Restaurierung der historischen Seefahrtschule Wustrow: Von der Nautikausbildung zum Ferienresort

Einleitung

Die ehemalige Seefahrtschule in Wustrow auf der Halbinsel Fischland-Darss-Zingst stellt ein bemerkenswertes Beispiel für die erfolgreiche Umnutzung eines denkmalgeschützten Bauwerks dar. Nach jahrzehntelangem Verfall und mehreren gescheiterten Investorenprojekten wurde das historische Gebäude umfassend saniert und in ein exklusives Ferienresort umgewandelt. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Bauwerks, die Herausforderungen bei der Restaurierung und die Transformation zur Ferienanlage "Zwei Wasser".

Historische Entwicklung der Seefahrtschule

Die Geschichte der Seefahrtschule Wustrow reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Am 10. November 1846 wurde auf Betreiben der damaligen Wustrower Schiffer im ehemaligen Gebäude der Küsterschule (Große Straße 107) die "Großherzogliche Navigationsschule zu Wustrow auf dem Fischland" eröffnet. Erster Lehrer war Ernst-Friedrich Schütz. Schon kurz nach der Gründung begannen die Planungen für einen Neubau, der im folgenden Jahr auf dem Stegberg begonnen und 1848 als "graues Schloss am Meer" fertiggestellt wurde.

Anfangs fand der Unterricht nur als Winterkurs statt, weitete sich jedoch bald auf einen ganzjährigen Schulbetrieb aus. Es wurden zusätzliche Lehrer eingestellt und neue Fächer in den Lehrplan aufgenommen. Ein bedeutender Meilenstein war die Umbenennung des Hauses im Jahr 1871 per kaiserlichem Erlass in "Seefahrtschule Wustrow" – ein Name, der sich bis heute bei der Bevölkerung erhalten hat.

Die Entwicklung der Schule setzte sich fort: Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs wurden ein Kartensaal, Funk- und Prüfungszimmer sowie ein Observatorium zur besseren Ausbildung in der astronomischen Navigation angebaut. Diese kontinuierliche Erweiterung der Einrichtungen unterstreicht die wachsende Bedeutung der nautischen Ausbildung in Wustrow.

Nach der politischen Wende in Deutschland erlebte die Seefahrtschule eine letzte Blütezeit. Die feierliche Wiedereröffnung mit der Ausbildung von nautischen und technischen Schiffsoffizieren fand am 6. Mai 1949 statt. Der III. Parteitag der SED 1955 fasste die Schaffung einer Hochseehandelsflotte ins Auge, was zur Entwicklung eines völlig neuen Lehrplans für Schiffsoffiziere und Kapitäne auf großer Fahrt führte.

In der Folge begann eine große Ausbauphase auf dem Stegberg. Es entstand ein großes Lehrgebäude mit 17 Lehrkabinette für je 24 Studenten sowie ein 35m hoher Turm mit Brücke, Peildeck, Planetarium sowie Konferenz- und Bibliotheksräumen. Die erweiterte Schule besaß damit 19 Klassenräume, Platz für 515 Direktstudenten und 490 Internatsplätze. Hinzu kamen über 25 Labor- und Fachgruppenräume sowie Werkstätten. Eine Aula mit 425 Plätzen und ein darunter befindliches Manövrierbecken komplettierten den Schulneubau. Die Qualität der Ausbildung wurde durch eigene Trainingsschiffe und von der Wustrower Lehrerschaft selbst erarbeitete Fachbücher weiter verbessert. Von 1949 bis 1969 absolvierten 3930 künftige Schiffsoffiziere für Nautik, Betriebstechnik und Seefunk die Schule.

