Einleitung
Der U-Bahnhof Sendlinger Tor in München hat nach jahrelanger Bauzeit eine umfassende Modernisierung erfahren. Dieser zentrale Verkehrsknotenpunkt wurde nicht nur technisch auf den neuesten Stand gebracht, sondern auch oberflächlich neu gestaltet, um den Bedürfnissen der verschiedenen Nutzergruppen gerecht zu werden. Nach fast siebenjähriger Bauzeit konnten im September 2024 die Arbeiten an der Oberfläche abgeschlossen werden. Die Modernisierung umfasste sowohl den U-Bahnhof selbst als auch den Sendlinger-Tor-Platz, der zu einem barrierefreien und einladenden urbanen Raum umgestaltet wurde. Dieser Artikel beleuchtet die umfassende Renovierung des Areals, die Herausforderungen des Projekts und die Verbesserungen für Fahrgäste, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen.
Hintergrund und Notwendigkeit der Renovierung
Der U-Bahnhof Sendlinger Tor ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im Münchner Nahverkehrsnetz. Die Station wurde vor über 40 Jahren erbaut und erwies sich aufgrund der stark gestiegenen Fahrgastzahlen zunehmend als Engstelle. Die Fahrgastzahlen haben sich seit 1980 verdreifacht, weshalb die Station für das heutige Fahrgastaufkommen nicht mehr ausgelegt war.
Die Hauptprobleme vor der Renovierung waren: - Engstellen beim Ein-, Aus- und Umsteigen zwischen den beiden Bahnsteigebenen (unten U1/U2, darüber U3/U6) - Wartezeiten mit Rückstauen der Fahrgäste bis an die Bahnsteigkanten - Verzögerungen bei der Zugabfertigung und Unregelmäßigkeiten im Betriebsablauf
Im Jahr 2015 genehmigte die Regierung von Oberbayern den Umbau des U-Bahnhofs Sendlinger Tor. Der entsprechende Planfeststellungsbeschluss für die geplante Sanierung, Modernisierung und Erweiterung der Station wurde den Stadtwerken München als Bauherrin am 30. Dezember 2015 ausgehändigt.
Nach Abschluss des Auswahlverfahrens empfahl das Preisgericht den SWM mehrheitlich, das über 40 Jahre alte Bauwerk nach einem Entwurf der Planungsgemeinschaft Raupach + Bohn neu zu gestalten. Für die Lichtplanung zeichnete das Münchner Büro Ingo Maurer verantwortlich.
Der Umbau des U-Bahnhofs Sendlinger Tor
Technische Modernisierung
Die Stadtwerke München führten in den vergangenen knapp sieben Jahren eine umfassende Sanierung und Modernisierung des U-Bahnhofs Sendlinger Tor durch. Die Arbeiten konzentrierten sich auf folgende Bereiche:
- Brandschutztechnische Anlagen wurden vollständig erneuert
- Fassaden, Böden und Decken wurden grundlegend saniert
- Das Zwischengeschoss wurde mit größeren Verkaufsflächen ausgestattet
Zwei neue Erweiterungsbauwerke entstanden, die nicht nur die Unterbringung neuer Betriebs- und Technikräume ermöglichen, sondern auch als zusätzliche Ausgänge dienen. An den Bahnsteigenden der Ebene U1/U2 sorgen zwei neue Verbindungsgänge zwischen den Tunnelröhren für Entlastung im Fahrgastverkehr.
Verbesserung der Zugänge
Ein wesentlicher Teil der Modernisierung war die Neugestaltung der Zugänge:
- Der Ausgang zum Sendlinger Tor wurde deutlich großzügiger gestaltet. Nach 4,80 Metern vor der Modernisierung misst die Gesamtbreite der Treppenanlage nun rund acht Meter.
- Die Festtreppe kann in beiden Richtungen genutzt werden, was den Fahrgastfluss verbessert.
- Der Zugang zur Müllerstraße wurde Ende 2022 nach Umbauarbeiten eröffnet. Er wurde verbreitert, bekam eine zweite Rolltreppe und erhielt zusätzlich einen Lastenaufzug zur Versorgung der zukünftigen Ladeneinheiten im Zwischengeschoss.
Bei der Verbreiterung des Ausgangs Müllerstraße musste aufgrund des Grundwassers eine wasserdichte Umschließung der Baugrube errichtet werden. Diese Maßnahme lässt sich wie eine Art "Badewanne" im Untergrund vorstellen.
