Einleitung
Die evangelische Kirche in Gummersbach, auch als "Oberbergischer Dom" bezeichnet, stellt eines der bedeutendsten historischen Bauwerke der Region dar. Nach sechs Jahren umfangreicher Sanierungsarbeiten ist ihr markanter Turm wiederhergestellt und läutet seit Weihnachten wieder. Dieses Projekt, das ursprünglich mit Kosten von einer Million Euro veranschlagt war, entwickelte sich zu einem der größten Bauprojekte in der jüngeren Geschichte der Stadt und kostete am Ende 3,2 Millionen Euro. Die Fertigstellung des Turmhelms im Jahr 2025 markiert einen wichtigen Meilenstein in der Kirchengeschichte Gummersbachs, das bereits seit dem Mittelalter mit einer Kirche gesegnet ist.
Geschichte und Bedeutung der evangelischen Kirche in Gummersbach
Die evangelische Kirche in Gummersbach blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wie Kreisdechant Christoph Bersch anlässlich der Feierlichkeiten zur Turmfertigstellung betonte, ist Gummersbach bereits seit Mitte des 9. Jahrhunderts mit einer Kirche gesegnet. Diese Kirche wurde im 15. Jahrhundert zur evangelischen Kirche. Die Kirche und ihr Turm sind nicht nur religiöse Stätten, sondern auch wichtige Wahrzeichen und Wegweiser für die Stadt Gummersbach.
Die Kirche ist ein zentraler Ort für die evangelische Kirchengemeinde Gummersbach und dient als Symbol der Hoffnung und des Zusammenhalts. Pfarrer Markus Aust betonte bei verschiedenen Gelegenheiten die Bedeutung des Projekts für die gesamte Gemeinde. Die Kirche und ihr Turm prägen das Stadtbild und sind von weither sichtbar.
Die Notwendigkeit der Sanierung
Vor fast sechs Jahren wurde deutlich, dass der Kirchturm dringend saniert werden musste. Der Turm war baufällig geworden und stellte ein Sicherheitsrisiko dar. Die Sanierung wurde zu einer der dringendsten Maßnahmen für die Erhaltung des historischen Bauwerks.
Die Untersuchung des Mauerwerks durch Architekten und Statiker ergab ernste Mängel. Die Substanz der Steine und des Mauerwerks im Verbund war so schlecht, dass durch den Einbau von Ankern nachhaltige statische Ertüchtigungen vorgenommen und viele Steine ausgetauscht werden mussten. Im Innern des Turms stellte man durch ein Gutachten Insektenfraß und Feuchtigkeitsschäden an den Eichenbalken des Glockenstuhls, der Glockenstube und an der Kirchturmspitze fest. Diese Schäden machten eine umfassende Sanierung unumgänglich.
Umfangreiche Arbeiten am Turm
Die Sanierungsarbeiten am Kirchturm waren äußerst umfangreich und komplex. Von außen und innen wurde der Turm instandgesetzt, um seine Stabilität und Sicherheit wiederherzustellen und seine historische Substanz zu bewahren.
Äußere Sanierungsarbeiten
Äußerlich mussten nach Abschlagen des Putzes 70 Prozent der Grauwacke-Außensteine erneuert werden. Gleichzeitig wurden unzählige Anker gesetzt, um die Statik des Turms zu verbessern. Diese Maßnahmen waren notwendig, um die Standfestigkeit des historischen Bauwerks langfristig zu gewährleisten.
Darüber hinaus wurde das Dach des Turms neu mit Schiefer gedeckt. Diese Arbeit erforderte großes handwerkliches Geschick, um die historische Optik des Daches beizubehalten und gleichzeitig eine dauerhafte Abdichtung zu gewährleisten.
