Einleitung
Die Region Franken in Bayern beherbergt eine Fülle historischer Burgen, Schlösser und Festungen, die als "steinerne Zeugen der Vergangenheit" die Geschichte und Herrscherkunst vergangener Epochen widerspiegeln. Diese prachtvollen Baudenkmäler, die von mittelalterlichen Burgen über Renaissance-Festungen bis hin zu barocken Schlössern reichen, stehen heute vor der Herausforderung, einer modernen Nutzung zugeführt zu werden. Eine der größten und aufwendigsten Renovierungsprojekte in dieser Hinsicht ist die Sanierung der Festung Marienberg in Würzburg, die seit November 2023 im Gange ist und als größtes Umbauprojekt in der Geschichte der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung gilt. Dieser Artikel beleuchtet die Herausforderungen, Methoden und Besonderheiten bei der Renovierung historischer Schlösser in Franken, anhand konkreter Projekte und Erfahrungen.
Die Sanierung der Würzburger Festung
Das größte Umbauprojekt der Bayerischen Schlösserverwaltung
Die Festung Marienberg in Würzburg stellt derzeit das ambitionierteste Renovierungsprojekt in ganz Bayern dar. Mit einer Bauzeit von etwa zehn Jahren und Kosten in Höhe von 300 Millionen Euro übertrifft dieses Vorhaben alle bisherigen Maßnahmen der Schlösserverwaltung an Umfang und Komplexität. Das Hauptziel des Projekts ist die Umnutzung des ältesten Teils des Würzburger Wahrzeichens als zukünftiger Standort des "Museums für Franken". Diese Neuausrichtung stellt nicht nur bauliche, sondern auch museologische Herausforderungen dar, die eine sorgfältige Planung und Umsetzung erfordern.
Bauphasen und Umsetzung
Die Sanierung der Festung Marienberg erfolgt in zwei klar definierten Bauphasen, die unterschiedliche Bereiche der Anlage betreffen und jeweils spezifische Ziele verfolgen:
Erste Bauphase: Sanierung und Umbau der Westflügel- und Bibliotheksbereiche Die erste Phase konzentriert sich auf den Westflügel, die Hofstuben, den Bibliotheksbau sowie die Dächer und Fassaden dieser Bereiche. Diese Räumlichkeiten werden umfassend restauriert und anschließend für neue Nutzungen umgestaltet. Im Detail entstehen hier: - Ein neues Museumsdepot für die sichere Aufbewahrung von historischen Objekten - Räumlichkeiten für die Museumsverwaltung - Ein moderner Vortragssaal für Veranstaltungen und Bildungsangebote - Ein neues Museumscafé für die Besucherbetreuung
Parallel zu diesen Umbauten wird auch die Festungsarchitektur der Kernburg restauriert, einschließlich der Burgmauern, Zwingeranlagen, des Bergfrieds, des Brunnenhauses und des Fürstengartens. Diese Maßnahmen sollen die historische Substanz der Anlage erhalten und gleichzeitig die Voraussetzungen für eine moderne Nutzung schaffen.
Zweite Bauphase: Ausstellungsräume und Barrierefreiheit Nach Abschluss der ersten Bauphase beginnt die zweite Phase, die sich auf den Fürstenbau und die Schottenflanke konzentriert. In diesem Abschnitt entstehen die zukünftigen Ausstellungsräume des Museums für Franken, die von Beginn an barrierefrei gestaltet werden. Diese Planung berücksichtigt die besonderen Anforderungen an Museumsräume und stellt sicher, dass alle Besucher die Ausstellungen ohne Barrieren erleben können.
Verantwortliche Akteure und Planung
Für das umfassende Projekt der Festungssanierung sind mehrere Institutionen und Planungsbüros verantwortlich:
- Bauherrin: Bayerische Schlösserverwaltung
- Projektleitung: Staatliches Bauamt Würzburg
- Planungsgemeinschaft (ARGE): Nach einer europaweiten Ausschreibung wurde die Planung des Museumsprojekts an eine Arbeitsgemeinschaft vergeben, bestehend aus:
- Hoskins Architects, Berlin (Architektur)
- Ralph Appelbaum Associates, Berlin (Ausstellungsplanung)
- Wenzel+Wenzel, Frankfurt (Bauleitung)
Diese Aufteilung der Aufgaben ermöglicht eine spezialisierte Bearbeitung der verschiedenen Aspekte des Projekts – von der architektonischen Gestaltung über die museale Konzeption bis hin zur praktischen Bauabwicklung.
