Klimaneutrale Renovierungen in Osteuropa: Herausforderungen und Lösungen für nachhaltige Gebäude

Einleitung

Die Renovierung von Gebäuden, insbesondere in den Ländern Zentral- und Osteuropas, spielt eine entscheidende Rolle bei der Erreichung der Klimaziele der Europäischen Union. Altbauten in dieser Region sind oft wenig energieeffizient und emittieren erhebliche Mengen an Treibhausgasen. Die EU hat die Renovierung älterer Gebäude daher ganz oben auf ihre Klimaschutzagenda gesetzt und im Jahr 2020 die Strategie "Eine Renovierungswelle für Europa" verabschiedet, die den europäischen Grünen Deal unterstützen soll. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Herausforderungen bei der Gebäudesanierung in Osteuropa, die EU-Initiativen zur Bewältigung dieser Herausforderungen sowie innovative Lösungsansätze für nachhaltige und klimaneutrale Renovierungen.

Der aktuelle Zustand der Gebäude in Osteuropa

In den Ländern Bulgarien, Kroatien, Polen und Rumänien, die im Fokus mehrerer EU-Projekte stehen, besteht ein erheblicher Sanierungsbedarf. Altbauten in diesen Regionen sind meist wenig energieeffizient und sollten daher so renoviert werden, dass ihre Energieeffizienz erhöht und die Emissionen von Treibhausgasen reduziert werden. Das Ziel der EU ist es, dass der gesamte Gebäudebestand bis 2050 emissionsfrei und vollständig dekarbonisiert sein wird.

Die Länder Zentral- und Osteuropas haben jedoch erhebliche Schwierigkeiten, die von der EU geforderte Anzahl von Renovierungen mit dem entsprechenden Umfang zu erreichen. Dies liegt an einer Reihe von Faktoren, die in aktuellen Projekten untersucht werden. Im Rahmen des Projekts "Our CEE Climate Neutral Renovations" werden zunächst die Hauptgründe für die unzureichende klimarelevante Renovierung von Bestandsgebäuden identifiziert. Das Projekt-Team verschafft sich dabei einen Überblick über die aktuelle Situation in den vier genannten Ländern. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen einen Impuls für die Beschleunigung der Renovierungsrate und -tiefe geben.

Öffentliche Gebäude in diesen Ländern werden als Fallstudien genutzt, da sie sowohl dem öffentlichen als auch dem privaten Sektor als gute Praxisbeispiele dienen können. Für 12 schlecht sanierte öffentliche Gebäude werden individuelle Sanierungsfahrpläne entwickelt, die auch Pläne für die Finanzierung enthalten. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Renovierungsrate in der Region signifikant zu erhöhen und den Beitrag zum Klimaschutz zu verstärken.

EU-Strategien und Ziele für die Gebäudesanierung

Die Europäische Union hat die Renovierung älterer Gebäude ganz oben auf ihre Klimaschutzagenda gesetzt und verabschiedete im Jahr 2020 die Strategie "Eine Renovierungswelle für Europa" (Renovation Wave). Diese Strategie soll die Umsetzung des europäischen Grünen Deals unterstützen und hat das Ziel, die jährliche energetische Renovierungsrate bis 2030 mindestens zu verdoppeln.

Die Renovierungswelle zielt darauf ab, neben der Verringerung der Emissionen und der Schaffung grüner Arbeitsplätze im Bausektor, der von lokalen Unternehmen dominiert wird, den allgemeinen Lebensstandard der Europäerinnen und Europäer zu verbessern. Die Europäische Kommission geht davon aus, dass Gebäude in der EU für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und etwa ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich sind.

Ein zentraler Bestandteil des Europäischen "Green Deal" ist daher die Bewältigung der "Renovation wave". Die EU fördert im Rahmen von Projekten innovative Ansätze von interdisziplinären Teams zur Anpassung der Städte an den Klimawandel, zur Einbeziehung von Bürgern in Energiegemeinschaften und zu Sanierungen an und in Gebäuden bis hin zu klimaneutralen Smart Cities.

Die kürzlich im EU-Parlament verabschiedete EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) ist ein weiteres wichtiges Instrument, um die Klimaziele zu erreichen. Auf nationaler Ebene werden entsprechende Gesetze wie das Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) in Deutschland umgesetzt. Diese Richtlinien und Gesetze sollen sicherstellen, dass Gebäude umweltfreundlicher werden, beispielsweise durch einen deutlich reduzierten Energiebedarf, was sich direkt senkend auf die CO2-Emissionen auswirkt.

