Umfassende Sanierung der St. Venantius-Kirche in Wertheim: Historische Bausubstanz für die Zukunft bewahren

Einleitung

Die St. Venantius-Kirche in Wertheim stellt ein bedeutendes historisches Bauwerk dar, das in den letzten Jahrzehnten mehrere umfassende Sanierungsmaßnahmen erfahren hat. Die katholische Stadtkirche, erbaut im Jahr 1842, steht als Zeugin der lokalen Kirchengeschichte und wird kontinuierlich an die Anforderungen der Gegenwart angepasst. Die jüngste Sanierungsphase, die von 2014 bis 2016 stattfand, umfasste sowohl energetische Modernisierungen als auch die Restaurierung historischer Elemente. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Renovierungsprojekte der Kirche, die dabei verwendeten Materialien, die Kosten sowie die beteiligten Akteure. Die Sanierung der St. Venantius-Kirche bietet wertvolle Einblicke in die Bewahrung historischer Bausubstanz bei gleichzeitiger Modernisierung kirchlicher Gebäude.

Historischer Hintergrund und Baubeschreibung

Die St. Venantius-Kirche in Wertheim wurde im Jahr 1842 errichtet und stellt ein wichtiges Beispiel für die Sakralarchitektur des 19. Jahrhunderts in der Region dar. Das Gebäude weist charakteristische Merkmale des Historismus auf, die während der verschiedenen Sanierungsphasen bewusst erhalten und restauriert wurden.

In den 1970er Jahren zeigten sich erste starke Mängel an der Bausubstanz der Kirche. Daraufhin begannen im Mai 1980 umfassende Restaurierungsarbeiten, die zur vollständigen Erneuerung des Maßwerk-Turmhelms führten. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Wiederherstellung der historischen Ausmalungen gelegt. Die im 20. Jahrhundert vollständig übertünchten Malereien des 19. Jahrhunderts wurden dabei teilweise wieder freigelegt. Ebenso wurden die vermauerten Chorfenster mit ihrer historistischen Verglasung wieder geöffnet. Das dabei beschädigte Zentralfenster der Apsis wurde durch eine angepasste, moderne Neuverglasung ersetzt.

Während der baubedingten Schließung der katholischen Kirche vom 28. Juni 1981 bis zum 17. Juli 1983 wurden die Gottesdienste in der evangelischen Stiftskirche abgehalten. Im Zuge dieser Renovierung wurde auch eine neue Orgel mit 27 Registern von der Bonner Firma Johannes Klais für 440.000 DM gefertigt und am 11. November 1984 feierlich eingeweiht.

Die jüngste Sanierungsphase 2014-2016

Beginn und Umfang der Arbeiten

Die jüngste große Sanierungsphase der St. Venantius-Kirche wurde im November 2014 eingeleitet. Es handelte sich um eine umfassende Renovierung, die sowohl den Innen- als auch den Außenbereich der Kirche betraf. Bei den Arbeiten wurde das Gotteshaus energetisch auf den neuesten Stand gebracht, während gleichzeitig die durch Kerzenruß und Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogenen Wände und Decken aufgefrischt wurden.

Die Aufsicht über die Baumaßnahmen hatte Architekt Michael Bannwarth, der gemeinsam mit Pfarrer Jürgen Banschbach den Fortgang der Arbeiten als sehr zufriedenstellend bezeichnete. Die Arbeiten waren vielfältig und umfassten sowohl künstlerische Elemente wie Altar- und Deckengestaltung als auch technische Aspekte wie die Sanierung der Dachkonstruktion und die Feuchteschutzmaßnahmen.

Entdeckung historischer Elemente

Während der Sanierungsarbeiten kam es zu bedeutenden Entdeckungen. So wurde bei der Reinigung der Wände und Decke eine Wandbemalung aus dem Jahr 1882 zum Vorschein gebracht. Ob dieses historische Fragment sichtbar belassen wird, ist derzeit noch nicht endgültig entschieden. Solche Entdeckungen sind bei Sanierungsarbeiten an historischen Gebäuden von besonderer Bedeutung, da sie wertvolle Einblicke in die ursprüngliche Gestaltung und Ausstattung der Kirche bieten.

Sicherungsarbeiten und Neugestaltung des Außenbereichs

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeiten lag auf der Sicherung beider Außentreppen. Diese Maßnahmen waren notwendig, um die Sicherheit der Kirchenbesucher zu gewährleisten und die Bausubstanz zu erhalten. Gleichzeitig wurde der Kirchenvorplatz neu gestaltet. Die Maßnahmen umfassten:

  • Anpassung der Beleuchtung
  • Erneuerung der Pflasterung
  • Anlage neuer Sitzbereiche

Diese Maßnahmen trugen dazu bei, den öffentlichen Raum um die Kirche attraktiver zu gestalten und gleichzeitig den Anforderungen des heutigen städtischen Lebens gerecht zu werden.

