Einleitung
Das Polizeipräsidium an der Löwengrube in München ist nicht nur ein Verwaltungsgebäude, sondern auch ein Stück Münchner Geschichte. Seit fast einem Jahrhundert dient das Gebäude als Zentrale der Münchner Polizei und ist durch zahlreiche Fernsehserien wie "Monaco Franze", "Löwengrube" und "München 7" im kollektiven Gedächtnis der Bürger verankert. Doch nach fast 100 Jahren intensiver Nutzung zeigt sich der Zahn der Zeit an dem denkmalgeschützten Bauwerk. Um die Funktionsfähigkeit der Polizei in der Münchner Innenstadt zu gewährleisten, wurde eine umfassende Sanierung des Komplexes beschlossen. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Gebäudes, die Notwendigkeit der Renovierung sowie die geplanten und bereits durchgeführten Maßnahmen zur Erneuerung dieses historischen Bauwerks.
Historischer Hintergrund
Das Polizeipräsidium an der Löwengrube hat eine bewegte Geschichte, die tief in Münchener Stadtgeschichte verwurzelt ist. Vor 98 Jahren, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wurde das auf dem Gelände befindliche Augustinerkloster abgerissen, um Platz für den Neubau der Polizeidirektion zu schaffen. Der renommierte Architekt Theodor Fischer entwarf den Komplex, der seitdem als Symbol für die städtische Ordnung im Herzen Münchens dient.
Die Adresse des Gebäudes lautet heute offiziell Ettstraße 2-4, doch viele Münchner kennen es immer noch unter dem traditionsreichen Namen "Löwengrube". Dieser Name hat sich nicht nur im Volksgedächtnis erhalten, sondern wurde auch durch die gleichnamige Fernsehserie von Franz Xaver Bogner in den 1980er und 1990er Jahren weiter popularisiert. Die Serie wurde zum Teil in den Räumlichkeiten des Polizeipräsidiums gedreht, ebenso wie andere bekannte Produktionen wie "Monaco Franze" mit Helmut Fischer und die Krimiserie "München 7".
Im Laufe der Jahrzehnte wurden immer wieder Teile des Gebäudekomplexes renoviert. So wurde bereits Anfang 2001 der Haupteingang an der Ettstraße vollständig renoviert, und 2002 folgte der Anbau "Posteck" am gegenüberliegenden Frauenplatz. Dennoch blieb der Trakt an der Löwengrube mit seiner rußgeschwärzten Fassade über Jahrzehnte ein Schandfleck im Stadtbild und ein Symbol für den Sanierungsstau im öffentlichen Bauwesen.
Notwendigkeit der Sanierung
Die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung des Polizeipräsidiums war bereits seit Jahrzehnten bekannt. Bereits 1975, als die Polizei verstaatlicht wurde, galt das Gebäude als sanierungsbedürftig. Über die Jahre verschlechterte sich der Zustand des Bauwerks weiter. Der Putz begann zu bröckeln, die Lüftungs- und Sanitärtechnik war überaltert, das Mauerwerk war stellenweise beschädigt, und die Fenster so undicht, dass es wie bei Föhnwetter hereinzog.
Besonders problematisch waren die Arbeitsbedingungen für die Beamten. Die Elektro- und EDV-Anlagen stammten aus einer längst vergangenen Zeit, und barrierefreie Wege für Rollstuhlfahrer existierten praktisch nicht. Für den Erkennungsdienst waren die Laboreinrichtungen dringend erneuerungsbedürftig, und die EDV-Leitungen, die auf dem Putz verlegt waren, entsprachen nicht mehr den modernen Anforderungen.
Die Fassade an der Löwengrube wurde in den Medien wiederholt als "wirklich ein Schandfleck" und "für Münchens Ordnungshüter unwürdiger Anblick" beschrieben. Diese ästhetischen Mängel waren jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Die strukturellen und technischen Defizite des Gebäudes gefährdeten nicht nur die Arbeitsbedingungen der Polizei, sondern auch die Funktionsfähigkeit einer zentralen Institution im Herzen Münchens.
Aktueller Sanierungsprojekt
Im Jahr 2010 wurde die Entscheidung für eine umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes an der Löwengrube getroffen. Das Projekt sollte drei Jahre dauern und rund 30 Millionen Euro kosten. Der Sanierungszeitraum umfasste die Jahre von 2010 bis 2012. Ziel war es, den Trakt an der Löwengrube grundlegend zu erneuern, um den Anforderungen moderner Polizeiarbeit gerecht zu werden und das historische Bauwerk für die Zukunft zu erhalten.
Die Sanierungsarbeiten umfassten sowohl die Außenfassade als auch das Innere des Gebäudes. Die rußgeschwärzte Fassade sollte gereinigt und restauriert werden, um das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Bauwerks wiederherzustellen. Gleichzeitig war eine grundlegende Erneuerung der technischen Infrastruktur geplant, einschließlich der Sanitär- und Lüftungsanlagen, der Elektroinstallationen und der EDV-Verkabelung.
