Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Oswald in Traunstein: Von der historischen Bedeutung zur modernen Restaurierung

Einleitung

Die Stadtpfarrkirche St. Oswald in Traunstein stellt ein bedeutendes kulturhistorisches Monument dar, dessen Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Nach umfassenden Sanierungsarbeiten, die 2016 begannen und im Dezember 2020 ihren fanden, erstrahlt das Gotteshaus in neuem Glanz. Die Renovierung, die unter Beibehaltung des Äußeren erfolgte, umfasste nicht nur statische Sicherungsmaßnahmen, sondern auch eine umfassende Neugestaltung des Innenraums. Mit einem Gesamtvolumen von knapp acht Millionen Euro handelt es sich um eines der größten Bauprojekte in der Region Traunstein in jüngster Zeit. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die durchgeführten Maßnahmen und die Bedeutung dieser umfassenden Sanierung für das kirchliche und kulturelle Erbe der Stadt.

Historische Bedeutung und Architektur

Die Stadtpfarrkirche St. Oswald in Traunstein zählt zu den besonders bedeutenden Sakralbauten im Südosten des Erzbistums München und Freising. Ihre Geschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, wobei die Kirche im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgestaltet wurde. Die heutige Gestaltung des Äußeren mit dem charakteristischen Turm und der Zwiebelhaube sowie der zweigeschossigen Schaufassade des 19. Jahrhunderts geht auf Pläne des königlichen Kreisbaumeisters Moritz von Horstig aus dem Jahr 1885 zurück.

Ein besonderes historisches Ereignis verbindet die Kirche mit Papst Benedikt XVI. Der emeritierte Papst feierte in St. Oswald mit seiner Primiz seine erste Heilige Messe und schenkte der Kirche später sein päpstliches Brustkreuz, das jedoch im Juni 2023 gestohlen wurde. Am 8. Juli 1951 hatte Joseph Ratzinger gemeinsam mit seinem Bruder Georg Ratzinger dort seine Primiz gefeiert.

Der Innenraum der Kirche präsentiert sich als spätbarocker Wandpfeilerraum des 17. Jahrhunderts mit Emporen und eingezogenem Chor. Besonders auffällig sind die sieben Joche, die von einer Stichkappentonne abgeschlossen wird, die durch Gurtbö gegliedert wird. An den Stirnen der Wandpfeiler stehen flache Doppelpilaster, deren Kapitellzone oberhalb der Emporenbrüstungen liegt. Der Triumphbogen in Form einer Rundbogenarkade leitet vom Gemeindesaal zum Chor und dient als raumbestimmende Würdeformel.

Die Ausstattung der Kirche umfasst neun Altäre, davon sieben aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der mächtige Hochaltar mit Sockel, viersäuligem Hauptgeschoss und Seitenfiguren des heiligen Rupert und der Jungfrau Maria entspricht im Wesentlichen dem 1732 gefertigten Altar, der 1855 wiederhergestellt wurde. Weitere bedeutende künstlerische Elemente sind die reich verzierten neobarocken Stuckaturen an sämtlichen Gewölben, die Fresken im spätnazarenischen Stil des Kirchenmalers Max Fürst aus den Jahren 1904 bis 1909 sowie die neobarocke Einrichtung, die überwiegend aus den Jahren 1852/55 stammt.

Gründe für die umfassende Sanierung

Die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Oswald ergab sich aus mehreren Faktoren. Einerseits zeigten sich bei den Vorplanungen zur Gesamtinnenrenovierung erhebliche Schäden am Dachstuhl, die eine aufwendige Sanierung des Daches dringend erforderlich machten. Andererseits erwies sich die vorhandene Gas-Umluftheizung als problematisch, da sie den Staub in der Kirche aufwirbelte und alles mit einer schwarzen Schicht überzog. Wie Pfarrer Georg Lindl bei einem Rundgang durch das Gotteshaus deutlich machte, führte diese Heizungstechnik nicht nur zu hygienischen Problemen, sondern schädigte auch die Kunstwerke und die farbliche Gestaltung des Innenraums.

Ein weiterer entscheidender Grund für die Sanierung war der Bau einer neuen Orgel. Der Orgelbauer hatte darauf hingewiesen, dass das neue Instrument extrem leiden würde, wenn heizungstechnisch nicht grundlegend etwas geändert würde. Dieser Umstand war der Auslöser, umfassende Renovierungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen.

Zudem wies Lindl bei seiner Begehung der Kirche zahlreiche weitere Probleme auf: Dutzende von Unzulänglichkeiten, Bausünden, Fälle von Stilbruch und andere Ungereimtheiten, die es sinnvoll erscheinen ließen, im Rahmen einer Gesamtsanierung ein einheitliches Erscheinungsbild herzustellen, das St. Oswald wieder zu einem sehenswerten Gotteshaus macht. Viele Elemente in der Kirche passten, so der Eindruck aufmerksamer Besucher, "hinten und vorne nicht zusammen".

