiert ist. Der Auftraggeber war die Lampe Immobilien GmbH & Co. KG, die für die Durchführung des Projekts verantwortlich zeichnete.

Bauausführung und Herausforderungen

Die Ausführung des Projekts oblag der PORR Hochbau West GmbH, die für die Erd-, Maurer-, Beton- und Stahlbetonarbeiten sowie diverse Umbauarbeiten im alten Bestandsbereich verantwortlich zeichnete. Der Leistungsumfang war umfangreich und erforderte hohe Präzision in der Ausführung, insbesondere im Bereich des Denkmalschutzes.

Ein besonderes technisches Merkmal des Projekts war der Bau eines 5-geschossigen Neubaus hinter der denkmalgeschützten und provisorisch abgestützten Bestandsfassade. Diese Vorgehensweise erforderte höchste Präzision bei der Errichtung der neuen Stahlbetonkonstruktion, da die historischen Bestandsgiebel während der Rohbauerstellung mit in die neue Konstruktion eingebunden werden mussten. Diese technische Meisterleistung stellt sicher, dass die historische Fassade auch zukünftig erhalten bleiben kann, während im Inneren ein modernes Tragsystem geschaffen wird.

Die zentrale Lage des Projekts in der Bielefelder Innenstadt stellte besondere logistische Herausforderungen dar. Die Zufahrt zur Baustelle war durch räumlich stark begrenzt nutzbare Anliegerstraßen und Fußgängerzone erschwert. Diese Bedingungen erforderten eine sorgfältige Planung der Baustellenlogistik und eine enge Abstimmung mit der Stadt und den umliegenden Geschäften, um die Beeinträchtigungen für den Stadtverkehr so gering wie möglich zu halten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Bauausführung war die Sicherung der historischen Bausubstanz während der gesamten Bauzeit. Die denkmalgeschützten Elemente wurden nicht nur konserviert, sondern auch technisch so gesichert, dass sie den Belastungen der Bauarbeiten standhalten konnten. Diese Maßnahmen waren besonders aufwendig, da sie oft manuell und mit speziellen Werkzeugen durchgeführt werden mussten, um die historischen Strukturen nicht zu beschädigen.

Die Bauzeit des Projekts erstreckte sich von Januar 2018 bis November 2019, wobei die Fertigstellung letztendlich im Dezember 2019 erfolgte. Damit verbunden war eine Verzögerung von etwa einem Jahr gegenüber dem ursprünglichen Plan, der einen Abschluss bereits Ende 2018 vorsah. Die Gründe für diese Verzögerung werden in den Quellen nicht explizit genannt, sind jedoch bei Projekten mit Denkmalschutzauflagen nicht ungewöhnlich.

Technische Innovation und Energieeffizienz

Ein zentrales Ziel des Projekts war die Schaffung eines technisch und energetisch zeitgemäß ausgestatteten Bankgebäudes. Im Inneren des Neubaus wurden moderne Techniken und Materialien verwendet, um eine hohe Energieeffizienz und Komfort für die Mitarbeiter und Kunden zu gewährleisten.

Die Quellen enthalten keine detaillierten Informationen über die eingesetzten technischen Innovationen, jedoch ist bei einem Projekt dieser Größenordnung und Bedeutung davon auszugehen, dass moderne Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik ebenso wie eine hochmoderne Elektroinstallation und eine zukunftsorientierte IT-Infrastruktur installiert wurden. Diese Systeme sind notwendig, um den Anforderungen eines modernen Bankbetriebs gerecht zu werden, der hohe Verfügbarkeit, Sicherheit und Effizienz erfordert.

Auch im Bereich der Energieeffizienz wurden wahrscheinlich die neuesten Standards umgesetzt. Dazu gehören eine hochwertige Wärmedämmung, effiziente Beleuchtungssysteme und möglicherweise auch erneuerbare Energietechnik wie Solaranlagen auf den Dächern oder Fassaden. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Reduzierung der Betriebskosten bei, sondern auch zur Erreichung klimapolitischer Ziele.

Die Kombination von historischer Fassade und moderner Technik im Inneren des Gebäudes stellt eine besondere Herausforderung dar. Die Planer mussten sicherstellen, dass die neuen technischen Anlagen unauffällig integriert werden und das historische Erscheinungsbild des Gebäudes nicht stören. Dies erforderte oft individuelle Lösungen und maßgeschneiderte Technikelemente.

Integration in das Stadtbild

Das Bankhaus Lampe am Alten Markt ist ein wichtiger Teil des Stadtbilds von Bielefeld. Die Sanierungs- und Neubaumaßnahmen mussten daher besonders sensibel auf die städtebauliche Umgebung eingehen. Das Ergebnis ist ein Gebäude, das sich als Reminiszenz an die 50er Jahre gestalterisch zurückhaltend und nahezu selbstverständlich in die bestehende Bielefelder Altstadt einfügt.

Die Erhaltung der denkmalgeschützten Fassaden war dabei von zentraler Bedeutung. Diese prägenden Elemente des Stadtbilds wurden denkmalgerecht saniert und behalten ihre historische Wirkung bei. Gleichzeitig wurde das Gebäudeensemble durch die Neubauten erweitert, ohne das städtebauliche Gesamtbild zu stören.

