Sanierung des Bundestags: Mammutaufgabe für die Parlamentsbauten bis 2045

Einleitung

Der Deutsche Bundestag in Berlin-Mitte steht vor einer der größten infrastrukturellen Herausforderungen seiner Geschichte: der umfassenden Sanierung fast aller 22 Parlamentsgebäude. Ein interner Bericht des Ältestenrats vom 25. September offenbart, dass nahezu alle Gebäude bis 2045 grundsaniert und energetisch ertüchtigt werden müssen. Diese Mammutaufstellung geht weit über übliche Renovierungsarbeiten hinaus und betrifft nicht nur die Bausubstanz, sondern auch die Funktionsfähigkeit des parlamentarischen Betriebs in den kommenden Jahrzehnten. Die Dimension des Vorhabens ist gewaltig: Jährlich müssen durchschnittlich 900, in Spitzenzeiten sogar bis zu 1.500 Büroräume geräumt werden. Gleichzeitig müssen Abgeordnete, Mitarbeiter und Verwaltung weiterarbeiten, da der Parlamentsbetrieb nicht unterbrochen werden darf. Dieser Artikel beleuchtet die Umfang, die Herausforderungen und die spezifischen Projekte der Bundestagssanierung.

Umfang und Dimension des Sanierungsprojekts

Die Sanierung des Bundestags ist ein außergewöhnlich umfangreiches Projekt mit beeindruckenden Zahlen. Laut dem Bericht des Ältestenrats ist davon auszugehen, dass "nahezu alle Gebäude bis 2045 im Rahmen von Grundsanierungen zu erneuern und energetisch zu ertüchtigen sind". Dies betrifft nicht nur einzelne Gebäudeteile, sondern die gesamte Infrastruktur des Parlamentsviertels in Berlin-Mitte.

Die logistische Herausforderung ist immens. Jährlich müssen durchschnittlich 900 Büroräume geräumt werden, um Sanierungsarbeiten durchzuführen. In Spitzenzeiten können diese Zahlen sogar bis zu 1.500 Räume pro Jahr erreichen. Für die Nutzer der Gebäude bedeutet dies ständige Umzüge und Anpassungen. Besonders problematisch ist die Situation für Einrichtungen wie die Kindertagesstätte und das Bundestagsfernsehstudio, die kurzfristig Ausweichquartiere benötigen. Auch für Ausschusssitzungen während der Sanierung des Plenarsaals müssen Ersatzkapazitäten geschaffen werden.

Die Bundestagsverwaltung hat reagiert und plant, weniger komplexe Renovierungsarbeiten selbst durchzuführen. Ab 2025 sollen dafür zusätzliche Personalkapazitäten bereitgestellt und kontinuierlich aufgestockt werden. Diese Strategie zielt darauf ab, die Abhängigkeit von externen Bauunternehmen zu reduzieren und die Kontrolle über den Sanierungsprozess zu behalten. Andernfalls drohe ein "exponentieller Anstieg von Havarierisiken bis hin zur Nichtnutzbarkeit von (Teil-)Liegenschaften", warnt der Bericht eindringlich.

Die finanziellen und personellen Ressourcen, die für dieses Projekt aufgewendet werden müssen, sind gewaltig. Gleichzeitig stehen die Klimaziele des Bundestags auf dem Spiel: Ohne die geplanten Maßnahmen sei weder das Zwischenziel bis 2030 noch die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen. Die Parlamentssanierung wird den Bundestag also noch Jahre beschäftigen und erhebliche logistische wie finanzielle Ressourcen erfordern.

Spezielle Projekte: Neustädtische Kirchstraße und weitere Bauten

Ein konkretes Beispiel für die Sanierungsmaßnahmen ist das Projekt in der Neustädtischen Kirchstraße 4–5. Unter der Leitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) – Referat BB II 4 – wird das ehemals von der Botschaft der USA genutzte Gebäude als Bürogebäude für den Deutschen Bundestag hergerichtet. Dieses Projekt umfasst sowohl die Generalsanierung des Bestandsgebäudes als auch den Rückbau und anschließenden Neubau des angrenzenden Hauses in der Mittelstraße 25. Mit der Bauausführung wurde bereits im Sommer 2017 begonnen.

