Kirchenrenovierungen in Oberstdorf: Vom historischen Erbe zur modernen Zukunft

Einleitung

Oberstdorf, als größte Gemeinde im Allgäu und bedeutender Kurort, besitzt eine reiche kirchliche Tradition mit zwei Hauptkirchen, die das kulturelle und spirituelle Leben prägen. In den vergangenen Jahren und in naher Zukunft wurden bzw. werden umfangreiche Renovierungsarbeiten an beiden Gotteshäusern durchgeführt. Die katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist und die evangelische Christuskirche wurden bzw. werden umfassend saniert, um sie für zukünftige Generationen zu erhalten und den veränderten Anforderungen an Gottesdienste und Gemeindeleben gerecht zu werden. Diese Projekte stellen nicht nur bauliche Herausforderungen dar, sondern erfordern auch erhebliche finanzielle Mittel und die engagierte Mitarbeit der Gemeinde.

Renovierung der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist

Die katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Oberstdorf hat kürzlich eine umfassende Sanierung und Renovierung abgeschlossen, die rund vier Jahre dauerte. Die Arbeiten wurden symbolisch mit einem Pontifikalamt unter der Leitung von Weihbischof Florian Wörner beendet, der das im neuen Glanz erstrahlende Gotteshaus sowie die Marienstatue segnete. Diese Statue, bekannt als die "schöne Oberstdorferin", erhielt einen neuen Platz auf einer neu gestalteten Eichensäule rechts vor dem Altarraum. Mit diesem Schritt wurde betont, dass "Oberstdorf jetzt auch eine Mariensäule - genauso wie München oder Augsburg" besitzt.

Die Renovierungsarbeiten umfassten mehrere Bereiche, die dringend Aufmerksamkeit benötigten. Die Außenfassade und der Kirchturm waren sichtbar renovierungsbedürftig, was sich auch auf die Dachkonstruktion auswirkte. Untersuchungen ergaben (Fäulnis-)Schäden in geringem bis mittlerem Umfang an der Dachkonstruktion, die behoben werden mussten. Für diese Arbeiten waren Gerüste nicht nur außen, sondern auch innen in der Kirche notwendig. Gleichzeitig zeigte der Innenzustand der Kirche einen hohen Verschmutzungsgrad auf, insbesondere an den Wänden. Da aufgrund der Dacharbeiten ohnehin ein Gerüst innen erforderlich war, lag es nahe, auch die sogenannte Raumschale innen zu säubern und neu zu fassen. Zudem erwies sich die Heizung als technisch und energetisch veraltet und war teilweise in absehbarer Zukunft nicht mehr zulässig.

Die Planung der Maßnahmen erfolgte gemeinsam mit der Kirchenverwaltung, besonders mit Klaus Noichl, dem verantwortlichen Bauleiter, sowie weiteren staatlichen und kirchlichen Verantwortlichen. Wie es bei der Gemeinde üblich ist, wurden die Maßnahmen gründlich, bedächtig und mit Blick auf die Möglichkeiten der Gemeinde sowie die Herausforderungen der Zukunft geplant.

Finanzierung der katholischen Kirchenrenovierung

Die Finanzierung der umfangreichen Renovierungsmaßnahmen der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist stellte ein erhebliches Unterfangen dar. Die Gesamtkosten der Bauwerke wurden auf rund 1,9 Millionen Euro beziffert. Davon trug das Bistum einen erheblichen Teil mit einem Zuschuss von 700.000 Euro. Der Markt Oberstdorf beteiligte sich speziell an den Kosten für die Sanierung des Kirchturms. Zudem kamen durch Spenden, die auch als "Patenschaften" bezeichnet wurden, insgesamt rund 170.000 Euro zusammen, darunter von drei Großspendern.

Diese breite finanzielle Basis ermöglichte die Durchführung der umfassenden Sanierungsarbeiten, die das Gotteshaus wieder in einen zeitgemästen Zustand versetzten. Bei einem Pontifikalamt, das musikalisch von Kirchenmusiker Christof Krippendorf sowie den Solistinnen Verena Bertele, Heike Glinka, Stefan Heidweiler und Michael Dreher mit der Missa brève von Charles Gounod gestaltet wurde, wurden alle Spender und beteiligten Firmen besonders gewürdigt.