Restaurierung des historischen Kreuzwegs

Ein zentrales Projekt der jüngsten Sanierungsphase war die Wiederherstellung des historischen Kreuzwegs. Der Kreuzweg, bestehend aus 15 Stationen, wurde neu angebracht, um den ursprünglichen Charakter und die spirituelle Atmosphäre der Kirche wiederherzustellen. Diese Maßnahme war von besonderer Bedeutung für die liturgische Nutzung des Raumes und die spirituelle Erfahrung der Kirchenbesucher.

Bei der Restaurierung des Kreuzwegs wurde großer Wert darauf gelegt, die historische Authentizität zu bewahren. Die einzelnen Stationen wurden sorgfältig gereinigt und instand gesetzt, um die ursprüngliche Wirkung zu erhalten. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, dass die Kreuzwegstationen sich harmonisch in das Gesamtbild der Kirche einfügen.

Freilegung historischer Wandfassungen

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Sanierung war die Freilegung von Wandfassungen, die bislang unter Schichten von Putz und Lack verborgen waren. Diese Maßnahme trug dazu bei, den ursprünglichen Baustil der Kirche aus dem 19. Jahrhundert wieder sichtbar zu machen. Die freigelegten Flächen bieten nun einen authentischen Einblick in die historische Gestaltung des Kirchenraumes.

Bei der Freilegung dieser historischen Elemente wurde archäologische Sorgfalt walten gelassen. Die verschiedenen Schichten wurden schichtweise entfernt, um die ursprünglichen Fassungen zu schonen und gleichzeitig dokumentieren zu können, wie sich die Gestaltung des Raumes im Laufe der Zeit verändert hat.

Materialverwendung und Baustil

Bei den Renovierungsarbeiten in Wertheim wurde großer Wert darauf gelegt, dass die verwendeten Materialien mit dem ursprünglichen Baustil und den historischen Elementen des Gebäudes harmonierten. Dies betraf insbesondere:

Putz und Mauerwerk

Bei der Sanierung der Kirchenwände und Fassaden wurde oft historischer Putz verwendet, der in Form, Farbe und Konsistenz dem ursprünglichen Material entsprach. Besonders bei der Freilegung historischer Wandfassungen wurde darauf geachtet, die ursprünglichen Materialien zu erhalten oder in Nachbildung wiederherzustellen.

Holzverkleidungen

In Räumen wie dem Kreuzgang oder den Kapellen wurden Holzverkleidungen restauriert, um den ursprünglichen Charakter zu bewahren. Die Arbeiten umfassten sowohl die Reinigung und Konservierung bestehender Holzflächen als auch die Ergänzung fehlender Teile in historischer Technik.

Glasfenster

In kirchlichen Gebäuden wurden in den Sanierungsprojekten oft historische Glasfenster restauriert, wobei besonderes Augenmerk auf die Erhaltung von Verzierungen und Symbolik lag. Die Chorfenster der St. Venantius-Kirche wurden im Zuge der Sanierung der 1980er Jahre wieder geöffnet und restauriert.

Bodenbeläge

In vielen Räumen wurden historische Bodenbeläge wie Fliesen oder Holzdielen wiederhergestellt, um den ursprünglichen Eindruck des Raumes zu bewahren. Diese Maßnahmen tragen wesentlich zur Wiederherstellung der historischen Atmosphäre bei.

Kosten und Finanzierung

Die Renovierungsarbeiten an historischen Gebäuden in Wertheim waren in vielen Fällen langfristige Projekte, die über mehrere Jahre andauerten. Die Kosten für solche Sanierungsmaßnahmen hängen stark von der Größe, dem Zustand und der Funktionalität des Gebäudes ab.

Für die Sanierung der St. Venantius-Kirche wurden zunächst 500.000 Euro veranschlagt. Letztendlich beliefen sich die tatsächlichen Kosten auf 621.000 Euro. Die Finanzierung solcher Projekte erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus kirchlichen Spenden, staatlichen Förderungen und Mitteln aus speziellen Förderprogrammen für den Denkmalschutz.