Neugestaltung des Sendlinger-Tor-Platzes
Oberflächenumgestaltung
Im September 2024 konnten das Baureferat und die Stadtwerke München GmbH (SWM) die Oberflächenumgestaltung des Sendlinger-Tor-Platzes zwischen Sonnenstraße, Oberanger und Herzog-Wilhelm-Straße abschließen. Die Stadtwerke München führten die Arbeiten im U-Bahnhof Sendlinger Tor sowie die Oberflächenwiederherstellung federführend durch.
Der zentrale Sendlinger-Tor-Platz ist ein wichtiger ÖPNV-Knotenpunkt und ganzjährig stark frequentiert. Durch die umfangreichen Bauarbeiten am U-Bahnhof Sendlinger Tor entstanden erhebliche Eingriffe in den gesamten Platzbereich. Zur Wiederherstellung der Oberfläche entwickelte das Baureferat eine Neugestaltung, die nach Zustimmung des Stadtrats vorbereitet und an die SWM zur Realisierung übergeben wurde.
Barrierefreiheit und Komfort
Die Neugestaltung des Platzes konzentrierte sich auf folgende Aspekte:
- Barrierefreiheit für alle Nutzergruppen
- Ein durchgängiges Leitsystem zur besseren Orientierung
- Ein heller, fugenloser Bodenbelag für eine ansprechende Optik und einfache Reinigung
- Über 100 Sitzgelegenheiten, die erstmals zum Sitzen und Aufenthalt am Platz ohne Konsumzwang einladen
Im Torhof wurde der typische Münchner Fußgängerzonenbelag verlegt, wodurch der Hof den südlichen Auftakt der Fußgängerzone markiert. Die U-Bahn-Abgänge wurden vergrößert und breitere Radwege gebaut, zudem entstanden insgesamt 66 Fahrradabstellplätze.
Weitere Gestaltungselemente
Die Planungen des Baureferats für den Sendlinger-Tor-Platz sehen zudem in Richtung Herzog-Wilhelm-Straße einen neuen Brunnen und einen zusätzlichen Trinkwasserbrunnen sowie sechs weitere neue Bäume vor. Stadtdirektor Florian Hochstätter, Leiter der Hauptabteilung Gartenbau, betonte: "Nach vielen Jahren Baustelle können nun die letzten Schritte der Wiederherstellung und Neugestaltung des wichtigen Platzes vor dem Sendlinger Tor nach den Entwürfen des Baureferates durchgeführt werden. Nun stehen noch die Unterpflanzungen der Platzbäume mit über die Saison hinweg blühenden Stauden als Bienen- und Augenweide an sowie die Installation der Sitzgelegenheiten auf die bereits realisierten Fassungen der Pflanzbeete. Damit kann der Bürgerschaft zukünftig ein angemessener Auftakt in die Fußgängerzone von Süden kommend durch die Sendlinger Straße zum Marienplatz geboten werden."
Herausforderungen des Projekts
Die Modernisierung des U-Bahnhofs Sendlinger Tor und die Neugestaltung des Platzes stellten alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen:
Komplexität des Bauvorhabens: Die Koordination der verschiedenen Gewerke und Arbeiten an der Oberfläche und im Untergrund erforderte eine sorgfältige Planung und Abstimmung.
Einschränkungen für Fahrgäste: Während der Bauzeit mussten die U-Bahn-Verbindungen aufrechterhalten bleiben, was zu temporären Änderungen im Linienverkehr führte.
Grundwassersituation: Besonders bei der Verbreiterung des Ausgangs Müllerstraße musste aufgrund der Grundwassersituation eine spezielle wasserdichte Umschließung der Baugrube errichtet werden.
Abstimmung verschiedener Anspruchsgruppen: Das Projekt musste die Bedürfnisse von zu Fuß Gehenden, Radfahrern, ÖPNV-Fahrgästen und Anwohnern gleichermaßen berücksichtigen.
Mobilitätsreferent Georg Dunkel hob hervor: "Das Projekt Sendlinger Tor – mit der Neugestaltung an der Oberfläche und den Arbeiten am U-Bahnhof – zeigt sehr eindrücklich, wie die Bedürfnisse verschiedener Anspruchsgruppen zusammengebracht werden können und müssen, um unsere Stadt zukunftsfit zu machen. Die Modernisierung eines so zentralen Verkehrsknotenpunkts bringt für viele Münchnerinnen und Besucherinnen gleichermaßen Verbesserung mit sich – für zu Fuß Gehende ebenso wie für Radfahrer*innen und ÖPNV-Fahrgäste."