Renovierung der evangelischen Christuskirche

Parallel zu den abgeschlossenen Arbeiten an der katholischen Kirche steht die geplante Innensanierung und Renovierung der evangelischen Christuskirche in Oberstdorf. Nach dem Neubau des Gemeindehauses beschäftigt die Kirchengemeinde dieses Projekt seit 2022. In den letzten Jahrzehnten haben sich im Inneren der evangelischen Christuskirche erhebliche Mängel entwickelt, die eine umfassende Sanierung dringend erforderlich machen.

Die Probleme sind vielfältig: Die Heizung ist defekt, die Elektroinstallation veraltet, die Wärmedämmung ist unzureichend, und sowohl der Fußboden als auch die Wände zeigen Risse, die besonders am Altarbild auffallen. Ein weiteres Problem ist, dass es keinen geeigneten Raum für Taufen oder andere Feiern im kleinen Kreis gibt. Diese Defekte nicht nur zu beseitigen, sondern den Kirchenraum neu zu gestalten, ist das Hauptziel der geplanteten Maßnahmen.

Die Planungen für die Neugestaltung sind bereits fertiggestellt. Ziel ist es, aus dem bestehenden Raum einen hellen, lichten Mittelpunkt für Gottesdienste in verschiedenen Formen und Veranstaltungen für Einheimische sowie auswärtige Besucher zu schaffen. Ein Raum, der gleichermaßen zum ruhigen Verweilen einlädt, aber auch abwechslungsreiche Konzerte und andere Veranstaltungen ermöglicht. Auch die Nebenräume wie die Sakristei und das Pfarrbüro sind renovierungsbedürftig und werden in das Projekt miteinbezogen.

Zeitplan für die evangelische Kirchenrenovierung

Die Arbeiten an der evangelischen Christuskirche sollen im Frühsommer 2025 beginnen. Vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten fand ein letzter Gottesdienst in der Christuskirche statt, danach werden die Gottesdienste vorübergehend in den Saal des Gemeindehauses verlegt, bis die Renovierung abgeschlossen ist.

Die lange Vorlaufzeit bis zum Baubeginn erklärt sich durch die umfangreichen Planungsarbeiten und die Notwendigkeit, die erheblichen Eigenmittel der Kirchengemeinde in Höhe von 500.000 Euro aufzubringen. Diese Finanzierungssicherung ist eine wichtige Voraussetzung für den Start der Baumaßnahmen.

Technische Herausforderungen der evangelischen Kirchenrenovierung

Die geplante Innensanierung der evangelischen Christuskirche stellt mehrere technische Herausforderungen dar. Wie bereits erwähnt, ist die Heizung defekt und muss vollständig erneuert werden. Gleichzeitig ist die gesamte Elektroinstallation veraltet und entspricht nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards. Ein weiteres Problem ist die unzureichende Wärmedämmung, die zu hohen Energieverbrauch und ungemütlichen Raumtemperaturen beiträgt.

Besondere Aufmerksamkeit erfordern die Risse im Fußboden und in den Wänden. Diese nicht nur zu flicken, sondern strukturell zu beheben, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Besonders problematisch ist der Rissverlauf am Altarbild, das wahrscheinlich während der Sanierungsarbeiten vorsichtig demontiert, restauriert und wieder angebracht werden muss.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Sanierung ist die Schaffung eines geeigneten Raumes für Taufen und andere Feiern im kleinen Kreis. Dies erfordert eine räumliche Neugestaltung, die den bestehenden Grundriss der Kirche berücksichtigt, aber neue Funktionalitäten ermöglicht.

Finanzierung der evangelischen Kirchenrenovierung

Die umfassende Instandsetzung und Modernisierung der evangelischen Christuskirche wird viel Geld erfordern. Bei einer geplanten Bausumme von 850.000 Euro liegt der Eigenanteil der Kirchengemeinde bei 500.000 Euro. Diese erhebliche Summe muss durch Spenden, Fördergelder und Sponsoring zusammengetragen werden.

Ein wichtiger Beitrag dazu kam von der Sparkasse Allgäu, die das Projekt mit einer großzügigen Spende von 2.500 Euro unterstützte. Damit setzt die Sparkasse Allgäu eine Tradition fort, da sie schon beim Bau des neuen Gemeindehauses dem Kirchbauverein einen bedeutenden Betrag gespendet hatte. Weitere Spenden werden weiterhin benötigt, um das Projekt vollständig finanzieren zu können.

Die Kirchengemeinde hat eine Kontoverbindung für Spenden eingerichtet: Evang. Kirchbauverein Oberstdorf e.V. Sparkasse Allgäu, IBAN: DE10 7335 0000 0514 7024 71.

