Einführung
Der Olympiapark in München, eine der ikonischsten Sportanlagen Deutschlands, die für die Olympischen Sommerspiele 1972 errichtet wurde, befindet sich derzeit umfassenden Sanierungsmaßnahmen. Nach über 50 Jahren intensiver Nutzung müssen die Bausubstanz und die technische Ausstattung erneuert werden. Die Stadtwerke München (SWM) als Infrastruktur-Dienstleister der Landeshauptstadt verantworten seit 2007 die technische Instandhaltung des Geländes und koordinieren die umfangreichen Modernisierungsprojekte. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen und geplanten Sanierungsarbeiten am Olympiastadion, Olympiaturm und dem historischen Pressestadion, die alle unter strengen Auflagen des Denkmalschutzes durchgeführt werden.
Sanierung des Olympiastadions
Das Olympiastadion ist das Herzstück des Olympiaparks und Austragungsort für bedeutende Sportevents, Großkonzerte und Kulturveranstaltungen. Aufgrund seiner Bedeutung und dem Alter der Anlage ist eine umfassende Sanierung der technischen Anlagen, der Gebäudeausstattung und der Oberflächen notwendig.
Zeitplan und Umfang
Die Sanierungsarbeiten im Olympiastadion haben bereits 2022 unter laufendem Betrieb begonnen. Ursprünglich war eine 20-monatige Schließung von Herbst 2025 bis Frühsommer 2027 vorgesehen. Aufgrund aktueller Erkenntnisse wird die Sanierung jedoch länger dauern als geplant. Das Stadion ist seit Oktober 2025 geschlossen und wird nun auch die Open-Air-Saison 2027 geschlossen bleiben.
Erste Großveranstaltungen sind wieder für den Sommer 2028 zwischen Juli und Mitte September avisiert, bevor die Sanierung des Olympiastadions im April 2029 endgültig fertiggestellt werden soll. Die Arbeiten sind so aufeinander abgestimmt, dass der Zeitraum ohne Veranstaltungen so kurz wie möglich gehalten wird.
Herausforderungen bei der Sanierung
Die Verzögerung der Arbeiten wird laut SWM unter anderem mit dem "unerwartet schlechten Zustand der Bausubstanz" und dem "erhöhten Altlastenvorkommen" begründet. Ein spezielles Problem ist der gefundene gebundene Asbest in Betriebsräumen, was zu einer Vielzahl an notwendigen Sonderlösungen und Schadstoffsanierungen führt und den zeitlichen Aufwand erheblich vergrößert.
Bereits abgeschlossene Arbeiten
Bereits abgeschlossen sind laut SWM die Erneuerung der Flutlichtanlage und die Sanierung der sanitären Anlagen im Bereich der Gegentribüne. Die Sanierung des Dachbelags unter der Haupttribüne läuft seit Oktober 2023, und erste Außenbauwerke mit zugehörigen Erdarbeiten wurden bereits fertiggestellt.
Sanierungsstrategie
Sämtliche Maßnahmen werden in enger Abstimmung mit der Olympiapark München GmbH sowie den Denkmalschutzbehörden durchgeführt. Vorgabe ist, die Bausubstanz von 1972 möglichst weitgehend zu erhalten. Wo dies aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist oder Bauteile bereits ersetzt wurden, wird der Originalzustand nachempfunden.
Sanierung des Olympiaturms
Der Olympiturm, ein weiteres Wahrzeichen des Olympiaparks, wird derzeit ebenfalls umfassend saniert. Hier stehen vor allem die Erneuerung der technischen Anlagen, der Gebäudeausstattung und der Oberflächen im Fokus.
Zeitplan und Umfang
Der Olympiturm und das Atriumgebäude sind seit Juni 2024 geschlossen. Die Arbeiten umfassen insbesondere die Besucher- und Versorgungs-Aufzüge sowie die Küchentechnik im Turm und Atriumgebäude. Dabei wird auch den gestiegenen gesetzlichen Sicherheitsanforderungen Rechnung getragen, insbesondere in den Bereichen Brandschutz und Standsicherheit.
Eine Wiedereröffnung des Atriums ist für Ende April 2026 und des Olympiturms für Anfang Februar 2027 geplant.
Sanierungsschwerpunkte
Die Sanierung des Olympiturms konzentriert sich auf folgende Bereiche: - Modernisierung der Aufzugssysteme - Erneuerung der Küchentechnik - Verbesserung des Brandschutzes - Anpassung an aktuelle Sicherheitsstandards - Instandsetzung der Gebäudeoberflächen
Sanierung des Olympia-Zeltdachs
Das bislang größte Projekt der kommenden Jahre ist die Sanierung des Olympia-Zeltdachs. Das ikonische transparente Zeltdach mit seinen 78.000 Quadratmetern wird komplett saniert und Teile der Betonkonstruktion seiner Verankerung werden instandgesetzt.
Zeitplan und Umfang
Die Sanierung des Zeltdaches soll Mitte 2026 beginnen. Nach aktueller Planung werden diese Arbeiten "zu keinen weiteren größeren Nutzungseinschränkungen führen". Das Olympiagelände, die Große und Kleine Olympiahalle sowie die Olympia-Schwimmhalle sollen während dieser Zeit geöffnet bleiben.
