Zwischen Tradition und Modernität: Die umfassende Renovierung der Wallfahrtskirche St. Gertrud in Barweiler

Einleitung

Die Wallfahrtskirche St. Gertrud in Barweiler stellt ein bedeutendes kulturelles und religiöses Erbe dar, das jedoch nach jahrhundertealter Geschichte dringend einer Sanierung bedurfte. Dieser Artikel beleuchtet die Herausforderungen, die bei der Renovierung dieses historischen Bauwerks entstanden, die Lösungsansätze der verantwortlichen Akteure sowie die besonderen Aspekte, die bei der Restaurierung einer Wallfahrtskirche zu berücksichtigen sind. Von der ersten Kostenschätzung über die Bewältigung von unvorhergesehenen Schwierigkeiten bis hin zur Finanzierung durch den Förderverein und die Kirchengemeinde – hier wird der gesamte Prozess der Sanierung nachgezeichnet.

Historischer Hintergrund der Kirche

Die Geschichte der Wallfahrtskirche St. Gertrud in Barweiler reicht weit in die Vergangenheit zurück. Bereits im Jahr 970 existierte eine Kapelle in Barweiler, die zur Pfarrei Üxheim gehörte und im "Liber valoris", dem ältesten Verzeichnis aller Pfarrkirchen im Bistum Köln vom Anfang des 14. Jahrhunderts, verzeichnet war. Vor dem Jahr 1466 wurde diese Kapelle zur Pfarrkirche erhoben.

Das heutige Kirchengebäude geht auf einen Bau aus dem 17. Jahrhundert zurück. Nach dem Jahr 1726 entwickelte sich Barweiler zunehmend zu einem bedeutenden Marienwallfahrtsort. Nach den Aufzeichnungen des Pfarrarchivs geschah dies im Zusammenhang mit einem wundersamen Ereignis: Als man die Muttergottesstatue schmückte, wurde eine lebende Lilie in ihre Hand gegeben, die jedoch bald verwelkte. Mitte September 1726 begann die Lilie jedoch wieder zu grünen und zu blühen, wobei "bald eine große Lilie und 15 kleine Knospen den Stängel herunter" zu sehen waren. Dieses Wunder wiederholte sich im folgenden Jahr zur gleichen Zeit, was zur großen Verehrung des Gnadenbildes "Unsere liebe Frau mit der Lilie, Königin des Friedens" führte.

Die Entwicklung wurde durch die Errichtung der Erzbruderschaft vom heiligen Rosenkranze gefördert, wodurch Barweiler zu einem bekannten Marienwallfahrtsort in der Eifel wurde, dessen Anziehungskraft bis heute besteht. Das Attribut der Muttergottes ist eine stilisierte Lilie, die heute noch das Gnadenbild ziert. Jährlich pilgern bis zu 10.000 Menschen aus der Region und darüber hinaus nach Barweiler, um das Gnadenbild zu verehren und um Vermittlung ihrer Anliegen bei Gott zu bitten.

Aktueller Zustand und Renovierungsbedarf

Trotz ihrer religiösen und kulturellen Bedeutung befand sich die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Gertrud in den letzten Jahren in einem zunehmend schlechten Zustand. Obwohl das Gebäude seit 1984 mehrfach im Innen- und Außenbereich renoviert und saniert wurde, war der Innenraum stark geschwärzt und mit Rissen beschädigt, sodass eine weitere Innenrenovierung dringend anstand.

Die Hauptursache für den schlechten Zustand des Kircheninneren waren Kerzenruß, der durch den intensiven Gebrauch von Kerzen durch die zahlreichen Pilger entstanden war. Auch Ausblühungen des vermutlich feuchten Mauerwerks trugen zur Verschlechterung des Zustands bei. Die Innenwände waren dadurch unansehnlich geworden und die ursprüngliche Pracht der Kirche nicht mehr erkennbar.

Um die Kosten für die dringend notwendige Renovierung aufzubringen, hatte sich bereits 2014 ein Förderverein mit Werner Jüngling als Vorsitzenden gebildet. Ziel der damals 50 Mitglieder (die Zahl stabilisierte sich später bei 65 Mitgliedern) war es, das notwendige Geld für die Renovierung zu sammeln. Eine erste Kostenschätzung belief sich auf 130.000 Euro.

