Sanierung der Zeppelintribüne in Nürnberg: Von NS-Geschichtsdenkmal zu barrierefreiem Lernort

Einleitung

Die Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg befindet sich seit Ende 2024 in einer umfassenden Sanierungsphase. Das Ziel der Maßnahmen ist es, diese historische Stätte dauerhaft zu sichern und als authentischen Lern- und Begegnungort zu erhalten. Mit Investitionen in Höhe von 88,3 Millionen Euro wird die Anlage bis 2030 grundlegend saniert und für zukünftige Generationen zugänglich gemacht. Das Projekt umfasst die Restaurierung der Fassade, die Sanierung der Türme und Wallanlagen sowie die Schaffung barrierefreier Zugänge. Gleichzeitig soll die Zeppelintribüne als zentraler Ort der Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte in Bayern weiterentwickelt werden. Dieser Artikel beleuchtet die Planung, den aktuellen Stand und die technischen Herausforderungen der umfassenden Sanierungsmaßnahmen.

Historische Bedeutung und aktuelle Nutzung der Zeppelintribüne

Die Zeppelintribüne zwischen 1935 und 1937 auf dem Reichsparteitagsgelände erbaut und gilt als der einzige erhaltene Teil dieser historischen Stätte. Der Name "Zeppelintribüne" leitet sich von der ersten Landung eines Zeppelins an dieser Stelle am 27. August 1909 ab. Die Baupläne, die vom Architekten Albert Speer stammen, sollten ursprünglich die historischen NSDAP-Parteitage repräsentieren. Mit einer Kapazität von 16.000 Personen und einer eindrucksvollen Architektur wird sie zum zentralen Exponat im geplanten Dokumentationszentrum, welches die NS-Geschichte thematisiert.

In der Vergangenheit wurden große Bereiche des Geländes aus Sicherheitsgründen abgesperrt. Die Anlage befand sich in einem Zustand fortschreitenden Verfalls, der eine umfassende Sanierung erforderte. Heute dient das Gelände bereits seit Jahrzehnten als Veranstaltungsort für Großevents wie das "Rock im Park" Festival und das "Norisring Speedweekend". Die aktuelle Sanierung soll diese Nutzungsmöglichkeiten langfristig erhalten, während gleichzeitig die historische Bedeutung als Ort der NS-Geschichte bewahrt und aufgearbeitet wird.

Die Zeppelintribüne steht unter Denkmalschutz, was die Sanierungsmaßnahmen zusätzlich erschwert, da die historische Substanz weitgehend erhalten bleiben muss. Die Balance zwischen notwendigen baulichen Sicherungen und dem Erhalt der originalen Bausubstanz stellt eine besondere Herausforderung für die am Projekt beteiligten Ingenieure und Handwerker dar.

Planung und Finanzierung der Sanierung

Die Grundlage für die aktuellen Baumaßnahmen bildet der Objektplan zur "Trittfestmachung" der Zeppelintribüne, des Zeppelinfelds und des Bahnhofs Dutzendteich, der vom Nürnberger Stadtrat am 17. Juli 2024 in öffentlicher Sitzung beschlossen wurde. Dieser Plan dient als Grundlage für die künftige Vertiefung der Vermittlungsarbeit am historischen Ort.

Die Finanzierung des Projektes erfolgt durch mehrere Partner. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 88,3 Millionen Euro, inklusive der kommunalen Bauverwaltungskosten. Hiervon übernehmen der Deutsche Bundestag und der Bayerische Landtag bis zu 63,825 Millionen Euro. Die restlichen Kosten werden von der Stadt Nürnberg getragen. Die Finanzierungsbeschlüsse fielen bereits 2018 (Deutscher Bundestag) und 2019 (Bayerischer Landtag).

Die finanziellen Mittel sind notwendig, um die vielfältigen Schäden an der Anlage zu beheben. Anhand vom Hochbauamt der Stadt Nürnberg angelegter Musterflächen konnten die genauen Schadensfälle, Reparaturmöglichkeiten und der daraus resultierende finanzielle Aufwand ermittelt werden. Die komplexen Bauarbeiten erfordern spezialisierte Handwerker und Materialien, was die Kosten in die Höhe treibt.

Das Projekt ist Teil eines Gesamtkonzepts zur Erinnerungsarbeit an die NS-Geschichte in Bayern, das bereits 2020 beschlossen wurde. Die Sanierung der Zeppelintribüne ist somit nicht nur eine bauliche Maßnahme, sondern auch ein wichtiger Schritt zur Bewahrung eines bedeutenden historischen Ortes in Deutschland.

Bauphasen und Zeitplan bis 2030

Die Bauarbeiten zur Umsetzung des Lern- und Begegnungsorts Zeppelintribüne und Zeppelinfeld mit Bahnhof Dutzendteich laufen bereits seit Ende 2024. Der gesamte Zeitplan erstreckt sich bis voraussichtlich 2030 und ist in mehrere Phasen unterteilt.

