Einleitung
Wassertürme sind faszinierende Bauwerke, die Zeugen der technischen Entwicklung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind. Ursprünglich als funktionaler Bestandteil der Wasserversorgung konzipiert, prägen sie bis heute das Stadtbild vieler Gemeinden. Nach der Einführung moderner Druckregelsysteme verloren viele dieser Türme ihre ursprüngliche Funktion und standen jahrzehntelang leer. Heute erleben sie eine Renaissance als Wohn-, Arbeits- oder Kulturbauten. Die Sanierung und Umnutzung dieser Baudenkmäler stellt jedoch besondere Herausforderungen an Planer und Handwerker, da die Erhaltung der historischen Bausubstanz mit den Anforderungen an moderne Nutzungen in Einklang gebracht werden muss. Dieser Artikel beleuchtet anhand konkreter Beispiele, wie Wassertürme erfolgreich saniert und einer neuen Nutzung zugeführt werden können.
Historische Bedeutung und baustrukturelle Besonderheiten
Wassertürme entstanden im Zuge der Industrialisierung als technische Lösung zur Sicherstellung eines konstanten Wasserdrucks in Leitungsnetzen. Ihre Höhe war entscheidend für den Wasserdruck, weshalb sie oft exponiert und weithin sichtbar erbaut wurden. Der Neustrelitzer Wasserturm aus dem Jahr 1901 wird in den Quellen als "ingenieurtechnische Meisterleistung und ein Ausdruck von Modernität und technischem Fortschritt" beschrieben, was die damalige technische Bedeutung dieser Bauwerke unterstreicht.
Die Bauformen variierten erheblich. Einige Türme, wie der in der Eifel, bestanden aus regionalem Felsstein und hatten einen kargen, zylindrischen Charakter. Andere, wie der Hamburger Wasserturm von 1872, wiesen komplexere statische Systeme auf: "Der geometrische Grundriss beinhaltet vier konzentrische Mauerwerks-Pfeiler-Ringe, die in einer Höhe von 11 Meter durch Verbindungsbögen zunächst zu einem massiven, etwa 6 Meter hohen umlaufenden Mauerwerksgürtel zusammenwachsen."
Die Wasserspeicher selbst wurden aus verschiedenen Materialien gefertigt. Der Hamburger Wasserturm hatte einen Behälter "aus geschmiedeten und genieteten Stahlblechen" mit einem Fassungsvermögen von "3.650 Kubikmeter(n)". Der Antwerpener Wasserturm hingegen besaß einen "zylinderförmigen, vier Meter hohen Wasserbehälter aus Beton".
Viele Wassertürme dienten nicht nur der Wasserspeicherung, sondern hatten auch historische Bedeutung. Der Hamburger Turm diente beispielsweise auch als "Hochbunker mit 1,70 m starken Stahlbetondecken" während des Zweiten Weltkriegs. Das Gebäude in Barcelona wurde nach seiner ursprünglichen Funktion als Wasserbehälter für die Bewässerung des Parks "Parque de la Ciudadela" während der Weltausstellung 1888 als Bergbaupavillon genutzt und diente später als "städtische Notunterkunft, Feuerwehrdepot, Archiv für die nahe gelegene Justizbehörde, sowie als Ausstellungsraum".
Herausforderungen bei der Sanierung
Die Sanierung von Wassertürmen stellt besondere Anforderungen an Planer und Handwerker. Die Bauweise unterscheidet sich grundlegend von gewöhnlichen Gebäuden, und die statischen Gegebenheiten sind oft komplex.
Statische Sicherung und Bausubstanzerhalt
Eine der größten Herausforderungen ist die Erhaltung der historischen Bausubstanz bei gleichzeitiger Anpassung an moderne Nutzungsanforderungen. Im Rostocker Beispiel wurde "die historisch wertvolle Bausubstanz des Wasserturms vor dem Verfall bewahrt", indem der Turm "vollständig eingerüstet und die Fassade von losen Steinen befreit" wurde. Dies war der erste Schritt in einem umfassenden Sanierungsprozess, der auch eine "detaillierte Bestandsaufnahme der unterschiedlichen Steinformate sowie eine umfangreiche Darstellung der Schäden an Dach und Fassade" umfasste.
