Die Nürnberger Burg: Jahrhunderte der Umgestaltung von der Kaiserresidenz zum modernen Wahrzeichen

Einleitung

Die Nürnberger Kaiserburg thront als eines der bedeutendsten Kunst- und Baudenkmaler Deutschlands über der Stadt. Als Wehrbau und Kaiserresidenz, Reichsburg und hohenzollernscher Burggrafensitz zählt sie zu den geschichtlich und baukunstlich bedeutendsten Wehranlagen Europas. Ihre lange Geschichte ist geprägt von ständigen Umgestaltungen, Anpassungen und Renovierungen, die jeweils die politischen und kulturellen Bedürfnisse ihrer Zeit widerspiegeln. Die jüngsten Sanierungsmaßnahmen, die nach sechs Jahren Arbeit nun abgeschlossen sind, stellen nur der letzte in einer langen Reihe von Transformationen dar, die das Gesicht dieses Wahrzeichens entscheidend geprägt haben. Über 26 Millionen Euro investierte Bayern in die Modernisierung und Neustrukturierung der Anlage, die nicht nur technische Erneuerungen, sondern auch eine Neuausrichtung des Besuchererlebnis zum Ziel hatte.

Historische Entwicklung der Burganlage

Frühe Geschichte und strategische Bedeutung

Die ältesten baulichen Spuren der Burg stammen aus der Zeit um das Jahr 1000. Ihre Lage auf einem Sandsteinrücken nördlich der Pegnitz oberhalb der Sebalder Altstadt war strategisch klug gewählt. Der Burgsandsteinrücken fällt nach Süden, Westen und Norden steil ab und bietet sich damit ideal für eine Burg in Spornlage an. Die natürliche Befestigung durch das Gelände wurde durch die Integration in die nördliche Stadtbefestigung Nürnbergs ergänzt. Im Westen grenzt die Burg an den Neutorgraben, im Norden an den Vestnertorgraben. Von der Burg aus bietet sich nach Süden ein Blick auf das unter ihr liegende Handwerkerviertel und die Altstadt. Für eine Verteidigungslage war dieser Platz hervorragend geeignet, da er zum Königsland gehörte und zwischen den Könighöfen Altdorf und Fürth lag.

Die Umgestaltung im 19. Jahrhundert

1833 entstand der Plan, die Burg als standesgemäße Residenz für König Ludwig I. von Bayern auszubauen. Nach Entwürfen Carl Alexander von Heideloffs wurde der Ausbau des ersten Geschosses umgesetzt, das nun durch einen Treppenvorbau vom Hof aus erschlossen wurde. Da die Innenausstattung nicht dem Geschmack des Königs entsprach, wurde der Ausbau nach kurzer Bauzeit eingestellt.

Erst König Maximilian II. entschloss sich 1851, die Restaurierung weiterzuführen. Er beabsichtigte die Wiederherstellung in großem Stil und beauftragte den Architekten August von Voit mit der Planung und Bauausführung. Die Arbeiten, die sich in Innenausbauten und dem Anbau eines Söllers an die westliche Palasmauer niederschlugen, wurden mit dem Tod Maximilians 1864 aufgegeben.

Das 19. Jahrhundert prägte die Burg somit mit historistischen Elementen, die als "schwächliche, akademische Stilformen" später disqualifiziert wurden. Diese Epoode der Burggeschichte zielte darauf ab, dem bayerischen Königshaus in der bis 1806 unmittelbar dem Kaiser unterstellten Reichsstadt eine Nebenresidenz zu bieten, mit der die Einheit des neuen Königreichs gestärkt werden und gleichzeitig ein "Museum des Mittelalters" gebildet werden sollte.

Die nationalsozialistische Umgestaltung

Nach der Machtergreifung der NSDAP 1933 begann man mit einem Umbau der Kaiserburg. Im Rahmen der jährlich stattfindenden Reichsparteitage sollte die Burg als symbolträchtige Kulisse für das NS-Regime und als Unterkunft für hohe Staatsgäste dienen. Die sogenannte Restaurierung im Sinne einer "schöpferischen Denkmalpflege", bei der man die als "schwächliches Stilkostüm" empfundene historistische Ausstattung der Burg aus dem 19. Jahrhundert zerstörte, wurde unter der Leitung von Rudolf Esterer ab 1934 durchgeführt.

