Sanierung des Eutiner Schlosses: Historisches Baudenkmal im Wandel der Zeit

Einleitung

Das Eutiner Schloss, eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler Schleswig-Holsteins, befindet sich derzeit in einer Phase umfassender Sanierungsarbeiten. Nach vierjähriger Wartezeit hat die Stiftung Schloss Eutin endlich die notwendigen Mittel von Bund und Land erhalten, um dringende Umbauten vorzunehmen. Mit einem Budget von über sechs Millionen Euro werden nicht nur die historischen Bausubstanz erhalten, sondern auch neue Nutzungskonzepte für die Zukunft entwickelt. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Schlosses, die aktuellen Sanierungsprojekte und die Herausforderungen, bei der Restaurierung dieses architektonischen Juwels.

Historische Bedeutung und Architektur

Das Eutiner Schloss ist eine asymmetrische, vierflügelige Anlage mit Ausmaßen von ca. 70 × 80 Metern. Die Flügel gruppieren sich um einen annähernd trapezförmigen Hof auf einer von Wassergräben umgebenen kleinen Schlossinsel direkt am Großen Eutiner See. Von den vierflügeligen Schlossanlagen Schleswig-Holsteins sind das Eutiner und das Gottorfer Schloss die einzig erhaltenen Exemplare, da in der Region bis zur Renaissance vor allem sogenannte Mehrfachhäuser und später dreiflügelige Anlagen vorherrschten.

Trotz der barocken Umgestaltung, die sich vor allem auf die Innenräume und den Park konzentrierte, macht das Äußere des Schlosses einen strengen Eindruck. Abgesehen von der turmbewehrten, auf den Schlossplatz ausgerichteten Westfassade sind die Außenmauern des Bauwerks nahezu schmucklos. Die aus Backstein errichteten Flügel erhalten lediglich durch die reiche Durchfensterung und die grünen Fensterläden eine Auflockerung.

Baugeschichtliche Entwicklung

Die Baugeschichte des Schlosses ist vielschichtig und spiegelt verschiedene Epochen wider:

  • Der Torturm stammt in seinem Kern aus den Jahren 1439 bis 1449, wobei sich in der Durchfahrt Teile eines spätgotischen Gewölbes erhalten haben. Links oberhalb des Eingangs befindet sich der Eutiner Roland. Die Grundfläche des Baus wurde im 16. Jahrhundert verdoppelt und der Turm anschließend erhöht. Durch Rudolph Dallin erhielt er um 1720 ein viertes Geschoss, die schmückenden Dreiecksgiebel und die bekrönende Laterne.

  • Der nordwestliche Eckturm des Flügels entstand um 1600 als Wohnturm mit Blick auf einen damals nördlich gelegenen Garten. Auch er verbirgt in seinem Inneren die Reste eines Vorgängerbauwerks.

  • Der dem Südflügel vorgelagerte runde Südwestturm ist in seinen Grundmauern zwischen 1485 und 1486 fertiggestellt worden und stand einst als freier Wehrturm. Mit dem Schlossgebäude verbunden wurde er erst um 1645, seine barocke Haube erhielt er 1689 nach dem Schlossbrand.

  • In der Zeit der Renaissance war der Nordflügel der Hauptbau des Schlosses, er erhielt seine heutigen Formen im Wesentlichen zwischen 1600 und 1615. Wie bei den übrigen Gebäuderiegeln ist auch seine äußere Fassade völlig schmucklos, während die dem Hof zugewandten Flächen farbig verputzt und gegliedert sind.

Kunstschätze und Sammlungen

Das Eutiner Schloss enthält heute nur noch einen Teil der ursprünglichen, über Jahrhunderte gewachsenen Ausstattung und Sammlung. Dazu zählt vor allem die überregional bedeutende Sammlung an Porträts des 16. bis 19. Jahrhunderts, die größtenteils in Eutin blieb, während der Rest der Gemäldesammlung nach Oldenburg kam und dort den Grundstock der Großherzoglichen Sammlung im Augusteum bildete.

Ein erstes gedrucktes Eutiner Inventar von Friedrich Kurd von Alten aus dem Jahr 1860 verzeichnete 288 Porträtgemälde im Schloss. 1954 nahm Diether Rudloff im Auftrag des Erbgroßherzogs Nikolaus von Oldenburg eine neue Inventarisierung und Beschreibung vor. Mit der Stiftungsgründung 1992 erfolgte eine Teilung in Privat- und Stiftungsbesitz. 106 Gemälde sind seither Stiftungsbesitz. Die Porträts bezeugen die dynastischen Verbindungen und politischen Allianzen der Fürstbischöfe und Großherzöge.

Im Flur des Südflügels ist ein Teil des großformatigen Homer-Zyklus von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein ausgestellt, im Strackzimmer Supraporten und Landschaften des Hofmalers Ludwig Philipp Strack.