Technische Aspekte der Sanierung

Die Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Oswald gliederte sich in mehrere Phasen und umfasste sowohl technische als auch ästhetische Maßnahmen. Nach der Eröffnung der Baustelle durch die Erzdiözese München-Freising sowie die Kirchenstiftung St. Oswald im August 2018 begannen die Arbeiten, die nach mehr als zwei Jahren in den Endspurt gingen.

Dachsanierung und Fensterrestaurierung

Der erste Bauabschnitt begann im August 2018 mit der Sanierung des Daches und der Restaurierung aller Fenster der Kirche. Für die aufwendige Dachsanierung wurden im Außenbereich Gerüste im Chorbereich mit einem Treppenturm und Aufzug aufgestellt. Gleichzeitig erfolgte die Restaurierung aller Fenster durch eine Spezialfirma für Glasrestaurierung, die in den folgenden Monaten die Fenster abschnittsweise ausbaute, eine Notverglasung anbrachte und nach Restaurierung in deren Werkstatt wieder einbaute. Für diese Arbeiten waren zeitweise auch Gerüste am Langhaus und auf der Westseite der Kirche erforderlich.

Laut Planung sollte dieser erste Bauabschnitt die Benutzung der Kirche kaum beeinträchtigen, sodass die Gottesdienste regulär stattfinden konnten. Die gesamte erste Baumaßnahme wurde voraussichtlich bis Ende November 2017 abgeschlossen. Diese zeitliche Planung ermöglichte es, die Kirchenräume während der gesamten Bauzeit weitgehend nutzbar zu halten.

Heizungssystem und Raumklima

Ein zentraler technischer Aspekt der Sanierung war die Erneuerung der Heizungstechnologie. Die alte Gas-Umluftheizung, die als "Dreckschleuder ersten Ranges" bezeichnet wurde, wurde durch eine moderne Wandheizung ersetzt. Diese Maßnahme hatte zwei Hauptziele: Zum einen sollte sie für ein angenehmes Raumklima in der Kirche sorgen, zum anderen sollte sie sicherstellen, dass die hellen Farben der Kirche lange erhalten bleiben. Die neue Heizungstechnik verhindert das Aufwirbeln von Staub und schützt damit sowohl die Kunstwerke als auch die farbliche Gestaltung des Innenraums.

Statische Sicherung und technische Grundüberholung

Neben der Erneuerung der Heizungstechnik erfolgte eine statische Sicherung des Hochaltars sowie eine technische Grundüberholung der gesamten Kirche. Diese Maßnahmen waren notwendig, um die Bausubstanz für die kommenden Jahrzehnte zu erhalten und die Kirche den modernen Anforderungen anzupassen. Insbesondere die statische Sicherung war von besonderer Bedeutung, um die historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig die Sicherheit der Kirchenbesucher zu gewährleisten.

Künstlerische Restaurierung und Neugestaltung

Die Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Oswald umfasste nicht nur technische Maßnahmen, sondern auch eine umfassende künstlerische Restaurierung und Neugestaltung des Innenraums. Wie Stadtpfarrer Georg Lindl betonte, stand bei allen berechtigten Wünschen nach optischen und funktionellen Verbesserungen immer die Liturgie im Mittelpunkt. Die in einer Bürgerversammlung erhobene Anschuldigung, man wolle den Kirchenraum "postmodern umgestalten", wies er zurück. Das gesamte Vorhaben wurde vom Ordinariat federführend abgewickelt, wobei die Pfarrei lediglich ein Mitspracherecht hatte.

Restaurierung der künstlerischen Elemente

Ein wesentlicher Teil der Sanierung war die Restaurierung der künstlerischen Elemente der Kirche. Der Stuck im Innenraum wurde erneuert und erstrahlte in neuem Glanz. Die Bilder und Altäre wurden überarbeitet und zeigen wieder ihre früheren leuchtenden Farben. Besonders aufwändig gestaltete sich die Restaurierung der neobarocken Stuckaturen, die an sämtlichen Gewölben angebracht sind und zu den besonderen Schmuckelementen der Kirche gehören.

Neugestaltung des Altarraums

Den Abschluss der Sanierungsmaßnahmen bildete die Neugestaltung des Altarraums. In den Tagen vor der Wiedereröffnung installierte der Künstler Nikolaus Gerhart, ein Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, den neuen Altar, Ambo und Taufstein in der Kirche. Diese neuen liturgischen Orte ersetzten die alten Elemente und sollten eine einheitliche Gestaltung des Kirchenraums ermöglichen.

Herausforderungen während der Bauzeit

Die Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Oswald stellte alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen. Einerseits mussten die technischen und ästhetischen Anforderungen an eine so bedeutende historische Kirche berücksichtigt werden, andererseits musste der Kirchenbetrieb während der Bauzeit aufrechterhalten werden.

Einschränkungen durch die Baumaßnahmen

Wie Pfarrer Lindl gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt erläuterte, war das kirchliche Leben in der Stadt während der Bauzeit stark beeinträchtigt. Nicht nur konnten die Gläubigen nicht zu allen Gottesdiensten in St. Oswald zusammenkommen, sondern auch die Corona-Pandemie brachte zusätzliche Einschränkungen mit sich. Dennoch gelang es, dank der Tüchtigkeit und Disziplin vieler Menschen, die Bauarbeiten im Zeit- und Budgetplan fortzuführen.

