Einleitung
Die Nordseeinsel Föhr steht vor einem bedeutenden infrastrukturellen Vorhaben: den Neubau des Meerwasserwellenbads AquaFöhr mit angeschlossenem Kurmittelhaus. Dieses Projekt, das mit geschätzten Gesamtkosten zwischen 48 und 58,7 Millionen Euro zu den größten Bauvorhaben der Insel zählt, stellt nicht nur eine bedeutende Investition in die touristische Infrastruktur dar, sondern auch in die Gesundheitsversorgung der Region. Das geplante Bauvorhaben mit einer Bruttogrundfläche von rund 9.770 bis 10.819 Quadratmetern soll eine moderne, ganzheitliche Erlebniswelt für Familien, Individualreisende, Kurgäste und Einheimische schaffen. In diesem Artikel werden die Planungsgrundlagen, die bauliche Konzeption, die technischen Spezifikationen sowie die Auswirkungen des Projekts auf die regionale Wirtschaft und den Tourismus detailliert beleuchtet.
Hintergrund und Notwendigkeit des Neubaus
Das bestehende Meerwasserwellenbad AquaFöhr mit Kurmittelhaus ist seit rund 60 Jahren ein kurativer und touristischer Bestandteil der Insel Föhr. Ursprünglich 1971 in Betrieb genommen und nach einem verheerenden Brand im Jahr 1993 saniert, befindet sich die Anlage heute in einem desolaten Zustand. Längere Planungsphasen und politische Abstimmungen waren der Vorlauf zum aktuellen Bauprojekt, bis sich Wyks Stadtvertreter im April 2019 einstimmig für einen Neubau des Wellenbades mit Außenschwimmbecken und Kurmittelbereich aussprachen.
Die Notwendigkeit des Neubaus resultiert aus dem fortschreitenden Verfall der bestehenden Anlage, die als Sanierungsfall eingestuft wird. Das Projekt soll als Alleinstellungsmerkmal den Tourismus für die Zukunft binden und so die Wirtschaft sowie den Arbeitsmarkt auf der Insel nachhaltig sichern. Die geplante Neuanlage soll das UNESCO-Weltkulturerbe Wattenmeer als einzigartigen Rahmen für Sport, Erholung und Kurangebote nutzen und damit eine ganzjährige Attraktivität für unterschiedliche Zielgruppen gewährleisten.
Die geografische Lage des Projekts am Oststrand von Wyk auf Föhr ist strategisch bedeutsam. Das AquaFöhr liegt als prägendes Merkmal der Strand- und Kurpromenade direkt in der Sichtlinie der mit der Fähre ankommenden Besucher und fungiert somit als erste Visitenkarte der Insel. Diese prominente Position unterstreicht die Notwendigkeit einer hochwertigen und zukunftsfähigen Neugestaltung der Anlage.
Projektplanung und Wettbewerb
Die Planungsgrundlage für den Neubau des AquaFöhr basiert auf einem zweistufigen Realisierungswettbewerb mit städtebaulichen und freiraumplanerischen Anteilen, der im Januar 2020 mit dem vierten Preis abgeschlossen wurde. Aus diesem Wettbewerb ging ein Entwurf hervor, der sich in die vorhandene Bebauungsstruktur von Wyk integriert und gleichzeitig eine moderne, funktionale Nutzung ermöglicht.
Der Auftrag für die Planung und Errichtung wurde als Verhandlungsverfahren mit vorheriger Veröffentlichung eines Aufrufs zum Wettbewerb an einen Generalunternehmer vergeben. Die Vergabe der Bauleistung erfolgte durch den Städtischen Liegenschaftsbetrieb Wyk auf Föhr als lokale Gebietskörperschaft mit Zuständigkeit für die allgemeine öffentliche Verwaltung. Das Verfahren folgt den Regularien der Richtlinie 2014/24/EU und der VOB/A-EU, wobei keine beschleunigte Verfahrensweise zum Einsatz kam.
Die Planungsarbeit baut auf einer Grund- und Leitplanung mit funktionaler Leistungsbeschreibung auf. Der Generalunternehmer ist nicht nur für die gebrauchs- und schlüsselfertige Errichtung und Ausstattung des Neubaus verantwortlich, sondern auch für die vollständige Ausführungsplanung aller Planungsgewerke. Diese umfassende Planungsverantwortung stellt sicher, dass alle Gewerke aufeinander abgestimmt sind und ein stimmiges Gesamtkonzept entsteht.
Bauliche Konzeption und Architektur
Das neue AquaFöhr findet seinen Platz südlich des Bestandsbades in unmittelbarer Nähe, was den kontinuierlichen Betrieb der bestehenden Anlage während der ersten Bauphase ermöglicht. Die Architektur des Neubauvorhabens ist durch drei dicht nebeneinanderstehende Langhäuser geprägt, die das neue AquaFöhr mit Sauna, Spa, Kurmittelhaus, Fitness und Badehalle bilden. Die Baukörper sind als langgestreckte, aneinandergereihte Volumen mit Vor- und Rücksprüngen konzipiert und werden von Satteldächern überspannt.
