Einleitung
Die Elektroinstallation ist ein zentraler Bestandteil jedes Hauses und entscheidend für die Sicherheit, den Komfort und die Zukunftsfähigkeit einer Immobilie. Insbesondere in älteren Gebäuden sind elektrische Anlagen oft nicht mehr den heutigen Anforderungen gewachsen. In diesem Artikel beleuchten wir umfassend die Kosten, Planungsaspekte und Ausführungsmöglichkeiten bei der Erneuerung der Elektroinstallation in Einfamilienhäusern.
Warum die Erneuerung der Elektroinstallation notwendig ist
Bei nahezu allen Sanierungen von Altbauten ist die Elektroinstallation unzureichend und entspricht nicht mehr den heutigen technischen Anforderungen. Zwar gilt bei der Elektroinstallation ein gewisser Bestandsschutz, doch eine veraltete Elektroinstallation kann für die Bewohner schnell zur Gefahr werden.
Grundsätzlich gilt der Bestandsschutz für elektrotechnische Anlagen, wenn die "elektrische Anlage zu ihrem Errichtungszeitpunkt den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprochen hat". Bei einem Defekt oder größeren Änderungen in der Elektroinstallation erlischt allerdings der Bestandsschutz und man ist zur Modernisierung verpflichtet.
Die Faustregel sagt, dass Elektroleitungen nach 30 bis 50 Jahren erneuert werden sollten, die Schalter bereits nach 20 bis 40 Jahren, da die beweglichen Teile schneller verschleißen. Die Elektroinstallation sollte dann nach DIN 18015-2 auf ein heute gültiges Sicherheitsniveau gebracht und erneuert werden. Diese Norm definiert die Mindestausstattung für "Elektrische Anlagen in Wohngebäuden". Idealerweise wird die Modernisierung mit den RAL-Ausstattungswerten ergänzt, die eine bestimmte Anzahl von Stromkreisen, Anschlüssen und Steckdosen vorsieht.
Wer keine zwei Elektrogeräte gleichzeitig nutzen kann, ohne dass die Sicherung rausfliegt, oder im Bad keine einzige Steckdose zur Verfügung hat, sollte dringend über eine Vollsanierung der Elektroinstallation nachdenken. Nur weil Steckdosen und Schalter in einem älteren Haus sauber und neu aussehen, bedeutet das nicht, dass die Elektroinstallation in einem guten Zustand ist.
Kosten für die Elektrosanierung im Überblick
Die Kosten für die Elektroinstallation in einem Einfamilienhaus können stark variieren. Im Durchschnitt liegen sie jedoch zwischen 7.000 und 15.000 Euro, abhängig von der Größe des Hauses, den gewünschten Funktionen und der regionalen Preisstruktur.
Für eine komplette Elektrosanierung liegen die Kosten durchschnittlich je nach Aufwand bei 80 bis 150 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei einem Einfamilienhaus mit 130 Quadratmeter Wohnfläche können daher ungefähr Kosten von 10.000 bis 20.000 Euro entstehen. Dies sind nur grobe Schätzungen, nach oben hin gibt es keine Grenzen. Ist das Haus deutlich älter, können die Kosten auch durchaus noch höher ausfallen.
Bei einer mittleren Standardinstallation ohne Sonderwünsche können Sie mit etwa drei bis fünf Prozent der Gesamtbaukosten rechnen. Beläuft sich die Gesamtsumme des Sanierungsvorhabens auf beispielsweise 180.000 Euro, liegen die Kosten für die Elektroinstallation ungefähr bei 5.400 bis 9.000 Euro.
Ein konkretes Beispiel zeigt die Kosten für ein Gebäude mit einer individuellen Raumausstattung: Bei einem Einfamilienhaus aus dem Jahr 1972 mit einer Wohnfläche von 130 Quadratmetern betragen die Kosten für eine Vollsanierung der Elektroinstallation im gehobenen Standard 14.700 Euro. Dies setzt sich aus Materialkosten von 6.900 Euro und Arbeitskosten von 7.800 Euro zusammen. Die Gesamtkosten pro Quadratmeter belaufen sich auf 113 Euro.
