Einleitung
Die katholische Stadtkirche St. Venantius in Wertheim stellt ein bedeutendes historisches Bauwerk dar, das seit seiner Errichtung in den Jahren 1840 bis 1842 zahlreiche Veränderungen und Sanierungen erfahren hat. Die jüngste umfassende Renovierung, die im November 2014 begann und im Mai 2016 abgeschlossen wurde, steht im Mittelpunkt dieses Artikels. Dabei wird nicht nur die jüngste Sanierung betrachtet, sondern auch die bedeutende Restaurierung aus den 1980er Jahren, die ebenfalls tiefgreifende Veränderungen am Gebäude vornahm. Der Artikel beleuchtet die technischen Herausforderungen, die bei diesen Maßnahmen zu bewältigen waren, und die Lösungsansätze, die sowohl den Erhalt der historischen Substanz als auch die Modernisierung des Gebäudes im Sinne der Energieeffizienz zum Ziel hatten.
Historische Entwicklung der St. Venantius-Kirche
Die St. Venantius-Kirche ist die 1840 bis 1842 erbaute römisch-katholische Stadtpfarrkirche von Wertheim im Main-Tauber-Kreis. Sie wurde zu Ehren des heiligen Venantius von Camerino, eines jugendlichen Märtyrers, errichtet, der während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Decius durch Enthauptung hingerichtet wurde. Sein Gedenktag ist der 18. Mai.
Die Suche nach einem geeigneten Standort für den Neubau führte die katholische Kirchengemeinde in ein Neubaugebiet links der Tauber. Die Hanglage bot eine gute Sicht auf den zu errichtenden Sakralbau vom alten Stadtzentrum aus. Im Jahr 1838 erwarb die Gemeinde das Grundstück zum Preis von 870 Gulden, und im Folgejahr konnten die Vermessungsarbeiten beginnen.
Der erste Höhepunkt der langjährigen Bemühungen war die feierliche Grundsteinlegung am 2. Juli 1840 durch den erzbischöflichen Dekan und Stadtpfarrer von Tauberbischofsheim, Johann Baptist Binz. In den Grundstein wurden Schriftstücke, Wertheimer Weine und Münzen des Großherzogtums Baden aus den Jahren 1783, 1811, 1834 und 1839 eingelegt.
Der Architekt der Kirche, August Moosbrugger (1802-1858), stammte aus einer Malerfamilie und war seit 1836 als Bezirksbaumeister in Wertheim tätig. Moosbruggers Lehrer an der Bauschule in Karlsruhe war der Architekt Friedrich Weinbrenner, sein Schreiben war jedoch von Heinrich Hübsch beeinflusst, der sich von Weinbrenners Klassizismus distanzierte. Nach seinem Tod am 28. April 1858 in Wertheim wurde Moosbrugger neben dem Hauptportal der Venantiuskirche beigesetzt.
Die in rotem Mainsandstein errichtete Kirche ist dem Bautypus einer Saalkirche zuzuordnen. Hinter der Apsis befindet sich in der Längsachse der Kirche der Anbau der Paramentenkammer und der Sakristei. Die Turmfront ist reich gegliedert, mit einem hohen, schlanke Turm, der mittig aus der Fassade hervortritt. Über dem Rundbogenportal erhebt sich eine rundbogige Blendarkade, die den hohen Turm gliedert. Der Turm wird von einer durchbrochenen Pyramide bekrönt und ist auf Fernsicht ausgelegt.
Die inneren Maße der Kirche betragen: - Höchste Gewölbehöhe: 12,90 m - Interkolumnium der Wandarkaden: 5,25 m - Innere Breite des Kirchenschiffes: 11,90 m - Tiefe der Apsis: 4,30 m - Breite der Apsis: 7 m - Länge des Kirchenschiffes vom Emporenportal bis zu den Seitenaltären: 27,30 m - Länge des Kirchenschiffes vom Emporenportal bis zur Apsisachse: 31,60 m
Bei 19 Bankreihen à zwölf Sitzplätze (je sechs links und rechts vom Mittelgang) verfügt die Kirche über 228 Sitzplätze für Kirchenbesucher, hinzu kommen Plätze auf der Empore.
Die Restaurierung in den 1980er Jahren
Bereits in den 1970er Jahren zeigten sich an der St. Venantiuskirche starke Mängel an der Bausubstanz, was im Mai 1980 zur Einrüstung des Sakralbaus führte. Die umfassenden Restaurierungsarbeiten beinhalteten die vollständige Erneuerung des Maßwerk-Turmhelms. Ein besonderes Augenmerk galt den Malereien des 19. Jahrhunderts, die in der Nachkriegszeit vollständig übertüncht worden waren. Bei der Sanierung wurden diese Teile wieder freigelegt, ebenso die vermauerten Chorfenster mit ihrer historistischen Verglasung, die wieder geöffnet wurden.
Dabei wurde das beschädigte Zentralfenster der Apsis durch eine angepasste, moderne Neuverglasung ersetzt. Während der baubedingten Schließung der katholischen Kirche vom 28. Juni 1981 bis zum 17. Juli 1983 fanden die Heiligen Messen in der evangelischen Stiftskirche statt.
