Einleitung
Die Mensa Moltke in Karlsruhe stellt ein bemerkenswertes Beispiel für eine architektonische Fehlentwicklung dar. Das Gebäude, das 2007 als moderner Holzbau eröffnet und mehrfach ausgezeichnet wurde, befindet sich heute – gerade einmal 15 Jahre nach seiner Fertigstellung – in einem derart maroden Zustand, dass es seit 2018 vollständig eingerüstet ist und eine grundlegende Sanierung benötigt. Die Sanierungsarbeiten, die von der Firma Bennert GmbH durchgeführt werden, umfassen sowohl die Erneuerung der rund 1.800 m² großen Dachfläche als auch die Sanierung der Fassade. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe des Sanierungsbedarfs, die Herausforderungen der aktuellen Arbeiten und die geplante Zukunft des Gebäudes, das ursprünglich als zentraler Treffpunkt für Studierende dreier Karlsruher Hochschulen konzipiert wurde.
Historie und ursprüngliche Konzeption
Die Mensa Moltke wurde in den Jahren 2004 bis 2006 errichtet und 2007 mit insgesamt 460 Sitzplätzen eröffnet. Die Baukosten beliefen sich auf rund acht Millionen Euro. Das Gebäude befindet sich im Eigentum des Landes Baden-Württemberg und wird von den Studierenden und Bediensteten der Hochschule für Technik und Wirtschaft, der Pädagogischen Hochschule und der Staatlichen Akademie für bildende Künste genutzt.
Architektonisch präsentierte sich die Mensa als besonderes Bauwerk, das bereits kurz nach seiner Fertigstellung mehrfach Auszeichnungen erhielt. 2008, nur ein Jahr nach der Eröffnung, wurde das Gebäude mit dem renommiertesten Architekturpreis im Land Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die Konstruktion als moderner Holzbau sollte einen neuen Highlight im Karlsruher Westen schaffen – als gemeinsamer Speisesaal und Cafeteria für die drei Hochschulen. Das Gebäude sollte als Ort der Begegnung und des studentischen Austauschs dienen.
Entstehung der Schäden und anhaltende Probleme
Trotz der anfänglichen architektonischen Anerkennung zeigten sich bereits zwei Jahre nach der Fertigstellung, im Jahr 2009, erste Probleme mit dem Gebäude. Damals wurden erste Undichtigkeiten im Dachbereich festgestellt. Diese Entwicklung markete den Beginn einer Reihe von Baumängeln, die sich im Laufe der Jahre verschärften.
Die Ursache für die frühzeitigen Schäden liegt in der Bauweise selbst. Die Konstruktion aus Holzkastenelementen in Kombination mit einer Polyurethan-Spritzabdichtung erwies sich als unzureichend beständig gegenüber Witterungseinflüssen. Diese Material- und Konstruktionswahl führte zu einer fortschreitenden Schädigung der Bausubstanz.
Aufgrund der fortschreitenden Schäden wurde das Gebäude ab 2018 vollständig eingerüstet, um dringend notwendige Arbeiten an Dach und Fassade zu ermöglichen. Die Situation hat sich derart verschlechtert, dass die Mensa heute eher einer Dauerbaustelle gleicht denn einem funktionierenden Speisesaal. Die Konsequenzen der Baumängel sind vielfältig und reichen von maroder Bausubstanz über laufende Rechtsstreitigkeiten bis hin zu nicht mehr funktionsfähigen Küchenbereichen, die als "kalte Küche" bezeichnet werden.
Im Juli 2023 brandmarkte der Landesrechnungshof das Gebäude in seiner aktuellen Denkschrift als "mangelhaft geplant", was die Schwere der Planungsfeunderline unterstreicht. Die Mensa Moltke, die einst als architektonisches Glanzstück galt, ist heute eine "architektonisch gelungene Bauruine", wie es in einem Bericht treffend beschrieben wird.
Die Sanierung: Umfang und Herausforderungen
Im Herbst 2022 wurde der Großauftrag zur Sanierung der Karlsruher Mensa Moltke an die Firma Bennert GmbH vergeben. Die Sanierungsarbeiten sind umfassend und stellen sowohl logistische als auch technische Herausforderungen dar.
Umfang der Arbeiten
Die Sanierung umfasst insbesondere die grundlegende Erneuerung der rund 1.800 m² großen Dachfläche. Diese Arbeiten erfolgen abschnittsweise und umfassen sowohl die Holzbauleistungen als auch den kompletten neuen Dachaufbau. Die Fassade wird ebenfalls saniert, wobei der Charakter der Fassade nach der Sanierung beibehalten werden soll.
Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass die gesamte Gebäudehülle während der Sanierungszeit mit einer Gerüstkonstruktion und einem die gesamte Dachfläche überspannenden Gerüstdach "eingehaust" wird. Diese temporären Zusatzkonstruktionen wurden ab Mitte Februar 2018 aufgebaut und werden nach Beendigung der Bauarbeiten wieder entfernt. Diese Maßnahme gewährleistet einen reibungslosen und witterungsunabhängigen Bauablauf sowie einen durchlaufenden Mensabetrieb während der Bauzeit.
Technische Herausforderungen
Die Sanierungsarbeiten stellen hohe technische Anforderungen an die ausführenden Unternehmen. Eine der größten Herausforderungen ist die begrenzte Arbeitsfläche unter dem Wetterschutzdach. Für den Einbau von neuen Bauteilen geht es dabei sehr beengt zu, was die Kranarbeiten erheblich erschwert.
