Modernisierung des Bahnhofs Schwäbisch Hall-Hessental: Vom historischen Knotenpunkt zum Bahnhof der Zukunft

Einleitung

Der Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental steht vor einer umfassenden Modernisierung, die ihn in einen attraktiven multimodalen Verkehrsknotenpunkt des 21. Jahrhunderts verwandeln soll. Als einer der beiden Bahnhöfe der Großen Kreisstadt Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg hat die Station eine lange Geschichte, die bis ins Jahr 1867 zurückreicht. Seit 2019 ist der Bahnhof Teil des Bahnhofsmodernisierungsprogramms II (BMP II) im Rahmen der Landesinitiative "Bahnhof der Zukunft". Dieses ambitionierte Projekt wird mit Mitteln des Landes, der Bahn und der Gemeinde realisiert und soll bis 2028 abgeschlossen sein. Die Modernisierung umfasst drei Module: die barrierefreie Gestaltung der Bahnsteige, die Schaffung eines integrierten Mobilitätsknotens sowie die Sanierung des kommunalen Bahnhofsgebäudes. Dieser Artikel beleuchtet die geplanten Maßnahmen, den aktuellen Stand der Planung und die Vision für die Zukunft des Bahnhofs als zentraler Verkehrsknoten für die Region.

Historische Entwicklung des Bahnhofs Schwäbisch Hall-Hessental

Der Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental hat eine bewegte Geschichte, die eng mit der Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur in der Region verbunden ist. Am 10. Dezember 1867 wurde der ursprünglich als "Bahnhof Hessenthal" bezeichnete Verkehrsknotenpunkt mit der Verlängerung der Strecke Heilbronn–Hall nach Crailsheim eröffnet. Diese erste Strecke legte den Grundstein für die verkehrsmäßige Erschließung des Gebiets.

Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte des Bahnhofs erfolgte im Jahr 1879, als die Strecke von Gaildorf bis Hessenthal in Betrieb ging. Durch diese Verbindung wurde der Bahnhof im Vergleich zum zentraler gelegenen Stadtbahnhof betrieblich aufgewertet, und das Empfangsgebäude wurde errichtet. Die ursprüngliche Schreibweise der Gemeinde lautete "Hessenthal", wurde später aber zu "Hessental" geändert, um den Bahnhof von anderen Orsten mit ähnlichen Namen zu unterscheiden. Zur besseren Unterscheidung wurde er daher auch als "Hessental (Württemberg)" bezeichnet.

Nach der 1936 erfolgten Eingemeindung von Hessental nach Schwäbisch Hall wurde der Bahnhof zum Fahrplanjahr 1939 in "Schwäb. Hall-Hessental" umbenannt. Die endgültige Umbenennung in "Schwäbisch Hall-Hessental" erfolgte schließlich im Jahr 1964 und prägt bis heute den offiziellen Namen des Verkehrsknotenpunkts.

Weniger bekannt, aber historisch bedeutsam ist die Tatsache, dass sich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs von Sommer 1944 bis April 1945 ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof im Elsass befand. Dieses Konzentrationslager wurde in einem ehemaligen Barackenlager des Reichsarbeitsdienstes am Bahnhof Hessenthal eingerichtet und beherbergte zunächst 600 Häftlinge. Ein tragischer Teil der Bahnhofsgeschichte ist der Luftangiff der United States Army Air Forces am 23. Februar 1945, der auf den Bahnhof gezielt war und zwischen 48 und 53 Menschen das Leben kostete.

Heute ist der Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental ein Durchgangsbahnhof mit drei Bahnsteiggleisen und ein wichtiger Trennungsbahnhof, an dem die Bahnstrecke Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental (Murrbahn) in die Bahnstrecke Crailsheim–Heilbronn (Hohenlohebahn) einmündet. Die Betriebsstelle ist unter der Abkürzung TSHT bekannt und hat die internationale Bahnhofsnummer (IBNR) 8000330. Sie gehört zur Preisklasse 4 und liegt an der Karl-Kurz-Straße 1, etwa einen Kilometer südwestlich des Hessentaler Ortszentrums und etwa vier Kilometer südöstlich der Kernstadt Schwäbisch Hall.