Niedergang und Verfall

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Hochschule für Seefahrt kurzzeitig im Gebäude untergebracht, doch schon bald begann der Niedergang. Im Oktober 1992 wurde die Seefahrtschule endgültig geschlossen und das Gebäude stand fortan leer. In den folgenden rund 25 Jahren war das prägende Bauwerk dem rauen Ostseeklima ausgesetzt und verfiel zusehends. Der Verfall war über die Jahre hinweg von der nahen Landesstraße aus gut zu beobachten und wurde zu einem Symbol für den Umgang mit historischer Bausubstanz in der Region.

In dieser Zeit gab es mehrfach Versuche, das Areal neu zu bebauen. Mehrere potentielle Investoren versuchten, dem Gebäude wieder Leben einzuhauchen. Es entstanden teils ambitionierte Pläne für Edel-Hotels mit Hubschrauberlandeplatz, doch alle Projekte scheiterten an Auflagen oder finanziellen Schwierigkeiten. Die Situation spitzte sich so zu, dass es zu einem gefährlichen Zwischenfall kam: Der Betondachstuhl der einstigen Navigationsschule stürzte auf einer Länge von etwa 20 Metern ein. Anwohner hörten einen lauten Knall und alarmierten die Feuerwehr. Zum Glück gab es keine Verletzten, da die Baustelle zum Zeitpunkt des Einsturzes abgesperrt und verwaist war.

Dieser Vorfall verdeutlichte die Dringlichkeit einer Lösung für das marode Gebäude und das prestigeträchtige Grundstück am Ortseingang von Wustrow.

Die Rettung des Bauwerks

Nach 25 Jahren Stillstand und Verfall auf dem Filet-Grundstück kam endlich Bewegung in die Angelegenheit. Der NDR berichtete, dass die ehemalige Seefahrtschule in Wustrow nun neu bebaut werden darf. Die Gemeindevertretung des Ostseebades stimmte geschlossen für einen entsprechenden Bebauungsplan, wodurch die jahrzehntelange Untätigkeit beendet wurde.

In diesem entscheidenden Moment trat der Ingenieur und Immobilien-Experte Fred Muhsal aus Waren/Müritz in den Planungsprozess ein. Muhsal hat sich durch verschiedene Projekte in der Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden bereits einen Namen gemacht. Bei einer Dringlichkeitssitzung der Gemeindevertreter wurde sein Vorhaben diskutiert und letztlich genehmigt.

Wichtig zu erwähnen ist, dass ein an dem Vorhaben interessiertes Konsortium um den Geschäftsführer der Wirtschafts- und Technikakademie Warnemünde, Armin Stöhr, und dem Rostocker Architekten Michael Bräuer nach jahrelanger Vorarbeit das Projekt verlassen hatte. Dies machte den Weg für Muhsals Projekt frei.

Bürgermeister Daniel Schossow (SPD) betonte nach der Entscheidung die Bedeutung des Schrittes für die Gemeinde. Die Genehmigung schuf endlich die rechtliche Sicherheit für das umfangreiche Bauvorhaben, das sowohl den Erhalt des historischen Bauwerks als auch eine sinnvolle Nutzung zum Ziel hatte.

Das Renovierungsprojekt

Nach der erfolgreichen Genehmigung des Bebauungsplans begannen die Planungen für die umfassende Sanierung und Erweiterung des denkmalgeschützten Gebäudes. Das Projekt stellte hohe Anforderungen an alle Beteiligten, da es nicht nur die Wiederherstellung der Bausubstanz, sondern auch eine moderne Nutzung vorsah.

Die ehemalige Seefahrtschule wurde in den Jahren 1847 bis 1849 errichtet und diente bis 1992 als Schulgebäude für Kapitäne und Nautiker. Für die Sanierung war es entscheidend, den historischen Charakter des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes zu erhalten, gleichzeitig jedoch die notwendigen Modernisierungen für eine zeitgemße Nutzung als Ferienanlage umzusetzen.

