Restaurierung des neugotischen Juwels: Die Neue Pfarrkirche St. Johann Baptist in München-Haidhausen

Einleitung

Die Neue Pfarrkirche St. Johann Baptist im Münchner Stadtteil Haidhausen stellt ein bedeutendes architektonisches Erbe dar und ist eines der prägnantesten neugotischen Bauwerke Münchens. Mit ihrem 91 Meter hohen Westturm zählt sie zu den höchsten Kirchen der Stadt und ist die größte Kirche östlich der Isar. Doch wie viele historische Bauten steht auch dieses Gotteshaus vor großen Herausforderungen im Bereich der Erhaltung und Restaurierung. Insbesondere ihre über 100 Jahre alten Bleiglasfenster erfordern eine aufwendige Generalinstandsetzung, die mit Kosten von bis zu elf Millionen Euro veranschlagt wird. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Bauwerks, seine architektonische Bedeutung und die aktuellen Restaurierungsmaßnahmen.

Geschichte und Architektur

Die Geschichte der Neuen Pfarrkirche St. Johann Baptist ist eng mit dem Wachstum Münchens im 19. Jahrhundert verbunden. Im frühen und mittleren 19. Jahrhundert stieg die Bevölkerung in und um München beiderseits der Isar stark an. Die alte Kirche des Dorfes Haidhausen, die Johannes dem Täufer geweiht war, wurde bald zu klein für die wachsende Gemeinde. Aus diesem Grund wurde der Bau einer neuen und größeren Kirche jahrelang propagiert, jedoch erst unter Pfarrer Johann Georg Walser (1848–1871) konkret in Angriff genommen.

Die Realisierung dieses Bauvorhabens war maßgeblich den 29 Bettelreisen von Pfarrer Walser zu verdanken, der nicht nur innerhalb der Gemeinde um Spenden warb, sondern sogar den Hof Kaiser Franz Josephs in Wien aufsuchte. Der für den Bau verantwortliche Architekt war Matthias Berger (1825–1897), ein Schüler des bekannten Baumeisters Friedrich Gärtners. Der Baufortschritt richtete sich nach dem Geldeingang, der nicht nur aus Spenden der Gemeinde, sondern auch aus Zuschüssen der Stadt München stammte. Haidhausen war 1854 in die Stadt München eingemeindet worden, was finanzielle Unterstützung ermöglichte.

Der Rohbau mit dem damals noch 99 Meter hohen Westturm wurde im Jahr 1863 vollendet, und das Turmkreuz wurde am 12. Oktober desselben Jahres enthüllt. 1874 war die Kirche innen und außen im Wesentlichen fertiggestellt. Die feierliche Weihe konnte jedoch erst am 24. August 1879, dem Tag vor dem Namenstag des regierenden Königs Ludwig II., durch Erzbischof Antonius von Steichele erfolgen. Die Verzögerung der Weihe war auf einen Streit mit der Stadt München zurückzuführen, die aufgrund ihrer finanziellen Zuschüsse die Kirche den Altkatholiken vorbehalten wollte, einer sich während des Ersten Vatikanischen Konzils abgespaltenen Gruppe. Da sich diese Gruppe jedoch nicht so stark vermehrte wie vermutet, konnte die Kirche schließlich der katholischen Gemeinde geweiht werden.

Architektonisch präsentiert sich die Neue Pfarrkirche St. Johann Baptist als imposantes Bauwerk im neugotischen Stil. Ihr Westturm ragt 91 Meter in den Himmel und macht sie damit zur sechsthöchsten Kirche Münchens. Die Gesamtkonzeption des Gebäudes folgt den Prinzipien der Neugotik, die im 19. Jahrhundert eine Wiederbelebung gotischer Bauelemente darstellte. Zu den charakteristischen Merkmalen gehören die charakteristischen Spitzbögen, Maßwerke und Strebepfeiler, die der Stabilität und Ästhetik des Bauwerks dienen.

Innenausstattung und frühere Renovierungen

Das Kircheninnere der Neuen Pfarrkirche St. Johann Baptist besticht durch seine reiche neugotische Ausstattung. Ein zentrales Element ist der marmorne Hochaltar, der von Joseph Knabl geschaffen wurde und als Meisterwerk neugotischer Kunstfertigkeit gilt. Ergänzt wird der Hochaltar von kunstvoll gestalteten Seitenaltären, die ebenfalls zur prunkvollen Ausstattung der Kirche beitragen.

