Einleitung
Hamburg investiert massiv in die Modernisierung seiner Sport- und Freizeitanlagen, insbesondere in den Schwimmbädern der Stadt. Zwei bedeutende Projekte derzeit sind die umfassende Sanierung der Alster-Schwimmhalle im Bezirk Hamburg-Nord und die Neugestaltung des Midsommerlands im Bezirk Harburg. Diese Vorhaben repräsentieren nicht nur eine Erneuerung der baulichen Substanz, sondern auch eine strategische Weiterentwicklung der Sport- und Gesundheitsinfrastruktur der Stadt. Mit Investitionsvolumina von über 130 Millionen Euro insgesamt und einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit setzen diese Projekte Maßstäbe für zukünftige kommunale Bauprojekte.
Die Alster-Schwimmhalle: Sanierung und Erweiterung
Überblick und Bedeutung
Die Alster-Schwimmhalle ist Hamburgs größte und wichtigste Badanlage für das sportliche sowie Gesundheits- und Fitnessschwimmen. Nach einer umfangreichen Bauzeit von fast drei Jahren wird sie Ende 2023 nach der Modernisierung ihre Türen wieder öffnen. Die Halle gilt als Hamburger Institution und Ort des sozialen Miteinanders, der sportlichen Aktivitäten und als städtebauliches Highlight im Stadtbild.
"Die Alster-Schwimmhalle ist viel mehr als ein Schwimmbad – sie ist eine Hamburger Institution, ein Ort, an dem Menschen sich treffen, wohlfühlen, Sport treiben und nicht zuletzt ist sie auch ein städtebauliches Highlight", so Jens Kerstan, Umweltsenator und zuständig für Bäderland.
Für die Bezirksbewohnerinnen und -bewohner war die Schließung eine große Herausforderung, wie Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz anmerkt: "Lange mussten Hamburgs Bürgerinnen und Bürger auf die Alster-Schwimmhalle als eines der besucherstärksten Schwimmbäder der Stadt verzichten. Aber die Geduld zahlt sich aus: Bei ihrer geplanten Wiedereröffnung Ende 2023 wird sie dank der umfangreichen Modernisierung und Erweiterung zukünftig deutlich mehr Besucher:innen aufnehmen können und auch mehr Kapazitäten zum Schwimmenlernen bieten."
Technische Spezifikationen und Änderungen
Das Modernisierungsvorhaben beinhaltet zahlreiche bauliche und funktionale Änderungen:
- Das 50-Meter-Becken wird erhalten, ebenso wie das doppelte und wie ursprünglich ausgeführt wieder zu einem Lehrschwimmbecken vereinte Lehrbecken für Schulschwimmen und Schwimmunterricht.
- Es entsteht eine zusätzliche Schwimmhalle mit sechs 25-Meter-Bahnen.
- Ein separates Sprungbecken und ein zusätzliches Kursbecken für Gesundheits- und Präventionsangebote werden realisiert.
- Die Wasserfläche wird von bisher rund 1.600 Quadratmeter auf über 2.000 Quadratmeter erweitert, was einer Zunahme von mehr als einem Viertel entspricht.
- Das bisherige Fitnessangebot im Trockenbereich wird auf rund 1.100 Quadratmeter Fläche für Gerätetraining und das neue Kursangebot ausgebaut, wie etwa Wasserfitness, Schwimmen-Lernen, Schwimmtechniken und Entspannung.
- Ein komplett neu konzipiertes Saunaangebot wird geschaffen, sowohl als separate Saunalandschaft als auch im Schwimmbereich zur ganzheitlichen Abrundung nach dem Training.
Die neue Alster-Schwimmhalle wird zudem wettkampfgerecht für regionale Meetings und Wettkämpfe ausgestattet, wobei Tribünen je nach Wettkampftypus bedarfsgerecht temporär installiert werden können. Das Modernisierungsprojekt ist somit auch ein wesentlicher Baustein des Programms Active City.