Besonders bemerkenswert ist die Geschichte des Gebäudes: Es handelt sich um ein in die Denkmalliste des Landes Berlin eingetragenes Baudenkmal, welches zwischen 1886 und 1887 durch die Architektensozietät Hermann von der Hude und Julius Hennicke im Stil der französischen Neorenaissance errichtet wurde. Ursprünglich als Warenhaus für Armee und Marine konzipiert, wurde das Gebäude 1937 zum Haus des Deutschen Handwerks umgebaut. Von 1951 an war es der Sitz der Volksbank Berlin und später Sitz der Handwerkskammer der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Ab 1977 diente das Haus den Vereinigten Staaten von Amerika zunächst als diplomatische Vertretung in der DDR. Nach der Wiedervereinigung wurde der Komplex zum Botschaftsstandort der USA in der Bundesrepublik Deutschland, bis die US-Botschaft 2008 in den Neubau am Pariser Platz zog.

Die Sanierung dieses Denkmals erfordert besondere Sorgfalt und Fachwissen, da die historische Bausubstanz erhalten werden muss, während gleichzeitig moderne Anforderungen an Büroflächen, Sicherheit und Energieeffizienz erfüllt werden müssen. Solche Projekten sind exemplarisch für die Herausforderungen, die bei der Sanierung des gesamten Bundestagskomplexes bestehen.

Technische Herausforderungen und Bauschäden

Die Bundestagsgebäude sind nicht nur politisches Zentrum Deutschlands, sondern auch eine permanente Baustelle. In den Gebäuden wird ständig gebaut, renoviert und modernisiert. Hinter der modernen Fassade aus Glas, Beton und geraden Linien verbergen sich zahlreiche technische Herausforderungen und Bauschäden.

Ein häufiges Problem sind undichte Dächer. So berichtet der CDU-Abgeordnete Hermann Gröhe von Situationen, "wenn ich durch ein modernes Bürogebäude des Deutschen Bundestages gehe und da steht ein Eimer, weil es reinregnet." Auch die Architektin und Abgeordnete Mechthild Heil findet noch immer Spuren von Nässe in den Wänden des Jakob-Kaiser-Hauses, dem mit mehr als 1.700 Büros größten Parlamentsneubau. Für Heil ist klar, warum das Dach des erst 2002 fertiggestellten Gebäudes undicht wurde: "Das ist ein konstruktives Problem - sehr viel Hitze, sehr viel Kälte und irgendwann fängt an, eine Fuge zu reißen. Dann läuft es ins Gebäude und man muss es auffangen."

Neben undichten Dächern müssen sich die Verantwortlichen auch um übelriechende Büros kümmern. Ein großes Problem dabei sind die Abwasserrohre, die seit 25 Jahren im Gebäudebestand sind und mittlerweile kleine Löcher überall haben, die gestopft werden müssen. Diese Mängel zeigen, dass selbst relativ junge Gebäude unter den extremen Belastungen leiden, denen sie ausgesetzt sind.

Besonders herausfordernd ist die Situation beim Reichstagsgebäude, das erst in den 1990er-Jahren komplett umgebaut wurde und nun wieder zur Baustelle wird. Unter anderem steht ein energetischer Umbau an, der komplex ist, weil "vor dreißig Jahren keiner wirklich mit dem Klimawandel in der Größenordnung gerechnet hat, den wir jetzt haben." Zusätzlich hat sich der Technologiebedarf stark verändert: "Zweitens ist es so, dass auch keiner mit dem Erfolg der IT-Technik gerechnet hat. Die ganzen Geräte haben Wärmeabstrahlungen, die irgendwo aufgefangen werden müssen. Das heißt, unser bisheriges Kältekonzept reicht nicht mehr aus, um angenehme Arbeitsplätze zu garantieren."