Ein wichtiger Akteur bei der Finanzierung kirchlicher Baumaßnahmen ist der Kirchbauverein "Christi Auferstehung", der sich seit 1964 die Aufgabe gesetzt hat, Geldmittel zum Bau und zur Unterhaltung des katholischen Pfarrzentrums in Bonn-Röttgen zu beschaffen. Dank der regelmäßigen Beiträge der Mitglieder und vieler Spenden war es möglich, viele Maßnahmen in Christi Auferstehung, Sankt Venantius und im Pfarrzentrum durch Zuschüsse zu unterstützen.

Der Kirchbauverein hat in der Vergangenheit bereits verschiedene Maßnahmen im Bereich der St. Venantius-Kirche finanziell unterstützt. Dazu gehören zum Beispiel die Verbesserung der Beleuchtung im Eingangsbereich des Pfarrzentrums, die Anbringung von Treppenhandläufen im Außenbereich und der Ankauf eines Aufsitzrasenmähers für die Pflege des Rasens und das Schneeräumen.

Für die Zukunft plant der Kirchbauverein, die dringend notwendige Renovierung der Kapelle Sankt Venantius sowie den Umbau des Pfarrzentrums durch namhafte Zuschüsse zu unterstützen. Diese Maßnahmen werden jedoch große finanzielle Anstrengungen der Pfarrgemeinde erfordern, weshalb der Verein sich über die Aufnahme neuer Mitglieder und weiterhin Spenden freut.

Herausforderungen bei der Sanierung historischer Kirchenbauten

Die Sanierung der St. Venantius-Kirche wirft verschiedene typische Herausforderungen für die Renovierung historischer Kirchenbauten auf:

Umgang mit Feuchtigkeit

Bei der Sanierung der St. Venantius-Kirche zeigte sich, dass durch Feuchtigkeitsdiffusion des Sandsteingemäuers der Innenputz tief ergraut war. Dieses Problem ist bei historischen Gebäuden häufig und erfordert spezielle Maßnahmen zur Bekämpfe der Feuchtigkeitsursachen sowie zur Sanierung der betroffenen Bauteile.

Modernisierung bei Erhalt des historischen Charakters

Ein zentrales Dilemma bei der Sanierung historischer Gebäude besteht darin, notwendige Modernisierungen wie die Erneuerung der Heizung, Beleuchtung, Sprechanlage und Elektrik durchzuführen, ohne den historischen Charakter des Gebäides zu beeinträchtigen. Bei der St. Venantius-Kirche wurde versucht, moderne Technik so unauffällig wie möglich zu integrieren.

Balancierung von Denkmalschutz und praktischen Anforderungen

Historische Kirchenbauten stehen oft unter Denkmalschutz, was bestimmte Einschränkungen bei der Sanierung mit sich bringt. Gleichzeitig müssen die Gebäude den Anforderungen der modernen Nutzung gerecht werden. Bei der St. Venantius-Kirche musste dieser Balanceakt bei vielen Maßnahmen neu gedacht werden.

Fazit

Die umfassende Sanierung der St. Venantius-Kirche in Wertheim zeigt exemplarisch auf, wie historische kirchliche Bauten für die Zukunft erhalten werden können. Die zwischen 2014 und 2016 durchgeführten Maßnahmen umfassten sowohl die Restaurierung historischer Elemente wie den Kreuzweg und freigelegte Wandfassungen als auch notwendige technische Modernisierungen. Die dabei verwendeten Materialien wurden sorgfältig ausgewählt, um den historischen Charakter des Gebäudes zu bewahren.

Die Kosten der Sanierung beliefen sich auf 621.000 Euro und wurden durch eine Kombination aus kirchlichen Spenden, staatlichen Förderungen und Mitteln des Kirchbauvereins "Christi Auferstehung" finanziert. Der Verein spielt eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung kirchlicher Baumaßnahmen und wird auch zukünftig bei der geplanten Renovierung der Kapelle Sankt Venantius und des Umbaus des Pfarrzentrums unterstützen.

Die Sanierung der St. Venantius-Kirche bietet wertvolle Erkenntnisse für die Renovierung historischer Gebäude im Allgemeinen und kirchlicher Bauten im Besonderheit. Sie zeigt, dass es möglich ist, den historischen Charakter eines Gebäides zu bewahren, während gleichzeitig notwendige Modernisierungen durchgeführt werden. Die Entdeckung historischer Elemente während der Sanierung unterstreicht die Wichtigkeit sorgfältiger Bauarbeiten, die nicht nur die Erhaltung der Substanz, sondern auch die Freilegung und Restaurierung verborgener Schätze im Blick haben.

Quellen

  1. austrasse-zuerich.ch
  2. Main-Echo
  3. Mainpost
  4. Wikipedia
  5. Erzbistum Köln

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