Die Bennert GmbH muss bei diesem Projekt ausgefeilte Logistikkonzepte umsetzen und oft millimetergenau arbeiten. Die schon fast filigrane Montage der neuen Dachelemente per Kran erfordert höchste Präzision. Wie in einem Bericht beschrieben, wurde kürzlich ein großformatiges Dachelement mit einem Schwerlastkran präzise unter dem Wetterschutzdach in Position gebracht – eine Aufgabe, die auf Anhieb gelang.
Logistische Herausforderungen
Besondere Herausforderung bei diesem Projekt ist die Logistik. Lagerflächen auf der Baustelle sind knapp, weshalb "just in time" montiert werden muss. Sobald die Elemente geliefert sind, müssen sie auch verbaut werden – ohne Umweg. Diese Anforderung erfordert eine exakte Koordination zwischen Lieferanten, Handwerkern und dem Projektmanagement.
Ein weiteres logistisches Problem stellt der laufende Mensabetrieb dar. Während der Sanierungszeit müssen weiterhin Speisemöglichkeiten für die Studierenden bereitgestellt werden. Hierfür ist geplant, dass ab 2024 zunächst 1.200 Studierende in einem Provisorium essen können. Die vollständige Fertigstellung der Sanierung ist für das Wintersemester 2026 vorgesehen, sodass die Mensa Moltke voraussichtlich noch mindestens drei Jahre lang eingerüstet bleiben wird.
Aktueller Stand der Arbeiten
Die Sanierungsarbeiten der Mensa Moltke befinden sich derzeit in vollem Gange. Das Team der Bennert GmbH führt regelmäßig Begehungen durch, um den aktuellen Stand der Arbeiten zu bewerten und den Bauablauf zu koordinieren.
Die Arbeiten am Dach werden abschnittsweise durchgeführt, wobei täglich das Wetterschutzdach geöffnet und wieder verschlossen werden muss. Diese Prozedur ist notwendig, um einerseits die notwendigen Arbeiten durchzuführen und andererseits die bereits sanierten Bereiche vor Witterungseinflüssen zu schützen.
Viele Holzelemente des Bestandsbaus sind beschädigt und müssen ersetzt werden. Die Sanierungsarbeiten sind daher beachtlich in ihrem Umfang. Die Montage der neuen Dachelemente erfordert höchste Präzision, da die verfügbare Arbeitsfläche unter dem Wetterschutzdach stark eingeschränkt ist.
Zukunftsperspektiven
Die Sanierung der Mensa Moltke hat das Ziel, das Gebäude wieder zu einem funktionierenden und architektonisch überzeugenden Speisesaal für die drei Karlsruher Hochschulen zu machen. Nach Fertigstellung soll die Mensa wieder als lebendiger Treffpunkt für Studierende dienen und ihre ursprüngliche Funktion erfüllen.
Die Planungen sehen vor, dass die Sanierung bis zum Wintersemester 2026 abgeschlossen sein wird. Bis dahin wird die Mensa voraussichtlich noch vollständig eingerüstet sein. Ab 2024 sollen zunächst 1.200 Studierende in einem Provisorium speisen können, während die Hauptarbeiten am Gebäude weitergehen.
Nach Abschluss der Sanierungen soll der Charakter der Fassade beibehalten werden, während die technischen Mängel beseitigt und die Funktionalität des Gebäudes wiederhergestellt wird. Die Erfahrungen mit der Mensa Moltke werden sicherlich auch zukünftige Bauprojekte beeinflussen, insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit und Langlebigkeit von Gebäudehüllen.
Fazit
Die Mensa Moltke in Karlsruhe ist ein bemerkenswertes Beispiel für eine Fehlentwicklung im Bauwesen. Das Gebäude, das 2007 als moderner Holzbau eröffnet und mehrfach ausgezeichnet wurde, befindet sich heute – nur 15 Jahre später – in einem derart maroden Zustand, dass eine grundlegende Sanierung erforderlich ist. Die Ursache für die frühzeitigen Schäden liegt in der Bauweise selbst, bei der Holzkastenelemente in Kombination mit einer Polyurethan-Spritzabdichtung sich als unzureichend beständig erwiesen haben.
Die Sanierungsarbeiten, die seit 2018 laufen und voraussichtlich bis 2026 andauern werden, sind technisch und logistisch äußerst anspruchsvoll. Die Firma Bennert GmbH führt die Arbeiten durch, die sowohl die Erneuerung der rund 1.800 m² großen Dachfläche als auch die Sanierung der Fassade umfassen. Während der Arbeiten bleibt das Gebäude vollständig eingerüstet, um einen reibungslosen Bauablauf und den weiterhin möglichen Mensabetrieb zu gewährleisten.
Die Mensa Moltke wird nach Abschluss der Sanierungen wieder als zentraler Treffpunkt für Studierende der drei Karlsruher Hochschulen dienen. Die Erfahrungen mit diesem Gebäude sollten als Lehre für zukünftige Bauprojekte dienen, insbesondere im Bereich der Materialwahl und der Planung von Gebäudehüllen, um ähnliche Fehlentwicklungen zu vermeiden.
Quellen
- Bennert GmbH saniert preisgekrönte Mensa Moltke in Karlsruhe
- Sanierung Mensa Moltkestraße
- Mensa Moltke: Ein skurril anmutender Speisesaal
- Karlsruher Vorzeigemensa bleibt noch mindestens drei Jahre eingerüstet
- Das ist Millimeterarbeit: Dachmontage bei der Mensa Moltke in Karlsruhe
- Eine architektonisch gelungene Bauruine