Besonders bei älteren Bauten ist die statische Sicherung oft ein kritischer Punkt. Im Rostocker Wasserturm wurden "die Strebenpfeiler, die den Turm als 'Füße' stützen, [...] aus Gründen der statischen Sicherheit in Etappen" wiederhergestellt. Beim Umbau des Bahnhofsturms wurde "in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz ein Turm in rauem Ortbeton geplant und errichtet", um die statische Sicherheit und eine getrennte Erschließung von Büro und Wohnung zu gewährleisten.
Feuchtigkeitsprobleme
Durchfeuchtung ist ein häufiges Problem bei Wassertürmen, die jahrzehntelang ungenutzt waren. In Rostock wurde nicht nur die Fassade saniert, sondern auch das Fundament trockengelegt. Die Gerüste dienten dabei nicht nur der Arbeitssicherheit, sondern auch dem Trocknungsprozess: "Die Gerüstplanen unterstützten diesen Prozess und verhinderten gleichzeitig, dass weiterhin Feuchtigkeit in den Turm eindringt."
Raumaufteilung und Erschließung
Die zylindrische Form und die oft schmalen Fensteröffnungen gestalten die Raumgestaltung anspruchsvol. Der Antwerpener Wasserturm zeigt, wie durchdachte Raumaufteilung diese Herausforderung meistern kann: "Im Erdgeschoss befinden sich der Eingang, die Küche und ein fünf Meter hohes Wohnzimmer, ein neues Zwischengeschoss enthält die Ankleide und ein großzügiges Badezimmer. Darüber wurden die vier bestehenden Geschosse mit Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Gästezimmer und Wintergarten unter dem unbenutzten Wasserbehälter errichtet."
Besonders kreativ wurde die Erschließung beim Bahnhofsturm gelöst: "Zwischen Büro und Wohnung gibt es eine Zwischenetage, die dem ehemaligen Tropfboden des Turmes entspricht. Da die Erschließung der Wohnung auch vom Büro getrennt werden sollte, ist in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz ein Turm in rauem Ortbeton geplant und errichtet worden, der über eine Brücke, die gleichzeitig als Balkon dient, die Erschließung der Wohnung gewährleistet."
Fallstudien erfolgreicher Umnutzungen
Der Wasserturm in Antwerpen (1994-2000)
Der Wasserturm in Antwerpen, der "zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet und seit 1937 ungenutzt" war, wurde von Architekt Jo Crepain zu einem Wohnhaus umgebaut. Die Herausforderung bestand darin, die ursprüngliche Struktur zu erhalten und gleichzeitig einen komfortablen Wohnraum zu schaffen.
Der Turm besteht aus einem "zylinderförmigen, vier Meter hohen Wasserbehälter aus Beton, der auf vier 23 Meter hohen Betonstützen mit vier quadratischen Plattformen steht". Bei dem Umbau wurden "ein vorhandener Sockelbau, der ursprünglich Filteranlagen und Reservoir beherbergte, sowie der Turm selbst völlig neu gestaltet".
Besonders gelungen ist die Integration von altem und neuem Material: "Die ursprüngliche Betonkonstruktion wurde an drei Fassaden mit Profilglaselementen, an der Südseite mit Klarglas umhüllt." Die Architekten haben "das Material Beton durch Stahl und Glas ergänzt, ohne dass der raue Charakter der ursprünglichen Konstruktion zerstört wurde."
Der Wasserturm in Rostock
Der Wasserturm in der Blücherstraße 43 in Rostock wurde 1903 errichtet und stand vor dem Verfall. Der Eigenbetrieb KOE leitete Sanierungsplanungen ein, um "die historisch wertvolle Bausubstanz des Wasserturms vor dem Verfall zu bewahren".
Die Sanierung erfolgte unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten und umfasste mehrere Arbeitsschritte: - Die gesamte Gebäudehülle wurde saniert - Das Fundament wurde trockengelegt - Die Bauwerksabdichtung wurde erneuert - Fenster, Außentüren und Dach wurden erneuert und abgedichtet - Sechs der sieben Türme auf dem Dach wurden abgetragen und wieder aufgebaut - Die Strebenpfeiler, die den Turm als "Füße" stützen, wurden aus Gründen der statischen Sicherheit in Etappen wiederhergestellt
Der Wasserbehälter in Barcelona (1988)
Obwohl kein klassischer Turm, stellt das Gebäude in Barcelona ein interessantes Beispiel für die Umnutzung eines Wasserbauwerks dar. Ursprünglich 1874 vom Architekten Josep Fontseré als Wasserbehälter für das "Volumen von 3.500 m3 Wasser auf der Decke in 16 m Höhe" geplant, diente das Gebäude später verschiedenen Zwecken.