Finanzierung
Das Gesamtprojekt hat ein Investitionsvolumen von rund 80 Millionen Euro, wobei die Finanzierung aus verschiedenen Quellen erfolgt: - 60 Millionen Euro stammen vom Hamburger Senat - 10 Millionen Euro werden aus Bundesmitteln zum Denkmalschutz bereitgestellt - Den Rest steuert Bäderland aus Eigenmitteln bei
Barrierefreiheit und Energieeffizienz
Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Barrierefreiheit gelegt. Die Alster-Schwimmhalle wird nach ihrer Modernisierung den neuesten baulichen Standards entsprechen. Neben der Verlagerung des zwar markanten aber nicht barrierefreien bisherigen Zugangs, erhält die Halle Lifte, Rampen und entsprechende Umkleide- und Sanitäranlagen. Selbst ein taktiles Leitsystem wird installiert.
Aus energetischer Sicht wird bei der Alster-Schwimmhalle ein Meilenstein erreicht. Die seit den 70er Jahren einfach verglaste Halle erhält eine neue wärmeisolierverglaste Fassade, computergesteuerte Haus- und Anlagentechnik sowie eine Wassertechnik, die Wärme- und Energie effizient zurückgewinnt und für den Energiekreislauf des Gebäudes erhält. Trotz der deutlich ausgeweiteten Angebote wird der Wärmebedarf mindestens gleich bleiben, dank im späteren Betrieb noch fein justierbarer Abläufe und Betriebsparameter aber voraussichtlich sogar geringer sein als vorher.
Zeitplan und Erwartete Effekte
Die Wiedereröffnung der Alster-Schwimmhalle ist für Ende 2023 geplant. Besonders nach den letzten Jahren der Pandemie, in denen der Schwimmunterricht häufig ausfallen musste, werden die neuen Kapazitäten als dringend notwendig erachtet. Durch die Erweiterungen wird die Hallele in der Lage sein, deutlich mehr Besucher aufzunehmen und mehr Kapazitäten zum Schwimmenlernen anzubieten.
Das Midsommerland: Neugestaltung als Klimaschutz-Pilotprojekt
Überblick und Bedeutung
Das Midsommerland in Wilstorf im Bezirk Harburg ist seit rund zwei Jahren geschlossen. Mit dem symbolischen ersten Spatenstich haben nun offiziell die Bauarbeiten für die Modernisierung des traditionsreichen Schwimmbads samt Erweiterung und neuer Trainingshalle begonnen. Das 1996 eröffnete Bad war nach jahrelanger Nutzung am Ende seines Lebenszyklus angelangt, wobei sich die Sanierung wegen technischer Probleme und verzögerter Genehmigungen hingezogen hatte.
Das neue Projekt wird als "das erste Schwimmbad Hamburgs dieser Art – ein echtes Pilotprojekt für Klimaschutz und nachhaltige Transformation" bezeichnet, wie Umweltsenatorin Katharina Fegebank beim ersten Spatenstich betonte.
Technische Spezifikationen und Änderungen
Die Umgestaltung des Midsommerlands umfasst folgende Maßnahmen:
- Komplette Erneuerung des Gebäudes
- Bau einer neuen 25-Meter-Trainingshalle mit Sprunganlage (mit Brettern in einem und drei Metern Höhe)
- Neugestaltung von Sauna und Familienbereich
- Erweiterung der Wasserfläche um 20 Prozent
Die zusätzliche Wasserfläche soll vor allem Kindern, Vereinen und sportlich Aktiven zugutekommen. Durch die neue Sprunganlage wird sichergestellt, dass Kinder und Jugendliche aus den umliegenden Quartieren die Möglichkeit für die wichtige Schwimmausbildung bekommen, wie Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein hervorhob. Neben Spaß und Erholung bietet das neue Bad nach Aussage von Bäderland-Geschäftsführerin Susan Zetzmann neue Möglichkeiten für Schwimmkurse und den Vereinssport.
Finanzierung
Das Projekt wird mit rund 52,5 Millionen Euro finanziert, die Bäderland gemeinsam mit der Stadt Hamburg investieren.
Nachhaltigkeitsaspekte
Ein besonderes Merkmal des Midsommerland-Projekts ist das Energiekonzept: 65 Prozent der Versorgung sollen künftig aus erneuerbaren Quellen stammen. Dies unterstreicht die Positionierung des Bads als Pilotprojekt für Klimaschutz und nachhaltige Transformation in Hamburgs Bädelandschaft.
Zeitplan und Erwartete Effekte
Die Eröffnung der neuen Trainingshalle ist für das erste Quartal 2027 geplant, das komplette Bad soll Ende 2027 fertig sein – also rund zwei Jahre nach dem Baustart. Bis dahin bleiben weite Teile des Bezirks Harburg ohne eigenes Freizeitbad.