Künstlerische Kostbarkeiten in den Oberstdorfer Kirchen

Die Kirchen in Oberstdorf beherbergen zahlreiche künstlerische Kostbarkeiten, die durch die Renovierungsarbeiten geschützt und bewahrt werden.

Die Kirche in Tiefenbach, die im neugotischen Stil erbaut wurde (vor 1500), verfügt über ein Kruzifix, eine Orgel, einen Taufstein/-becken sowie wertvolle Kirchenfenster. Die Kirche wurde 1981 außen und 1992 innen renoviert.

Die Kirche in Schöllang, die im Barockstil erbaut wurde (1726-1754), beherbergt die St. Michaelsfigur im Hochaltar sowie mehrere Barockfiguren. Besonders wertvoll ist eine Madonna aus dem Jahr 1480 und das Gnadenbild der lieben Frau von Schöllang.

Kulturelle und spirituelle Bedeutung der Kirchen in Oberstdorf

Die Kirchen und Kapellen in Oberstdorf sind ein wichtiger Teil des kulturellen und spirituellen Lebens im Ort. Sie bieten Einheimischen und Gästen gleichermaßen die Möglichkeit, besinnliche und inspirierende Momente zu erleben und die Schönheit der Region in Verbindung mit dem Glauben zu erfahren.

Die katholische Pfarreiengemeinschaft, die evangelische Kirchengemeinde sowie die apostolische Gemeinde kümmern sich nicht nur um die gottesdienstlichen Angebote, sondern auch um die Seelsorge der Gäste und Einheimischen. Ein ganz besonderes Erlebnis sind die Berggottesdienste, die regelmäßig in Oberstdorf stattfinden. Hier kommt man nicht nur in den Genuss einer atemberaubenden Naturkulisse, sondern kann auch spirituelle Momente in der freien Natur erleben. Die Berggottesdienste werden von verschiedenen kirchlichen Einrichtungen angeboten und sind ein Highlight für alle, die gerne ihren Glauben ausleben, wandern und die Natur lieben.

Fazit

Die Kirchenrenovierungen in Oberstdorf sind eindrucksvolle Beispiele für den Erhalt von Kulturgut und die Anpassung historischer Bauten an moderne Anforderungen. Die katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist wurde nach rund vier Jahren Bauzeit erfolgreich renoviert und präsentiert sich nun in neuem Glanz, unter anderem mit der neu installierten Mariensäule. Die evangelische Christuskirche steht vor einer umfassenden Innensanierung, die technische Mängel beheben und einen zeitgemäßen Raum für Gottesdienste und Veranstaltungen schaffen wird.

Beide Projekte erforderten bzw. erfordern erhebliche finanzielle Mittel, die durch eine Kombination von öffentlichen Zuschüssen, kirchlichen Mitteln und privaten Spenden aufgebracht werden. Die Renovierungen sind nicht nur bauliche Maßnahmen, sondern auch Investitionen in das geistliche und kulturelle Leben der Gemeinde. Sie stellen sicher, dass die Gotteshäuser auch in Zukunft ihre wichtige Funktion als Orte der Besinnung, Gemeinschaft und Kultur erfüllen können.

Die Oberstdorfer Kirchen sind mit ihren kunstgeschichtlichen Schätzen und ihrer besonderen Lage im Alpenraum einzigartige Zeugnisse des Glaubens und der Kultur. Ihre Renovierung sichert, dass diese Schätze für zukünftige Generationen erhalten bleiben und weiterhin bewundert und genutzt werden können.

Quellen

  1. Oberstdorf hat jetzt auch eine Mariensäule
  2. Sanierung der evangelischen Christuskirche Oberstdorf - Spenden für den Umbau nötig
  3. Kirchenrenovierung
  4. Sparkasse Allgäu unterstützt Innensanierung der Christuskirche in Oberstdorf
  5. Nach dem Neubau des Gemeindehauses beschäftigt uns nun seit 2022 die Innensanierung und Renovierung der Christuskirche
  6. Im Inneren der evangelischen Christuskirche in Oberstdorf sind im Laufe der Jahrzehnte erhebliche Mängel entstanden
  7. Die kath. Pfarreiengemeinschaft, die evangelische Kirchengemeinde sowie die apostolische Gemeinde kümmern sich nicht nur um die gottesdienstlichen Angebote

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