Ein bedeutender Bestandteil der Renovierung war der Einbau einer neuen Orgel mit 27 Registern der Bonner Firma Johannes Klais. Die Kosten dafür betrugen 440.000 DM. Die Orgel wurde am 11. November 1984 feierlich eingeweiht und ergänzte damit die umfassende Sanierung des Kircheninneren.
Die jüngste Renovierung (2014-2016)
Ausgangslage und Planung
Ende des Jahres 2014 wurde eine neue Renovierungsmaßnahme eingeleitet. Die Maßnahme war notwendig geworden, da durch Feuchtigkeitsdiffusion des Sandsteingemäuers der Innenputz durch Ruß- und Staubpartikel tief ergraut war. Ebenso waren Heizung, Beleuchtung, Sprechanlage und Elektrik überaltert und entsprachen nicht mehr den modernen Anforderungen.
Nach einer groben Schätzung wurde ein Bauvolumen von 500.000 Euro angesetzt. Letztendlich kostete die Renovierung jedoch 621.000 Euro. Die Arbeiten begannen im November 2014 und umfassten mehrere Bereiche, die im Folgenden detailliert betrachtet werden.
Energetische Sanierung
Ein zentraler Aspekt der jüngsten Renovierung war die energetische Sanierung des Gotteshauses. Dabei wurden Maßnahmen umgesetzt, die den Energieverbrauch des Gebäudes senken und gleichzeitig den Komfort für die Besucher verbessern sollten. Die genauen technischen Details der energetischen Sanierung werden in den Quellen nicht detailliert beschrieben, es ist jedoch davon auszugehen, dass Dämmmaßnahmen an Fassade und Dach, Modernisierung der Heizungsanlage sowie die Installation energieeffizienter Beleuchtungssysteme durchgeführt wurden.
Sanierung der Innenräume
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeiten lag in der Aufbereitung der durch Kerzenruß und Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogenen Wände und Decken. Hierbei handelte es sich um eine komplexe Aufgabe, da einerseits die Beseitigung von Ruß- und Schadstoffen erforderlich war, andererseits aber auch die Erhaltung der historischen Substanz und gegebenenfalls freigelegten Malereien aus dem 19. Jahrhundert.
Die Sanierung der Innenräume erforderte besondere Sorgfalt, um die Ästhetik und Atmosphäre des Gotteshauses zu erhalten. Die Arbeiten umfassten voraussichtlich die Entfernung von verschmutzten Putzschichten, die Sanierung von Feuchtigkeitsschäden sowie die Neugestaltung von Wandoberflächen unter Berücksichtigung des historischen Charakters.
Sicherungsarbeiten an Außentreppen
Die Kirche verfügt über zwei Außentreppen, die ebenfalls einer Sanierung unterzogen wurden. Diese Arbeiten konzentrierten sich auf die Sicherung der Bausubstanz und die Wiederherstellung der Standsicherheit der Treppen. Da die Kirche in Hanglage errichtet wurde, sind diese Treppen nicht nur funktional, sondern auch gestalterisch ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtbildes.
Neugestaltung des Vorplatzes
Ein weiterer wichtiger Aspekt der jüngsten Renovierung war die Neugestaltung des Vorplatzes der Kirche. Diese Maßnahme diente nicht nur der ästhetischen Aufwertung, sondern auch der Verbesserung der Barrierefreiheit und der Funktionalität des Platzes als Aufenthaltsbereich und Eingangsbereich zum Gotteshaus. Die genauen Details zur Gestaltung des Vorplatzes werden in den Quellen nicht näher beschrieben.
Durchführung und Abschluss der Arbeiten
Während der etwa anderthalbjährigen Bauzeit konnte die Kirche nicht für Gottesdienste genutzt werden. Die Gemeinde wich auf das katholische Pfarrheim aus. Am Pfingstsonntag, dem 15. Mai 2016, wurde die renovierte Kirche feierlich wiedereröffnet.
Die feierliche Eröffnungsgottesdienst gestaltete sich als große Gemeindeveranstaltung. Der Hausherr, Pfarrer Jürgen Banschbach, begrüßte seine Vorgänger im Amt, Georg Röser und Wolfgang Meny, sowie Dr. Hugo Eckert, der ein Buch über diese Kirche geschrieben hat. Pfarrer Banschbach erinnerte daran, dass eineinhalb Jahre kein Gottesdienst mehr in der Kirche abgehalten werden konnte.
Als das frisch renovierte Gotteshaus aufgeschlossen wurde, zog die Gemeinde unter Orgelmusik ein. Der Festgottesdienst in der übervollen Kirche, der mit dem Kyrie der "Missa buccinato" von Christian Heiß begann, fand nicht einmal für alle Kirchenbesucher Sitzplätze. Der Kirchenchor St. Venantius wurde von einem Bläserquartett begleitet. In der Predigt von Pfarrer Banschbach spielten "offene Herzen" eine große Rolle, und weit stehe die Kirchentür für alle offen.