Vergleichende Analyse der Projekte
Gemeinsamkeiten
Beide Projekte weisen einige gemeinsame Merkmale auf:
Fokus auf Sport und Gesundheit: Sowohl die Alster-Schwimmhalle als auch das Midsommerland werden mit einem erweiterten Angebot im Bereich des Gesundheits- und Fitnessschwimmens ausgestattet. Neue Kursbecken und erweiterte Flächen für Schwimmkurse und Gesundheitssport sind zentrale Elemente beider Projekte.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz: Beide Projekte legen großen Wert auf umweltfreundliche Konzepte. Die Alster-Schwimmhalle erhält eine neue wärmeisolierverglaste Fassade, computergesteuerte Technik und Wärmerückgewinnung. Beim Midsommerland sind sogar 65 % der Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen geplant.
Barrierefreiheit: Die Alster-Schwimmhalle wird durchgängig barrierefrei gestaltet mit Liften, Rampen und taktilem Leitsystem. Auch beim Midsommerland wird die Barrierefreiheit ein wichtiges Gestaltungsprinzip sein.
Investitionsvolumen: Beide Projekte stellen erhebliche finanzielle Investitionen dar. Mit zusammen über 130 Millionen Euro (80 Mio. Euro für die Alster-Schwimmhalle und 52,5 Mio. Euro für das Midsommerland) zeigen sie die Priorität, die die Stadt Hamburg in die Sport- und Freizeinfrastruktur legt.
Unterschiede
Trotz der gemeinsamen Grundausrichtung gibt es einige wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Projekten:
Umfang und Zeitplan: Während die Alster-Schwimmhalle nach einer Bauzeit von fast drei Jahren Ende 2023 wiedereröffnet wird, erstreckt sich die Bauzeit beim Midsommerland über etwa vier Jahre (Baustart 2023, Fertigstellung Ende 2027).
Fokus: Die Alster-Schwimmhalle legt stärkeren Wert auf den Erhalt und die Modernisierung der bestehenden Anlagen mit einem klaren Fokus auf Wettkampfsport (Active City). Beim Midsommerland steht die komplette Neugestaltung im Vordergrund, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Klimaschutz und nachhaltiger Transformation.
Spezifische Ausstattung: Die Alster-Schwimmhalle erhält ein neues 50-Meter-Becken und ein separates Sprungbecken, während das Midsommerland eine neue 25-Meter-Trainingshalle mit Sprunganlage erhält. Die Wasserflächen werden unterschiedlich stark erweitert (über 25 % bei der Alster-Schwimmhalle, 20 % beim Midsommerland).
Fazit
Die Modernisierung der beiden Schwimmbäder in Hamburg stellt eine bedeutende Investition in die Sport- und Gesundheitsinfrastruktur der Stadt dar. Mit Gesamtkosten von über 130 Millionen Euro und einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit setzen diese Projekte Maßstäbe für zukünftige kommunale Bauprojekte.
Die Alster-Schwimmhalle wird als Hamburger Institution nicht nur baulich modernisiert, sondern auch in ihren Angeboten erweitert. Mit einer um mehr als ein Viertel vergrößerten Wasserfläche, neuen Fitnessbereichen und einem komplett neu konzipierten Saunabereich wird sie zu einem der modernsten und vielseitigsten Bäder Deutschlands.
Das Midsommerland positioniert sich als Pilotprojekt für Klimaschutz und nachhaltige Transformation mit einem ambitionierten Energiekonzept, das zu 65 % auf erneuerbaren Energien basiert. Die neue Trainingshalle mit Sprunganlage wird insbesondere Kindern und Jugendlichen bessere Möglichkeiten für die Schwimmausbildung bieten.
Beide Projekte leisten einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in Hamburg, besonders nach den durch die Pandemie beeinträchtigten Jahren, in denen der Schwimmunterricht häufig ausfiel. Sie zeigen, dass kommunale Sportstätten nicht nur funktional, sondern auch ökologisch nachhaltig und sozial inklusive gestaltet werden können.
Die Umsetzung dieser Projekte unterstreicht Hamburgs Engagement für den Sport, die Gesundheit seiner Bürgerinnen und Bürger sowie den Klimaschutz und setzt gleichzeitig wichtige Impulse für die städtebauliche Entwicklung in den jeweiligen Bezirken.