Eine bedeutende Renovierung fand im Jahr 1978 statt, bei der die Gewölberippen von Peter Burkart malerisch angedeutet wurden. Diese Maßnahme trug dazu bei, die neugotische Atmosphäre des Kirchenraums zu bewahren und gleichzeitig den Raum optisch aufzuhellen. 1998 erfolgte eine weitere Ergänzung der Innenausstattung durch Carola Heine, die den kelchförmigen Volksaltar, den Ambo und die Altarleuchter schuf. Diese modernen Elemente wurden bewusst in Einklang mit der historischen Umgebung gestaltet und zeigen, wie zeitgenössische Kunst sich harmonisch in einen historischen Kirchenraum einfügen kann.

Die aktuelle Restaurierungs-Herausforderung: Die Bleiglasfenster

Das dringendste Problem, mit dem die Neue Pfarrkirche St. Johann Baptist konfrontiert ist, betrifft ihre 21 großen Bleiglasfenster. Wie Alfred Schwarz, Mitglied der Kirchenverwaltung und ehemaliger Architekt mit Fachgebiet Kirchenbau beim Erzbischöflichen Ordinariat, erklärt, benötigen diese Fenster eine Generalinstandsetzung: "Wir brauchen eine Generalinstandsetzung der Fenster."

Die Fenster sind weit über 100 Jahre alt und müssen täglich den Witterungseinflüssen von außen standhalten. Mittlerweile weisen zahlreiche Verlötungen Schäden auf und sind aufgeplatzt. Auch das Glas selbst hat gelitten, und die Rippen des Maßwerks, der steinernen Verzierungen an den Fenstern, haben an Stabilität verloren. Diese Schäden sind mit bloßem Auge oft nicht zu erkennen, erst bei näherer Begutachtung werden die Probleme sichtbar.

Besonders wertvoll sind die Glasmalereien der Kirche, die laut Experten noch heute erstaunlich sind und einige bemerkenswerte Elemente aufweisen. So wird beispielsweise der Oktopus an einem der Südfenster geradezu als "Pop-Art" beschrieben. Die meisten Bilder in den Fenstern illustrieren jedoch den Übergang von der Neogotik zum Jugendstil, was sie zu einem wichtigen künstlerischen Zeugnis dieses historischen Übergangs macht.

Ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Kirchenfenster stellt der Zweite Weltkrieg dar. Während dieser Zeit wurden die Originalfenster ausgebaut und sicher verwahrt. Die Ersatzfenster, die während des Krieges eingesetzt wurden, gingen jedoch bei einem Bombenangriff zu Bruch. Nach dem Krieg mussten daher neue Fenster gestaltet werden, die heute das historische Erbe der Kirche repräsentieren.

Technische Aspekte der Restaurierung

Die Restaurierung der Bleiglasfenster der Neuen Pfarrkirche St. Johann Baptist ist ein langwieriger und aufwendiger Prozess. Fachleute schätzen, dass etwa zehn bis 15 Jahre benötigt werden, um alle Fenster zu restaurieren. Dieser Zeitrahmen erfordert eine sorgfältige Planung und schrittweise Durchführung der Arbeiten.

Die Restaurierungsarbeiten umfassen mehrere Aspekte: Zunächst müssen die Fenster fachgerecht demontiert werden, um den Zustand des Glases und der Bleiverbindungen genau beurteilen zu können. Anschließend müssen beschädigte Gläser ersetzt und beschädigte Verbindungen repariert werden. Bei der Wiederherstellung der Fenster wird großer Wert auf die Erhaltung der originalen Substanz und der künstlerischen Gestaltung gelegt.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Maßwerk, dem steinernen Gerüst, das die Fenster umgibt. Auch diese Elemente haben an Stabilität verloren und müssen gesichert werden. Die Restauratoren arbeiten eng mit Kunsthistorikern zusammen, um die ursprüngliche Gestaltung der Fenster so authentisch wie möglich wiederherzustellen.

Die Orgel: Ein modernes Element in historischem Ambiente

Neben den historischen Elementen der Kirche hat auch die Orgel eine besondere Bedeutung. Das Instrument wurde 2005 von der Orgelbaufirma Hartwig Späth aus Freiburg erbaut und hat 46 Register auf drei Manualen und Pedal. Es ist an der Rückwand der Westempore angebracht und fällt durch seine moderne Prospektgestaltung auf, die den direkten Blick in das Werksinnere ermöglicht.