Die Stiftung Schloss Eutin und ihre Geschichte

Das Schloss blieb im Besitz der ehemals herzoglichen Familie, die mit der Sicherung und dem Unterhalt des Gebäudes wirtschaftlich schwer belastet war. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es bis 1969 unter anderem dem Afrikaforscher und vormaligen Gouverneur von Togo, dem mecklenburgischen Herzog Adolf Friedrich, als Wohnsitz.

Nach einer umfassenden Restaurierung wurde es ab 1957 der Öffentlichkeit im begrenzten Umfang wieder zugänglich gemacht und diente 1972 als Kulisse für Teile des Films "Cabaret" mit Liza Minnelli. Nachdem in den achtziger Jahre weitere Sanierungen notwendig waren, unterstützen Land und Bund weitere Arbeiten finanziell. 1992 brachte die herzogliche Familie Schloss und Garten in die neugegründete Stiftung Schloss Eutin ein.

Mit dem Auftrag der Bewahrung, Öffnung und Präsentation von Schloss und Garten, finanziert durch Zuwendungen des Landes und eigene Einnahmen, verbindet sie den Auftrag zu Bildung, Forschung und Dokumentation. Der erste Abschnitt des Schlosses wurde nach knapp zehn Jahren Sanierungsarbeit 1997 wieder für Besichtigungen freigegeben. Die Arbeiten an den Innenräumen folgten in einzelnen Abschnitten und so ist beispielsweise der Rittersaal seit 2006 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Aktuelle Sanierungsprojekte

Hauptsanierung mit über sechs Millionen Euro

Jetzt kann es endlich losgehen: Vier Jahre wartete die Stiftung Schloss Eutin auf die Mittel, um nötige Umbauten vorzunehmen. Nun ist das Geld von Bund und Land da. Geplant sind neue Tagungsräume und eine Bildungsküche im Schlossgarten. Diese Maßnahmen sollen die zukünftige Nutzung des Schlosses als kulturelles und Bildungszentrum weiter stärken.

Die Sanierung umfasst sowohl die Erhaltung der historischen Bausubstanz als auch die Anpassung an moderne Anforderungen an Sicherheit, Barrierefreiheit und Technische Ausstattung. Die geplanten Tagungsräume werden dazu beitragen, das Schloss als Tagungsort zu etablieren und zusätzliche Einnahmequellen zu generieren.

Die Schlossterrassen: Sanierung mit Herausforderungen

Ein besonderes Projekt stellt die Sanierung der Schlossterrassen dar. Eigentlich rechnete Eutins Tourismuschef Michael Keller damit, Anfang September das finale Konzept zu den Schlossterrassen vorzustellen. Davon ging er zumindest noch Anfang Juli aus. Doch bis jetzt sei noch nichts spruchreif, wie er unserer Redaktion kürzlich auf Nachfrage erklärte.

Der Plan, die Schlossterrassen zu sanieren und damit wieder den Festsaal mit einer Bühne für Veranstaltungen zu nutzen, steht nach wie vor. Bereits vor den Mitgliedern des Hauptausschusses erklärte Michael Keller im Sommer, dass noch ein umfangreiches Schadstoffgutachten ausgewertet werden müsse. Und das ziehe sich bis jetzt immer noch hin. "Wir sind jetzt gerade am Auswerten, es ist sehr umfangreich", so Keller.

Auch der Brandschutz müsse bei den Schlossterrassen überprüft werden, "und das hat auch mit der Überprüfung des Schadstoffgutachtens zu tun". In der alten Lüftungsanlage befinde sich sogar noch Asbest, erläuterte der Tourismuschef im Sommer.

Für die Schlossterrassen bestehe sogar die Möglichkeit, den großen Saal für Kinovorführungen zu nutzen. 300 bis 350 Personen hätten darin Platz, sagte Keller, der sich damals auch mit dem ehemaligen Betreiber der Filmwelt, Ralf Plate, darüber ausgetauscht hatte. "Die Idee ist nach wie vor da, aber wir müssen erst mal wissen, ob wir uns das leisten können – alles hängt an dem Schadstoffgutachten", betonte Eutins Tourismuschef.

Auch Probleme mit Heizungs- und Lüftungsanlage in den Schlossterrassen müssen gelöst werden, bevor eine Sanierung beginnen kann.

