Einleitung
Die Startbahn West am Frankfurter Flughafen Rhein-Main ist ein bedeutsames Bauwerk der deutschen Luftfahrtgeschichte. Ihre Entstehungsgeschichte ist geprägt von jahrzehntelangen politischen Auseinandersetzungen, massiven Protesten aus der Bevölkerung und erheblichen technischen Herausforderungen. Dieser Artikel beleuchtet die Planungs-, Bauphase und die historische Bedeutung dieser 4000 Meter langen Piste, die heute als zentraler Bestandteil des Frankfurter Flughafenbetriebs fungiert. Obwohl die Quellen keine Informationen über eine Renovierung der Startbahn West enthalten, werfen sie ein wertvolles Licht auf die komplexen Prozesse bei der Realisierung solcher Großprojekte im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen und Umweltschutz.
Planungsphase und politische Entscheidungen
Die Planungen für die Startbahn West begannen bereits im Jahr 1962, als die Betreibergesellschaft des Flughafens Frankfurt Rhein-Main, die Flughafen Frankfurt/Main AG, angesichts des drastisch gestiegenen Flugverkehrs beschloss, eine neue Startbahn in Planung zu geben. Das Rhein-Main-Gebiet befand sich zu dieser Zeit in einem stetigen ökonomischen Aufschwung, dem nicht zuletzt der Flughafen als europäisches Luftfahrt-Drehkreuz zu verdanken war. Die alten Empfangsgebäude sowie das bis heute bestehende Parallelbahnsystem hatten die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht.
Die genaue Bezeichnung im Planungsverfahren lautete "Startbahn 18 West", ihre luftfahrttechnische Bezeichnung ist "Runway 18". Sie verläuft von Norden nach Süden und befindet sich im westlichen Teil des Flughafens. Dabei liegt der kleinere Nordteil im Frankfurter Stadtteil Flughafen, während der größere Südteil auf der Gemarkung von Rüsselsheim am Main liegt.
Die Standortwahl für die neue Startbahn war von erheblichen geografischen Einschränkungen geprägt: - Das Flughafengelände ist ausschließlich von Wald umgeben, darunter Bannwald - Im Norden verläuft die Bundesautobahn 3 in Ost-West-Richtung - Im Osten verläuft die Bundesautobahn 5 in Nord-Süd-Richtung - Im Westen befindet sich eine oberirdische Hauptstromtrasse in Nord-Süd-Richtung - Im Süden machte die amerikanische Rhein-Main Air Base einen unkomplizierten Ausbau unmöglich
Lediglich in der südwestlichen Ecke des Geländes bestand die Möglichkeit einer neuen Piste in Nord-Süd-Richtung. Dies bedeutete einen immensen Holzeinschlag und die Ausdehnung des Flughafengeländes auf eine nicht mehr zum Stadtgebiet gehörende Gemarkung.
Am 28. Dezember 1965 beantragte die Flughafen AG die Genehmigung für den Bau der "Startbahn 18 West". Im Mai 1966 wurde im Hessischen Landtag der Neubau der 4000 Meter langen Startbahn in Nord-Süd-Richtung beschlossen. Angesichts der politischen Freigabe entschied die Flughafen Frankfurt/Main AG (FAG) im November 1967 den Neubau des 78 Mio. DM teuren Projekts. In einer Zeit des beginnenden Umweltbewusstseins stand diesem Ausbau jedoch zunehmend Skepsis aus der Bevölkerung gegenüber.
Nachdem der Verkehrsminister im März 1968 den Planfeststellungsbeschluss erlassen hatte, wurden 44 Anfechtungsklagen erhoben. Die gerichtliche Auseinandersetzung endete erst mit der Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 21. Oktober 1980 für den Bau der neuen Startbahn.
Proteste und Widerstand gegen den Bau
Die Planungen für die Startbahn West stießen auf erhebliche Proteste und wurden zu einem der wichtigsten Bezugspunkte der Umweltbewegung der 1970er und 1980er Jahre. Der Widerstand gegen den Flughafenausbau spaltete die Region und führte zu einer der größten Bürgerbewegungen in der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Auf dem Gelände der geplanten Startbahn West errichtete eine Bürgerinitiative ab Mai 1980 eine Hütte, die zur Information von Spaziergängern dienen sollte. Als der hessische Minister für Wirtschaft und Verkehr, Heinz-Herbert Karry (FDP), im Juli 1980 den "Sofortvollzug" für den Bau der Startbahn anordnete, eskalierte die Situation. Die ersten Baumfällarbeiten begannen noch vor dem Winter, wobei zunächst ein sieben Hektar großes Gelände direkt am Flughafengelände gerodet wurde.