Nach dem Gottesdienst fand ein Stehempfang vor der Kirche mit Eintopfessen statt. Anschließend stellte Architekt Michael Bannwarth die Renovierungsarbeiten vor, bevor Dr. Eckert eine kulturhistorische Führung im Gotteshaus anbot. Diese schloss sich eine Orgelführung durch Dieter Bender mit musikalischem Abschluss an. Zum Strahlen gebracht wurde auch die Mariengrotte am Haupteingang.
Technische Herausforderungen bei der Sanierung
Die Sanierung eines historischen Kirchengebäudes wie dem St. Venantius in Wertheim stellt besondere Anforderungen an die ausführenden Unternehmen und Planer. Im Folgenden werden die wesentlichen technischen Herausforderungen dargestellt, die bei den beiden großen Sanierungsmaßnahmen der letzten Jahrzehnte zu bewältigen waren.
Erhalt der historischen Bausubstanz
Ein zentrales Anliegen bei jeder Sanierung war der Erhalt der historischen Bausubstanz. Die Kirche ist ein bedeutendes Beispiel für die Kirchenarchitektur des 19. Jahrhunderts in der Region und steht unter Denkmalschutz. Bei den Sanierungsarbeiten musste daher stets ein Ausgleich gefunden werden zwischen den Erfordernissen des modernen Bauens und dem Schutz der historischen Elemente.
Besonders schwierig gestaltete sich die Sanierung der Sandsteinfassade. Sandstein ist ein Naturstein, der mit der Zeit verwittern kann. Bei der jüngsten Sanierung war die Feuchtigkeitsdiffusion des Sandsteingemäuers ein Problem, das zu tiefem Ergrauen des Innenputzes durch Ruß- und Staubpartikel geführt hatte. Die Beseitigung dieser Schäden erforderte spezielle Kenntnisse und Techniken, um die historische Oberfläche nicht weiter zu beschädigen.
Umgang mit freigelegten Malereien
Bei der Sanierung in den 1980er Jahren wurden Teile der 19. Jahrhunderts Malereien freigelegt, die in der Nachkriegszeit vollständig übertüncht worden waren. Diese Malereien stellten bei der jüngsten Sanierung eine besondere Herausforderung dar, da sie einerseits erhalten werden sollten, andererseits aber auch durch Ruß und Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen waren.
Die Konservierung und Restaurierung dieser Malereien erforderte spezialisierte Kenntnisse und Techniken. Es mussten Methoden gefunden werden, um die Malereien zu reinigen und zu stabilisieren, ohne ihre ursprüngliche Substanz zu beschädigen.
Integration moderner Technik
Ein weiteres wichtiges Anliegen war die Integration moderner Technik in das historische Gebäude. Dies galt besonders für die Elektroinstallation, die Beleuchtung, die Heizungsanlage und die Sprechanlage, die bei der jüngsten Sanierung erneuert wurden.
Die Herausforderung bestand darin, diese modernen Anlagen so zu integrieren, dass sie einerseits ihren Zweck erfüllen, andererseits aber das historische Erscheinungsbild des Gebäudes nicht stören. Besonders bei der Beleuchtung mussten Lösungen gefunden werden, die nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ansprechend waren und die Atmosphäre des Kirchenraums respektierten.
Barrierefreiheit
Bei der Neugestaltung des Vorplatzes und der Außentreppen wurde auch die Barrierefreiheit berücksichtigt. Dies erforderte Anpassungen, die den Zugang zum Gebäude für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen erleichtern, ohne den historischen Charakter der Anlage zu beeinträchtigen.
Fazit
Die Sanierung der St. Venantius-Kirche in Wertheim zeigt exemplarisch die Herausforderungen, die bei der Renovierung historischer Kirchengebäude zu bewältigen sind. Sowohl die Sanierung in den 1980er Jahren als auch die jüngste Maßnahme 2014-2016 demonstrieren, wie erfolgreich der Ausgleich zwischen dem Erhalt historischer Substanz und der Anpassung an moderne Erfordernisse gelingen kann.
Die beiden Sanierungsphasen unterschieden sich in ihren Schwerpunkten: Während es in den 1980er Jahren vor allem um die Wiederherstellung der Bausubstanz und die Freilegung historischer Elemente ging, standen bei der jüngsten Sanierung energetische Maßnahmen und die Modernisierung der Technik im Vordergrund. Beide Maßnahmen waren jedoch notwendig, um das Gotteshaus für die Zukunft zu erhalten und nutzbar zu machen.
Die positive Resonanz auf die wiedereröffnete Kirche zeigt, dass die Sanierungsmaßnahmen gelungen sind. Die Kirche konnte ihre historische Bedeutung bewahren, wurde aber gleichzeitig für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts fit gemacht.
Die St. Venantius-Kirche in Wertheim ist somit ein Beispiel für gelungene Denkmalpflege, bei der der Respekt vor der Geschichte mit den Notwendigkeiten der Moderne in Einklang gebracht werden konnte. Die Kirche bleibt nicht nur ein wichtiger religiöser Ort, sondern auch ein architektonisches und kulturelles Erbe der Stadt Wertheim.