Die Fachzeitschrift Der Baumeister bewertete damals die NS-Umgestaltungsmaßnahme nach ihrem Abschluss euphorisch: "Wenn wir heute die Nürnberger Burg besuchen, empfängt uns nicht mehr ein falscher Theaterzauber, der uns innerlich nichts zu sagen hat, sondern wir erleben wieder auf Schritt und Tritt die alte hehre Kaiserburg, die uns mit einer auf ihrer schlichten Formgebung beruhenden kraftvollen Größe und herben Schönheit als ein Werk wiedergefundener alter, gediegener deutscher Handwerkskunst bezwingend in ihren Bann schlägt. Diese ursprüngliche Größe zu neuem Leben erweckt zu haben, ist das unbestreitbare Verdienst der Männer, die hier am Werk gewesen sind."

Die neugotische Ausstattung wurde entfernt, um die Burg im Sinne des "Dritten Reiches" als "wahren" mittelalterlichen Bau aus der Glanzzeit Nürnbergs um 1500 erscheinen zu lassen. Die Kaiserstallung wurde zur Jugendherberge umgestaltet, und der Putz der meisten Gebäude wurde entfernt, da das Mittelalterbild des "Dritten Reiches" steinsichtige und unverputzte Mauern erforderte.

Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Am Ende des Zweiten Weltkriegs lag die Kaiserburg Nürnberg wie die ganze Nürnberger Altstadt in Trümmern. Der verheerende Bombenangriff vom 2. Januar 1945 zerstörte die Burg zu 70-80 Prozent. Die Wiedererrichtung der Burg orientierte sich in vielem am unmittelbaren Vorkriegszustand, der erst 1934 entstanden war, im Sinne der damals von den Architekten der Bayerischen Schlösserverwaltung unter Rudolf Esterer angewandten "Schöpferischen Denkmalpflege".

Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg knüpfte man an diese Geschichtsinterpretation aus dem vermeintlichen Geist der Erbauungszeit wieder an, nun allerdings unter Weglassung von Zeichen des "Dritten Reichs". Die Burg wurde bis 1981 wiederhergestellt und zählt heute zu den touristischen Hauptanziehungspunkten Nürnbergs.

Die jüngste Sanierung (2013-2019)

Projektüberblick

Den Blick über Nürnberg können Besucherinnen und Besucher jetzt von einem neuen Burg-Café auf der Kaiserburg genießen. Am Wahrzeichen der Stadt seien die Sanierungsmaßnahmen nun abgeschlossen, teilte Finanzminister Albert Füracker (CSU) mit. Über 26 Millionen Euro habe Bayern hierfür investiert. In den vergangenen sechs Jahren wurden weite Teile der Kaiserburg saniert, modernisiert und neu strukturiert.

Die Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen ist auch die Nürnberger Burg unterstellt. Im Palas der Burg ist die Dauerausstellung "Kaiser-Reich-Stadt. Die Kaiserburg Nürnberg" untergebracht, die nach Angaben der Schlösser- und Seenverwaltung seit ihrer Eröffnung 2013 bereits eine Million Menschen gesehen haben.

Erster Bauabschnitt

In der ersten Bauphase habe die Burgverwaltung einen neuen Betriebshof erhalten und im Kastellansgebäude wurden die Kasse und der Museumsshop, im Obergeschoss Büros mit Besprechungs- und Sozialräumen untergebracht. Diese erste Phase konzentrierte sich auf die funktionalen Einrichtungen des Burgbetriebs und schuf eine bessere Organisation der Verwaltungs- und Museumsflächen.