Die Seitenwände und der Spieltisch der Orgel sind aus Glas gefertigt, was einen interessanten Kontrast zur historischen Umgebung des Kirchenraums bildet. Die Orgel ist als Max-Reger-Orgel gewidmet, da der berühmte Komponist Max Reger in Haidhausen lebte und in der Pfarrkirche am Johannisplatz die Orgel spielte. Diese Verbindung zu einem bedeutenden Musiker unterstreicht die kulturelle Bedeutung der Kirche für die Region.

Die technischen specifications der Orgel umfassen: - Normalkoppeln: III/I, II/I, III/II, I/P, II/P, III/P - Superoktavkoppel: III/III - Suboktavkoppel: III/III - Spielhilfen: 10.000fache Setzeranlage, Registercrescendo

Finanzierung der Restaurierungsmaßnahmen

Die Restaurierung der Fenster der Neuen Pfarrkirche St. Johann Baptist ist mit erheblichen Kosten verbunden, die auf bis zu elf Millionen Euro geschätzt werden. Zwar sollen Eigenmittel der Kirche eingesetzt werden, jedoch wird dies nicht ausreichen, um das gesamte Projekt zu finanzieren. Aus diesem Grund hat die Kirchenstiftung eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um Gelder für die Erhaltung des größten Gotteshauses von Haidhausen zu sammeln.

Parallel dazu läuft bis Mitte August ein Crowdfunding-Projekt, das weitere finanzielle Unterstützung mobilisieren soll. Die Kirche bittet um Spenden über den Pfarrverband Haidhausen (Telefon 41 80 07 90, www.pfarrverband-haidhausen.de) und das Crowdfunding-Portal www.viele-schaffen-mehr.de/projekte/kath-pfarrkirche-st-johann-bap.

Die Notwendigkeit dieser aufwendigen Restaurierungsmaßnahmen wird durch den historischen und künstlerischen Wert der Fenster unterstrichen. Sie sind nicht nur ein wichtiger Bestandteil des architektonischen Ensembles der Kirche, sondern auch ein Zeugnis des Übergangs von der Neugotik zum Jugendstil, einer bedeutenden Epoche der Kunstgeschichte.

Fazit

Die Neue Pfarrkirche St. Johann Baptist in München-Haidhausen ist ein herausragendes Beispiel neugotischer Architektur und ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes der Stadt. Ihr 91 Meter hoher Westturm macht sie zu einem prägenden Wahrzeichen des Stadtteils, während ihre reiche Innenausstattung und die kunstvollen Bleiglasfenster ihren besonderen künstlerischen Wert unterstreichen.

Die aktuelle Restaurierungsmaßnahme, die sich insbesondere auf die über 100 Jahre alten Fenster konzentriert, ist von entscheidender Bedeutung für den Erhalt dieses Bauwerks. Die aufwendigen Arbeiten, die voraussichtlich zehn bis 15 Jahre in Anspruch nehmen werden, erfordern erhebliche finanzielle Mittel. Die Kirche hat bereits Spendenaktionen und Crowdfunding-Projekte ins Leben gerufen, um die notwendigen Mittel zu mobilisieren.

Die Restaurierung der Fenster ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine Chance, das künstlerische Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren. Die Fenster, die den Übergang von der Neugotik zum Jugendstil illustrieren, sind ein wichtiger Teil der Kunstgeschichte und verdienen es, in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlen zu lassen.

Die Neue Pfarrkirche St. Johann Baptist zeigt, wie wichtig der Erhalt historischer Bauwerke ist und wie sehr die Gemeinschaft mitwirken muss, um dieses Erbe für zukünftige Generationen zu sichern. Die Restaurierungsmaßnahmen werden nicht nur das Erscheinungsbild der Kirche verbessern, sondern auch ihre Funktion als spirituelles und kulturelles Zentrum des Stadtteils Haidhausen stärken.

Quellen

  1. Neue Pfarrkirche St. Johann Baptist - München (Bayern)
  2. Archivale St. Johann Baptist, Haidhausen
  3. Bleiglas-Kunstwerke von St. Johann Baptist müssen restauriert werden – für bis zu elf Millionen Euro: Gemeinde sucht Spender
  4. Neue Pfarrkirche St. Johann Baptist (Haidhausen)

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