Einleitung
Die Renovierung und Sanierung von Gebäuden gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Nicht nur aus ökologischer Sicht ist der Erhalt von Bausubstanz sinnvoll, sondern auch aus kultureller und wirtschaftlicher Perspektive. Um innovative und vorbildliche Projekte zu würdigen, gibt es zahlreiche Wettbewerbe, die sich speziell mit dem Thema Umbau und Modernisierung befassen. Diese Wettbewerbe bieten nicht nur Anerkennung für Bauherren und Architekten, sondern auch Inspiration für zukünftige Projekte. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Umbauwettbewerbe in Deutschland und prämierte Projekte, die zeigen, welches Potenzial in alten Gebäuden steckt.
Wichtige Umbauwettbewerbe in Deutschland
Der Wettbewerb von SCHÖNER WOHNEN und Gira
Einer der bekanntesten Wettbewerbe für Modernisierungsprojekte ist der von SCHÖNER WOHNEN und Gira ausgeschriebene Leserwettbewerb. Dieser richtet sich an private Bauherren, die ihre Häuser oder Wohnungen renoviert oder modernisiert haben. Die Teilnehmer können dabei Preise im Gesamtwert von 12.000 Euro gewinnen. Die Bewerbungsfrist für den aktuellen Wettbewerb endet am 18. Mai 2025.
Der Wettbewerb zeichnet sich durch seine breite Spannweite aus prämierter Projekte aus. Von der Sanierung von Bauernhäusern über die Modernisierung von Villen aus dem 19. Jahrhundert bis hin zur Umnutzung ehemaliger Industriegebäude – die Bandbreite ist beeindruckend. Besonders hervorzuheben ist, dass bei der Bewertung Größe und Kosten keine Rolle spielen. Auch raffiniert geplante Modernisierungen mit kleinem Budget können überzeugen, wenn sie durch ihren Stil, ihre Individualität, die hochwertige Ausführung und den respektvollen Umgang mit der Bausubstanz überzeugen.
Der HÄUSER-Award 2026
Unter dem Motto "Neue Perspektiven" schreibt das Magazin HÄUSER den Award 2026 aus, der sich dies speziell dem Thema Umbau widmet. Der Wettbewerb wird in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA), dem Verband Privater Bauherren e.V. (VPB), JUNG und Parkett Dietrich durchgeführt.
Die Philosophie des Awards spiegelt den aktuellen Trend im Bauwesen wider: Alte Gebäude zu erhalten, zu sanieren und sie geänderten Anforderungen an Wohnkomfort, Funktionalität und Energieeffizienz anzupassen. Bauen im Bestand ist nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern zudem nachhaltiger und ressourcenschonender als ein Neubau. Ein entscheidender Vorteil ist, dass die sogenannte graue Energie, die in vorhandener Substanz gebunden ist, nicht verloren geht. Darüber hinaus punkten alte Häuser oft mit ihrer Lage in gewachsener Umgebung und Infrastruktur sowie einem unverwechselbaren Charme.
Der HÄUSER-Award sucht vorbildliche Lösungen, die mit intelligenter Planung und kreativen Konzepten das Beste aus dem Bestand machen. Prämiert werden hervorragend gestaltete Häuser, die die besonderen Qualitäten eines Altbaus mit den Vorzügen zeitgemäßer Architektur verbinden. Eingereicht werden können verschiedene Projekttypen:
- Umbauten
- Erweiterungen
- Aufstockungen
- Dachausbauten
- Umnutzungen
- Modernisierungen
Egal ob es sich um behutsame Eingriffe oder radikale Transformationen handelt – der Fokus liegt auf gelungenen Verbindung von Alt und Neu.
Jury und Bewertungskriterien
Die Juries der Wettbewerbe
Die Qualität der Wettbewerbe wird maßgeblich durch die Zusammensetzung der Jurys bestimmt. Beim HÄUSER-Award 2026 setzt sich die unabhängige Jury wie folgt zusammen:
- Tina Kortmann, Architektin, Amsterdam
- Susanne Wartzeck, Präsidentin Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA)
- Thomas Penningh, Präsident Verband Privater Bauherren (VPB)
- Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender Bundesstiftung Baukultur
- Anne Zuber, Chefredakteurin HÄUSER
Diese Besetzung garantiert eine ausgewogene Bewertung aus architektonischer, bauherrenseitiger und kultureller Perspektive.