Klimaziele und Modernisierungsbedarf

Die Sanierung der Bundestagsgebäude ist eng mit den Klimazielen des Parlaments verknüpft. Ohne die geplanten Maßnahmen sei weder das Zwischenziel bis 2030 noch die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen. Die energetische Ertüchtigung der Gebäude ist daher kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, um die eigenen Klimaziele erreichen zu können.

Die Herausforderungen bei der Modernisierung sind vielfältig. Einerseits müssen die historischen Baudenkmäle erhalten bleiben, andererseits müssen sie den modernen Anforderungen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gerecht werden. Dies erfordert innovative Lösungen und hohe Investitionen.

Ein konkretes Beispiel für die Modernisierungsmaßnahmen ist die neue Kühlung für die Parlamentsgebäude. Bagger und Erdhaufen mitten im Parlamentsviertel zeigen die Vorarbeiten für eine neue Kühlanlage. Diese ist notwendig, weil das bisherige Kältekonzept die Wärmeabstrahlungen der modernen IT-Technik nicht mehr bewältigen kann und die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt werden müssen.

Ein weiteres wichtiges Element der Modernisierung ist die Sicherheit. Wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki erklärt, "auf die Idee ist vor zwanzig Jahren auch noch keiner gekommen, weil eben noch vor zwanzig Jahren keiner auf die Idee kam, mit einem LKW irgendwo reinzufahren." Aus diesem Grund wird ein zweieinhalb Meter tiefer Sicherheitsgraben vor dem Reichstag ausgebaggert, um das Gebäude vor möglichen Angriffen zu schützen.

Besucherzentrum-Projekt

Ein sichtbares Zeichen der Umbaumaßnahmen ist das neue Besucher- und Informationszentrum des Bundestags. Der Berliner Senat hat dem Bebauungsplan für das Zentrum zugestimmt, das südwestlich des Reichstagsgebäudes am Großen Tiergarten entstehen wird.

Die Planung für dieses Projekt ist bereits fortgeschritten. Erste vorbereitende Arbeiten sollen bereits Mitte des Jahres beginnen, wie Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) mitteilte. Der eigentliche Baubeginn ist für kommendes Jahr geplant, die Fertigstellung bis zum Jahr 2030.

Das neue Besucherzentrum wird die bisher provisorischen Eingangscontainer vor dem Reichstagsgebäude ersetzen. Künftig sollen alle Besucher des Bundestags inklusive der Dachterrasse und der Reichstagskuppel über das neue Zentrum in das Parlamentsgebäude gelangen. Nach einer Sicherheitsschleuse werden sie durch einen Tunnel dorthin geleitet.

Das Konzept des Besucherzentrums geht weit über einen einfachen Eingangsbereich hinaus. Es ist ein Empfangs- und Informationsbereich, Räume für Seminar- und Diskussionsveranstaltungen sowie Geschäfte und Gastronomie vorgesehen. Interessierte können sich dort über Geschichte und Arbeit der parlamentarischen Institutionen informieren. Unterhalb des Platzes der Republik soll zusätzlich eine unterirdische Kältezentrale das Empfangs- und Reichstagsgebäude versorgen.

Zum Ausgleich für die Bebauung sollen drei grüne Areale geschaffen werden. Die Notwendigkeit eines modernen Besucherzentrums wird durch die hohe Besucherzahl unterstrichen: Im vergangenen Jahr besuchten rund 1,85 Millionen Menschen den Deutschen Bundestag. Attraktion ist neben dem Plenarsaal die besondere Glaskuppel, die einen Blick über die Hauptstadt gewährt.

Betriebliche Herausforderungen und Logistik

Eine der größten Herausforderungen bei der Sanierung des Bundestags ist der Betrieb während der Bauarbeiten. Bevor grundlegend saniert werden kann, müssen die Betroffenen raus. Aber Abgeordnete, Mitarbeiter und Verwaltung müssen weiterarbeiten, denn der Parlamentsbetrieb darf nicht unterbrochen werden.

