Restaurierung von Kirche und Pfarrhaus: Ein Musterprojekt mit hoher Förderquote

Einleitung

Die historische Bausubstanz in Preußisch Oldendorf erlebt derzeit eine umfassende Sanierung, die zwei zentrale Gebäude der Stadt betrifft: das Alte Pfarrhaus und den Turm der St.-Dionysius-Kirche. Diese Renovierungsprojekte stellen nicht nur eine Investition in den Erhalt von Kulturdenkmalen dar, sondern schaffen auch neue Nutzungsmöglichkeiten für die Gemeinschaft. Die besonderen Herausforderungen bei der Sanierung denkmalgeschützter Gebäude, die Finanzierungsmodelle mit hohen Förderquoten sowie die konkreten Maßnahmen werden in diesem Artikel detailliert beleuchtet.

Das Alte Pfarrhaus: Umwandlung eines Kulturdenkmals

Historie und Ausgangslage

Das Alte Pfarrhaus in Preußisch Oldendorf blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück, in der es bereits vielfältigen Zwecken gedient hat. Bis Oktober war zuletzt die Tafel (eine soziale Einrichtung zur Lebensmittelverteilung) sowie die Kleiderkammer im Gebäude untergebracht. Um diese wichtige soziale Arbeit wieder aufnehmen zu können, befindet sich das denkmalgeschützte Gebäude derzeit in umfassender Renovierung.

Die besondere Herausforderung bei diesem Projekt liegt im Spannungsfeld zwischen notwendiger Modernisierung und den Anforderungen des Denkmalschutzes. Um die fachgerechte Durchführung zu gewährleisten, besuchte Dr. Barbara Pannkoke vom Landesamt für Denkmalschuz das Gebäude. Als zuständige Referentin für die praktische Denkmalpflege in den Kreisen Minden-Lübbecke und Gütersloh traf sie sich mit den Projektbeteiligten aus Kirchengemeinde, Stadt, Asyl PrO und zahlreichen Handwerkern, um den aktuellen Stand der Arbeiten zu besichtigen und die weiteren Planungen abzustimmen.

Konzeption der Umnutzung

Die geplante Nutzung des renovierten Pfarrhauses folgt einem klaren Konzept, das soziale Aspekte und bürgernahe Dienstleistungen verbindet. Bereits jetzt ist sichtbar, dass durch das Entfernen und Versetzen von Wänden in der ersten Etage ein großer Raum entstanden ist, der von Asyl PrO genutzt werden soll. Dieser Raum soll als Begegnungs-Café sowie für andere Treffen dienen. Darüber hinaus ist die Einrichtung einer Hausaufgabenbetreuung auf diesem Stockwerk vorgesehen.

Die Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde und Stadt wird durch die Einrichtung von Büros auf der ersten Etage gestärkt, die auch von der Stadt genutzt werden. Diese Nutzung ist auf 20 Jahre festgelegt worden. Interessant ist die Entscheidung, das Dachgeschoss aufgrund von Brandschutzanforderungen dicht zu machen und nicht mehr zu bewohnen, obwohl es zeitweilig als Wohnraum genutzt wurde.

Finanzierung und Fördermittel

Die besondere Art der Nutzung durch verschiedene Gruppen mit Schwerpunkt in der Flüchtlingshilfe war der entscheidende Grund dafür, dass der Umbau als Musterprojekt umfangreich gefördert wird. Die Gesamtkosten von 850.000 Euro werden zu 80 Prozent vom Land gefördert. Diese hohe Förderquote macht das Projekt besonders bemerkenswert und zeigt, dass bei ambitionierten Denkmalprojekten erhebliche finanzielle Unterstützung möglich ist.

Die Finanzierungsstruktur ist ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Kombination öffentlicher Mittel mit privater und kirchlicher Initiative. Die Fördermittel ermöglichen die Sanierung, ohne dass die Gemeindekasse übermäßig belastet wird. Dies ist besonders vor dem Hintergrund der schwierigen finanziellen Lage vieler Kirchengemeinden in Deutschland von großer Bedeutung.