Bewertungskriterien
Die Bewertungskriterien der verschiedenen Wettbewerbe ähneln sich in vielen Punkten:
SCHÖNER WOHNEN und Gira Wettbewerb: - Stil und Individualität des Projekts - Hochwertige Ausführung - Respektvoller Umgang mit der Bausubstanz - Kreative Lösungen und innovative Ansätze
HÄUSER-Award: - Intelligente Planung und kreative Konzepte - Verbindung der Qualitäten des Altbaus mit zeitgemäßer Architektur - Angemessenheit der Interventionen zum Bestand - Qualität der architektonischen Gestaltung - Funktionalität und Wohnkomfort
Sonderpreis Nachhaltigkeit (SCHÖNER WOHNEN): - Über reine energetische Sanierung hinausgehende nachhaltige Lösungen - Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes - Verwendung ökologischer Baustoffe - Intelligentes Energiemanagement - Smarte Gebäudesteuerung
Prämierende Projekte und Umbaubeispiele
Die Wettbewerbe zeichnen jedes Jahr eine Vielzahl beeindruckender Projekte aus. Die folgenden Beispiele zeigen das breite Spektrum möglicher Umbauten:
Historische Bauernhäuser und Villen
Ein häufig prämiertes Projekttyp ist die Sanierung historischer Bauernhäuser. Ein Beispiel ist ein Paar, das ein lange leer stehendes Bauernhaus entdeckte, es günstig kaufte und in ein Zuhause mit modernen Details und ungewöhnlichem Grundriss verwandelte. Dieses Projekt belegte den ersten Platz im Modernisierungswettbewerb.
Ebenso erfolgreich war die Sanierung einer Villa aus dem Jahr 1841 in Frankfurt-Sachsenhausen. Familie Hörth hat trotz einiger Umbauten die Seele des Gebäudes erhalten. Bauherrin und Architektin Eva Hörth verwandelte den Schatz behutsam in ein modernes Zuhause, das gleichzeitig historischen Charakter bewahrt.
Gründerzeithäuser und Doppelhaushälften
Ein weiterer Fokus liegt auf der Modernisierung von Gründerzeithäusern und Doppelhaushälften. Familie Janßen aus Hamburg entschied sich für eine Altbau-Doppelhaushälfte, die sie komplett in Eigenregie modernisierte. Mit mutigen Schritten schaffte sie in der Gründerzeit-"DHH" ein Zuhause, das modernen Wohnbedürfnissen entspricht.
Auch eine bayerische Doppelhaushälfte wurde erfolgreich in ein minimalistisches High-End-Domizil verwandelt. Familie Kruk zeigte mit viel Mut zur Reduktion und Vertrauen in den eigenen Stil, wie so ein Projekt gelingen kann. Dieses Projekt belegte den dritten Preis des Modernisierungswettbewerbs 2025.
Industrieumnutzungen und Lofts
Besonders beeindruckend sind oft die Umnutzungen ehemaliger Industrie- und Gewerbebauten. In Hannover verwandelte ein Innenarchitekt eine ehemalige Brauerei in vier Wohnungen, von denen er eine im Erdgeschoss selbst bezog. Das Ergebnis ist ein charmantes, helles und energetisch vorbildliches Loft im Hinterhof.
Eine ähnliche Transformation zeigt eine Dachgeschosswohnung in Hannover, die mit dem Sonderpreis Nachhaltigkeit des Modernisierungswettbewerbs ausgezeichnet wurde. Dieses Projekt demonstriert, wie ressourcenschonendes Bauen und hohe Wohnqualität auch unter schwierigen Bedingungen möglich werden.
Bungalows und Gebäude aus den 1960er Jahren
Nicht nur historische Bauten, auch jüngere Gebäude aus den 1960er Jahren bieten interessante Umbaumöglichkeiten. Für Pia und Christian Wilms war ein Haus eines Münsteraner Bildhauers Liebe auf den ersten Blick. Nach dem Umbau besticht die 60er-Jahre-Architektur mit weiten Räumen, authentischen Details – und einem Wohnzimmer mit viel Licht.
Architektin Lejla Krstic bewies mit dem Umbau eines 60er-Jahre-Bungalows für ihre Familie, welche Potenziale in dieser Bauweise stecken. Ihr Projekt belegte den zweiten Platz des Modernisierungswettbewerbs von SCHÖNER WOHNEN und Gira.
Kleine Projekte mit großer Wirkung
Nicht alle prämierten Projekte waren aufwendige Großumbauten. Auch kleinere Eingriffe können überzeugen, wie das Beispiel von Familie Roolf zeigt. Sie gab einem Haus seine Seele zurück und schuf mit hellen Farben und cleveren Einbaumöbeln ein herrlich gemütliches Zuhause. Dieses Projekt belegte den dritten Platz des Leserwettbewerbs von SCHÖNER WOHNEN und Gira.
Der Sonderpreis Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit wird im Bauwesen immer wichtiger, was sich auch in den Wettbewerben widerspiegelt. Der Sonderpreis für nachhaltiges Bauen, der im SCHÖNER WOHNEN-Wettbewerb vergeben wird, richtet sich an Projekte, die in puncto Nachhaltigkeit Maßstäbe setzen.
