Einleitung
Die Realschule an der Blutenburg in München befindet sich derzeit in einem umfassenden Transformationsprozess. Mit einem Budget von rund 85 Millionen Euro wird die Schule samt der angrenzenden Grundschule Grandlstraße saniert, erweitert und teilweise neu gebaut. Dieses Bauprojekt stellt eine erhebliche Investition in die Bildungsinfrastruktur der bayerischen Landeshauptstadt dar und erfolgt in mehreren Bauabschnitten, wobei der Schulbetrieb teilweise aufrechterhalten werden muss. Der vorliegende Artikel beleucht die wichtigsten Aspekte dieses anspruchsvollen Bauvorhabens, von den ersten Planungsschritten bis zu den aktuellen Herausforderungen bei der Umsetzung.
Projektübersicht
Das Bauprojekt "Realschule an der Blutenburg und Grundschule Grandlstraße, Neubau, Umbau und Erweiterung" ist eines der größten Schulbauprojekte in München der letzten Jahre. Auftraggeberin ist die Landeshauptstadt München, die für die Planung und Umsetzung verantwortlich zeichnet. Das Vorhaben umfasst nicht nur die Sanierung bestehender Gebäude, sondern auch den Neubau von Gebäudeteilen sowie die Erweiterung der gesamten Schulanlage.
Besonders herausfordernd gestaltet sich der Bauablauf, da die Arbeiten in mehreren Bauabschnitten durchgeführt werden müssen, während der Schulbetrieb weiterhin stattfindet. Diese Teilbetrieb-Phase erfordert eine sorgfältige Planung und Koordination, um den Unterrichtsbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Gleichzeitig müssen die Sportanlagen der Schule in das Konzept einbezogen werden, was zusätzliche Komplexität in die Bauabläufe bringt.
Mit geschätzten Baukosten von ca. 85 Millionen Euro handelt es sich um eine der größten Investitionen in den Münchner Schulbau in jüngster Vergangenheit. Dieses erhebliche Budget unterstreicht die Priorität, die die Stadt München der Modernisierung und Erweiterung ihrer Bildungsinfrauktur einräumt.
Vergabeverfahren und Auftragnehmer
Ein zentraler Aspekt des Bauprojekts ist die Vergabe der verschiedenen Gewerke. Ein konkretes Beispiel hierfür ist die Vergabe der Tischlerarbeiten, insbesondere für Fenster und Türen. Für diesen Los wurde am 3. Mai 2016 der Vertrag an die Firma Rienth GmbH & Co. KG aus Winnenden vergeben. Die Ausschreibung erhielt vier Angebote, was auf ein gesundes Wettbewerbsumfeld hindeutet.
Interessant ist die Tatsache, dass der Vertrag an einen einzichen Unternehmen und nicht an einen Unternehmenszusammenschluss vergeben wurde. Die Rienth GmbH & Co. KG firmiert als kleines oder mittelständisches Unternehmen (KMU), was die Tendenz der öffentlichen Auftraggeber zeigt, auch kleineren Unternehmen Chancen im Bereich der öffentlichen Ausschreibungen zu geben.
Der Auftragswert wird ohne Mehrwertsteuer mit 0,01 angegeben. Dieser Wert erscheint ungewöhnlich niedrig für einen so umfangreichen Baustein eines 85-Millionen-Euro-Projekts und könnte auf eine Platzhalterangabe oder eine unvollständige Information im Vergabedatenbank-Eintrag hindeuten. Tatsächlich dürften die Kosten für Fenster und Türen im Rahmen der gesamten Baumaßnahmen weitaus höher liegen.
Bauablauf und Herausforderungen
Ein zentraler Aspekt des Bauprojekts ist die baubetriebliche Bewertung von Störungen des Bauablaufes. Solche Störungen können vielfältiger Natur sein: von unvorhergesehenen technischen Schwierigkeiten bei der Sanierung bis zu Koordinationsproblemen zwischen verschiedenen Gewerken. Besonders bei einem Schulbau im laufenden Betrieb sind solche Störungen kritisch, da sie nicht nur den Zeitplan betreffen, sondern auch den Schulbetrieb beeinträchtigen können.