1988 wurde das Ensemble von den Architekten Lluís Clotet und Ignacio Paricio grundlegend renoviert, "um dem Publikum den Zugang zu erlauben". Später erfolgten weitere Anpassungen wie die Installation von "Lichtkuppeln, welche durch die Wasserdecke das Streulicht in dem Raum verteilen sollen". Heute beherbergt das Gebäude die Bibliothek der Universität Pompeu Fabra.
Der Wasserturm in der Eifel (1993)
Ein 1957 erbauter Wasserturm in der Eifel, der "den nahe gelegenen Ort Utscheid bis in die achtziger Jahre mit Wasser versorgte", wurde 1993 von Architekt Oswald Mathias Ungers zu einem Wochenenddomizil umgebaut.
Der Umbau hat sich "ganz der alten Turmanlage untergeordnet. Materialien und Formen wurden belassen." Der Wassertank und die Eisenleiter wurden entfernt, die vorhandenen Ebenen wurden behalten und durch eine dritte ergänzt.
Besonders gelungen ist die Lichtgestaltung: "Vom Eingang zu ebener Erde gelangt man zur ersten, neu eingelassenen Ebene mit der Wohnküche. Dieser Raum wirkt archaisch und etwas sakral, weil sich die weiß verkalkten Wandflächen durch einströmendes wechselndes Himmelslicht verfärben." Im obersten Geschoss, wo einst der Wassertank stand, wurden "vier zusätzliche Fenster im obersten Geschoss [...] [eingefügt], die in die vier Himmelsrichtungen [weisen] und grandiose Ausblicke in die Eifellandschaft" bieten.
Der Wasserturm in Neustrelitz (1999)
Der Neustrelitzer Wasserturm aus dem Jahr 1901 galt als "ingenieurtechnische Meisterleistung und ein Ausdruck von Modernität und technischem Fortschritt". Vor dem Umbau im Herbst 1998 befand sich der Turm in "einem bedauernswerten baulichen Zustand".
Die Sanierung bewahrte die "äußere Form weitestgehend unverändert bzw. die ursprüngliche Ansicht wurde mit modernen Mitteln wieder rekonstruiert". Die Innenräume wurden jedoch mit modernster Technik ausgestattet: "Heizung und Warmwasserversorgung erfolgen über eine Wärmepumpenanlage, welche im Sommer gleichzeitig die Kühlung über eine Kühldecke realisiert."
Das Gebäude wurde fast autark gemacht: "Sämtliche technische Systeme von der Fußbodenheizung bis zur Jalousie werden über ein Bus-System gesteuert und geregelt. Zusammen mit der 5 KW Photovoltaikanlage auf dem Carportdach entstand so ein fast autarkes Gebäude."
Besonders bemerkenswert ist die frühzeitige Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden: "Mit der Denkmalschutzbehörde wurde frühzeitig, bereits in der Vorplanung, ein Kompromiss gefunden, welcher eine Nutzung zu Wohnzwecken zuließ. So wurden z.B. zusätzliche Fensteröffnungen im Turmkopf genehmigt."
Der Wasserturm in Hamburg (1990)
Der Hamburger Wasserturm aus dem Jahr 1872 wurde von Architekt Konrad L. Heinrich mit Innenarchitektin Andrée Putman zu einem fünf-Sterne-Hotel mit 88 Zimmern (darunter 34 Suiten) umgebaut.
Die Umnutzung als Hotel stellte hohe Anforderungen an die Planung: "Die Umnutzung als fünf-Sterne-Hotel mit insgesamt 88 Zimmer – darunter 34 Suites – stellte hohe Anforderungen hinsichtlich der Fensteröffnung und der Fassadengestaltung. Zudem waren baudenkmalpflegerische Prämissen wie die Wiederherstellung der Dacharkaden und die Einhaltung der tektonisch strengen Form, zu beachten."
Der Wasserturm in der Nähe eines Bahnhofs (1992)
Ein rechteckiger Wasserturm mit Außenmaßen 9x9x24 Metern, der "seiner Erbauung ca. 1925 bis in die sechziger Jahre zur Versorgung der Dampflokomot