Die erste Bauphase umfasst den Bahnhof Dutzendteich und sein Umfeld sowie die Zeppelintribüne. Die Rohbauarbeiten am Bahnhof Dutzendteich konnten planmäßig im Sommer 2025 abgeschlossen werden. Der Innenausbau dieses künftigen Ankunfts- und Informationsorts begann anschließend. Am Mittwoch, 15. Oktober 2025, fand im Beisein von Ministerpräsident Markus Söder, Oberbürgermeister Marcus König, Bürgermeisterin Julia Lehner und Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich das Richtfest für den neuen Ankunfts- und Informationsort "ehemaliger Bahnhof Dutzendteich" statt.

Die Fassadensanierung der Zeppelintribüne soll bis 2027 abgeschlossen werden. Diese Arbeiten sind besonders aufwändig, da sie am stark geschädigten Naturstein der Tribünenfassade erfolgen. Die umfangreichen Arbeiten an den Türmen und Wallanlagen sind für den Zeitraum bis 2030 geplant.

Ab März 2025 führen die Bauarbeiten zu Einschränkungen der Zugänglichkeit und der bisherigen Nutzung der Flächen. Die Rednerkanzel und die dahintergelegenen Stufen sind seit Mitte März 2025 nicht mehr betretbar. Die Stufenanlagen des westlichen und östlichen Flügels der Zeppelintribüne bleiben jedoch weiterhin öffentlich zugänglich.

Während der Bauzeit wurden drei Stationen des Geländeinformationssystems auf der Rückseite sowie auf der obersten Stufenebene der Vorderseite der Zeppelintribüne und am früheren Bahnhof Dutzendteich abgebaut. Die Stelen sowie die Tafel zur Erinnerung an die Befreiung der Stadt vom Nationalsozialismus durch die US-Armee vor 80 Jahren werden während der Bauzeit eingelagert.

Tabelle: Zeitplan der Sanierungsmaßnahmen

Bauphase Geplanter Abschluss Hauptmaßnahmen
Phase 1 Sommer 2025 Rohbauarbeiten am Bahnhof Dutzendteich
Phase 2 2027 Fassadensanierung der Zeppelintribüne
Phase 3 2030 Arbeiten an den Türmen und Wallanlagen

Technische Herausforderungen und Maßnahmen

Die Sanierung der Zeppelintribüne stellt die am Projekt beteiligten Ingenieure und Handwerker vor zahlreiche technische Herausforderungen. Eines der dringendsten Probleme war das Eindringen von Regenwasser in die Halle des Mittelbaus – dem sogenannten Goldenen Saal. Unter der Rednerkanzel und den dahintergelegenen Stufen musste daher die Abdichtung erneuert werden, um weiterem Schaden vorzubeugen.

Auf der Rückseite der Zeppelintribüne wurde bereits ein großer Baukran aufgestellt, um die besonders schweren Materialien sicher transportieren zu können. Die Arbeiten und die damit verbundenen Einzäunungen führen zu den bereits erwähnten Zugangsbeschränkungen für Besucher.

Die handwerklich aufwändigsten und langwierigsten Arbeiten erfolgen am stark geschädigten Naturstein der Tribünenfassade. Die Steine weisen durch Witterungseinflüsse und den Alterungsprozess diverse Schäden auf, die fachgerecht saniert werden müssen. Die Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, um die historische Substanz zu erhalten.

Ein weiteres wichtiges technisches Anliegen ist die nachhaltige Sicherung der gesamten Anlage. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Zeppelintribüne dauerhaft zu stabilisieren und zukünftige Schäden zu verhindern. Dies umfasst nicht nur die sichtbaren Bereiche wie Fassade und Treppen, sondern auch konstruktive Elemente, die sich im Inneren der Anlage befinden.

Die Abdichtungsarbeiten sind besonders komplex, da sie an einem denkmalgeschützten Objekt durchgeführt werden müssen, das zudem unter besonderem öffentlichem Interesse steht. Die Materialien und Methoden müssen den Anforderungen des Denkmalschutzes genügen, gleichzeitig aber auch eine dauerhafte Lösung gegen Feuchtigkeitseintritt bieten.

Barrierefreiheit und zukünftige Nutzung als Lernort

Ein zentrales Ziel der Sanierung ist die Schaffung barrierefreier Zugänge zur Zeppelintribüne. Zukünftig werden neben einem barrierearmen Zugang auch Aufzüge und Rampen installiert, damit sich alle Interessierten möglichst unbeschwert und komfortabel mit der Geschichte des Geländes auseinandersetzen können.