Die St.-Dionysius-Kirche: Turmsanierung und Wiederherstellung des Kirchplatzes

Hintergrund und Notwendigkeit

Die Sanierung des Kirchturms der denkmalgeschützten St.-Dionysius-Kirche steht im Mittelpelter der zweiten großen Baumaßnahme in Preußisch Oldendorf. Seit dem vergangenen Jahr ist der Turm von Bauzäunen umgeben, die Passanten vor herabfallendem Baumaterial schützen sollen. Diese notwendige Schutzmaßnahme hatte zur Folge, dass traditionelle Veranstaltungen wie der Sternenzauner nicht wie gewohnt auf dem Kirchplatz stattfinden konnten.

Die Bedeutung der Instandsetzung des Kirchturms zeigt sich an der großen Spendenbereitschaft der Bevölkerung. Nach wie vor wird zweckgebunden für den Kirchturm gespendet, wodurch möglicherweise sogar weniger Geld aus der Rücklage benötigt wird als ursprünglich angenommen. Die Kirchengemeinde plant, 32.500 Euro von den insgesamt 400.000 Euro, die als Investitionsvolumen für die Sanierung angesetzt sind, aus der eigenen Rücklage zu entnehmen.

Finanzierungsmodell der Kirchturmsanierung

Die Finanzierung der Kirchturmsanierung ist ein beeindruckendes Beispiel für gelungene Mittelbündelung. Neben den 32.500 Euro aus der Kirchengemeinderücklage stammen 190.000 Euro aus Landes- und Fördergeldern. Darüber hinaus tragen der Kirchenkreis, die Landeskirche sowie die Stiftung zur Förderung der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Preußisch Oldendorf zusätzliche Mittel bei. Insgesamt erreicht die Kirchengemeinde damit eine Förderquote von über 80 Prozent.

Diese hohe Förderquote ermöglicht die dringend notwendige Sanierung trotz der schwierigen finanziellen Lage, ohne die Gemeindekasse unnötig zu belasten. Pfarrer Michael Weber zeigt sich erfreut über diese gute finanzielle Basis, die dem Projekt die Umsetzung ermöglicht.

Geplante Sanierungsmaßnahmen

Die Sanierung des Kirchturms umfasst zahlreiche spezifische Maßnahmen, die sowohl die Sicherheit als auch den Erhalt des denkmalgeschützten Bauwerks gewährleisten. Zwei Traufbänder müssen zumindest in Teilen erneuert werden. Ebenso werden die Turmuhren überarbeitet und die Schallluken instandgesetzt. An diesen Schallluken sind massive Schäden entstanden, die eine umfassende Reparatur erfordern. Zudem werden die Öffnungen vergittert, um ein Eindringen von Vögeln zu verhindern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Sanierung ist die Überarbeitung des großen Kirchenfensters, das mit einer Schutzglasverglasung versehen wird. Diese Maßnahme dient nicht primär energetischen Zwecken, sondern schützt das Fenster vor Vandalismus, wie Pfarrer Michael Weber erklärt. Im Frühjahr war eines der bereits mit Schutzglasverglasung versehenen Fenster erneut eingeschlagen worden, jedoch dank der zusätzlichen Verglasung musste nur diese ersetzt werden, nicht das gesamte Fenster. Zusätzlich müssen mehrere Schmierereien an der denkmalgeschützten Kirche derzeit wieder entfernt werden.

Zukunft des Kirchplatzes

Die Sanierung des Kirchturms hat auch Auswirkungen auf die Nutzung des Kirchplatzes. Bereits im Jahr 2021 wurde der Kirchplatz als "Historischer Ort der Gemeinschaft" ausgezeichnet. Nach Abschluss der Arbeiten soll diese Auszeichnung durch eine entsprechende Nutzung unterstrichen werden.