Die gestalterische Entscheidung, sich bewusst an die Architektur der 50er Jahre anzulehnen, ist eine interessante Wahl. Diese Epoche stellt in der deutschen Architekturgeschichte einen Übergang dar, in dem traditionelle Elemente mit modernen Formen verbunden wurden. Diese Verbindung von Tradition und Moderne entspricht auch dem grundsätzlichen Ansatz des Projekts, bei dem historische Bausubstanz mit moderner Technik und Funktionalität verbunden wird.

Die räumliche Wirkung des Gebäudes auf den Alten Markt wurde durch die Sanierung weiter gestärkt. Das Bankhaus Lampe bleibt ein prägendes Element dieses wichtigen städtebaulichen Raums und trägt zur hohen Qualität der öffentlichen Räume in der Bielefelder Innenstadt bei. Die Rückkehr der Bank in ihre repräsentativen Räume im Herzen der Stadt wurde mit den Bielefeldern "gefeiert", wie eine Sprecherin des Bankhauses Lampe verriet.

Zeitplan und Verzögerungen

Wie bei vielen Bauprojekten dieser Größenordnung gab es auch beim Bankhaus Lampe Abweichungen vom ursprünglichen Zeitplan. Gemäß ersten Planungen sollte der Umbau bereits Ende 2018 abgeschlossen sein. Die Fertigstellung erfolgte jedoch erst im Dezember 2019, was einer Verzögerung von etwa einem Jahr entspricht.

Im August 2019 starteten die finalen Arbeiten im Außenbereich der Lampe-Bank am Alten Markt. Zu diesem Zeitpunkt war auch der Innenausbau bereits weit fortgeschritten. Laut einer Sprecherin des Bankhauses Lampe, Anna Lena Kleine, sollte das Gebäude nach damaligem Stand Ende November für die Bank bezugsfertig sein.

Tatsächlich wurde das Gebäude jedoch erst im Dezember 2019 fertiggestellt, wie aus einer Quelle hervorgeht. Die Mitarbeiter der Niederlassung zogen dann von ihrem Ausweichquartier an der Hermannstraße zurück ins Herz der Bielefelder Altstadt. Dieser Umzug hatte bereits mehr als zwei Jahre gedauert, da die Mitarbeiter bereits im Winter 2016 ihr Quartier bezogen hatten, als die Abbrucharbeiten am Hauptgebäude begannen.

Die Verzögerungen beim Projektende waren für die Bank und die ausführende Firma eine Herausforderung, da sie die Planung für die Rückkehr der Mitarbeiter und die Wiederaufnahme des normalen Geschäftsbetriebs beeinflussten. Dennoch wurde das Projekt letztendlich erfolgreich abgeschlossen und das Bankhaus Lampe konnte seinen traditionsreichen Standort am Alten Markt wiederbeziehen.

Fazit

Die Sanierung und der Neubau des Bankhauses Lampe in Bielefeld gelingt als vorbildliches Beispiel für den sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz. Durch die enge Zusammenarbeit mit Denkmalschutzbehörden und die klare Trennung zwischen Erhaltung der historischen Fassade und Modernisierung der rückwärtigen Gebäudeteile wurde es möglich, ein stadtbildprägendes Wahrzeichen zu erhalten und gleichzeitig ein modernes, zukunftsfähiges Bankgebäude zu schaffen.

Das Projekt zeigt, dass Denkmalschutz und Modernität keine Gegensätze sein müssen. Mit der richtigen Planung und Ausführung können historische Gebäude so umgestaltet werden, dass sie den Anforderungen der Zeit gerecht werden, ohne ihren historischen Charakter zu verlieren. Die Erhaltung der denkmalgeschützten Fassaden und die Integration der Neubauten in die vorhandene Bausubstanz haben zu einem harmonischen Gesamtbild geführt, das sich gut in die Bielefelder Altstadt einfügt.

Die Bauzeit von etwa drei Jahren und die Verzögerung beim Abschluss des Projekts zeigen, dass bei denkmalgeschützten Bauten oft mehr Zeit und Ressourcen benötigt werden als bei konventionellen Neubauten. Dieser zusätzliche Aufwand ist jedoch gerechtfertigt, da so wertvolles kulturelles Erbe erhalten bleibt.

Für das Bankhaus Lampe bedeutet der Abschluss des Projekts nicht nur die Rückkehr in repräsentative Räume im Herzen der Bielefelder Altstadt, sondern auch eine Modernisierung der Arbeitsplätze und Dienstleistungsräume, die den Anforderungen eines modernen Bankbetriebs entsprechen. Gleichzeitig bleibt das Gebäude als Teil des Stadtbilds erhalten und trägt zur Attraktivität des Alten Markts und der gesamten Innenstadt bei.

Quellen

  1. agn Bankhaus Lampe Bielefeld
  2. PORR Hochbau West GmbH - Bankhaus Lampe Bielefeld
  3. Neue Westfälische - Endspurt auf der Großbaustelle an der Bielefelder Lampe-Bank
  4. Claassander - Bankhaus Lampe
  5. Mueller Münch - Bankhaus Lampe

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