Besonders herausfordernd war die Tatsache, dass während der Sanierungszeit die Polizei ihre Arbeit ohne Unterbrechung fortsetzen musste. Dies erforderte eine sorgfältige Planung von Interimslösungen und die temporäre Verlagerung verschiedener Dienststellen. Insgesamt waren etwa 350 Beamte von den Umzugsmaßnahmen betroffen, die innerhalb des Hauses, in Dependancen oder in neu angemieteten Objekten untergebracht werden mussten.
Technische Aspekte der Sanierung
Die Sanierung des Polizeipräsidiums Löwengrube stellte hohe technische und logistische Anforderungen. Einerseits musste das denkmalgeschützte Erscheinungsbild des Bauwerks bewahrt bleiben, andererseits mussten die technischen Anlagen modernisiert werden. Ein besonderes Augenmerk galt der Erneuerung der Fassade, die seit Jahrzehnten durch Ruß und Umweltverschmutzung dunkel verfärbt war.
Für die Innensanierung waren umfangreiche Arbeiten erforderlich. Die überalterten Lüftungs- und Sanitäranlagen wurden komplett ausgetauscht, und die Elektro- und EDV-Anlagen wurden modernisiert. Besonders komplex war die Erneuerung der EDV-Leitungen, die bisher auf dem Putz verlegt waren. Hierfür mussten auch die beiden Innenhöfe an der Löwengrube aufgerissen und neu gepflastert werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Herstellung barrierefreier Zugänge. Das historische Gebäude hatte ursprünglich keine solchen Einrichtungen, was die Arbeit für Polizisten mit körperlichen Einschränkungen erschwerte. Im Rahmen der Sanierung wurden Rampen und Aufzüge installiert, um die Barrierefreiheit zu gewährleisten.
Die Sanierung umfasste auch die Modernisierung der Laboreinrichtungen für den Erkennungsdienst, die dringend erneuerungsbedürftig waren. Gleichzeitig wurden die beiden Innenhöfe des Komplexes neu gestaltet, um nicht nur die technische Infrastruktur zu erneuern, sondern auch die Arbeits- und Aufenthaltsqualität für die Beamten zu verbessern.
Herausforderungen und Lösungen
Die Sanierung des Polizeipräsidiums Löwengrube war mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. Die größte Herausforderung war die Gewährleistung der polizeilichen Funktionsfähigkeit während der Bauarbeiten. Um dies zu erreichen, wurden verschiedene Interimslösungen geschaffen. So wurden Labors in Containern auf dem Gelände installiert, und verschiedene Dienststellen wurden in andere Gebäude verlagert.
Eine weitere Herausforderung war der Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand. Bei der Sanierung mussten moderne Anforderungen an Technik und Barrierefreiheit mit dem Erhalt des historischen Baus harmoniert werden. Dies erforderte eine sorgfältige Planung und spezialisierte Handwerker mit Erfahrung in der Denkmalpflege.
Die Koordination der verschiedenen Gewerke war ebenfalls eine Herausforderung. Da während der Sanierung weiterhin polizeiliche Aktivitäten stattfanden, mussten die Bauarbeiten oft außerhalb der regulären Arbeitszeiten oder in Abschnitten durchgeführt werden, um die Beeinträchtigungen für den Betrieb so gering wie möglich zu halten.
Als Lösung für diese Herausforderungen diente eine detaillierte Bauplanung, bei der die verschiedenen Gewerke zeitlich und räumlich koordiniert wurden. Gleichzeitig wurde eng mit den zuständigen Denkmalbehörden zusammengearbeitet, um die denkmalrechtlichen Vorgaben zu erfüllen und gleichzeitig die Modernisierung des Gebäudes voranzutreiben.
Auswirkungen auf die Polizeiarbeit
Die Sanierung des Polizeipräsidiums hatte erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsabläufe der Münchner Polizei. Viele Dienststellen mussten für die Dauer der Bauarbeiten umziehen. Die Mordkommission und die Todesermittler zogen bereits im Juni 2010 in andere Gebäude, um den Baustart zu ermöglichen. Andere Dienststellen wie der Kriminaldauerdienst, die Haftrichter und der Jourstaatsanwalt wurden im "Posteck", dem 2002 fertiggestellten Anbau am Frauenplatz, untergebracht.
Die Mordkommission fand vorübergehend ein neues Domizil in einem noch anzumietenden Bürogebäude, in dem sie mit dem Rauschgift- und Staatsschutzdezernat zusammengezogen wurde. Diese Umstrukturierungen erforderten eine intensive Planung, um die Ermittlungsarbeit nicht zu behindern.
Auch die Polizeiinspektion 11 aus der Hochbrückenstraße war von den Umzugsmaßnahmen betroffen. Nachdem in ihrem historischen Gebäude aus dem Jahr 1924 ebenfalls Mängel festgestellt wurden, zogen die 160 Beamten für die Dauer der Sanierung in die Löwengrube 3. Die Bedingungen in der Hochbrückenstraße waren besonders prekär: "Die Fenster sind so undicht, dass es reinzieht als sei Föhn", beschrieb der stellvertretende Dienststellenleiter die Situation. Auch die Sanitäranlagen und die beiden Gefängniszellen galten als "mensenunwürdig".