Die Bauzeit betrug rund drei Jahre und umfasste nicht nur die Restaurierung des Bestandsgebäudes, sondern auch die Errichtung von drei Neubauten. Während der Bauarbeiten kam es zu Herausforderungen, die mit dem sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz und den Anforderungen eines modernen Ferienresorts zusammenhingen. Die Finanzierung des Projekts erfolgte durch die Eigentümer der Wohnungen, die Gesamtinvestitionen bezifferten die Geschäftsführerin von K&K-Ferienimmobilien, Ildikó Falkenberg, auf rund 30 Millionen Euro.

Das Ergebnis: Ferienanlage "Zwei Wasser"

Nach Abschluss der Bauarbeiten präsentiert sich das ehemalige Schulgebude als exklusive Ferienanlage im Hauptgebäude der Alten Seefahrtschule. Die Anlage befindet sich am Ortsrand von Wustrow in ruhiger und zugleich strandnaher Lage und bietet ihren Gästen Ruhe und Komfort in unmittelbarer Nähe zum Meer.

Die neu errichtete Ferienanlage im Hauptgebäude der Alten Seefahrtschule bietet 124 Ferienappartements mit einer Größe von 40 bis zu 180 Quadratmetern. Die Wohnungen sind für 2 bis 6 Personen geeignet und bieten damit ausreichend Platz für Paare, kleine Familien oder Freunde. Zum Komplex gehören eine Rezeption, ein Shop sowie ein Wellness- und Fitnessbereich, die nahtlos in das Gesamtkonzept integriert wurden.

Die Geschäftsführerin von K&K-Ferienimmobilien, Ildikó Falkenberg, bestätigte, dass der historische Charakter des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes erhalten geblieben ist. Gleichzeitig wurden die notwendigen Anpassungen für einen modernen Komfort vorgenommen. Die Lage des Komplexes "Zwei Wasser", der zwischen der Ostsee und dem Bodden liegt, macht ihn zu einem besonderen Ort für Urlauber.

Die Vermarktung der Appartements verlief erfolgreich: So gut wie alle Appartements hätten einen Besitzer gefunden, und es wurde erwartet, dass in Kürze die verbliebenen Verträge unterschrieben werden. Dies unterstreicht das große Interesse an dem Projekt und die Attraktivität der Immobilie als Feriendomizil.

Fazit

Die Restaurierung der ehemaligen Seefahrtschule in Wustrow gelang als herausragendes Beispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz und moderner Nutzung. Nach jahrzehntelangem Verfall und mehreren gescheiterten Versuchen, das Gebäude zu retten, schuf das Projekt unter der Leitung von Fred Muhsal eine neue Zukunft für das historische Bauwerk.

Die Umwandlung der einstigen Ausbildungsstätte für Schiffsoffiziere in ein exklusives Ferienresort "Zwei Wasser" beweist, dass sensibel geplante Sanierungen von Denkmalobjekten sowohl kulturell wertvoll als auch wirtschaftlich tragfähig sein können. Die Bewahrung des historischen Charakters bei gleichzeitiger Schaffung zeitgemäßer Wohn- und Freizeiteinrichtungen ist gelungen.

Das Projekt zeigt auch die Bedeutung von beharrlicher Arbeit und Weitsicht bei der Sanierung von Baudenkmälern. Nach mehr als 25 Jahren Leerstand und Verfall konnte das Gebäude gerettet und einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Für die Gemeinde Wustrow stellt die Ferienanlage nicht nur einen architektonischen Gewinn, sondern auch eine wirtschaftliche Bereicherung dar.

Die Seefahrtschule Wustrow, einst Ausbildungsstätte für Kapitäne und Nautiker, hat damit eine neue Funktion erhalten, die an ihre maritime Geschichte anknüpft – nun als Ort der Erholung und des Genusses der ostseeischen Landschaft.

Quellen

  1. Baltic Forum - Ehem. Seefahrtschule Wustrow
  2. Süddeutsche - Wustrow: Alte Seefahrtschule wird Ferienkomplex
  3. Fischland - AS
  4. Ostseebad-Wustrow - Wustrows Geschichte: Seefahrtschule

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