Besonderheiten der Dachsanierung
Die Sanierung des Zeltdaches stellt besondere Herausforderungen dar, da es sich um ein denkmalgeschütztes Bauwerk handelt. Die Arbeiten müssen mit größter Sorgfalt durchgeführt werden, um die ursprüngliche Ästhetik und Funktion zu erhalten. Die transparente Konstruktion aus Acrylglas und das Tragwerk aus Stahl und Beton erfordern spezialisierte Fachkräfte und Materialien.
Die historische Pressestadt
Während der Olympischen Sommerspiele 1972 diente die Pressestadt als Unterkunft für internationale Journalisten. Dieses historische Ensemble ist ebenfalls Teil des kulturellen Erbes des Olympiaparks.
Lage und Aufbau
Das Zentrum der Pressestadt war an der Riesstraße 50, wo sich heute das Berufsschulzentrum befindet. Sie umfasst übrigens auch die Gebäude zwischen Diesel- und Hanauerstraße und ist nicht nur der Teil östlich des OEZ (Werner-Friedmann-Bogen und Riesstraße), wie viele meinen.
Die Häuser der Pressestadt wurden während der olympischen Spiele von 1 bis 45 durchnummeriert, um eine einfache Orientierung für die ortsfremden Pressemitarbeiter zu ermöglichen. Die Journalisten erhielten dann eine so genannte Quartierzuweisung mit einer Nummer wie z.B. 15-10-07-02. Dies bedeutete Haus 15, Etage 10, Wohnung 7, Zimmer 2.
Besondere Bauwerke
Das Haus an der Riesstraße 82/84 (Gebäude 16 & 17) war lange Zeit Münchens höchstes Wohnhaus und stellte eine besondere architektonische Leistung dar.
Ausstattung der Unterkünfte
Für damalige Verhältnisse waren die Wohnungen überdurchschnittlich gut ausgestattet. Jedes Zimmer war mit einem Schwarz-Weiß-Fernsehgerät ausgestattet. Zudem wurde auf Wunsch eine Schreibmaschine mit der gewünschten Tastatur zur Verfügung gestellt. Weiterhin konnten sich die Journalisten ein Telefon oder ein Fernschreibgerät im Zimmer anschließen lassen – dies allerdings auf eigene Kosten.
In den Zimmern gab es Betten, Schränke, Kommoden, Tische, Stühle, Lampen, Teppiche und Kleiderbügel. All das wurde nach den Spielen als Ausstattung in die umliegenden Bundeswehr-Kasernen gebracht.
Status bereits abgeschlossener Sanierungen
Nicht alle Teile des Olympiaparks befinden sich noch in der Sanierungsphase. Einige Projekte wurden bereits erfolgreich abgeschlossen:
Olympia-Schwimmhalle
Die Renovierung samt Umbau der Schwimmhalle wurde bereits 2019 abgeschlossen. Dabei wurde die Halle um neue Attraktionen wie eine Schneekabine erweitert.
Olympiahalle
Kurz nach der Fertigstellung der Schwimmhalle war auch die Olympiahalle fertig – nach 13 Jahren Sanierung. Sie erstrahlt seit 2020 in neuem Glanz und dient wieder als Veranstaltungsort für diverse Sport- und Kulturveranstaltungen.
Zukunftsplanungen für den Olympiapark
Neben den unmittelbaren Sanierungsarbeiten gibt es auch langfristige Visionen für den Olympiapark:
UNESCO-Weltkulturerbe
Zum einen soll der Olympiapark zum UNESCO-Weltkulturerbe werden. Seit Dezember 2023 steht die Anlage auf der deutschen Vorschlagsliste für die Anerkennung als Welterbe.
Mögliche weitere Olympia-Bewerbung
Zum anderen mehren sich in München die Stimmen, die eine abermalige Olympia-Bewerbung fordern. So hat der Stadtrat beschlossen, ein detailliertes Konzept hierfür zu erarbeiten. Noch im Mai soll darüber abgestimmt werden. In der Folge könnten dann die Bürger gefragt werden, so wünscht es sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Er möchte noch in diesem Jahr einen Bürgerentscheid über eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2040 oder 2044.
Fazit
Der Olympiapark München befindet sich in einer umfassenden Phase der Erneuerung und Sanierung. Von 2022 bis voraussichtlich 2029 werden das Olympiastadion, der Olympiturm und das Zeltdach saniert, wobei die Bauarbeiten durch den Denkmalschutz und die Notwendigkeit, den Betrieb teilweise aufrechtzuerhalten, besondere Herausforderungen darstellen. Die Pressestadt als historisches Zeugnis der Olympischen Spiele 1972 erinnert an die damalige Infrastruktur und die Bedeutung der Spiele für München und Deutschland.
Die Stadtwerke München koordinieren diese umfangreichen Maßnahmen in enger Abstimmung mit der Olympiapark München GmbH und den Denkmalschutzbehörden, um die Bausubstanz von 1972 zu erhalten und gleichzeitig den aktuellen Sicherheits- und Funktionsanforderungen gerecht zu werden. Nach Abschluss aller Sanierungsarbeiten wird der Olympiapark nicht nur technisch auf dem neuesten Stand sein, sondern auch seine Position als kulturelles und sportliches Wahrzeichen Münchens und Deutschlands weiter festigen.