Fördermöglichkeiten für energetische Sanierungen in Deutschland: Ein umfassender Leitfaden

Einleitung

Die energetische Sanierung von Gebäuden spielt eine zentrale Rolle im Klimaschutz und der Reduzierung des Energieverbrauchs. Für Hausbesitzer stellt sich oft die Frage, welche Fördermittel für geplante Renovierungsmaßnahmen verfügbar sind. In Deutschland existiert ein mehrschichtiges Fördersystem auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, das Eigentümer bei energetischen Sanierungen unterstützt. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Fördermöglichkeiten, Voraussetzungen und Antragsverfahren, um Hausbesitzern bei der Finanzierung ihrer Renovierungsprojekte zu helfen.

Bundesweite Förderprogramme

BAFA und KfW als zentrale Anlaufstellen

Auf Bundesebene sind das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die wichtigsten Anlaufstellen für Fördermittel im Bereich energetischer Sanierungen. Diese beiden Institutionen bieten verschiedene Programme an, die oft mit Landes- und kommunalen Förderungen kombiniert werden können.

Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)

Mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG), auch als Heizungsgesetz bekannt, wurden die Regelungen für die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) umfassend reformiert. Diese Förderung richtet sich an Eigentümer von Ein- und Mehrfamilienhäusern, Vermieter, Unternehmen und Kommunen.

Förderung für Heizungstausch

Ein zentraler Bestandteil der energetischen Sanierung ist der Austausch der Heizung. Die KfW bietet hierfür attraktive Förderungen:

  • Seit 2024 beträgt die Grundförderung für den Heizungstausch 30 Prozent.
  • Wer den Heizungstausch bis 2028 durchführt, erhält zusätzlich einen Klima-Geschwindigkeitsbonus von 20 Prozent.
  • Eigentümer mit einem zu versteuernden Haushaltseinkommen von bis zu 40.000 Euro pro Jahr können einen weiteren Bonus von bis zu 30 Prozent für den Heizungstausch ihrer selbst bewohnten Immobilie erhalten.

Diese Fördermöglichkeiten machen den Heizungstausch besonders attraktiv, insbesondere wenn eine neue Heizung installiert wird, die zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben wird.

Landesweite Förderprogramme

Die Bundesländer bieten jeweils eigene Förderprogramme für energetische Sanierungen an, die sich in Art, Höhe und Voraussetzungen stark unterscheiden können. Im Folgenden werden einige Beispiele aus verschiedenen Bundesländern vorgestellt:

Thüringen

In Thüringen wurde das "Thüringer Modernisierungsdarlehen" für energetische Sanierungen bis zum 31.12.2020 angeboten. Dieses Programm ist zum Stichtag ersatzlos entfallen. Eine Neuauflegung wird geprüft (Stand: Anfang 2024).

Aktuell bietet Thüringen das Programm "Modernisierung von Mietwohnungen" mit einer Förderung von bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten, maximal jedoch 1.200 Euro pro Quadratmeter. Darüber hinaus existieren regionale Programme wie das "Stadtwerke-Förderprogramm Jena KlimaPlus" in Jena.

Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern können Hausbesitzer das Programm "Modernisierung und Instandsetzung von Wohnraum" für energetische Sanierungen nutzen. Dabei handelt es sich um einen zinsgünstigen Kredit in Höhe von 40 Prozent der Investitionskosten, wobei die Kreditsumme auf 30.000 Euro begrenzt ist.

Niedersachsen

Niedersachsen bietet mit dem Programm "Eigentum für Haushalte mit Kindern" eine Förderung für die energetische Modernisierung in Form eines zinsgünstigen Kredits an. Voraussetzung ist, dass mindestens ein Kind unter 15 Jahren im Haushalt lebt oder mindestens eine Person mit Behinderung dort wohnt. In diesem Fall werden bis zu 85 Prozent der förderfähigen Kosten als Darlehen von der NBank gewährt, maximal jedoch 50.000 Euro.