Die Herausforderungen bei der Durchführung von Bauarbeiten an Schulen, die während der Bauphase weiterhin genutzt werden, sind vielfältig. Lärm- und Staubemissionen müssen minimiert werden, Sicherheitsstandards für Schüler und Lehrpersonal müssen gewährleistet bleiben und der Zugang zu Klassenräumen muss sichergestellt sein. Diese Anforderungen machen eine detaillierte Planung und ständige Kommunikation zwischen Bauunternehmen, Schulleitung und Schulträger unerlässlich.
Ein weiterer kritischer Faktor ist die Einhaltung des Zeitplans. Verzögerungen im Bauablauf können dazu führen, dass bestimmte Bauabschnitte nicht wie geplant abgeschlossen werden können, was wiederum Auswirkungen auf nachfolgende Gewerke haben kann. Insbesondere bei einem so umfangreichen Projekt wie dem Neubau, Umbau und Erweiterung der Realschule an der Blutenburg ist eine präzise Koordination der Bauabschnitte entscheidend, um Gesamtkosten und Bauzeiten zu kontrollieren.
Die Schule im Wandel
Die Realschule an der Blutenburg ist eine Schule für Jungen und Mädchen mit verschiedenen Ausbildungsrichtungen. Sie bietet eine Gruppe II mit Schwerpunkt im wirtschaftlichen Bereich sowie eine Gruppe IIIa mit Schwerpunkt in der zweiten Fremdsprache Französisch. Daneben existiert eine Gruppe IIIb mit Schwerpunkten in der Kunsterziehung, Werken, Hauswirtschaft oder Sozialwesen. Die Schule verfügt über ein gebundenes Ganztagsangebot mit rhythmisierten Ganztagsklassen und stellt Mittagessen für die Schüler bereit.
Zu den besonderen Angeboten der Schule gehörte in der Vergangenheit eine Bläserklasse sowie Musikklassen in der fünften und sechsten Jahrgangsstufe. Diese musikalischen Schwerpunkte waren Teil eines umfassenden pädagogischen Konzepts, das die Schule früher auszeichnete und für das sie sogar Preise erhalten hatte. Die Schule war zudem für ihr breites Sportangebot, einen großen Spendenlauf für Extra-Projekte, einen Frankreich-Austausch und viele weitere schulische und außerschulische Aktionen bekannt.
Mit rund 500 Schülern, die von knapp 50 Lehrern betreut werden, handelt es sich um eine mittelgroße Realschule in der Trägerschaft der Stadt München. Die Schule befindet sich an der Grandlstraße 5 im Münchner Stadtteil.
Personelle Herausforderungen und deren Auswirkungen
Neben den baulichen Herausforderungen muss die Schule derzeit auch erhebliche personelle Probleme bewältigen. Im Schuljahr 2018/19 gab es bedingt durch Krankheiten und mehrere Schwangerschaften mit den damit verbundenen Beschäftigungsverboten stellenweise personelle Engpässe. Diese Situation führte dazu, dass schulische Maßnahmen klar priorisiert werden mussten.
Um den Unterricht in den 9. und 10. Klassen und in den Kernfächern aller Klassen zu gewährleisten, wurden Arbeitsgemeinschaften (AGs) zusammengelegt und das Teamteaching aufgelöst – Maßnahmen, die in solchen Situationen vorgesehen sind. Die Lehrkräfte der Realschule an der Blutenburg haben laut Schulleitung sehr deutlich über ihr eigentliches Stundenmaß hinaus gearbeitet, Klassen übernommen und Stunden- und Vertretungspläne täglich an die aktuelle Situation angepasst.
Die personelle Situation führte auch dazu, dass wichtige pädagogische Angebote nicht mehr aufrechterhalten werden konnten. An der Schule gibt zwar qualifizierte Musiklehrkräfte, aber keine Lehrkräfte mit Bläserausbildung – deshalb konnte das Konzept der Bläserklasse nicht fortgeführt werden. Vor dem Hintergrund der Auslastung des Teams hat die Schulleitung entschieden, kein Frühlingsfest zu verastalten.
Insgesamt konnten – inklusive hitzefrei – rund zehn Prozent der Stunden nicht wie geplant umgesetzt werden. Auswirkungen auf die Noten oder die Motivation der Kinder habe dies nach Angaben der Schulleitung nicht. Auch der Zusammenhalt der Schülerinnen und Schüler sei unverändert gut.