Die Zeppelintribüne soll nach Abschluss der Arbeiten als Lern- und Begegnungort dienen und die NS-Geschichte Bayerns vermitteln. Die Anlage wird damit von einem Zeugnis des menschenverachtenden nationalsozialistischen Größenwahns zu einem Ort der Aufarbeitung und Bildung.

Der Bahnhof Dutzendteich wird nach der Fertigstellung als Ankunfts- und Informationsort für Besucher dienen. Dieser Neubau wird als moderner Eingangsbereich für das gesamte Gelände fungieren und Informationen zur Geschichte des Ortes sowie zu den aktuellen Ausstellungen bieten.

Trotz der Bauarbeiten sollen die beiden Großveranstaltungen "Rock im Park" und "Norisring Speedweekend" weiterhin vor Ort stattfinden. Die Stadt Nürnberg steht hierzu in engem Austausch mit den Veranstaltern, um alternative Flächen und Zugänge zu planen.

Die zukünftige Nutzung der Zeppelintribüne als Lernort ist Teil eines breiteren Konzepts zur Erinnerungsarbeit in Bayern. Die Anlage soll nicht nur als historisches Denkmal erhalten bleiben, sondern auch aktiv zur politischen Bildung und zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte beitragen.

Koordination und Zusammenarbeit der beteiligten Parteien

Die Sanierung der Zeppelintribüne ist ein komplexes Projekt, das die Koordination zahlreicher Akteure erfordert. Zuständig für den Bauablauf und die Ausführung ist die Abteilung Kultur des Hochbauamts der Stadt Nürnberg. Diese Abteilung ist für die technische Umsetzung der Baumaßnahmen verantwortlich und überwacht die Einhaltung der Zeitpläne und Budgets.

Die politische und inhaltliche Begleitung sowie die Nutzerkoordination obliegt dem Stab ehemaliges Reichsparteitagsgelände/Zeppelintribüne und Zeppelinfeld der Zweiten Bürgermeisterin. Dieser Stab stellt sicher, dass die Sanierungsmaßnahmen den Zielen der Erinnerungsarbeit entsprechen und die Interessen der verschiedenen Nutzergruppen berücksichtigt.

Die Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sowie den Fördergebern von Bund und Freistaat Bayern. Diese Zusammenarbeit ist entscheidend, um die Anforderungen des Denkmalschutzes zu erfüllen und die finanziellen Mittel sicherzustellen.

Die Stadt Nürnberg informiert regelmäßig über den Fortschritt der Baumaßnahmen. Am 15. Oktober 2025 wurde im Rahmen eines Richtfestes für den Bahnhof Dutzendteich über den aktuellen Stand des Gesamtprojekts informiert. Anwesend waren hochrangige Politiker wie Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Marcus König.

Die Koordination mit den Veranstaltern der Großevents "Rock im Park" und "Norisring Speedweekend" stellt eine besondere Herausforderung dar. Die Stadt Nürnberg muss sicherstellen, dass diese Veranstaltungen trotz der Bauarbeiten stattfinden können, was die Planung zusätzlicher Zugänge und Flächen erforderlich macht.

Fazit

Die Sanierung der Zeppelintribüne in Nürnberg ist ein herausforderndes und aufwendiges Projekt, das die historische Bedeutung des Ortes mit den Anforderungen an moderne Sicherheit und Barrierefreiheit verbindet. Mit Investitionen in Höhe von 88,3 Millionen Euro wird die Anlage bis 2030 grundlegend saniert und als authentischer Lern- und Begegnungort erhalten.

Die Baumaßnahmen umfassen die Restaurierung der Fassade, die Sanierung der Türme und Wallanlagen sowie die Schaffung barrierefreier Zugänge. Gleichzeitig soll die Zeppelintribüne als zentraler Ort der Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte weiterentwickelt werden. Die Koordination zwischen den verschiedenen beteiligten Parteien – vom Hochbauamt der Stadt Nürnberg über das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bis hin zu den Fördergebern – ist entscheidend für den Erfolg des Projekts.

Trotz der baulichen Einschränkungen sollen wichtige Veranstaltungen wie "Rock im Park" und das "Norisring Speedweekend" weiterhin stattfinden, was die enge Zusammenarbeit der Stadt mit den Veranstaltern erfordert.

Die Zeppelintribüne wird nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen nicht nur ein dauerhaft gesichertes historisches Denkmal sein, sondern auch ein Ort der Bildung und Erinnerung, der zukünftigen Generationen die Möglichkeit gibt, sich kritisch mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen.

Quellen

  1. NAG Bayern - Zukunft für die Zeppelintribüne
  2. Marktspiegel - Über 88 Mio. Euro Baumassen für den Lern- und Begegnungsort
  3. Nürnberger Nachrichten - Sperrungen für den Lernort Zeppelintribüne
  4. Nordbayern - Arbeiten auf Zeppelinfeld in Nürnberg schreiten voran

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