Die Gebäudegliederung schafft eine klare Funktionszonierung: Während die Badehalle als zentraler Erlebnisraum konzipiert ist, sind die Wellness- und Kurbereiche in separaten Trakten untergebracht. Diese Trennung ermöglicht eine differenzierte Nutzung und gleichzeitig synergetische Effekte zwischen den verschiedenen Angeboten. Der Entwurf integriert sich von der Strandseite betrachtet ganz selbstverständlich in die offene und von Satteldächern geprägte Bebauungsstruktur von Wyk und stellt somit eine bauliche Fortführung der lokalen Bautradition dar.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Gestaltung der Zugänge und Freiflächen gelegt. Der Besucher gelangt vom Rebbelstieg über eine attraktive Zuwegung, die durch sanfte grüne und leicht hügelige Inseln führt, zum Haupteingang des Hotels und weiter zum Eingangsbereich des AquaFöhr. Diese gestaltete Erschließung schafft bereits auf dem Weg zum Gebäude eine positive Erwartungshaltung und steigert die Aufenthaltsqualität.
Technische Spezifikationen und Besonderheiten
Das Neubauprojekt zeichnet sich durch eine Reihe technischer Spezifikationen aus, die es zu einer modernen und multifunktionalen Anlage machen. Die Bruttogrundfläche (BGF) des Projekts wird mit etwa 9.770 m² (laut Source 1) bzw. 10.819 m² (laut Source 2) angegeben, während der Brutto-Rauminhalt (BRI) auf 58.226 m³ beziffert wird. Diese Dimensionierung unterstreicht die Großzügigkeit und Vielfalt der geplanten Nutzungen.
Ein wesentliches technisches Merkmal des AquaFöhr ist die Nutzung von aufbereitetem Meerwasser nicht nur für die Schwimmbecken, sondern gemäß den Vorgaben des Deutschen Heilbäderverbandes auch für medizinische und Wellness-Anwendungen. Diese Doppelnutzung stellt hohe Anforderungen an die Wasseraufbereitungssysteme und gewährleistet gleichzeitig eine nachhaltige Nutzung der Nordsee-Ressource. Ebenso wird aus der Nordsee gewonnener Schlick in der Schlickküche im Kurmittelhaus auf- und nachbereitet, was ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des Angebots darstellt.
Die Anlage wird durch eine Reihe gebäude naher Freiflächen ergänzt, die den Nutzungs- und Erschließungszusammenhang mit dem Neubau bilden. Dazu gehören: - Südlich des Neubaus im Bereich Stockmannsweg zur Erschließung und Anlieferung - Östlich des Gebäudes Aufenthaltsterrassen und Grünflächen bis an die Strandpromenade - Nördlich des Neubaus die Fassadenvorzonen sowie Vorplatz am Haupteingang mit Fahrradstellplätzen und Bushaltestelle - Westlich um das neue Kurmittelhaus herum ein neues Regenrückhaltebecken mit Gehweg und Grünflächen
Diese gestalteten Freiräume erweitern das Nutzungserlebnis und schaffen Übergänge zwischen dem Gebäude und der umgebenden Landschaft. Für die Erschließung, Brandschutz und Fluchtwege werden temporäre Anpassungsmaßnahmen erforderlich sein, die zur Eröffnung des Neubaus AquaFöhr fertiggestellt sein müssen.
Bauablauf und Realisierungsphasen
Die Realisierung des AquaFöhr-Projekts erfolgt in zwei klar getrennten Bauabschnitten, die eine phasenweise Umsetzung ermöglichen und den Betrieb des Bestandsbades während der ersten Bauphase sicherstellen.
Erster Bauabschnitt: Neubau des AquaFöhr
Im ersten Bauabschnitt erfolgt der Neubau des Meerwasserwellenbads mit Kurmittelhaus südlich des Bestandsbades. Durch diese räumliche Trennung kann das touristische Angebot des bestehenden Bades bis zur Fertigstellung des Neubaus vollständig aufrechterhalten werden. Nach Abschluss dieses Bauabschnitts wird das Bestandsbad abgebrochen, um Platz für den zweiten Bauabschnitt zu schaffen.
Zweiter Bauabschnitt: Hotelneubau
Im zweiten Bauabschnitt wird auf dem Grundstück des abgebrochenen Bestandsbades ein Hotel errichtet. Dieses Hotel wird über einen sogenannten Bademantelgang mit dem AquaFöhr-Neubau verbunden, was beiderseitige Synergien zwischen den beiden Nutzungen ermöglicht. Die Planung sieht vor, dass das Hotel die bauliche Struktur des AquaFöhrs nach Norden fortsetzt in Form von zwei versetzt angeordneten Riegeln, die auf einem Sockelgeschoss sitzen.