Innere Sanierungsarbeiten
Im Inneren des Turms wurden ebenfalls umfassende Arbeiten durchgeführt. Die Eichenbalken des Glockenstuhls, der Glockenstube und der Kirchturmspitze waren stark von Insektenfraß und Feuchtigkeitsschäden betroffen. Diese Bauteile mussten vollständig erneuert werden, um die Sicherheit des Turms und der darin installierten Glocken zu gewährleisten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Sanierung war der Austausch der Uhr. Die alte Kirchturmuhr wurde durch ein neues System ersetzt. Dadurch war es möglich, die alten Zifferblätter zu versteigern, was zusätzliche Einnahmen für die Kirchengemeinde brachte.
Fertigstellung des Turmhelms
Ein besonderer Moment der Sanierung war die Fertigstellung des Turmhelms. Mit dem Aufsetzen eines Wetterhahns durch Hans-Dieter Schattschneider und Jan Schattschneider vom gleichnamigen Marienheider Dachdeckerbetrieb und dem Befüllen der Weltkugel darunter mit einer Zeitkapsel wurde das Ende der Sanierung des Turmhelms besiegelt. Diese Zeremonie fand in mehr als 50 Metern Höhe statt, während unten vor dem Gemeindehaus auf das große Ereignis angestoßen wurde.
Die Zeitkapsel unter dem Wetterhahn enthält Dokumente und Gegenstände, die für zukünftige Generationen von Bedeutung sein könnten und Einblicke in das Jahr 2025 und die Zeit der Sanierung geben.
Finanzierung des Projekts
Die Finanzierung des aufwändigen Sanierungsprojekts stellte die evangelische Kirchengemeinde Gummersbach vor erhebliche Herausforderungen. Ursprünglich hatte die Gemeinde für die Sanierung des Turmes Kosten von rund einer Million Euro kalkuliert. Diese Schätzung erwies sich jedoch als viel zu optimistisch.
Am Ende beliefen sich die Gesamtkosten für die Sanierung "vom Boden bis zur Kirchturmspitze" auf 3,2 Millionen Euro. Diese Summe konnte nur deshalb aufgebracht werden, weil die Gemeinde allein 625.000 Euro durch Spenden sammeln konnte. Allein Wolfgang Merten spendete 100.000 Euro für das Projekt.
Die Gemeinde bedankte sich bei allen Spendern für ihre großzügige Unterstützung. Ohne diese finanzielle Hilfe wäre die Sanierung des historischen Kirchturms nicht möglich gewesen. Die Spendenaktion war ein wichtiger Teil des Projekts und stärkte das Gemeinschaftsgefühl in Gummersbach.
Herausforderungen und unerwartete Kosten
Das Sanierungsprojekt stellte die Gemeinde und die beteiligten Fachleute vor zahlreiche unerwartete Herausforderungen. Nach der Untersuchung des Mauerwerks durch Architekten und Statiker stellte sich heraus, dass die Substanz der Steine und des Mauerwerks im Verbund so schlecht war, dass erhebliche Mehrkosten entstanden.
Dadurch ergaben sich Mehrkosten von mindestens 314.000 Euro, so dass die geplante Bausumme von ursprünglich 900.000 Euro auf mindestens 1,2 Millionen Euro stieg. Diese Summe beinhaltete jedoch noch nicht die Sanierungen am Glockenstuhl, dessen Ausgaben noch berechnet wurden. Die Kosten stiegen schrittweise weiter an, bis am Ende die Summe von 3,2 Millionen Euro erreicht war.
Zusätzlich stand das Presbyterium vor der Entscheidung, wie die Fassade gestaltet werden soll. Die Gemeinde musste sich entscheiden, ob die Fassade verputzt, geschlämmt oder steinsichtig gestaltet werden soll. Diese Entscheidung hatte ebenfalls Auswirkungen auf die Gesamtkosten des Projekts.
Feierlichkeiten zur Fertigstellung
Die Fertigstellung des sanierten Kirchturms wurde mit einem großen Fest gefeiert. Die Evangelische Kirchengemeinde Gummersbach lud am Donnerstag, 1. Mai 2025, zu einem Turmfest ein. Das Programm umfasste einen Festgottesdienst, einen Festakt und ein Gemeindefest für Jung und Alt.