Zusätzlich gibt es in zahlreichen Städten Niedersachsens kommunale Förderprogramme, wie in Hannover ("proKlima"), Braunschweig ("Braunschweiger Förderprogramm für regenerative Energien") oder Oldenburg ("Förderprogramm energetische Altbausanierung").

Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen bietet mit dem Programm "NRW.Bank.Gebäudesanierung" einen zinsgünstigen Kredit mit einem Volumen von 2.500 bis 75.000 Euro an. In diesem Rahmen werden bis zu 100 Prozent der Investitionskosten vorgestreckt. Viele Städte in Nordrhein-Westfalen bieten zudem städtische Förderprogramme für Altbausanierungen, wie in Aachen (z.B. STAWAG), Köln ("Altbausanierung und Energieeffizienz - klimafreundliches Wohnen") oder Düsseldorf ("Klimafreundliches Wohnen und Arbeiten in Düsseldorf").

Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz stellt das Land mit dem Programm ISB 705 Förderung für energetische Sanierungen von Bestandsbauten zur Verfügung. Dabei handelt es sich um einen zinsgünstigen Kredit in Höhe von maximal 60.000 Euro, inklusive eines Tilgungszuschusses bis zu 15 Prozent der Kreditsumme (pro 4-Personen-Haushalt).

Zusätzlich können in Städten wie Mainz ("Mainzer Stiftung für Klimaschutz und Energieeffizienz - Altbausanierung Mainz Plus"), Speyer ("Förderung von privater Modernisierung") oder Kaiserslautern ("Aktives Stadtzentrum Kaiserslautern") Programme städtischer oder privater Träger für energetische Sanierungen in Anspruch genommen werden.

Saarland

Obwohl im Quellenmaterial keine spezifischen Informationen zu Förderprogrammen im Saarland enthalten sind, können auch hier ähnliche Landes- und kommunale Förderprogramme wie in den anderen Bundesländern erwartet werden. Für konkrete Informationen sollten sich Hausbesitzer direkt an die zuständigen Berater wenden.

Regionale und kommunale Förderprogramme

Neben den Bundes- und Landesprogrammen gibt es zahlreiche regionale und kommunale Förderprogramme, die oft von Städten, Gemeinden, gemeinnützigen Organisationen oder lokalen Energieanbietern getragen werden. Diese Programme richten sich häufig an spezifische Sanierungsziele oder Zielgruppen und können besonders attraktive Konditionen bieten.

Beispiele für regionale Förderprogramme sind bereits in den Abschnitten zu den einzelnen Bundesländern erwähnt, wie das "Stadtwerke-Förderprogramm Jena KlimaPlus" in Thüringen oder "proKlima" in Hannover.

Zusätzliche Fördermöglichkeiten

Energieberatung

Eine geförderte Energieberatung mit individuellem Sanierungsfahrplan zeigt Hausbesitzern, welche Maßnahmen sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge sie durchgeführt werden sollten. Bis zu 50 Prozent der Kosten für die Energieberatung können gefördert werden.

Baubegleitung durch Energieeffizienz-Experten

Die fachliche Begleitung einer Sanierung durch einen Energieeffizienz-Experte stellt sicher, dass die Maßnahmen korrekt umgesetzt werden. Auch diese Baubegleitung wird mit bis zu 50 Prozent der Kosten gefördert, wenn zusätzlich die BAFA-Zuschussförderung oder der KfW-Kredit 261 genutzt wird.

Fachplanung und Baubegleitung

Die Fachplanung und Baubegleitung der Sanierungsmaßnahme durch einen Energieeffizienz-Experten wird mit 50 Prozent der Kosten gefördert. Kombiniert mit einer Energieberatung kann dies zu 5 Prozent mehr Förderung und einer Verdopplung der Gesamtförderung führen.

Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)

Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) ist ein von einem Energieeffizienz-Experten erstelltes Dokument, das Sanierungsmöglichkeiten und -kosten auflistet sowie sinnvolle zeitliche Abläufe vorschlägt. Die Erstellung eines iSFP bietet mehrere Vorteile:

  • Erhöhung des Fördersatzes um 5 Prozent
  • Erhöhung der maximal förderfähigen Kosten von 30.000 auf 60.000 Euro
  • Förderung der iSFP-Erstellung selbst: Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern erhalten 50 Prozent der Kosten für die Energieberatung vor Ort, maximal jedoch 650 Euro (Stand: seit 7. August)

Wichtig ist, dass der iSFP nur dann förderfähig ist, wenn er durch eine Fachkraft erstellt wurde, die auf der Expertenliste der Deutschen Energie-Agentur (dena) gelistet ist. Der iSFP verpflichtet nicht dazu, die beschriebenen Maßnahmen auch umzusetzen.

Antragstellung und Auszahlung

Die Beantragung von Fördermitteln muss zum richtigen Zeitpunkt erfolgen und inhaltlich korrekt sowie vollständig sein. Im Folgenden sind die wichtigsten Punkte zur Antragstellung zusammengefasst:

Förderung Zuständige Stelle Beantragungszeitpunkt Antragsverfahren Auszahlung Besonderheiten
BEG EM - Zuschuss (Einzelmaßnahmen, außer Heizung) BAFA Vor Beginn mit Liefer- und Leistungsvertrag Online über BAFA-Portal Nach Umsetzung In der Regel mit Energieeffizienz-Experte

Kombination verschiedener Förderquellen

Um die maximale Förderung für die Modernisierung des eigenen Wohnraums zu erhalten, sollten die Förderungen der Bundesländer und regionalen Programme unbedingt mit denen von KfW und/oder BAFA kombiniert werden, wenn dies möglich ist. In einigen Fällen basiert die Länderförderung ohnehin auf den KfW-Förderkrediten.

Die Kombination verschiedener Förderquellen kann die Gesamtförderung deutlich erhöhen und so die Finanzierung energetischer Sanierungen attraktiver machen. Beispielsweise kann die Förderung für eine neue Heizung durch KfW mit einer Landesförderung für die Dämmung der Fassade kombiniert werden.

Fazit

Die energetische Sanierung von Wohngebäuden ist ein wichtiger Hebel, um Energie zu sparen und den Klimaschutz voranzutreiben. In Deutschland steht Hausbesitzern ein vielfältiges Förderlandschaft aus Bundes-, Landes- und kommunalen Programmen zur Verfügung, die die Finanzierung von Sanierungsmaßnahmen erheblich erleichtern können.

Die wichtigsten Anlaufstellen sind das BAFA und die KfW auf Bundesebene, während die Bundesländer jeweils eigene Programme anbieten, die sich in Art, Höhe und Voraussetzungen stark unterscheiden können. Zudem gibt es zahlreiche regionale und kommunale Förderprogramme, die oft auf spezifische Sanierungsziele oder Zielgruppen zugeschnitten sind.

Besonders attraktiv sind die Fördermöglichkeiten für die Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP), die nicht nur die Beratungskosten subventionieren, sondern auch die Fördersätze für die eigentlichen Sanierungsmaßnahmen erhöhen. Die fachliche Begleitung durch Energieeffizienz-Experten wird ebenfalls gefördert und stellt sicher, dass die Maßnahmen korrekt umgesetzt werden.

Für Hausbesitzer ist es wichtig, sich frühzeitig über die verfügbaren Fördermöglichkeiten zu informieren und diese idealerweise zu kombinieren. Die Beratung durch Experten, die mit dem Fördersystem vertraut sind, kann hierbei sehr hilfreich sein, um die maximale Förderung für das geplante Sanierungsvorhaben zu sichern.

Quellen

  1. RENEWA - Sanierungs-Förderung der Bundesländer
  2. Finanztip - Energetische Sanierung: Förderung
  3. NDR - Haus energetisch sanieren: Welche Förderungen gibt es?

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