Die Auswirkungen der personellen Engpässe werden jedoch von Eltern und Schülern anders wahrgenommen. Laut dem Elternbeiratsvorsitzenden Stefan Binner ist "von dem Glanz nichts mehr übrig geblieben". Die Schule habe früher Preise für ihr hervorragendes pädagogisches Konzept gewonnen, "jetzt wird nur noch der Mangel verwaltet. Das Schulleben ist zusammengebrochen."
Seit einem Jahr ist Binner Vorsitzender und zog Resümee über die Auswirkungen des katastrophalen Lehrermangels: "Im Winter zur Grippezeit fehlten 35 Prozent der Lehrer. Jetzt fehlen im Schnitt zehn bis zwölf. Reservelehrer gibt es nicht." Alle außerschulischen Angebote seien gestrichen. Die Schulband, der Sport-Differenzierungsunterricht, die Bläserklasse – alles nicht mehr existent. "Selbst das Sommerfest findet nicht statt. Die Lehrer schaffen es einfach nicht."
Zwei Wochen vor Schuljahresende hörte auch die Ganztagesbetreuung in der Schule auf, Ganztagsbetreuung für die neuen Siebtklässler des Kunstzweigs werde es übrigens auch nicht geben. "Es brodelt in der Elternschaft an allen Ecken!", so Binner.
Auch aus systemischer Sicht gibt es Probleme bei der Dokumentation der personellen Engpässe. Wie Alexander Georg vom Bayerischen Lehrerverein (brlv) mitteilt, werden zwar Unterrichtsausfall und Fehlzeiten der Lehrkräfte direkt an der Schule erfasst, so dass der brlv keine konkreten Auskünfte zur Lage an der Realschule Blutenburg erteilen kann.
Am 12. Februar 2019 wurden beim Referat für Bildung und Sport Informationen zu ausgefallenem Unterricht eingefordert. In der Antwort darauf nimmt die Stadtschulrätin Zurek am 22. März 2019 schriftlich zur Situation an den städtischen Realschulen wie folgt Stellung: "Die Höhe der ausgefallenen Stunden aufgrund von Krankheit kann nicht benannt werden, da hierzu der Gesamtüberblick fehlt..."
Diese Antwort zeigt, dass dem Referat für Bildung und Sport anscheinend keine detaillierte Information vorliegt, wie eine Realschule auf den Ausfall von Kolleginnen und Kollegen vor Ort reagiert. Aus Sicht des brlv ist diese Tatsache sehr zu kritisieren, da auf dieser Basis eine systematische Bildungsplanung, die auch kurzfristig reagieren kann, nicht möglich ist. Es wird abgeleitet, dass die Realschulen vor allem über interne Maßnahmen wie Mehrarbeit der Lehrkräfte oder Aufstockung von Teilzeitbeschäftigten Unterrichtsausfälle auffangen müssen.
Fazit
Das Bauprojekt "Neubau, Umbau und Erweiterung der Realschule an der Blutenburg und Grundschule Grandlstraße" ist eine der größten Investitionen in die Münchner Bildungsinfrastruktur. Mit Kosten von rund 85 Millionen Euro und der Durchführung in mehreren Bauabschnitten unter Teilbetrieb stellt es eine enorme logistische Herausforderung dar. Die Vergabe der Gewerke, wie beispielsweise die der Tischlerarbeiten für Fenster und Türen an die Firma Rienth GmbH & Co. KG, zeigt den strukturierten Ansatz der Stadt München bei der Umsetzung des Projekts.
Gleichzeitig muss die Schule jedoch auch erhebliche personelle Herausforderungen bewältigen. Lehrermangel aufgrund von Krankheiten und Schwangerschaften führt zu erheblichen Engpässen, die den Unterrichtsbetrieb beeinträchtigen und zur Streichung wichtiger pädagogischer Angebote führen. Die Diskrepanz zwischen den offiziellen Darstellungen der Schulleitung und den Erfahrungen von Eltern und Schülern zeigt, wie komplex die Situation ist.
Das Beispiel der Realschule an der Blutenburg verdeutlicht, dass erfolgreiche Bildungsarbeit nicht nur von baulichen Maßnahmen abhängt, sondern entscheidend von personellen Ressourcen und der Fähigkeit der Schulen, ihr pädagogisches Konzept auch unter erschwerten Bedingungen umzusetzen. Während die bauliche Sanierung der Schule in den kommenden Jahren fortschreiten wird, bleibt die Frage nach den personellen Rahmenbedingungen, die für eine erfolgreiche Bildungsarbeit unerlässlich sind.