Die Restaurierung des Shuvalov-Palastes: Von der Neorenaissance zum Museum

Einleitung

Der Shuvalov-Palast, auch bekannt als Naryshkin-Shuvalov-Palast, steht als eines der bedeutendsten architektonischen Denkmäler Sankt Petersburgs am Ufer der Fontanka. Mit seiner reichen Geschichte und den verschiedenen Restaurierungsprojekten über zwei Jahrhunderte hinweg bietet der Palast faszinierende Einblicke in die Entwicklung der russischen Baukunst und Museumslandschaft. Dieser Artikel untersucht die bedeutendsten Renovierungsphasen des Palastes, insbesondere die umfassende Sanierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts und die moderne Restaurierung, die ihn zum Sitz des weltberühmten Fabergé-Museums machte.

Historische Entwicklung des Shuvalov-Palastes

Der Naryshkin-Shuvalov-Palast wurde Ende des 18. Jahrhunderts im neoklassizistischen Stil erbaut, wobei die genauen Baupläme nicht mehr erhalten sind. Laut historischen Aufzeichnungen stammt der ursprüngliche Entwurf vom italienischen Architekten Giacomo Quarenghi. Die ersten Bewohner des Palastes waren Graf und Gräfin Woronzow.

1799 erwarb Maria Naryshkina, geborene Prinzessin Maria Czetwertyńska-Światopełk – eine polnische Adelige und 13 Jahre lang die Geliebte von Zar Alexander I. – das Anwesen. Ihr Ehemann, Dmitri Lvovich Naryshkin, füllte den Palast mit spektakulären Kunstwerken, Marmorskulpturen und Antiquitäten wie Edelsteinen, Münzen und Waffen. Unter seiner Führung entwickelte sich der Palast zum Zentrum der Sankt Petersburger Gesellschaft. Insbesondere der große Ballsaal, auch als Alexandrovsky- oder Weiße Säulensaal bekannt, war Schauplatz von Gesellschaftsbällen, die bis zu 1.000 Gäste anzogen. Der berühmteste Ball fand am 29. April 1834 statt, anlässlich des 16. Geburtstags des Zarewitsch Alexander Nikolaewitsch, des späteren Kaisers Alexander II.

Die Neorenaissance-Renovierung von 1844-1859

Eine der bedeutendsten Umbauphasen in der Geschichte des Palastes begann 1844. Anlass war die Hochzeit von Sofia Lvovna Naryshkina, der einzigen Tochter von Lev Naryshkin und Olga Potocka, mit Graf Petr Pavlovich Shuvalov. Diese umfassende Renovierung veränderte das Erscheinungsbild des Palastes grundlegend und führte zu seiner Umbenennung in Naryshkin-Shuvalov-Palast nach der Hochzeit im Jahr 1846.

Für dieses ambitionierte Projekt wurden zwei bedeutende Architekten engagiert: Der Franzose Bernard de Simone und der Russe Nikolai Yefimovich Yefimov. Sie gestalteten den Palast im Stil der Neorenaissance neu, was eine Abkehr vom ursprünglichen neoklassizistischen Entwurf Quarenghis darstellte. Die Arbeiten dauerten bis 1859 und umfassten nicht nur die Fassade, sondern auch die Umgestaltung zahlreicher Innenräume.

Während des Ersten Weltkriegs ab 1914 diente der Palast als Lazarett für verwundete Soldaten, nachdem die damalige Besitzerin, Yelizaveta Vladimirovna Shuvalova, das Haus zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt hatte. Der große Ballsaal wurde dabei als Offiziersstation genutzt. Nach der russischen Revolution wurde der Shuvalov-Palast am 1. August 1918 verstaatlicht.

Die Sowjetzeit und Entdeckung verborgener Schätze

In der sowjetischen Zeit wurden die wertvollen Kunstwerke und Antiquitäten des Palastes strategisch in geheimen Verstecken versteckt, um ihre Konfiskation zu verhindern. Die ersten dieser Gegenstände wurden 1919 wiederentdeckt, als die während des Krieges eingerichtete Krankenstation entfernt wurde. Unter dem Kamin im sogenannten "Blauen Raum" wurde eine große Speisekammer mit Gemälden, Porzellan und Limoges-Email aufgefunden.