Herausforderungen bei der Renovierung in Osteuropa

Die Länder Bulgarien, Kroatien, Polen und Rumänien stehen vor besonderen Herausforderungen bei der Umsetzung der EU-Renovierungsziele. Diese Herausforderungen werden im Rahmen des Projekts "Our CEE Climate Neutral Renovations" systematisch untersucht.

Eine der zentralen Herausforderungen ist die Finanzierung von Renovierungsmaßnahmen. Viele Gebäudebesitzer, insbesondere im privaten Sektor, haben Schwierigkeiten, die notwendigen Investitionen für umfassende Sanierungen aufzubringen. Dies betrifft insbesondere energieeffiziente Klimaschutzmaßnahmen, die oft hohe Anfangsinvestitionen erfordern, obwohl sie langfristig zu Energieeinsparungen führen.

Eine weitere Herausforderung ist das Wissen und die Expertise im Bereich energieeffizienter Sanierung. Viele Handwerksbetriebe und Planer in der Region benötigen zusätzliche Schulungen und Qualifizierungen, um moderne Sanierungstechniken umsetzen zu können. Die BUILD UP Skills-Initiative der Europäischen Kommission, die 2011 ins Leben gerufen wurde, zielt genau darauf ab, die Zahl der ausgebildeten und qualifizierten Baufachleute in ganz Europa zu erhöhen, um Gebäudesanierungen mit hoher Energieeffizienz sowie neue Gebäude mit nahezu Null-Energie zu realisieren.

Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen und bürokratischen Hürden können die Renovierungstätigkeiten behindern. In vielen Fällen fehlen klare Standards und Anreize für Sanierungen, während der Neubau oft bevorzugt wird. Wie HouseEurope! kritisiert, folgt der Bausektor einem System, das uns beibringt, Risiko statt Potenzial zu sehen – und anzunehmen, dass neu immer besser als alt ist. Dieses System fördert Neubau und macht Renovierung und Umnutzung nicht nur teurer, sondern auch deutlich schwieriger.

Lösungsansätze und innovative Projekte

Um die Herausforderungen bei der Gebäudesanierung in Osteuropa zu bewältigen, werden verschiedene Lösungsansätze und innovative Projekte umgesetzt. Im Rahmen des Projekts "Our CEE Climate Neutral Renovations" werden öffentliche Gebäude als Fallstudien genutzt, da sie sowohl dem öffentlichen als auch dem privaten Sektor als gute Praxisbeispiele dienen können.

Rund 70 nationale Politikerinnen, Vertreterinnen der öffentlichen Verwaltung – inklusive lokaler Behörden – und Renovierungsfachleute erwerben fundiertes Methodenwissen zur Förderung energieeffizienter und klimafreundlicher Renovierungen. Für 12 schlecht sanierte öffentliche Gebäude werden individuelle Sanierungsfahrpläne entwickelt, die auch Pläne für die Finanzierung enthalten.

Die Projektergebnisse sollen für die Entwicklung der nationalen Gebäudesanierungspläne der vier Länder und für die dortige Umsetzung der überarbeiteten EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden genutzt werden. Im Rahmen von Workshops, Dialogveranstaltungen und Schulungen fördert das Projekt die regionale Zusammenarbeit mit anderen mittel- und osteuropäischen Ländern und ermöglicht es ihnen, Lösungen für gemeinsame Herausforderungen zu erarbeiten.

Innovative Technologien und Methoden

Neben den organisatorischen und politischen Maßnahmen werden auch innovative Technologien und Methoden für die Gebäudesanierung entwickelt. Das EU-Projekt REHOUSE, das Teil der Built4People-Initiative ist, entwickelt acht innovative Lösungen für effiziente, kostengünstige und nachhaltige Sanierung und demonstriert diese an vier ausgewählten Standorten in Frankreich, Griechenland, Italien und Ungarn.

Zu diesen Lösungen gehören:

  • Multi-source heat pump: Entwicklung einer Wärmepumpe, die mehrere Energiequellen nutzen kann (Sonnenenergie, Erdwärme, Luft und thermische Energie aus Speichersystemen) zum Wärmen und Kühlen.
  • Adaptable/dynamic building envelope: Vorgefertigte und multifunktionale Platten für die Gebäudehülle (RES, Integration von Batterien, Isolierung).
  • SmartWall: Ein multifunktionales Wandsystem, das mehrere Technologien kombiniert, wie vollständig vorgefertigte Paneele, Gebläseventilatoren zum Heizen und Kühlen, mechanisches Belüftungssystem, PV Paneele, Hochleistungsfenster.