Diese doppelte Belastung erfordert eine komplexe Logistik. Rund 400 zusätzliche Büros sind nötig, um den Betrieb während der Sanierungsphase aufrechtzuerhalten. Und das, obwohl der Bundestag eigentlich schrumpfen sollte. Für diesen zusätzlichen Bedarf wurde seit 2022 ein buntes Gebäude aus Fertigbauteilen errichtet: der Luisenblock West.

Andere Bauvorhaben verzögern sich jedoch. "Das Problem haben wir gerade beim Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, dass 2015 eigentlich schon fertig sein sollte", erklärt Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident und Vorsitzender der Kommission des Ältestenrates für Bau und Raumangelegenheiten. "Dann gab es einen Wasserschaden und dann gab es lange Streitigkeiten. Und jetzt haben wir Schwierigkeiten, für die Restarbeiten die Firmen zu bekommen, weil eben am Markt alles platt ist."

Diese Verzögerungen haben nicht nur bauliche, sondern auch politische Konsequenzen. Kubicki, der alle Bau- und Sanierungsmaßnahmen über seinen Schreibtisch laufen lässt, muss sich nicht nur um undichte Dächer und übelriechende Büros kümmern, sondern auch um die politischen Implikationen von Bauverzögerungen und steigenden Kosten.

Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) beschreibt die Situation treffend: "Manches ist bis heute noch nicht fertig, was hätte fertig sein sollte. Aber da sind wir bei den Unbilden des Baugeschehens. Und das ist nun wieder eine eigene große Welt."

Fazit

Die Sanierung des Bundestags ist eine der größten infrastrukturellen Herausforderungen für die deutsche Bundeshauptstadt. Die Mammutaufgabe, fast alle 22 Parlamentsgebäude bis 2045 grundzusanieren und energetisch zu ertüchtigen, erfordert immense logistische, finanzielle und personelle Ressourcen. Gleichzeitig müssen die Gebäude während der Bauarbeiten weiter betrieben werden, was die Komplexität des Projekts noch erhöht.

Die technischen Herausforderungen sind gewaltig: von undichten Dächern und übelriechenden Büros bis hin zu veralteten Kältekonzepten, die den Anforderungen moderner IT-Technik und des Klimawandels nicht mehr gerecht werden. Die Sanierung ist daher auch eine Modernisierung, die das Parlament fit für die Zukunft machen soll.

Besonders schwierig gestaltet sich die Balance zwischen Denkmalschutz und Modernisierung. Historische Bauten wie das Gebäude in der Neustädtischen Kirchstraße müssen erhalten bleiben, während sie gleichzeitig modernen Anforderungen an Büroflächen, Sicherheit und Energieeffizienz entsprechen müssen.

Das neue Besucherzentrum zeigt, dass die Sanierung des Bundestags nicht nur notwendige Instandhaltungsmaßnahmen umfasst, sondern auch die Verbesserung der Besuchererfahrung und die Schaffung neuer öffentlicher Räume. Gleichzeitig verdeutlicht das Projekt die langen Planungs- und Bauzeiten bei solchen Großprojekten.

Die Sanierung des Bundestags ist somit mehr als ein Bauvorhaben – es ist ein Spiegelbild der Herausforderungen, mit denen auch andere große Immobilienbestände konfrontiert sind: dem Alterungsprozess der Bausubstanz, den Anforderungen des Klimawandels und dem technologischen Wandel. Die Erfahrungen, die bei diesem Projekt gesammelt werden, könnten daher auch für andere Sanierungsprojekte von Bedeutung sein.

Quellen

  1. Bericht: Sanierung der Bundestagsgebäude bis 2045 nötig
  2. Bauprojekt Deutscher Bundestag – Neustädtische Kirchstraße 4–5
  3. Sanierungsarbeiten Dauerbaustelle Bundestag
  4. Berlin: Bundestag bekommt neues Besucherzentrum

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