Diese Entdeckung unterstreicht die Bedeutung des Palastes als Kunstschätztum und die Bemühungen seiner Bewohner, die wertvollen Objekte während der turbulenten Revolutionszeit zu erhalten. Die Entdeckung dieser verborgenen Schätze markiert auch einen Wendepunkt in der Wahrnehmung des Palastes, der fortan nicht nur als architektonisches Denkmal, sondern auch als Lagerort bedeutender Kunstwerke betrachtet wurde.

Die moderne Restaurierung und Museumsgründung (2006-2013)

Die Idee, ein spezielles Museum zu schaffen, das der kreativen Arbeit des großen russischen Juweliers Peter Carl Fabergé gewidmet ist, entstand bei der Link of Times Stiftung nach dem Kauf einer einzigartigen Sammlung von Fabergé-Meisterwerken durch Vekselberg im Jahr 2004. Diese Sammlung, die sich zuvor im Besitz des verstorbenen Malcolm Forbes befand, bildete den Grundstock für eine umfassende Sammlung russischer dekorativer angewandter und bildender Künste, die heute mehr als 4.000 Werke umfasst.

Besonders bemerkenswert ist, dass alle kaiserischen Ostereier in der Sammlung des Museums mit der Herrschaft und dem Privatleben der letzten beiden russischen Kaiser – Alexander III. und Nicolas II. – verbunden sind.

2006 begann die Link of Times Stiftung mit der Restaurierung des von der Stiftung gemieteten Schuvalow-Palastes aus dem 18. Jahrhundert in St. Petersburg, mit dem Ziel, das Museum im Palast zu eröffnen. In sieben Jahren wurde eine bedeutende Menge an Arbeit geleistet, um das historische Erscheinungsbild des Palastes wiederherzustellen. Diese Restaurierung war die erste vollständige Sanierung des Palastes in seiner gesamten 200-jährigen Geschichte.

Die offizielle Eröffnungsfeier des Fabergé-Museums fand am 19. November 2013 statt. Heute beherbergt der Palast mit einer Fläche von rund 4.700 Quadratmetern wieder eine der schönsten Ausstellungen der Stadt und ist sowohl ein historisches Denkmal als auch eine bedeutende Touristenattraktion.

Die restaurierten Räume und ihre Ausstellungsinhalte

Die moderne Restaurierung des Palastes hat nicht nur das äußere Erscheinungsbild wiederhergestellt, sondern auch die prachtvollen Innenräume rekonstruiert, die heute verschiedene Ausstellungsbereiche beherbergen:

Die Prunktreppe

Die Große Treppe wurde in den 1840er Jahren am Haupteingang des Palastes errichtet. Sie wurde vom Architekten Nikolai Efimov erbaut und ist von einer Reihe von Skulpturen gesäumt. Jahre nach ihrer Fertigstellung wurde die exquisite dekorative Stuckhaube über der Treppe vom Architekten Rudolph Bogdanovich Berngard hinzugefügt. Diese repräsentative Treppe bildet den würdevollen Eingang in die historischen Räumlichkeiten des Palastes.

Der Rittersaal

Der Rittersaal zeigt militärische Kunstwerke und stellt das Leben in der russischen Armee in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Mittelpunkt. Die Ausstellung umfasst Aquarelle von Karl Piratskiy und seinem Nachfolger Petr Balaschow, die das Kampfgenre darstellen. Die Werke dieser Künstler sind selten in Museumssammlungen zu finden, und über sie ist wenig bekannt. Beide Künstler genossen jedoch zu ihrer Zeit wohlverdiente Anerkennung. Der Raum ist nach einem Fries benannt, der den Raum umgibt und ein mittelalterliches Ritterturnier darstellt.

Der Rote Raum

Der Rote Room ist einer der repräsentativen Räume des Palastes, dessen genaue Ausstellungsinhalte in den Quellen nicht detailliert beschrieben werden. Er ist jedoch Teil der restaurierten historischen Räumlichkeiten und trägt zur authentischen Atmosphäre des Palastes bei.