Herausforderungen bei der Renovierung historischer Bausubstanz
Entdeckung von historischer Bausubstanz
Ein besonderes Spannungsfeld bei der Sanierung der Festung Marienberg ergeben sich bei den Abrissarbeiten im Westflügel. Hier reißen Bauarbeiter ganze Decken aus den 1970er-Jahren ab und stoßen dabei auf unerwartete historische Bausubstanz. Für Bauleiter Sebastian Baumeister stellt diese Bauphase eine besondere Herausforderung dar: "Wenn so ein Bestandsgebäude wie diese Festungsanlage freigelegt ist, das ist natürlich spannend. Das ist dann nicht einfach nur Bauen."
Diese Entdeckungen erfordern eine flexible Anpassung der Planung und eine sorgfältige Dokumentation der Funde, die möglicherweise neue Erkenntnisse zur Baugeschichte der Festung liefern. Die Balance zwischen dem Erhalt historischer Elemente und der Schaffung moderner Nutzungsflächen stellt die Planer und Handwerker vor komplexe Entscheidungen.
Logistische Herausforderungen
Die Lage der Festung auf dem Marienberg und ihre kompakte, historische Bauweise stellen besondere logistische Anforderungen an die Baustelle. Baumaschinen und Container müssen durch die engen, historischen Tore transportiert werden, um in die Burg zu gelangen. Diese enge Geometrie begrenzt die Einsatzmöglichkeiten moderner Bautechnik erheblich.
Besonders problematisch ist die Verwendung von Kränen. Ein Kran im Burg-Innenhof aufzustellen ist bisher undenkbar, obwohl dies für Zimmerer, Dachdecker und andere Gewerke eine große Erleichterung darstellen würde. Die Suche nach alternativen Lösungswegen für diese logistischen Herausforderungen ist ein zentraler Aspekt der Baustellenplanung.
Der Umzug des Museums für Franken
Vorbereitende Maßnahmen
Bereits vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten wurden wichtige vorbereitende Maßnahmen umgesetzt, die die Grundlage für die folgenden Schaffen schaffen:
- Bau eines neuen Betriebshofs für die Verwaltung der Baustelle
- Einrichtung eines Interimdepots für Steinfiguren, während die endgültigen Depots in der Kernburg entstehen
Diese Vorbereitungen ermöglichen einen geordneten Ablauf der Bauarbeiten und gewährleisten den Schutz wertvoller Kunstschätze während der gesamten Umbauphase.
Die Herausforderung des Museums-Umzugs
Das Museum für Franken bereitet bereits Jahre vor dem eigentlichen Umzug die Verlagerung seiner Bestände vor. Restoratorin Susanne Wortmann organisiert diesen komplexen Prozess, bei dem allein 15.000 Objekte aus dem Depot in der Kernburg neu verpackt und transportiert werden müssen. Jedes Objekt erfordert eine individuelle Verpackungslösung, wobei sogar die Umzugskartons als Maßanfertigungen hergestellt werden.
Besonders aufwendig ist der Umgang mit Schädlingen im Holzbestand des Museums. Mithilfe riesiger Panzerzelte, die eigentlich für das Militär bestimmt sind, wird eine Schädlingsbekämpfung durchgeführt, bevor die Objekte an ihren neuen Standort umziehen. "Diese Chance gibt es nur einmal im Leben eines Museums, dass man die Schädlinge vorher los wird und nicht mit umzieht. Deswegen dieser ganze Aufwand", erklärt Wortmann die aufwendige Prozedur, die jedoch für den Erhalt der wertvollen Sammlungen unerlässlich ist.
Derzeit zeigt das Museum für Franken seine Ausstellung noch im äußeren Burghof der Festung. Die Neueröffnung am neuen Standort in der Kernburg ist für das Jahr 2032 geplant, wobei die Bauarbeiten laut Angaben der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung im Zeitplan liegen.
Öffentlichkeitsarbeit und Besucherführung
Trotz der umfangreichen Baumaßnahmen bleibt die Festung Marienberg für Besucher zugänglich. Burgführungen außerhalb des Baustellenbereichs und der Betrieb des Museums für Franken im Greiffenclauhof bestehen weiterhin. Der Echterhof sowie die Aussichtspunkte um die Burg sind für Besucher weiterhin zugänglich, sodass die Anlage auch während der Sanierung als touristisches Wahrzeichen Würzburgs erlebbar bleibt.
Diese Strategie der Teilzugänglichkeit ermöglicht es der Bayerischen Schlösserverwaltung, die Öffentlichkeit an dem Umbauprozess teilhaben zu lassen und gleichzeitig die Sicherheit auf der Baustelle zu gewährleisten.