Detaillierte Kosten breakdown
Materialkosten
Die Materialkosten machen einen großen Teil der Gesamtkosten aus. Dazu gehören:
- Kabel und Leitungen: Diese variieren je nach Länge und Qualität. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus können Kosten zwischen 1.500 und 3.000 Euro anfallen.
- Schalter und Steckdosen: Die Anzahl und der Typ der installierten Schalter und Steckdosen beeinflussen die Kosten. Man sollte mit etwa 500 bis 1.000 Euro rechnen.
- Sicherungskasten und Schutzschalter: Diese sind essenziell für die Sicherheit der Elektroinstallation. Die Kosten liegen hier bei etwa 800 bis 2.000 Euro.
Bei einer Sanierung des sogenannten Grundnetzes sind bei einem Einfamilienhaus etwa 3.000 Euro mehr einzuplanen. Dies betrifft die abgehende Hauptleitung vom Hausanschlusskasten bis zum Zählerschrank, den Zählerschrank mit den Zählerplätzen sowie den Sicherungen und alle abgehenden Leitungen zu Kleinverteilern.
Ist eine Sanierung des Grundnetzes nicht erforderlich, richtet sich der Kostenfaktor nach der gewünschten Ausstattung gemäß DIN 18015 und die RAL-RG 678. Man hat die Möglichkeit, eine elektrotechnische Ausstattung zu beauftragen, die keine Wünsche nach Anschlüssen und Funktionen offenlässt. Aber auch eine Ausstattung, die lediglich eine elektrotechnische Grundversorgung darstellt, ist möglich.
Arbeitskosten
Die Arbeitskosten variieren stark je nach Region und Fachbetrieb. Typischerweise kann man von folgenden Kosten ausgehen:
- Stundensätze von Elektrikern: Diese liegen zwischen 50 und 100 Euro pro Stunde.
- Nach Source 1 liegen die Arbeitskosten zwischen 60 und 80 Euro pro Stunde, hinzu kommen noch die Anfahrtskosten. Je nach Entfernung können diese zwischen 40 und 110 Euro liegen.
Die Arbeitskosten sind von dem Betrieb, der Region sowie dem Installationsumfang abhängig und können stark variieren.
Faktoren, die die Kosten beeinflussen
Verschiedene Faktoren beeinflussen die Gesamtkosten einer Elektrosanierung:
- Gebäudegröße und die Anzahl der Räume
- Technischer Zustand der Elektroanlage
- Alter der Anlage
- Anforderungen, die elektrische Anlage nach Sanierung erfüllen soll
- Materialkosten: Anzahl der Steckdosen, Schalter, Leerrohre und benötigten Kabellängen
- Sonderausstattungen: beispielsweise neue Leitungen für Smart-Home-Systeme
- Sicherheitsanlagen oder erneuerbare Energiequellen
- Kosten für den Stromanschluss
Je nach Ausführung und Zustand des Gebäudes variieren diese Kosten. Ein qualifizierter Elektrofachbetrieb kann weitere Optionen aufzeigen, wie Sie die Kosten bei der Erneuerung der Elektrik in Ihrem Haus reduzieren können.
Sanierung im Altbau: Besonderheiten und Herausforderungen
Die Kostenfaktor der Sanierung der Elektroinstallation in einem Altbau ist recht variabel. Die Sanierung der Elektroinstallation in einem Altbau kostet bei der Grundausstattung zwischen 1.500 Euro und 6.000 Euro. Dieser Wert bezieht sich auf die Leitungsverlegung ab Verteiler, Schalter, Steckdosen und Leuchtenanschlüsse.
Bei der Sanierung von Altbauten ist der technische Zustand der bestehenden Anlage oft unbekannt. Es kann versteckte Mängel geben, die erst während der Sanierungsarbeiten zutage treten und die Kosten zusätzlich erhöhen.
Ein wichtiger Aspekt bei der Sanierung im Altbau ist die Prüfung, ob das Grundnetz erneuert werden muss. Wird bei der Sanierung die abgehende Hauptleitung vom Hausanschlusskasten bis zum Zählerschrank, der Zählerschrank mit den Zählerplätzen sowie den Sicherungen, alle abgehenden Leitungen zu Kleinverteilern erneuert, sind bei einem Einfamilienhaus etwa 3.000 Euro mehr einzuplanen.