Renovierungsprozess und Herausforderungen

Der Renovierungsprozess der Wallfahrtskirche St. Gertrud in Barweiler stellte alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen. Bereits in den Jahren 2006 bis 2008 war die Kirche von außen komplett saniert worden, um sie zu erhalten. Dabei wurde das feuchte Mauerwerk umfassend trockengelegt. Diese Maßnahme kostete rund 240.000 Euro, von denen bereits damals 75.000 Euro an Eigenmitteln aufgebracht werden mussten.

Für die Innenrenovierung wurden mehrere Bauabschnitte geplant. Nach der Gründung des Fördervereins 2014 wurde mit dem ersten Bauabschnitt begonnen. Eine Spezialfirma räumte den Dachraum von altem Bauschutt und entfernte die nicht mehr vollständige Dämmung. Als Nächstes beauftragte man einen Statiker mit der Untersuchung der Dach- und Deckenkonstruktion. Erst nach dieser Untersuchung der Hölzer konnte mit der eigentlichen Sanierung des Innenraums begonnen werden.

Die Renovierungsarbeiten konnten schließlich 2017 abgeschlossen werden. Dies war jedoch nur möglich, weil seit 2015 zahlreiche Helferinnen und Helfer in ihrer Freizeit ehrenamtlich insgesamt 900 Arbeitsstunden mitgearbeitet hatten. Inzwischen lag auch die Kostenfeststellung des Architekten für die Gewerke Baukonstruktion, technische Anlagen, sowie Ausstattung und Kunstwerke vor.

Finanzierung der Renovierung

Die Finanzierung der Renovierungsarbeiten stellte für die kleine Pfarrgemeinde eine erhebliche Herausforderung dar. Die anfängliche Kostenschätzung von 130.000 Euro war nur ein Richtwert, da bei einem so alten Gebäude jederzeit Überraschungen möglich waren, die die Kosten weiter in die Höhe treiben konnten.

Das ebenfalls finanziell angeschlagene Bistum Trier sagte 35.000 Euro Hilfe zu, und die Pfarrgemeinde konnte weitere 35.000 Euro aus Eigenmitteln aufbringen. Es blieb jedoch eine Lücke von 60.000 Euro, die durch den Förderverein und weitere Spenden geschlossen werden musste.

Bei der Finanzierung spielte der Förderverein eine entscheidende Rolle. Neben den Beiträgen der Mitglieder wurden verschiedene Fundraising-Aktionen durchgeführt. So ergaben Aktionen zum Pfarrfest und das Pfarrcafé zur Wallfahrtszeit einen Erlös von knapp 850 Euro. Beim Benefizkonzert des Kirchenchors Barweiler unter Mitwirkung des Stadtorchesters Adenau kamen weitere knapp 500 Euro zusammen. In der Kirche wurde ein Schriftenstand angebracht, eine Spendenbox installiert und ein Flyer zur Wallfahrt aufgelegt, um weitere Spenden zu generieren.

Pfarrer Rainer Justen dankte bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins für die Unterstützung und lobte besonders den Förderverein: "Ohne ihn wäre das alles nicht möglich gewesen." Die Renovierungskosten betrugen letztlich knapp 175.000 Euro, wobei der Förderverein einen erheblichen Teil dazu beisteuerte.

Spezieller Fokus: Die Klais-Orgel

Obwohl das Kircheninnere nach der Renovierung wieder im neuen Glanz erstrahlte, gab es dennoch ein Sorgenkind: die wertvolle Klais-Orgel. Im November 1915 zum Kirchweihfest eingeweiht, befand sich das Instrument mittlerweile in einem desolaten Zustand, sodass eine Renovierung dringend erforderlich war.

Die Orgel stellt nicht nur ein musikalisches Instrument, sondern auch ein kulturelles Erbe dar, das besondere Aufmerksamkeit verdient. Nach dem Einholen von Angeboten wurde der Auftrag zur Renovierung an die Orgelbaufirma Hubert Fasen in Oberbettingen erteilt. Die vorläufigen Kosten wurden auf rund 36.500 Euro beziffert. Zwei weitere Angebote waren deutlich höher veranschlagt.

