Einleitung
Die Martin-Luther-King-Schule in Münster hat einen bedeutenden Wandel durchlaufen, der nicht nur die räumlichen Gegebenheiten, sondern auch die pädagogischen Möglichkeiten grundlegend verändert. Nach den Sommerferien wurde der Neubau der Förderschule des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) bezugsfertig. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte des Projekts, von den architektonischen Merkmalen über die nachhaltigen Elemente bis hin zu den pädagogischen Konzepten, die im neuen Gebäude umgesetzt werden.
Das Projekt im Überblick
Das Neubauprojekt der Martin-Luther-King-Schule stellt eine bedeutende Investition in die Bildungsinfrastruktur der Stadt Münster dar. Der Bauherr ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Bau- und Liegenschaftsbetrieb (LWL). Das Projekt wurde mit Mitteln aus dem Landesprogramm "Gute Schule 2020" gefördert, was die Priorität unterstreicht, die die Landesregierung der Schulinfrastruktur einräumt.
Für die Realisierung des Projekts war der Abriss von zwei alten Gebäuden aus den 1960er Jahren erforderlich. Die assmann gruppe war für die Objektplanung in allen Leistungsphasen (1-9) verantwortlich und hat das Projekt trotz der aktuell allgemeinen angespannten Situation termingerecht und im geplanten Budget umgesetzt.
Architektonische Gestaltung und Raumkonzept
Der neue Schulbau ist ein zweigeschossiger Klinkerbau mit einer Grundfläche von mehr als 6.200 m², der sich optimal in die Umgebung am Bröderichweg in Münster einfügt. Ein besonderes Merkmal des Gebäudes sind zwei große Innenhöfe, die eine besondere Aufenthaltsqualität für Schüler und Lehrkräfte schaffen und gleichzeitig als naturnahe Erholungsräume dienen.
Das Raumkonzept des Neubaus wurde durchdacht und auf die besonderen Bedürfnisse einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprache zugeschnitten:
- 18 Klassenräume: Dienen als primäre Lernumgebungen für die Schüler
- 9 Gruppenräume: Bieten Möglichkeiten für kleinere Lerngruppen und intensive Fördermaßnahmen
- Sonderpädagogische Räume: Eine Kunst- und Fahrradwerkstatt sowie eine Holzwerkstatt ermöglichen handwerkliches und kreatives Lernen
- Fachräume: Ein PC-Raum, eine Lehrküche und naturwissenschaftliche Räume ergänzen das Angebot
- Flexible Nutzungsräume: Drei größere Räume ermöglichen eine variable Nutzung, insbesondere im Rahmen der Inklusion
- Besprechungsräume: Drei kleine separate Räume für Beratungsgespräche
- Barrierefreie Ausstattung: Zwei Behindertentoiletten gewährleisten die Barrierefreiheit des Gebäudes
Besonders hervorzuheben ist die 250 m² große, lichtdurchflutete Aula des LWL-Förderschulzentrums, die nicht für den Schulbetrieb, sondern auch für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden kann. Dieser multifunktionale Raum stärkt die Verbindung zwischen Schule und Öffentlichkeit und bietet einen repräsentativen Rahmen für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Ein zentrales Merkmal des Neubaus ist der hohe Stellenwert von Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Auf der 3.200 m² großen Dachfläche wurde ein extensiv begrüntes Dach mit einer vollflächigen Photovoltaikanlage (PV-Anlage) realisiert. Diese Kombination aus Grünfläche und Solaranlage verbindet ökologische und ökonomische Aspekte:
- Begrüntes Dach: Trägt zur Verbesserung des Mikroklimas bei, speichert Regenwasser und erhöht die Lebensdauer der Dachabdichtung
- PV-Anlage: Erzeugt erneuerbare Energie und reduziert die Betriebskosten des Gebäudes
Diese nachhaltigen Elemente entsprechen modernen baubiologischen Standards und demonstrieren, wie Schulbauten ökologisch verantwortungsvoll gestaltet werden können. Gleichzeitig senken sie die langfristigen Betriebskosten und leisten einen Beitrag zur Energiewende.
Nutzung durch verschiedene Einrichtungen
Der Neubau dient nicht nur als Schulgebäude für die Martin-Luther-King-Schule, sondern beherbergt mehrere Institutionen des LWL:
- Die 220 Schüler der Martin-Luther-King-Schule mit dem Förderschwerpunkt Sprache
- Die LWL-Schulverwaltung Münster
- Das "Beratungshaus Inklusion"
- Die Beratungsstelle der Münsterschule der LWL-Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation
Diese bauliche Zusammenführung verschiedener Einrichtungen unter einem Dach schafft Synergien und fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Insbesondere die räumliche Nähe von Schule und Beratungsstellen begünstigt die Zusammenarbeit zwischen pädagogischen Fachkräften und externen Beratern.
Pädagogische Konzepte und Projekte
Neben den baulichen Gegebenheiten sind die pädagogischen Konzepte und Projekte ein wichtiger Bestandteil der Martin-Luther-King-Schule. Ein Beispiel hierfür ist das Upcycling-Projekt in den dritten Klassen mit dem Titel "Aus Alt mach Neu – Wir machen unser eigenes Papier!". In diesem Projekt arbeiteten die Kinder mit der Expertin Kit Mermagen zusammen und lernten, wie aus altem Papier neue "Papierschätze" entstehen können.
Ein wichtiger Aspekt des Projekts war die Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Bäumen. Die Kinder erkannten selbstständig, warum Bäume so wichtig sind und formulierten Antworten wie: "Damit wir atmen können!". Solche Projekte fördern nicht nur das Umweltbewusstsein, sondern auch die Kreativität und die handwerklichen Fähigkeiten der Schüler.
Herausforderungen und Lösungen bei der Realisierung
Die Realisierung des Neubaus stellte verschiedene Herausforderungen dar, die jedoch erfolgreich gemeistert werden konnten. Einer der wesentlichen Aspekte war der termingerechte Abschluss des Projekts trotz der allgemein angespannten Situation auf dem Baumarkt und in der Baubranche.
Die assmann gruppe als verantwortliche Planungsgesellschaft hat bewiesen, dass auch unter schwierigen Rahmenbedingungen qualitativ hochwertige Bauprojekte termingerecht und im geplanten Budget realisiert werden können. Dies unterstreicht die professionelle Planung und Koordination des Projekts.
Fazit
Der Neubau der Martin-Luther-King-Schule in Münster stellt ein gelungenes Beispiel für zeitgemäße Schularchitektur dar. Das Gebäude bietet nicht nur moderne und funktionalen Räume für den Schulbetrieb, sondern berücksichtigt auch ökologische Aspekte durch die nachhaltige Bauweise und die Integration einer Photovoltaikanlage. Die Zusammenführung verschiedener LWL-Einrichtungen unter einem Dach schafft Synergien und fördert die Zusammenarbeit.
Besonders hervorzuheben ist die gelungene Integration von pädagogischen Konzepten in die räumliche Gestaltung, die eine optimale Förderung der Schüler mit Föderbedarf im Bereich Sprache ermöglicht. Die Martin-Luther-King-Schule demonstriert damit, wie moderne Bildungsbauten nicht nur architektonisch überzeugen, sondern auch einen pädagogischen Mehrwert bieten.