Fallstudie: Die Renovierung eines Dorfschlösschens
Neben den großen Schlösser- und Festungsanlagen gibt es in Franken auch zahlreiche kleinere Schlösser und Adelssitze, die mit ähnlichen, wenn auch kleiner dimensionierten Herausforderungen bei der Renovierung konfrontiert sind. Ein exemplarisches Beispiel hierfür ist das Bertholzhofener Schlösschen.
Geschichte und Ausgangszustand
Das nach der Erbauerfamilie benannte "Bertholzhofener Schlösschen" befindet sich in einem kleinen Dorf und weist eine bewegte Geschichte auf. Ursprünglich 1788 als Edelsitz errichtet, wurde das Burggut am Ende des Marktes bis auf das Wohnhaus zerstört. Bei der Übernahme durch die Künstler Ludwig Bäuml und seine Frau Karin befand sich das Gebäude in Teilen in einem ruinösen Zustand.
Dennoch entschlossen sich das Ehepaar zum Erwerb und zur Sanierung des Schlösschens. Besonders beeindruckt zeigten sie von der hochwertigen Gebäudegestalt, die trotz der Schäden erhalten geblieben war. Weitere Faktoren, die für den Kauf sprachen, waren die erhöhte Lage an der Dorfstraße, der idyllische und sonnige rückwärtige Gartenbereich sowie die enge Blickbeziehung zum angrenzenden Felshang.
Renovierungsprozess
Die Renovierung des Schlösschens stellte die Künstler vor besondere Herausforderungen, da sie nicht nur mit den baulichen Mängeln umgehen mussten, sondern auch ihre eigenen künstlerischen Visionen in die Sanierung einbrachten. Das Ergebnis war die Schaffung eines einzigartigen Bau-Kunstwerks, das historische Substanz mit zeitgenössischem Gestaltungswillen verbindet.
Besonders bemerkenswert ist, dass das Künstler-Ehepaar selbst Hand anlegte und viele der Arbeiten nicht an Fachfirmen vergab, sondern eigenständig durchführte. Diese persönliche Einbindung schuf eine besondere Verbindung zwischen den neuen Bewohnern und dem historischen Gebäude.
Historische Baudenkmäler in Franken
Franken beheimatet eine Vielzahl historischer Burgen, Schlösser, Festungen und Ruinen, die unterschiedliche Epochen und Stile repräsentieren. Diese Bauten, die oft auf spektakuläre Naturumgebung treffen oder prunkvoll im Zentrum von Städten und Orten stehen, zeugen von der Baukunst und Machtansprüchen der fränkischen Herrscher.
Zu den bekannteren Beispielen gehören: - Die Alte Veste in Zirndorf - Die Alte Wache Schloss Theisenort in Küps - Die Altenburg bei Bamberg - Das Alte Schloss in Neustadt a.d.Aisch - Das Alte Schloss in Pappenheim - Das Alte Schloss in Küps - Das Alte Schloss Sugenheim mit Spielzeugmuseum - Das Barockschloss Zeilitzheim in Kolitzheim - Das Bistumshaus Schloss Hirschberg in Beilngries - Die Burg Abenberg
Diese Baudenkmäler erfordern bei Sanierungen und Umnutzungen jeweils spezifische Lösungsansätze, die auf den Erhalt der historischen Substanz und die Schaffung zeitgemäßer Nutzungsmöglichkeiten abzielen.
Fazit
Die Renovierung historischer Schlösser und Festungen in Franken stellt eine besondere Herausforderung dar, die ein feines Gleichgewicht zwischen dem Erhalt historischer Substanz und der Anpassung an moderne Nutzungsanforderungen erfordert. Das Beispiel der Festung Marienberg in Würzburg zeigt exemplarisch die Komplexität derartiger Vorhaben – von der logistischen Herausforderung bis zur museologischen Konzeption.
Während große Projekte wie die Sanierung der Würzburger Festung professionelle Planung und umfassende Finanzierung erfordern, demonstrieren Beispiele wie das Bertholzhofener Schlösschen, dass auch private Initiativen mit Engagement und Kreativität historische Bausubstanz erfolgreich sanieren können.
Die Sicherung dieser "steinernen Zeugen der Geschichte" ist nicht nur eine bauliche, sondern auch eine kulturelle Aufgabe, die zukünftigen Generationen die Möglichkeit gibt, die Baukunst und Geschichte Frankens zu erleben und zu verstehen.