In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs befindet sich das "Gewerbegebiet Breitloh/Karl-Kurz-Areal" auf dem Gelände der ehemaligen Fassfabrik K. Kurz Hessental, welches bis zur Insolvenz 1998 eines der größten Unternehmen der Stadt Schwäbisch Hall war. Diese historische und wirtschaftliche Prägung macht die Modernisierung des Bahnhofs zu einem Projekt von besonderer Bedeutung für die gesamte Region.

Das Modernisierungsprogramm "Bahnhof der Zukunft"

Im Jahr 2019 wurde der Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental in das Bahnhofsmodernisierungsprogramm II (BMP II) im Rahmen der Landesinitiative "Bahnhof der Zukunft" aufgenommen. Dieses Programm ist Teil einer umfassenden Strategie zur Modernisierung von Bahnhöfen in Baden-Württemberg und wird mit Mitteln des Landes, der Deutschen Bahn und der Stadt Schwäbisch Hall finanziert. Die Transformation des Bahnhofs Hessental zum "Bahnhof der Zukunft" stellt eine wichtige Investition in die Zukunft der Mobilität in der Region dar.

Das BMP II besteht aus drei Teilprogrammen (Module), die in den Jahren 2020 bis 2029 umgesetzt werden sollen. Diese Module sind aufeinander abgestimmt und zielen darauf ab, den Bahnhof ganzheitlich an die heutigen Erfordernisse eines attraktiven ÖPNV Halte- und Umstiegspunktes anzupassen.

Modul I: Barrierefreie Haltestelle

Das erste Modul konzentriert sich auf die barrierefreie Gestaltung der Bahnsteige und deren Zugänge. Dieses Modul wurde bereits 2019 in das Programm aufgenommen und umfasst die Sanierung von Bahnsteiganlagen sowie die Verbesserung der DB Stationsgebäude. Die Deutsche Bahn Netze führt in eigener Zuständigkeit eine Ausschreibung für die Planungsleistungen dieses Moduls durch, welche die barrierefreie Erschließung des Mittelbahnsteigs sowie die Erneuerung der beiden Bahnsteige in Hessental umfasst.

Modul II: Stationsumfeld/Mobilitätsknoten

Das zweite Modul zielt darauf ab, die Verknüpfung verschiedener Mobilitätsformen im Umfeld der Station zu verbessern. Ein zentrales Anliegen ist die Schaffung eines integrierten Mobilitätsknotens, an dem Bahn, Bus, Taxi, Fahrrad und Individualverkehr nahtlos miteinander verbunden sind. Für dieses Modul sollen von Seiten der Stadt Anträge auf Aufnahme in das Förderprogramm im Herbst 2022 gestellt werden, wofür Planungen für das kommunale Bahnhofsgebäude und dessen Umfeld notwendig sind.

Modul III: Kommunale Stationsgebäude

Das dritte Modul unterstützt die Sanierung und dauerhafte Bereitstellung von Räumen zur Nutzung im Zusammenhang mit dem Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Stationsgebäuden. Ähnlich wie bei Modul II wurden für dieses Modul Anträge im Herbst 2022 geplant, um eine parallel zur barrierefreien Erschließung des Mittelbahnsteigs im Jahr 2024 Umsetzung zu ermöglichen.

Ein besonderes Merkmal des Modernisierungsprogramms ist die enge Einbindung der Öffentlichkeit in den Planungsprozess. Bereits vor der Auslobung eines Ideenwettbewerbs zur Neugestaltung des Bahnhofs und dessen Umfeld wurden die Ideen, Anregungen und Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger eingeholt. Bei einer Bürgerbeteiligung am 9. Februar wurden Fragen erörtert wie: Was erwarten sich die Bürger vom Bahnhof als multimodalem Verkehrsknotenpunkt? Welche Anforderungen bestehen an das Bahnhofsgebäude? Wie soll das Umfeld gestaltet werden? Welche Bedürfnisse haben verschiedene Nutzergruppen wie Senioren, Pendelnde, Familien oder Jugendliche?