Dagegen demonstrierten am 2. November 1980 am Waldrand in Walldorf 15.000 Menschen, hauptsächlich Umweltschützer und Studenten, aber auch viele ältere Menschen aus der Region. Da die geplanten Besetzungsaktionen der Protestbewegung am langatmigen Polizeikonzept scheiterte, beschloss die Bürgerinitiative, die Hütte zu einem dauerbewohnten Hüttendorf auszubauen, um schneller und angemessener auf Rodungsabsichten reagieren zu können. Daraufhin entstanden mehrere bau- und hausrechtlich illegale Hütten sowie eine Hüttenkirche einer Walldorfer Kirchengemeinde auf dem Flughafengelände.
Die Proteste erreichten ihren Höhepunkt am 14. November 1981, als 150.000 Menschen in Wiesbaden zur größten Demonstration der Stadtgeschichte gegen den Bau der Startbahn West und gegen die Verkehrs-, Energie- und Umweltpolitik der hessischen Landesregierung kamen. Es wurden mehr als 220.000 Unterschriften für ein Volksbegehren gesammelt. Dennoch setzte die SPD/FDP-Landesregierung unter Ministerpräsident Holger Börner den Bau durch.
Umweltzerstörung und Folgen für die Region
Der Bau der Startbahn West ging mit erheblicher Umweltzerstörung einher. Die Startbahn verdrängte laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau 370.000 Bäume. Dies hatte weitreichende Folgen für die lokale Ökologie und trug erheblich zur Stärkung der Umweltbewegung bei.
Die Proteste gegen die Startbahn West waren nicht nur auf den Erhalt von Wälder beschränkt, sondern umfassten auch Sorgen bezüglich Fluglärm, Schadstoffbelastung und der klimaschädlichen Auswirkungen des zunehmenden Luftverkehrs. Das Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau – für Nachtflugverbot (BBI) hat später mehr als 300 Montagsdemonstrationen gegen den Bau der Landebahn Nordwest organisiert, mit dem Motto: "Jeden Montag 18 Uhr bringen wir den Lärm retour!"
Die Inbetriebnahme der Startbahn West am Frankfurter Flughafen im April 1984 wurde begleitet von massiven Protesten und Demonstrationen, die den Beginn eines langjährigen Umweltnutzungskonflikts markierten. Am 12. April 1984 hob der Lufthansa-Airbus "Lüneburg" mit Ziel Paris von der Startbahn West ab. Rund 15.000 Demonstranten verfolgten den ersten kommerziellen Start auf der Piste von der Betonschutzmauer des Flughafengeländes – eine Eröffnungsfeier gab es bewusst nicht, um keine Provokation zu schaffen.
Technische Daten und heutige Bedeutung
Die Startbahn West ist heute ein zentraler Bestandteil des Flughafenbetriebs. Laut der heutigen Betreibergesellschaft Fraport finden rund 30 Prozent aller Flugbewegungen auf ihr statt. Ihre technischen Daten sind beeindruckend:
- Länge: 4000 Meter
- Ausrichtung: von Norden nach Süden (luftfahrttechnisch "Runway 18")
- Lage: Westlicher Teil des Flughafen Frankfurt Main
- Stadtteile: Nordteil im Frankfurter Stadtteil Flughafen, Südteil auf der Gemarkung Rüsselsheim am Main
- Baukosten: 78 Mio. DM (zum Zeitpunkt der Planung)
Die Startbahn West hat die wirtschaftliche Entwicklung Frankfurts nachhaltig geprägt, während Fluglärm und Umweltbelastung die Lebensqualität der Menschen in der Region beeinträchtigten. Ihr Bau war ein einschneidendes Ereignis, das das Rhein-Main-Gebiet für immer veränderte.
Ein dunkles Kapitel der Protestgeschichte ereignete sich 1987, als es an der Trasse der Startbahn zu einem Anschlag auf Polizisten kam, bei dem zwei Menschen erschossen wurden – einer 43, der andere 23 Jahre alt. Diese so grausame Tat überschattete alles und ließ die Proteste jäh enden.
Fazit
Die Geschichte der Startbahn West ist mehr als nur die Baugeschichte einer Landebahn – sie ist ein Spiegelbild des Konflikts zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Umweltschutz in der Bundesrepublik Deutschland. Das Projekt zeigt, wie sich Großprojekte über Jahrzehnte hinziehen können und wie stark Bürgerproteste selbst massive Infrastrukturvorhaben beeinflussen können.
Die technischen Herausforderungen beim Bau waren erheblich, erforderten aber im Vergleich zu den politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen eine geringere öffentliche Aufmerksamkeit. Die Rodung von 370.000 Bäumen und die damit verbundenen ökologischen Folgen bleiben bis heute ein umstrittenes Erbe.
Heutige Planungen für Infrastrukturprojekte können aus der Geschichte der Startbahn West wichtige Lehren ziehen: Die Einbindung der Öffentlichkeit, frühzeitige Kommunikation über Nutzen und Nachteile sowie transparente Abwägung zwischen wirtschaftlichen Interessen und Umweltschutz sind unerlässlich, um ähnliche Konflikte zu vermeiden.