Der Küchengarten als Teil der Gesamtanlage

Zum Schlossensemble gehört auch der historische Küchengarten, der ebenfalls von der Stiftung betreut wird. Die gartendenkmalpflegerische Bedeutung dieses Bereiches wird durch zahlreiche Veröffentlichungen und Untersuchungen belegt. Dazu gehören:

  • Birgid Löffler-Dreyer: Zur Restaurierung und Wiederaufstellung der Flora aus dem Eutiner Schlossgarten
  • Michael Paarmann: Eutiner "Sonnentempel" im Bestand gesichert
  • Margita Marion Meyer: Zwei neue Brücken für den Eutiner Schlossgarten
  • Hartwig Barg: Die Wasserkunst des Eutiner Schlossgartens
  • Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Gartendenkmalpflegerische Grundlagenuntersuchung zum Schloßgarten Eutin
  • Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Hrsg.): Schlossgarten Eutin. Natur und Kunst vereint

Diese Arbeiten dokumentieren die kontinuierlichen Bemühungen, die historische Gartenanlage zu erhalten und zu pflegen, die ein integraler Bestandteil des Schlossensembles ist.

Herausforderungen bei der Sanierung historischer Bausubstanz

Die Sanierung des Eutiner Schlosses wirft zahlreiche typische Herausforderungen auf, die bei der Arbeit an historischen Baudenkmälern auftreten:

Schadstoffbelastung

Ein zentrales Problem stellt die Asbestbelastung in alten Installationen dar. In den Schlossterrassen befindet sich Asbest in der alten Lüftungsanlage, was eine besondere Vorsicht bei der Sanierung erfordert. Die Auswertung des umfangreichen Schadstoffgutachtens verzögert derzeit die Planung für die Terrassensanierung.

Brandschutzanforderungen

Historische Bauten müssen heutigen Brandschutzanforderungen angepasst werden, ohne dabei die historische Substanz zu beeinträchtigen. Bei den Schlossterrassen muss der Brandschutz besonders genau überprüft werden, was eng mit der Schadstoffprüfung zusammenhängt.

Technische Modernisierung

Die Anpassung an moderne Anforderungen an Heizung, Lüftung und Elektroinstallation erfordert sensible Lösungen, die den Denkmalcharakter nicht beeinträchtigen. Die Probleme mit der Heizungs- und Lüftungsanlage in den Schlossterrassen zeigen, dass hier besonderer Handlungsbedarf besteht.

Barrierefreiheit

Die Schaffung barrierefreier Zugänge und Einrichtungen ist bei historischen Bauten eine besondere Herausforderung, die oft kreative Lösungen erfordert.

Zukünftige Nutzungskonzepte

Die Sanierungsarbeiten dienen nicht nur der Erhaltung der Bausubstanz, sondern schaffen auch neue Möglichkeiten für die zukünftige Nutzung des Schlosses:

Bildungsangebote

Die geplante Bildungsküche im Schlossgarten wird neue Bildungsangebote ermöglichen und das Schloss als Lernort stärken. Dies entspricht dem Bildungsauftrag der Stiftung Schloss Eutin.

Tagungs- und Veranstaltungsorte

Die neuen Tagungsräume und die mögliche Wiederherstellung des Festsaals mit Bühne in den Schlossterrassen werden dem Schloss zusätzliche Einnahmequellen eröffnen und seine Rolle als kultureller Treffpunkt festigen. Die Idee, den großen Saal mit 300 bis 350 Plätzen für Kinovorführungen zu nutzen, zeigt innovative Ansätze für die Nutzung historischer Räumlichkeiten.

Tourismusförderung

Als eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler Schleswig-Holsteins trägt das Eutiner Schloss bereits jetzt wesentlich zum Tourismus in der Region bei. Die Sanierungsarbeiten werden diese Rolle weiter stärken und neue Besuchergruppen anziehen.

Fazit

Die Sanierung des Eutiner Schlosses ist ein langwieriger Prozess, der kontinuierliche Anstrengungen von Bund, Land und der Stiftung Schloss Eutin erfordert. Mit den nun endlich verfügbaren Mitteln von über sechs Millionen Euro können dringende Maßnahmen umgesetzt werden, die das Schloss als bedeutendes Kulturdenkmal für die Zukunft sichern.

Die Herausforderungen bei der Sanierung historischer Bausubstanz – von der Schadstoffbeseitigung bis zur Anpassung an moderne technische Anforderungen – sind erheblich. Gleichzeitig eröffnen die Sanierungsarbeiten neue Möglichkeiten für die Nutzung des Schlosses als Bildungsort, Tagungsstätte und kulturelles Zentrum.

Die kontinuierlichen Restaurierungs- und Erhaltungsarbeiten, die seit Jahren am Schloss und seinen Gärten durchgeführt werden, zeigen die Wertschätzung für dieses architektonische und kulturelle Erbe. Das Eutiner Schloss ist nicht nur ein Zeugnis der Geschichte, sondern auch ein lebendiger Ort, der durch die Sanierung für zukünftige Generationen bewahrt und weiterentwickelt wird.

Quellen

  1. Eutiner Schloss wird für mehr als sechs Millionen Euro saniert
  2. Eutiner Schloss
  3. Schlossterrassen Eutin: Die Sanierung lässt weiter auf sich warten

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