Gewürdigt werden dabei nicht nur energetische Sanierungen, sondern innovative Lösungen, die den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigen. Dazu gehören:
- Die Verwendung ökologischer Baustoffe
- Intelligentes Energiemanagement
- Smarte Gebäudesteuerung
- Ressourcenschonende Bauverfahren
Ein Beispiel für ein solches Projekt ist die bereits erwähnte Dachgeschosswohnung in Hannover, die mit diesem Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Sie zeigt, dass auch unter schwierigen Bedingungen ressourcenschonendes Bauen und hohe Wohnqualität möglich sind.
Bewerbungsprozess und Anforderungen
Erforderliche Unterlagen
Wer an den Wettbewerben teilnehmen möchte, muss bestimmte Unterlagen einreichen. Beim HÄUSER-Award 2026 sind dies:
Projektpläne: - Lageplan im Maßstab 1:1000 mit Nordpfeil - Grundrisse, Schnitte und Ansichten im Maßstab 1:100 - Maximal im DIN-A3-Format (als lose Blätter, gefaltet; keine Broschüren, Tafeln o.Ä.) - Aus den Plänen muss der Zustand vor und nach dem Umbau ersichtlich sein - Bauliche Veränderungen müssen kenntlich gemacht werden (z.B. farbig markieren)
Fotos: - Mindestens acht Farbabzüge/Farbkopien im Format von ca. DIN A4 - Die Fotos müssen das umgebaute Haus in seiner Gesamtanlage von außen zeigen (auch im städtebaulichen Kontext) - Fotos von innen mit allen wichtigen Räumen in bewohntem/eingerichtetem Zustand - Mindestens zwei Fotos, die den Vorher-Zustand dokumentieren
Weitere Wettbewerbe im Bereich Bauen im Bestand
Neben den bereits vorgestellten Wettbewerben gibt es weitere wichtige Auszeichnungen im Bereich Bauen im Bestand:
Schinkel-Preis: Seit 1852 verleiht der Architekten- und Ingenieurverein Berlin (AIV) jährlich den ältesten Nachwuchspreis Deutschlands, den Schinkelpreis. Er wird für 9 Fachsparten unter jungen Architekten, Ingenieuren und Künstlern ausgeschrieben. Teilnehmende dürfen nicht älter als 35 Jahre sein.
Bundeswettbewerb für Eigenheim-Siedlungen: Seit 1952 lobt der Verband Wohneigentum e. V. im vierjährigen Rhythmus unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen einen themenbezogenen Wettbewerb aus. Dieser sogenannte "Eigenheim-Wettbewerb" richtet sich an Siedlergemeinschaften und andere organisierte Gemeinschaften von selbstnutzenden Wohneigentümern in Deutschland.
Deutscher Bauherrenpreis: Der Deutsche Bauherrenpreis ist der wichtigste Wohnungsbauwettbewerb in Deutschland und wird durch die Arbeitsgruppe KOOPERATION des GdW Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und des Deutschen Städtetages ausgelobt.
Fazit
Umbauwettbewerbe in Deutschland spielen eine wichtige Rolle bei der Würdigung und Förderung von gelungenen Sanierungs- und Modernisierungsprojekten. Sie zeigen das enorme Potenzial, das in der Umnutzung und Sanierung bestehender Bausubstanz steckt. Die prämierten Projekte demonstrieren eindrucksvoll, wie historische Bauten, ehemalige Industriegebäude oder auch einfachere Wohnbauten der Nachkriegszeit zu modernen, komfortablen und nachhaltigen Wohnraum werden können.
Die Wettbewerbe leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung im Bereich Bauen im Bestand. Sie zeigen, dass Sanierung nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch architektonisch reizvoll sein kann. Gleichzeitig bieten sie Bauherren und Architekten eine Plattform, ihre Projekte einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und sich mit anderen zu messen.
Für Hausbesitzer, die ihr eigenes Vorhaben planen, bieten die Wettbewerbe nicht nur Inspiration, sondern auch konkrete Anregungen für gelungene Lösungen. Die Tatsache, dass auch kleinere Projekte mit begrenztem Budget ausgezeichnet werden können, zeigt, dass guter Geschmack und durchdachte Planung wichtiger sind als hohe finanzielle Aufwendungen.
Die zunehmende Bedeutung von Wettbewerben wie dem HÄUSER-Award, der sich speziell dem Thema Umbau widmet, spiegelt den Paradigmenwechsel im Bauwesen wider. Statt immer Neues zu schaffen, rückt der Erhalt und die Weiterentwicklung von Bestand in den Fokus. Dieser Wandel ist nicht nur aus ökologischer Sicht notwendig, sondern auch aus städtebaulicher und kultureller Perspektive von großer Bedeutung.