Bei diesem Fest sang der Musicalchor unter der Leitung von Annette Giebeler den Song "Celebration". Nach dem Song zum Schluss des Gottesdienstes läuteten die Turmglocken, die seit Weihnachten wieder läuten. Die Kirchen- und Festbesucher kamen anschließend zum Festakt auf den Kirchenvorplatz, wo der Posaunenchor der Kirchengemeinde Marienhagen-Drespe ein "Prelude" und weitere festliche Stücke spielte.
Ein besonderer Höhepunkt des Festes war die Versteigerung der alten Zifferblätter der Kirchturmuhr. Diese hatten nach dem Austausch der Uhr an sentimentalem und historischem Wert für viele Gemeindemitglieder und Sammler. Die Erlöse aus der Versteigerung kamen der Kirchengemeinde zugute.
Darüber hinaus wurden halbstündige Führungen in den Turm angeboten. Dort konnten die Besucher nicht nur die vier Glocken bewundern, sondern auch die ersetzten Eichenbalken besichtigen. Diese Führungen ermöglichten der Öffentlichkeit einen einzigartigen Einblick in die durchgeführten Sanierungsarbeiten.
Zukunftsaussichten und weitere Sanierungsbedarfe
Trotz der gelungenen Sanierung des Kirchturms steht die evangelische Kirchengemeinde Gummersbach vor neuen Herausforderungen. In die Freude über die Fertigstellung des Turmhelms mischte sich auch die Sorge um den Zustand des Dachstuhls, der das Dach des Haupt- und Querschiffs trägt.
Die Gemeinde plant, die Putz- und Malerarbeiten am Turm über den Sommer fertigzustellen, um das Gerüst vollständig demontrieren zu können. Danach wird der Fokus auf den maroden Dachstuhl des Kirchenschiffs gerichtet werden, der ebenfalls dringend saniert werden muss.
Das Presbyterium hofft auf eine weiterhin starke Beteiligung aus der Bevölkerung, um die notwendigen Finanzmittel für die anstehenden Projekte zu sichern. Zu diesem Zweck lud die Gemeinde zu einer Bürgerversammlung am Freitag, 3. Mai, um 19 Uhr, in das neben der Kirche liegende Gemeindehaus ein. Bei dieser Veranstaltung stellte Architekt Peter Wirsing die erforderlichen Arbeiten vor.
Fazit
Die Sanierung des evangelischen Kirchturms in Gummersbach ist ein beeindruckendes Beispiel für den Erhalt historischer Bauwerke und das Zusammenwirken von Gemeinde, Fachleuten und Spendern. Das Projekt, das ursprünglich mit einer Million Euro veranschlagt war, entwickelte sich zu einem 3,2-Millionen-Euro-Unterfangen, das nur durch die großzügige Unterstützung der Gemeindemitglieder und Spender möglich wurde.
Die Fertigstellung des Turmhelms im Jahr 2025 markiert einen wichtigen Meilenstein in der Kirchengeschichte Gummersbachs. Der Turm, der sechs Jahre lang eingerüstet war und dessen Glocken schweigen mussten, ist wieder standfest und läutet seit Weihnachten wieder.
Die Sanierungsarbeiten umfassten sowohl äußerliche Maßnahmen wie den Austausch von 70 Prozent der Grauwacke-Außensteine und das Setzen unzähliger Anker als auch innere Arbeiten wie die Erneuerung von durch Insektenfraß und Feuchtigkeit geschädigter Eichenbalken.
Die Gemeinde steht jedoch vor neuen Herausforderungen, insbesondere bei der Sanierung des maroden Dachstuhls des Kirchenschiffs. Die Zukunft des "Oberbergischen Doms" hängt auch weiterhin von der Unterstützung der Gemeindemitglieder und der Stadtbevölkerung ab.
Die Kirche und ihr Turm bleiben wichtige Symbole der Hoffnung und des Zusammenhalts in Gummersbach und sind ein Zeugnis für die Bedeutung des historischen Erbes für die Identität der Stadt.