Selbsthilfe: Welche Arbeiten können Sie selbst übernehmen?
Bestimmte Aufgaben bei der Sanierung Ihrer Hauselektrik dürfen auch Sie übernehmen. Dies gilt unter anderem für das Aufstemmen sowie Verschließen der Schlitze oder das Setzen von Unterputzdosen. Auch Rohre und Leitungen dürfen Sie selbst verlegen. Unerfahrene Heimwerker sollten sich aber die Arbeit von einem Fachmann abnehmen lassen. Unterverteiler sowie den Zählerschrank können Sie selbst setzen, befestigen und einmauern. Was Sie nicht dürfen, ist das Anschließen der einzelnen Dosen, Schalter und Anlagen. Dies darf nur ein Elektriker.
Diese Tätigkeiten machen rund 50 bis 60 Prozent der Arbeit aus. Übernehmen Sie diese selbst, senken Sie die Kosten für die Sanierung der Elektroinstallation deutlich.
Auch die Positionen der Lichtanschlüsse dürfen Sie selbst planen. Pro Raum empfiehlt es sich, einen eigenen Stromkreis einzurichten. In der Küche brauchen Großgeräte wie Herd oder Waschmaschine je einen eigenen Stromkreis. Hier hilft Ihnen aber der Elektriker weiter.
Planungstipps zur Kostenoptimierung
Mit guter Planung können Sie bei der Erneuerung der Elektroinstallation erhebliche Kosten sparen. Ein wichtiger Tipp ist, mit offenen Augen durch das Sanierungsobjekt zu gehen! Man wird immer wieder neue und zusätzliche Anschlüsse entdecken, die man braucht. Jeden Einfall sollte man sofort in einem Plan eintragen. So kann nichts vergessen werden und muss später nicht teuer nachinstalliert werden.
Es lohnt sich, mehrere Angebote von verschiedenen Anbietern zu vergleichen und die individuellen Anforderungen des Projekts genau zu besprechen. Auch zum Thema Förderung kann der Elektriker Sie im Detail informieren.
Fördermöglichkeiten und steuerliche Vorteile
Mit dem Steuerbonus für Handwerkerleistungen können Sie einen Teil der Lohnkosten mit der Einkommensteuer absetzen. Diese Möglichkeit sollte bei der Finanzierung der Elektrosanierung unbedingt berücksichtigt werden.
Ein professioneller E-Check gibt Aufschluss über den Zustand der Elektroanlage. Dabei überprüft eine Elektrofachkraft sämtliche Verteiler, Leitungen, Schalter und Steckdosen, protokolliert deren Zustand und deckt Gefahrenquellen auf. Der E-Check ist die anerkannte, normgerechte Prüfung aller elektrischen Anlagen und Geräte im Haus. Als Richtlinie dienen hier die VDE (Verband Deutscher Elektrotechniker)-Bestimmungen. Fachleute raten, spätestens alle 35 Jahre die Elektrik im Haus überprüfen und erneuern zu lassen.
Fazit
Die Erneuerung der Elektroinstallation im Einfamilienhaus ist eine wichtige Investition in die Sicherheit, den Komfort und den Wert der Immobilie. Die Kosten können stark variieren und liegen im Durchschnitt zwischen 7.000 und 15.000 Euro, abhängig von der Größe des Hauses, dem Zustand der Anlage und den gewünschten Ausstattungsmerkmalen.
Bei einer Sanierung im Altbau sind besondere Herausforderungen zu beachten, insbesondere wenn das Grundnetz erneuert werden muss. Durch sorgfältige Planung und das Übernehmen bestimmter Arbeiten selbst können die Kosten deutlich reduziert werden. Es ist ratsam, sich im Vorfeld von einem Elektrofachbetrieb beraten zu lassen, der eine genaue Kostenschätzung vornehmen kann und über Fördermöglichkeiten informiert.
Eine modernisierte Elektroinstallation erhöht nicht nur die Sicherheit im Haushalt, sondern auch den Wohnkomfort und macht die Immobilie zukunftssicher. Die Investition in eine zeitgemäße Elektroinstallation ist daher in den meisten Fällen sehr sinnvoll.