Ergebnisse und Verbesserungen
Nach Abschluss der Arbeiten bietet das "neue Sendlinger Tor" zahlreiche Vorteile und Verbesserungen:
Für Fahrgäste
- Erweiterte und verbesserte Zugänge mit mehr Platz
- Neue Verbindungsgänge zwischen den Tunnelröhren für bessere Umsteigemöglichkeiten
- Vergrößerte Bahnsteigbereiche zur Reduzierung von Engpässen
- Modernisierte technische Anlagen für mehr Betriebssicherheit
- Verbesserte Beleuchtung durch die Planung von Ingo Maurer
Für Radfahrer
- Breitere Radwege auf dem Platz
- 66 neu geschaffene Fahrradabstellplätze
- Bessere Anbindung an das Radverkehrsnetz
Für Fußgänger
- Barrierefreie Gestaltung aller Bereiche
- Helle, fugenlose Bodenbeläge für bessere Orientierung
- Über 100 Sitzgelegenheiten zum Verweilen
- Typischer Münchner Fußgängerzonenbelag im Torhof
Für die Stadtentwicklung
- Verbesserter urbaner Raum mit hoher Aufenthaltsqualität
- Neue Bäume und Grünflächen für besseres Mikroklima
- Brunnen und Trinkwasserbrunnen als gestalterische Elemente
- Integration in die bestehende Fußgängerzone
Ausblick: Die nächste Modernisierung
Nach Abschluss der Arbeiten am Sendlinger Tor steht bereits das nächste Großprojekt an: die Grunderneuerung des U-Bahnhofs Odeonsplatz. Dieser Knotenpunkt ist zum Teil mehr als 50 Jahre alt – die Bahnsteigebene der Linien U3 und U6 wurde 1971 eröffnet, die U4/U5-Ebene folgte 1986.
Heute nutzt den U-Bahnhof Odeonsplatz täglich rund 200.000 Fahrgäste, davon etwa 60.000 Umsteiger. Damit ist er einer der wichtigsten Knotenpunkte des Münchner Nahverkehrs und benötigt ebenfalls eine Modernisierung, um den zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden.
Allerdings steht für das Odeonsplatz-Projekt noch kein konkreter Zeitplan fest. Die Kosten werden laut Angaben der Stadtwerke München und der Münchner Verkehrsgesellschaft noch ermittelt. Wie beim Sendlinger Tor wird auch hier eine aufwendige Planungsphase notwendig sein, um die verschiedenen Anforderungen der Nutzer und der Stadtentwicklung in Einklang zu bringen.
Fazit
Die umfassende Modernisierung des U-Bahnhofs Sendlinger Tor und die Neugestaltung des Sendlinger-Tor-Platzes stellen ein gelungenes Beispiel für die Stadtentwicklung Münchens dar. Nach fast siebenjähriger Bauzeit können nun alle Arbeiten abgeschlossen werden. Die Maßnahme hat nicht nur die technischen und betrieblichen Anforderungen an einen zentralen Verkehrsknotenpunkt erfüllt, sondern auch einen qualitativ hochwertischen urbanen Raum geschaffen, der den Bürgern und Besuchern der Stadt dient.
Die gelungene Integration verschiedener Nutzergruppen – von Fußgängern über Radfahrer bis hin zu ÖPNV-Fahrgästen – zeigt, wie notwendige Infrastrukturmaßnahmen gleichzeitig die Lebensqualität in der Stadt verbessern können. Die nachhaltige Gestaltung mit Bäumen, Sitzgelegenheiten und Brunnen schafft einen Ort des Aufenthalts und der Begegnung, der weit über die reine Verkehrsfunktion hinausgeht.
Mit der Fertigstellung des Sendlinger Tor hat München einen wichtigen Schritt in die Zukunft des öffentlichen Verkehrs und der städtischen Raumgestaltung gemacht. Die gewonnenen Erfahrungen werden sicherlich bei der anstehenden Modernisierung des U-Bahnhofs Odeonsplatz und weiterer Verkehrsknotenpunkte in der Stadt wertvolle Anhaltspunkte liefern.