Pfarrer Michael Weber zeigt sich hoffnungsvoll, dass die Arbeiten noch im Jahr so weit wie möglich gestartet und im späten Frühjahr des folgenden Jahres abgeschlossen werden können. Damit wären auch wieder Veranstaltungen auf dem Kirchplatz möglich, was für die Gemeinschaft in Preußisch Oldendorf von großer Bedeutung ist.

Die Rolle der Denkmalpflege bei den Projekten

Bei beiden Renovierungsprojekten spielt der Denkmalschutz eine zentrale Rolle, der sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich bringt. Die Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalschutz, vertreten durch Dr. Barbara Pannkoke, stellt sicher, dass die baulichen Maßnahmen den Anforderungen an den Erhalt von Kulturdenkmalen gerecht werden.

Besonders beim Alten Pfarrhaus ist der Denkmalschutz ein entscheidender Faktor, der die Planungs- und Umsetzungsphase maßgeblich beeinflusst. Die Entscheidung, das Dachgeschoss aus Brandschutzgründen zu dichten und nicht mehr zu nutzen, ist ein Beispiel für die Balance zwischen Denkmalschutz und modernen Anforderungen an Sicherheit und Nutzung.

Die Kirchengemeinde im Kontext der Stadtentwicklung

Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Preußisch Oldendorf mit ihren Ortsteilen Preuß. Oldendorf, Engershausen, Offelten, Getmold, Schröttinghausen und Harlinghausen hat 3.110 Mitglieder (Stand: Juli 2024) und ist ein integraler Bestandteil des öffentlichen Lebens. Auf einer Fläche von 70 km² leben in Preußisch Oldendorf 12.456 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2023), was ein ländlich kleinstädtisches Milieu mit guten Verkehrsanbindungen schafft.

Die Position der Kirchengemeinde im öffentlichen Leben wird als selbstverständlich wahrgenommen, und sie ist ein wertgeschätzter Gesprächs- und Kooperationspartner von Stadtverwaltung, Schulen und Vereinen. Durch die Sanierung von Pfarrhaus und Kirche wird diese Position weiter gestärkt und die Kirchengemeinde als kultureller und sozialer Mittelpunkt der Stadt erhalten.

Fazit

Die Renovierungsprojekte von Altem Pfarrhaus und Kirchturm in Preußisch Oldendorf sind beeindruckende Beispiele für den erfolgreichen Erhalt von Kulturdenkmalen bei gleichzeitiger Anpassung an moderne Anforderungen. Die hohe Förderquote von über 80 Prozent bei beiden Projekten zeigt, dass ambitionierte Sanierungsvorhaben denkmalgeschützter Gebäude mit der richtigen Planung und Antragstellung erfolgreich finanziert werden können.

Die Projekte schaffen nicht nur dringend benötigte Raum für soziale und bürgernahe Dienstleistungen, sondern stärken auch den Status der Kirche und der Kirchengemeinde als zentraler Ort des gesellschaftlichen Lebens. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren – Kirchengemeinde, Stadt, Denkmalschutzbehörde, Förderinstitutionen und Handwerkern – ist ein Muster für gelungene Gemeinschaftsprojekte.

Nach Abschluss der Arbeiten werden sowohl das Alte Pfarrhaus mit seinen neuen Nutzungsangeboten als auch die St.-Dionysius-Kirche mit ihrem sanierten Turm und wieder nutzbarem Kirchplatz wichtige Anlaufpunkte für die Bewohner von Preußisch Oldendorf bleiben und die Lebensqualität in der Stadt weiter verbessern.

Quellen

  1. Gebäudehistorie erhält neues Kapitel
  2. 2025 sollen wieder Veranstaltungen auf dem Kirchplatz möglich sein
  3. Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Pr. Oldendorf
  4. Kirchengemeinde Oldendorf

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