Oberes Esszimmer

Das obere Esszimmer beherbergt russische und europäische Malerei aus der Jahrhundertwende. Hier sind Gemälde russischer und französischer Impressionisten und Neoimpressionisten vom Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestellt. Besonderes Augenmerk verdient die Sammlung auf die Werke von August Renoir und den großen russischen Impressionisten Konstantin Korovin. Ein herausragendes Exponat ist die von Fjodor Krasowski bemalte Palastvase.

Das Beige Zimmer

Der beige Raum bietet Besuchern einen Einblick in die verschiedenen Formen und Stile des täglichen Geschirrs im kaiserlichen Russland. Ausgestellt sind nicht nur Essgeschirre, sondern auch Zigarettenetuis, die verschiedene Techniken der Silberbearbeitung und der Emaildekoration veranschaulichen.

Der Blaue Raum

Insbesondere der Blaue Raum des Schuvalov-Palastes beherbergt eine bedeutende Sammlung von Fabergé-Werken. Insgesamt befinden sich hier fünfzehn Fabergé-Eier sowie ein Miniaturbilderrahmen in Herzform – die Überraschung aus dem verlorenen lachen Ei von 1897. Dieser Raum bildet eines der Highlights der Museumsausstellung und demonstriert die handwerkliche Meisterschaft der Fabergé-Werkstätten.

Weitere Ausstellungsräume

Das Museum beherbergt darüber hinaus weitere bedeutende Sammlungen: - Im oberen Buffet-Palast der Naryshkin-Shuvalovs sind die Werke von PO Renoir, Louis Walt, Henri Martin, K. Korovin und K. Gorbatov ausgestellt. - In der gotischen Halle des Palastes ist eine Sammlung russischer Ikonen ausgestellt. - Die Ausstellungshalle des Museums zeigt Gemälde von I. Aivazovsky, K. Makovsky, K. Bryullov, V. Ammon, V. Polenov, G. Semiradsky und Frauenporträts von A. Kharlamov.

Das Fabergé-Museum heute

Das Fabergé-Museum im Shuvalov-Palast beherbergt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Werken des berühmten russischen Juweliers Peter Carl Fabergé. Die Gesamtsammlung des Museums umfasst mehr als 4.000 Objekte, darunter neben den berühmten Ostereiern auch Fantasy-Objekte, Silberwaren, Interieur- und religiöse Gegenstände sowie Schmuckstücke von Faberge.

Ergänzt wird diese Sammlung durch Werke von Zeitgenossen und Rivalen von Faberge – Meistern des Schmucks wie I. Sazikov, P. Ovchinnikov, F. Rückert, I. Khlebnikov und vielen anderen. Diese umfassende Präsentation bietet Besuchern einen tiefen Einblick in die Goldschmiedekunst des russischen Kaiserreichs und die Entwicklung des Juwelierhandwerks im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Fazit

Die Restaurierungsgeschichte des Shuvalov-Palastes spiegelt die wechselvolle Geschichte Russlands wider – vom zaristischen Glanz über die Revolutionen bis zur modernen Museumslandschaft. Die bedeutendsten Renovierungsprojekte, die Neugestaltung im Neorenaissance-Stil im 19. Jahrhundert und die moderne Restaurierung für das Fabergé-Museum, haben dem Palast sein heutiges Erscheinungsbild gegeben und ihn zu einem kulturellen Zentrum Sankt Petersburgs gemacht.

Die Restaurierungsarbeiten von 2006 bis 2013 markierten einen besonderen Wendepunkt, indem sie das erste vollständige Sanierungsprojekt in der 200-jährigen Geschichte des Palastes darstellten. Die Umwandlung in ein Museum hat nicht nur den Erhalt des architektonischen Denkmals gesichert, sondern auch ermöglicht, dass eine der bedeutendsten Sammlungen von Fabergé-Kunst der Welt einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden kann.

Der Shuvalov-Palast steht damit als Beispiel gelungener Denkmalspflege, bei der historische Bausubstanz mit moderner Nutzungsfunktion harmonisch verbunden wird und so die kulturelle Weitergabe von Kunst und Geschichte gewährleistet.

Quellen

  1. Fabergé Museum Saint Petersburg Russia
  2. Shuvalov Palace Saint Petersburg

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