Diese zweiphasische Vorgehensweise bietet mehrere Vorteile: - Kontinuität des touristischen Betriebs während des Neubaus - Möglichkeit, erste Betriebserfahrungen mit dem AquaFöhr zu sammeln, bevor das Hotel fertiggestellt ist - Risikominimierung durch klare Trennung der Bauprojekte - Synergien zwischen Hotel und Badeanlage durch die spätere Verbindung
Die Ausschreibung für den ersten Bauabschnitt erfolgte als Verhandlungsverfahren mit vorheriger Veröffentlichung eines Aufrufs zum Wettbewerb. Der geschätzte Wert der Bauleistung ohne Mehrwertsteuer beträgt 58.700.000,00 EUR. Der Auftraggeber geht davon aus, dass die Genehmigung des vorzeitigen Maßnahmenbeginns rechtzeitig, also spätestens zur Zuschlagserteilung, vorliegen wird.
Wirtschaftliche und touristische Bedeutung
Das AquaFöhr-Projekt hat weitreichende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Insel Föhr und der Region Nordfriesland. Als größtes Einzelbauprojekt der Insel in den kommenden Jahren schafft es nicht nur kurzfristige Arbeitsplätze während der Bauphase, sondern auch langfristige Perspektiven durch die Schaffung einer hochwertigen touristischen Infrastruktur.
Die Anlage ist als Ganzes konzipiert, um verschiedene Zielgruppen anzusprechen und ganzjährig ausgelastet zu sein: - Familien mit Kindern durch das Schwimmbadangebot - Wellness- und Gesundheitsbewusste durch die Sauna- und Spa-Bereiche - Kurgäste durch das Kurmittelhaus mit medizinischen Anwendungen - Individualreisende durch die einzigartige Lage am Wattenmeer
Diese Vielfalt an Nutzern stellt eine breite Einkommensbasis dar und reduziert saisonale Schwankungen in der Auslastung. Als Teil der Strand- und Kurpromenade trägt das AquaFöhr zudem zur Aufwertung des gesamten touristischen Angebots von Wyk auf Föhr bei.
Die geschätzten Gesamtkosten des Projekts belaufen sich nach unterschiedlichen Quellen auf 48 Millionen Euro (Source 2) bzw. 58,7 Millionen Euro (Source 1). Diese Differenz könnte auf unterschiedliche Kostenumfänge zurückzuführen sein - möglicherweise umfasst die höhere Summe auch die Kosten für das Hotel im zweiten Bauabschnitt. Das Vorhaben wird durch öffentliche Fördermittel unterstützt, was die finanzielle Belastung der Kommune reduziert und gleichzeitig die Umsetzung des Projekts sicherstellt.
Fazit
Der Neubau des Meerwasserwellenbads AquaFöhr in Wyk auf Föhr stellt ein ambitioniertes und zukunftsweisendes Bauvorhaben dar, das sowohl die touristische Infrastruktur der Nordseeinsel als auch die Gesundheitsversorgung für die nachhaltige Entwicklung der Region stärken wird. Durch die zweiphasische Realisierung mit zunächstem Neubau des Bades und nachfolgendem Hotelbau wird eine kontinuierliche Betriebsdauer des touristischen Angebots gewährleistet.
Das architektonische Konzept mit seinen drei langgestreckten Baukörpern integriert sich harmonisch in die bestehende Bebauungsstruktur von Wyk und schafft gleichzeitig eine moderne, multifunktionale Nutzungseinheit. Die technische Ausstattung mit Meerwasseraufbereitung und Schlicktherapie bietet ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Bäderwesen und positioniert das AquaFöhr als spezialisierte Kuranlage.
Mit geschätzten Gesamtkosten zwischen 48 und 58,7 Millionen Euro stellt das Projekt eine erhebliche finanzielle Investition dar, die durch öffentliche Fördermittel abgemildert wird. Die wirtschaftliche Bedeutung für die Insel Föhr ist dabei nicht zu unterschätzen - das AquaFöhr wird als zentraler touristischer Ankerpunkt fungieren und zur Stärkung des Arbeitsmarktes sowie zur Sicherung der wirtschaftlichen Grundlage der Region beitragen.
Die erfolgreiche Umsetzung dieses Projekts wird von einer sorgfältigen Planung und Koordination aller Beteiligten abhängen. Die bisherigen Planungsphasen und die Vergabe der Bauleistung an einen Generalunternehmer deuten jedoch auf eine professionelle und strukturierte Vorgehensweise hin, die die Realisierung dieses wichtigen Bauvorhabens für die Insel Föhr in greifbare Nähe rücken lässt.