Parallel zur Bürgerbeteiligung fand auch eine Expertenbeteiligung statt, bei der von der Planung betroffene Verbände und Unternehmen wie Busbetriebe, Taxibetreiber, Barrierefrei e.V. und ADFC ihre Wünsche, Anregungen und Hinweise einbringen konnten. Diese umfassende Einbindung aller Stakeholder soll sicherstellen, dass die Modernisierung des Bahnhoffs den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer entspricht.

Detaillierte Bau- und Modernisierungsmaßnahmen

Die geplenen Bau- und Modernisierungsmaßnahmen für den Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental sind umfassend und zielen darauf ab, alle Aspekte des Bahnhofs zu erneuern und zu verbessern. Die Maßnahmen lassen sich in verschiedene Kategorien unterteilen, die jeweils spezifische Verbesserungen für die Nutzer des Bahnhofs versprechen.

Bahnsteigmaßnahmen

Eine der zentralen Maßnahmen ist die Neugestaltung der Bahnsteige, die sowohl technische als auch gestalterische Verbesserungen umfasst:

  • Neubau Bahnsteig (Gleis 1): Ein komplett neuer Bahnsteig wird auf einer Länge von 140 Metern und einer Höhe von SO 55 cm errichtet. Diese Höhe entspricht dem Standard für Regionalbahnzüge und gewährleistet einen stufenlosen Einstieg.

  • Neubau Bahnsteig (Gleis 2/3): Dieser Bahnsteig wird als Kombibahnsteig auf einer Gesamtlänge von 340 Metern neu gebaut. Er besteht aus zwei Bereichen mit unterschiedlichen Höhen: 220 Meter Länge mit SO 76 cm (passend für Intercity-Züge) und 111,60 Meter Länge mit SO 55 cm (für Regionalzüge). Diese beiden Bereiche werden durch einen geneigten Übergangsbereich mit einer Länge von 8,40 m miteinander verbunden, der einen barrierefreien Wechsel zwischen den verschiedenen Höhen ermöglicht.

  • Neubau der Zugangsanlagen: Im Zusammenhang mit der Bahnsteigaufhöhung werden die bestehenden Zugangsanlagen neu gestaltet. Die Treppen aus der Unterführung werden erneuert, während bestehende Treppeneinhausungen zurückgebaut werden. Zusätzlich werden nicht mehr benötigte Bahnsteigbereiche rückgebaut, um die Anlage zu optimieren.

Erneuerung und Anpassung der Infrastruktur

Neben den grundlegenden Änderungen an den Bahnsteigen sind zahlreiche weitere Maßnahmen geplant:

  • Bahnsteigausstattung: Die gesamte technische Ausstattung der Bahnsteige wird erneuert. Dazu gehören moderne Wetterschutzanlagen, komfortables Bahnsteigmobiliar und eine verbesserte Beschilderung, die eine bessere Orientierung für die Reisenden ermöglicht.

  • Beleuchtung: Die gesamte Beleuchtungsanlage des Bahnhofs wird modernisiert, um nicht nur die Sicherheit zu erhöhen, sondern auch ein angenehmeres Ambiente zu schaffen.

  • Personenunterführung: Die bestehende Personenunterführung wird einer gestalterischen Aufwertung unterzogen, um die Zirkulation der Passagiere zu verbessern und die Attraktivität des Bahnhofsbereichs zu erhöhen.

  • Bahnsteigüberdachung: Die Bahnsteigüberdachung am Empfangsgebäude wird saniert, um den Reisenden besseren Wetterschutz zu bieten und das Erscheinungsbild des Bahnhofs zu verbessern.

Barrierefreie Erschließung

Ein zentrales Anliegen der Modernisierung ist die vollständige Barrierefreiheit des Bahnhofs. Um dieses Ziel zu erreichen, sind zwei Aufzuganlagen über die vorhandene Personenunterführung geplant. Diese Aufzüge werden einen stufenlosen Zugang zu allen Bahnsteigen ermöglichen und so auch mobilitätseingeschränkten Personen

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