Die temporären Umzüge erforderten von den Beamten große Flexibilität und Anpassungsbereitschaft. Gleichzeitig war sich die Führungsschicht der Polizei bewusst, dass nur durch eine umfassende Sanierung die Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessert werden konnten. Trotz der Baumaßnahmen betonte die Polizei, dass sie den Bürgern rund um die Uhr zur Verfügung stehen werde.
Langfristige Sanierungsstrategie
Die Sanierung des Trakts an der Löwengrube war Teil einer langfristigen Strategie zur Erneuerung des gesamten Polizeipräsidiums. Bereits von 2008 bis 2020 fand eine umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes statt, die ein Kostenvolumen von etwa 26 Millionen Euro umfasste. In diesem Zeitraum wurden rund 12.700 m² Bruttogeschossfläche saniert.
Das Projekt umfasste neben den eigentlichen Sanierungsarbeiten auch den Bau von Interimslösungen wie Laborcontainern für den Kriminaldauerdienst (KDD) und die Einsatzkommissionen (EKD). Zudem wurde eine neue Haftanstalt errichtet und ein polizeilicher Führungsstab eingerichtet. Ein weiterer wichtiger Baustein war der Neubau einer Tiefgarage und der Ein Brandschutzwand, um den aktuellen Sicherheitsstandards zu entsprechen.
Der Auftraggeber für diese umfassende Sanierung war das Staatliche Bauamt München 1, das für die Planung und Umsetzung der Baumaßnahmen verantwortlich zeigte. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Polizei und dem Bauamt war entscheidend für den Erfolg des Projekts, da sowohl die polizeilichen Anforderungen als auch die denkmalrechtlichen Vorgaben berücksichtigt werden mussten.
Diese langfristige Sanierungsstrategie zeigt, dass die Polizei den Standort im Herzen Münchens nachhaltig sichern möchte. Wie Polizeisprecher Peter Reichl betonte: "Wir wollen im Herzen der Stadt sein, nah am Bürger und nah am Rathaus." Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung des Standorts für die polizeiliche Arbeit und die Identifikation der Polizei mit der Münchner Stadtgesellschaft.
Zukunftsperspektiven
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten präsentiert sich das Polizeipräsidium an der Löwengrube als modernes und zugleich historisch geprägtes Gebäude. Die Fassade wurde gereinigt und restauriert, und die technischen Anlagen entsprechen den modernsten Anforderungen. Gleichzeitig blieb der charakteristische Charme des denkmalgeschützten Bauwerks erhalten.
Die modernen Laboreinrichtungen des Erkennungsdienstes ermöglichen eine effizientere Arbeit, und die barrierefreien Zugänge verbessern die Arbeitsbedingungen für alle Beamten. Die erneuerte EDV-Infrastructur sorgt für eine zukunftssichere Vernetzung der verschiedenen Abteilungen.
Für die Münchner Bürger bleibt das Polizeipräsidium ein vertrauter und zugänglicher Anlaufpunkt in der Innenstadt. Die Polizei wird weiterhin ihre Präsenz in der Stadtmitte wahren und von der Löwengrube aus ihre Arbeit fortsetzen. Wie Polizeisprecher Peter Reichl versicherte, wird die Polizei "dort weiterhin rund um die Uhr für die Münchner Bürger da" sein.
Die Sanierung des Polizeipräsidiums ist somit mehr als nur eine Baumaßnahme – sie ist eine Investition in die Zukunft der öffentlichen Sicherheit in München und ein Zeichen für den Erhalt wichtiger historischer Bauwerke in der Stadt.
Fazit
Die Sanierung des Münchner Polizeipräsidiums an der Löwengrube ist ein eindrucksvolles Beispiel für den Umgang mit historischen Bauwerken im öffentlichen Sektor. Nach fast 100 Jahren intensiver Nutzung zeigt sich, dass selbst solide und repräsentative Bauten einer umfassenden Erneuerung bedürfen, um ihre Funktionen auch in Zukunft erfüllen zu können.
Das Projekt demonstriert die Notwendigkeit einer langfristigen Sanierungsstrategie, die nicht nur kurzfristige Mängel behebt, sondern auch zukünftige Anforderungen berücksichtigt. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bauamt, Denkmalbehörden und der Polizei war entscheidend für den Erfolg des Projekts.
Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Polizei ihre Arbeit während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten konnte. Dies gelang durch sorgfältige Planung von Interimslösungen und die Bereitschaft der Beamten, sich auf veränderte Arbeitsbedingungen einzulassen.
Die Sanierung des Polizeipräsidiums ist somit nicht nur eine technische Meisterleistung, sondern auch ein Zeichen für den Stellenwert, den die Polizei in München einnimmt. Die Modernisierung des Gebäudes unterstreicht das Bemühen, den Bürgern einen modernen und zugänglichen Dienstleister im Herzen der Stadt zu bieten, der den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird.
Quellen
- Die "Löwengrube" wird saniert
- [Eine Verjüngungskur für die Löwengrube](https://www.tz.de/muenchen/stadt/eine-verjuengungskur-fuer-die-loewengrube-715