Der Förderverein wird sich mit einem Betrag von 24.000 Euro an den Kosten beteiligen. Zuschüsse zur Orgelsanierung gibt es vom Bistum nicht. Für die kleine Pfarrgemeinde stellt dies einen erheblichen finanziellen dar, doch die Renovierung soll daran auf keinen Fall scheitern.

Die Rolle der Kerzenkapelle

Ein besonderes Augenmerk wurde bei der Renovierung auf die Verrußung der Kirchenwände durch Kerzenschein gelegt. In Wallfahrtskirchen ist dieses Problem besonders ausgeprägt, da die Pilger traditionell viele Kerzen anzünden, um ihre Gebete zu begleiten und ihre Anliegen Gott vorzutragen.

Um die starke Verrußung zu reduzieren, wurde zwischenzeitlich eine Kerzenkapelle gebaut, die von den Pilgern sehr gut angenommen wird. Die große Kerzenkapelle dient dazu, die Kerzenverbrennung aus dem eigentlichen Kirchenraum zu verlagern. Nach der Innenrenovierung sollen die großen Opferkerzen der Pilger dann hauptsächlich in der Kerzenkapelle abgebrannt werden, um die frisch renovierten Wände zu schonen.

Diese Maßnahme zeigt, wie bei der Sanierung historischer Wallfahrtskirchen moderne Lösungen für traditionelle Praktiken gefunden werden müssen, um den kulturellen Brauch des Kerzenanzündens beizubehalten, gleichzeitig aber das Gebäude zu erhalten.

Zukunftsaussichten

Mit Abschluss der Innenrenovierung im Jahr 2017 hat die Wallfahrtskirche St. Gertrud in Barweiler wieder ihre ursprüngliche Pracht zurückgewonnen. Die nächsten Herausforderungen sind jedoch bereits absehbar, insbesondere die Finanzierung der Orgelsanierung, die für die musikalische Gest der Gottesdienste unerlässlich ist.

Der Förderverein setzt seine Arbeit fort, um weitere Mittel für die Erhaltung des Gotteshauses zu akquirieren. Pfarrer Heinrich Ant und Werner Jüngling hoffen, dass sich möglichst viele Freunde des Wallfahrtsorts dem Förderverein anschließen und auch sonst weitere Spenden beschafft werden können.

Die Renovierung der Wallfahrtskirche St. Gertrud zeigt exemplarisch auf, wie die Erhaltung historischer Bauwerke im ländlichen Raum gelingen kann – durch die Kombination von finanzieller Unterstützung durch kirchliche Instanzen, Eigenleistungen der Gemeinde und dem Engagement eines engagierten Fördervereins.

Fazit

Die Renovierung der Wallfahrtskirche St. Gertrud in Barweiler war ein komplexes Unterfangen, das vielfältige Herausforderungen zu bewältigen galt. Von der ersten Kostenschätzung über die Bewältigung von unvorhergesehenen Schwierigkeiten bis hin zur Finanzierung durch den Förderverein und die Kirchengemeinde – der gesamte Prozess der Sanierung erforderte Engagement, Fachwissen und nicht zuletzt finanzielle Mittel.

Die Kirche, deren Geschichte bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht, stellt nicht nur ein religiöses, sondern auch ein kulturelles Erbe dar. Die Renovierung war notwendig geworden, um dieses Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren. Besonders bemerkenswert ist der Einsatz der ehrenamtlichen Helfer, die durch 900 Arbeitsstunden einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen der Maßnahme beigetragen haben.

Die Herausforderungen der Zukunft, insbesondere die Sanierung der wertvollen Klais-Orgel, zeigen, dass die Erhaltung historischer Bauwerke ein kontinuierlicher Prozess ist, der die Unterstützung der gesamten Gemeinschaft erfordert. Die Wallfahrtskirche St. Gertrud in Barweiler steht jedoch dank des Engagements vieler Beteiligter auf solidem Grund und kann ihre Funktion als Ort der spirituellen Einkehr und des kulturellen Erbes weiterhin erfüllen.

Quellen

  1. blick-aktuell.de
  2. blick-aktuell.de
  3. volksfreund.de
  4. volksfreund.de
  5. eifel.de

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