Einheitliche Gestaltung des Kirchenraums

Ein besonderes Anliegen der Sanierung war die Schaffung eines einheitlichen Erscheinungsbildes des Kirchenraums. Wie Lindl betonte, sollte mit dem Abschluss der Arbeiten der Kirchenraum von vorne bis hinten einheitlich durchgestaltet sein. Ein roter Faden sollte dann sichtbar sein – und verschwunden sollte das "zusammengestückelte Ambiente" sein, das über Jahrzehnte und Jahrhunderte einst gewachsen war. Diese einheitliche Gestaltung sollte dem Raum eine neue Harmonie verleihen und die liturgische Nutzung optimieren.

Kosten und Finanzierung

Die Gesamtkosten für die Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Oswald betrugen nach Angaben von Stadtpfarrer Georg Lindl knapp acht Millionen Euro. Diese Summe umfasste alle Maßnahmen von der Dachsanierung und Fensterrestaurierung über die technische Grundüberholung bis zur künstlerischen Restaurierung und Neugestaltung des Innenraums.

Die Finanzierung des Projekts erfolgte durch die Erzdiözese München-Freising sowie die Kirchenstiftung St. Oswald. Trotz der hohen Kosten gelang es, das Projekt im vorgesehenen Zeit- und Budgetplan abzuschließen, wie Lindl betonte. Die Einhaltung des Finanzplans war besonders wichtig, da die Kirche während der gesamten Bauzeit weiterhin genutzt werden musste und die Kosten für die Ersatznutzung der Gottesdienstorte nicht unterschätzt werden durften.

Wiedereröffnung und Zukunftsperspektiven

Die feierliche Wiedereröffnung der renovierten Stadtpfarrkirche St. Oswald fand am Sonntag, 13. Dezember 2020, um 10 Uhr mit der Altarweihe durch Kardinal Reinhard Marx statt. Aufgrund der Corona-Bedingungen konnten nur wenige Personen persönlich an diesem Gottesdienst teilnehmen. Damit möglichst viele Pfarrangehörige und Interessierte dennoch mitfeiern konnten, wurde der Festgottesdienst mit einem Livestream direkt übertragen. Die Anmeldung zur persönlichen Teilnahme am Eröffnungsgottesdienst war telefonisch im Pfarrbüro St. Oswald möglich.

Mit der Fertigstellung der Sanierung hat die Stadtpfarrkirche St. Oswald nicht nur ihre historische Bedeutung bewahrt, sondern auch eine neue Qualität erreicht. Durch die Modernisierung der Heizungstechnik und die einheitliche Gestaltung des Innenraums ist die Kirche für die Zukunft gerüstet. Gleichzeitig wurde die liturgische Nutzung optimiert, indem die liturgischen Orte wie Altar, Ambo, Priestersitz und Taufort neu gestaltet wurden.

Fazit

Die umfassende Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Oswald in Traunstein stellt ein gelungenes Beispiel für die Balance zwischen Erhalt historischer Substanz und moderner Anpassung dar. Mit einem Investitionsvolumen von knapp acht Millionen Euro und einer Bauzeit von über vier Jahren wurde nicht nur ein bedeutendes kulturelles Denkmal restauriert, sondern auch die Grundlage für eine zukunftsfähige Nutzung geschaffen.

Die Sanierung bewies, dass es möglich ist, eine historische Kirche unter Beibehaltung ihres Äußeren umfassend zu erneuern und gleichzeitig den liturgischen Anforderungen gerecht zu werden. Durch den Ersatz der problematischen Gas-Umluftheizung durch eine moderne Wandheizung wurde nicht nur das Raumklima verbessert, sondern auch die Kunstwerke vor weiteren Schäden bewahrt.

Die Neugestaltung des Altarraums durch den Künstler Nikolaus Gerhart verleiht dem Kirchenraum eine neue Einheitlichkeit und hebt die liturgischen Elemente angem hervor. Die Wiedereröffnung der Kirche im Dezember 2020 markiert nicht nur den Abschluss eines aufwendigen Bauprojekts, sondern auch den Beginn einer neuen Ära für das Gotteshaus in Traunstein.

Die Sanierung von St. Oswald zeigt, wie wichtig der Erhalt historischer Bausubstanz ist und wie durch sorgfältige Planung und Ausführung auch anspruchsvolle Sanierungsprojekte erfolgreich umgesetzt werden können. Für die Stadt Traunstein stellt die renovierte Kirche einen kulturellen und spirituellen Mittelpunkt dar, der für zukünftige Generationen erhalten bleiben wird.

Quellen

  1. Erzbistum München - Gesamtsanierung von St. Oswald Traunstein abgeschlossen
  2. Chiemgau24 - Baubeginn an der Pfarrkirche St. Oswald
  3. Wikipedia - St. Oswald (Traunstein)
  4. Traunsteiner Tagblatt - Sanierung von Stadtpfarrkirche geht zu Ende
  5. Traunsteiner Tagblatt - Stadtpfarrkirche St. Oswald soll innen renoviert werden

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