Bürgerbeteiligung und Energiegemeinschaften

Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die Einbeziehung der Bürger in Renovierungsprozesse. Im Rahmen der EU-Initiative "Citizen-Led Renovation" werden Energiegemeinschaften gestärkt und die Bürgerinnen und Bürger in die Lage versetzt, energiesparende Renovierungsprojekte selbst in die Hand zu nehmen. Das Steinbeis Europa Zentrum übernimmt in diesem Kontext die Kommunikationsaktivitäten und die Unterstützung der Pilot-Initiativen.

Positive Energy Neighborhoods stehen im Fokus des EU-Projekts oPEN Lab. In Genk (Belgien), Pamplona (Spanien) und Tartu (Estland) werden Industrie, Behörden, Hochschulen, Bewohner sowie innovative Renovierungs- und Technologieansätze bei der Entwicklung von Plus-Energiegebäuden unterstützt.

Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimafolgen

Neben der Energieeffizienz spielt auch die Anpassung an den Klimawandel eine zunehmend wichtige Rolle. Im EU-Projekt MULTICLIMACT werden innovative Strategien und Technologien sowie ein Toolkit mit 18 zuverlässigen und leicht umsetzbaren Methoden und digitalen Lösungen entwickelt, um die Widerstandsfähigkeit unserer Stadtlandschaften zu verbessern. Das Steinbeis Europa Zentrum verantwortet die Verbreitung der Projektergebnisse innerhalb des internationalen Fachpublikums und an die breite Öffentlichkeit.

Empfehlungen für eine erfolgreiche Renovierungswelle

Um die Renovierungswelle in Osteuropa erfolgreich umzusetzen, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich. HouseEurope! fordert ein Recht auf Weiternutzung gestützt auf vier zentrale Säulen:

  1. Steuerreduzierungen: Die Befreiung von der Mehrwertsteuer für Gebäudesanierungen und wiederverwendete Materialien, um den Renovierungsmarkt anzukurbeln und die Treibhausgasemissionen im Bausektor zu senken.
  2. Faire Bewertungskriterien: Verpflichtende EU-weite Standards zur Bewertung nicht nur der Risiken, sondern auch des Potenzials bestehender Gebäude, damit ihr Wert erschlossen und gezielt in Renovierung investiert werden kann.
  3. Ganzheitliche Betrachtung: Die Einführung ganzheitlicher Lebenszyklusanalysen, um den vollständigen CO₂-Fußabdruck von Gebäuden sichtbar zu machen – von der Vergangenheit bis in die Zukunft – und um diesen bilanziell zu erfassen.
  4. Förderungen: (Im Quelltext nicht vollständig ausgeführt)

Darüber hinaus ist es wichtig, die Akzeptanz für Renovierungen zu erhöhen, indem die Vorteile für die Bewohner stärker betont werden. Durch energetische Sanierungen können nicht nur Energiekosten eingespart, sondern auch Verbesserungen im Wohnkomfort und der Gesundheit erreicht werden. Diese positiven Effekte sollten stärker in den Fokus der Öffentlichkeitsarbeit gerückt werden.

Fazit

Die Renovierung von Gebäuden in Osteuropa ist eine zentrale Herausforderung für die Erreichung der Klimaziele der Europäischen Union. Die Länder Bulgarien, Kroatien, Polen und Rumänien stehen vor besonderen Herausforderungen bei der Umsetzung der EU-Renovierungsziele, insbesondere was die Finanzierung, das Wissen und die rechtlichen Rahmenbedingungen betrifft.

Durch verschiedene EU-Initiativen wie die "Renovation Wave", das Projekt "Our CEE Climate Neutral Renovations" und innovative Technologien wie die im REHOUSE-Projekt entwickelten Lösungen werden Lösungsansätze erprobt und umgesetzt. Gleichzeitig wird die Bedeutung der Bürgerbeteiligung und der Entwicklung von Energiegemeinschaften zunehmend erkannt.

Für eine erfolgreiche Umsetzung der Renovierungswelle in Osteuropa sind jedoch zusätzliche Maßnahmen erforderlich, insbesondere im Bereich der Finanzierung, der steuerlichen Anreize und der rechtlichen Rahmenbedingungen. Nur durch eine konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen kann das Ziel erreicht werden, den Gebäudebestand in der EU bis 2050 emissionsfrei und vollständig dekarbonisiert zu gestalten.

Quellen

  1. EUKI-Projekt Klimaneutrale Renovierungen in Zentral- und Osteuropa
  2. Gebäudesanierung in Europa - Wie geht die EU die "Renovation wave" an
  3. HouseEurope! - Forderungen für bezahlbaren Wohnraum und Klimaschutz

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