Zweiter Bauabschnitt

In einer zweiten Etappe habe man das Sekretariatsgebäude, Finanzstadel, Zwischenbau, Kemenate, den Wehrgang mit der Hasenburg und das Brunnenhaus saniert und erstmals auch ein Burgcafé eingerichtet. Vor der Museumskasse steht nun ein etwa zwei Meter großes Modell der gesamten Burg aus Bronze, an dem die Anlage ertastet werden kann. Neuerdings gibt es Sonderführungen auf dem Wehrgang, heißt es in der Mitteilung.

Der zweite Bauabschnitt konzentrierte sich auf die historischen Gebäude der Kernburg und schuf neue Nutzungsmöglichkeiten für Besucher. Die Einrichtung des Burgcafés markierte eine Neuerung in der Geschichte der Burg, die bisher gastronomische Einrichtungen dieser Art nicht kannte.

Aktuelle und zukünftige Baumaßnahmen

Von weitem fällt der rote Kran fast nicht auf, der seit einiger Zeit in Nürnbergs beliebtestem Postkartenmotiv herumsteht. Im Burghof aber ist es nicht zu übersehen: Die Kaiserburg wird aufwendig umgebaut. Fachwerkhäuser, die teils aus der Nachkriegszeit stammen, werden entkernt, saniert und anders genutzt als bisher. Außerdem wird die Anlage durch neue Gebäude ergänzt. Einige Mauern, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren entstanden sind, müssen dabei weichen, trotzdem will die Bayerische Schlösserverwaltung so viel wie möglich auch von dieser Bausubstanz erhalten.

Altes Gestein soll nicht angetastet werden. Für die Neubauten hat man sich gegen einen historisierenden Baustil entschieden, sie sollen eine "zeitgemäße Architektursprache" haben, aber zugleich unauffällig sein. Ziel sei es, dass man die großen Veränderungen am Ende nicht sieht, sagt die Schlösserverwaltung. Mehr als 19 Millionen Euro gibt der Freistaat dafür bis zum Jahr 2020 aus, dann soll ein zweiter Bauabschnitt folgen.

Dieses Paket ist noch nicht beschlossen, nach ersten Schätzungen dürfte es ebenfalls um die 20 Millionen kosten. Wie sich die Kosten des ersten Abschnitts auf die einzelnen Gebäude verteilen, darüber informiert das Finanzministerium allerdings nicht. Auch dem zuständigen Landtagsausschuss wurde bisher nur eine Gesamtsumme genannt.

Architektonische und denkmalpflegerische Überlegungen

Ansatz der Denkmalpflege

Die jüngsten Sanierungsmaßnahmen folgen einer bewussten Strategie der Bayerischen Schlösserverwaltung, die darauf abzielt, die historische Substanz zu erhalten, gleichzeitig aber moderne Anforderungen an die Nutzung zu berücksichtigen. Ein zentrales Prinzip war, "Altes Gestein nicht anzutasten" und nur notwendige Eingriffe vorzunehmen.

Besonders bei den Neubauten entschied man sich bewusst gegen einen historisierenden Baustil. Stattdessen sollen diese Gebäude eine "zeitgemäße Architektursprache" haben, aber zugleich unauffällig sein sein. Das Ziel war es, dass die großen Veränderungen am Ende nicht sichtbar sind. Dieser Ansatz steht im Kontrast zu früheren Umgestaltungsphasen wie der nationalsozialistischen "schöpferischen Denkmalpflege" oder den historistischen Umbauten des 19. Jahrhunderts, die bewusst bestimmte historische Epochen imitierten oder ideologisch geprägte Bilder des Mittelalters schufen.

Umgang mit unterschiedlichen Bauepochen

Die Burganlage zeigt heute eine Vielzahl unterschiedlicher Bauepochen – von mittelalterlichen Kernbauten über neugotische Elemente des 19. Jahrhunderts bis zu Nachkriegsbauten. Die aktuelle Sanierung muss mit dieser komplexen Schichtengeschichte umgehen.

Während einige Mauern aus den 1970er und 1980er Jahren entfernt werden mussten, um Platz für neue Konzepte zu schaffen, bemüht sich die Verwaltung, so viel wie möglich auch von dieser jüngeren Bausubstanz zu erhalten. Dieser bewusste Umgang mit den verschiedenen historischen Schichten steht im Gegensatz zu früheren, ideologisch motivierten Rückbaumaßnahmen, wie sie in der NS-Zeit praktiziert wurden.

Besuchererlebnis und touristische Bedeutung

Neue Angebote für Besucher

Die jüngste Sanierung hat nicht nur bauliche Veränderungen gebracht, sondern auch das Besuchererlebnis deutlich erweitert. Das neu eingerichtete Burg-Café bietet erstmals gastronomische Einrichtungen direkt auf der Burganlage. Ein etwa zwei Meter großes Modell der gesamten Burg aus Bronze, das vor der Museumskasse aufgestellt wurde, ermöglicht Besuchern mit Sehbehinderungen, die Anlage ertasten und sich mental orientieren zu können.

Zudem wurden neue Sonderführungen auf dem Wehrgang eingeführt, die Besuchern bisher nicht zugängliche Bereiche der Burg erschließen. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, den Besuch der Burg attraktiver und zugänglicher zu machen.

Die Dauerausstellung "Kaiser-Reich-Stadt"

Im Palas der Burg ist die Dauerausstellung "Kaiser-Reich-Stadt. Die Kaiserburg Nürnberg" untergebracht, die seit ihrer Eröffnung 2013 bereits eine Million Menschen gesehen haben. Die Ausstellung stellt die Geschichte der Burg im Kontext ihrer Funktion als Kaiserburg, Reichsburg und Teil der Reichsstadt Nürnberg dar. Sie verbindet thus die architektonische Entwicklung mit den politischen und kulturellen Funktionen, die die Burg im Laufe ihrer Geschichte innehatte.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Kaiserburg zählt heute zu den touristischen Hauptanziehungspunkten Nürnbergs und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Die jüngsten Investitionen von über 26 Millionen Euro in die Sanierung und Modernisierung der Anlage sollen diese Bedeutung weiter festigen und die Attraktivität für nationale und internationale Besucher steigern.

Fazit

Die Nürnberger Kaiserburg ist ein beeindruckendes Beispiel für einen Bau, der über Jahrhunderte kontinuierlich umgestaltet und an neue Anforderungen angepasst wurde. Ihre Geschichte spiegelt die politischen und kulturellen Entwicklungen wider – von der mittelalterlichen Reichsburg über die bayerische Residenz im 19. Jahrhundert, die nationalsozialistische Idealisierung des "mittelalterlichen Deutschlands" bis zur modernen Denkmalpflege, die versucht, historische Substanz mit heutigen Nutzungsanforderungen in Einklang zu bringen.

Die jüngste Sanierungsphase, die nach sechs Jahren Arbeit nun abgeschlossen ist, stellt nur der jüngste Schritt in dieser langen Reihe von Transformationen dar. Mit Investitionen von über 26 Millionen Euro hat Bayern nicht nur bauliche Maßnahmen umgesetzt, sondern auch das Besuchererlebnis deutlich erweitert. Die bewusste Entscheidung, neue Gebäude in einer zeitgemäßen, aber unauffälligen Architektursprache zu gestalten, zeigt einen modernen Ansatz im Umgang mit historischen Baudenkmälern, der sich von früheren, ideologisch geprägten Umgestaltungen deutlich unterscheidet.

Die Kaiserburg Nürnberg bleibt damit nicht nur ein bedeutendes historisches Denkmal, sondern auch ein lebendiges Kulturzentrum, das Millionen von Besuchern beeindruckt und die Geschichte Deutschlands in besonderer Weise anschaulich macht.

Quellen

  1. Sonntagsblatt - Sanierung der Nürnberger Kaiserburg beendet
  2. Wikipedia - Nürnberger Burg
  3. Schlösserbayern - Kaiserburg Nürnberg: Wiederaufbau eines Wahrzeichens
  4. Historisches Lexikon Bayerns - Nürnberger Burg
  5. Süddeutsche Zeitung - Nürnberg: So verändert sich die Kaiserburg

Ähnliche Beiträge