Von der Bühne zur Baustelle: Sanierungskonzepte für deutsche Staatstheater

Einleitung

Theatergebäude sind nicht nur kulturelle Zentren, sondern auch architektonische Zeugnisse ihrer jeweiligen Epochen. Viele dieser historischen Bauten stehen heute vor der Herausforderung, den modernen Anforderungen an Funktion, Sicherheit und Technik gerecht zu werden, ohne ihren künstlerischen und historischen Charakter zu verlieren. In ganz Deutschland finden derzeit umfassende Sanierungs- und Modernisierungsprojekte an bedeutenden Staatstheatern statt, die komplexe Bauaufgaben für Architekten und Ingenieure darstellen. Dieser Artikel beleuchtet drei exemplarische Projekte in Karlsruhe, Stuttgart und Mainz, die unterschiedliche Ansätze und Herausforderungen bei der Renovierung historischer Theaterbauten zeigen.

Historischer Kontext der Theaterbauten

Das Badische Staatstheater Karlsruhe

Die Geschichte des Badischen Staatstheaters Karlsruhe ist eng mit der Stadtentwicklung verbunden und spiegelt die architektonischen Strömungen verschiedener Epochen wider. Nach der Zerstörung des ursprünglichen Theaters im Zweiten Weltkrieg standen die Verantwortlichen vor der Aufgabe, einen neuen Standort zu finden. Zur Wahl standen verschiedene Optionen: der Platz des Konzerthauses, der Platz der Stadthalle (beide wären mit Abriss verbunden gewesen), das Gelände des heutigen Landratsamtes und das Gelände des Alten Bahnhofs bzw. der Markthalle. Letztendlich entschied man sich für das Gebiet am Alten Bahnhof.

Das vorherige Hübsch-Theater am Schlossplatz, 1853 nach Entwürfen des Hofarchitekten Heinrich Hübsch eröffnet, stellte architektonisch eine Besonderheit dar. Hübsch verzichtete weitgehend auf Holz, um der Brandgefahr zu begegnen. Die Wände wurden massiv mauert, die meisten Räumlichkeiten gewölbt und viele Konstruktionselemente in Eisen ausgeführt. Das gesamte Gebäude war mit einer Löschwasserleitung ausgestattet, und das Bühnenhaus wurde durch eine über das Dach hinausragende Feuermauer gesichert. Der Zuschauerraum fasste 2000 Menschen bei damals 26.000 Einwohnern der Stadt und hatte vier Ränge. Die Bühne maß 14,4 m in der Breite und 21 m in der Tiefe. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 396.000 Gulden, einschließlich Maschinerie und Gasbeleuchtung.

Nach der Zerstörung in der Nacht zum 27. September 1944 dienten für drei Jahrzehnte das ehemalige städtische Konzerthaus (Großes Haus) und ein Teil der Stadthalle (Kleines Haus) als provisorische Spielstätten. Der zweite Architektenwettbewerb für einen Neubau wurde 1963 in zwei Stufen ausgeschrieben. In der ersten Stufe erhielt die Werkgemeinschaft Freie Architekten den 1. Preis, den 2. Preis teilten sich Helmut Bätzner und Prof. Schelling. Nach einer Überarbeitung entschied sich das Preisgericht für den Entwurf von Helmut Bätzner, der nicht nur durch die Grundrissdisposition, sondern auch durch die städtebauliche Annung überzeugte. 1970 begannen die Bauarbeiten, und am 29. August 1975 eröffnete das Haus mit Mozarts "Zauberflöte".

Das Württembergische Staatstheater Stuttgart

Für das Württembergische Staatstheater Stuttgart liegen weniger historische Details in den Quellen vor, aber die aktuellen Sanierungspläne sind von erheblicher Bedeutung. Das Theater befindet sich im historischen Littmann-Bau, der einer umfassenden Sanierung, Modernisierung und Erweiterung unterzogen werden soll. Ein entscheidender Schritt in diesem Prozess ist die Einrichtung eines Interimsstandorts, während die Hauptspielstätte umgestaltet wird.

Das Staatstheater Mainz

Das Staatstheater Mainz, 1830 von Georg Möller errichtet, hat im Laufe der Zeit zahlreiche Umbauten und Erweiterungen erfahren. Diese waren bedingt durch sich wandelnde Zeitgeschmäcker, neue funktionale Anforderungen, erhebliche Kriegszerstörungen und geänderte Nutzungsgewohnheiten. Nach Umbauten in den Nullerjahren, bei denen der Große Saal umgestaltet und hinter dem historischen Gebäude das "Kleine Haus" neu errichtet wurde, konzentriert man sich nun auf die Neuordnung der Frontstage-Bereiche.

Sanierungsherausforderungen bei Theatergebäuden

Die Sanierung von Theatergebäuden stellt besondere Anforderungen an Planer und ausführende Unternehmen. Diese Bauten verbinden komplexe technische Systeme mit künstlerischer Gestaltung und oft auch denkmalpflegerischen Anforderungen. Zu den zentralen Herausforderungen gehören:

  1. Akustik: Die Raumakustik im Zuschauerraum und auf der Bühne ist entscheidend für die künstlerische Qualität. Sanierungen müssen diese Eigenschaften erhalten oder verbessern.

  2. Technik: Moderne Theater erfordern komplexe technische Anlagen für Licht, Ton, Bühnenmaschinerie und multimediale Elemente, die in historische Gebäude integriert werden müssen.

  3. Brandschutz: Insbesondere bei historischen Bauten müssen neue Brandschutzanforderungen mit dem Erhalt bauhistorischer Substanz in Einklang gebracht werden.

  4. Barrierefreiheit: Moderne Theater müssen barrierefrei zugänglich sein, was oft erhebliche bauliche Veränderungen erfordert.

  5. Nutzungskonzepte: Die Anforderungen an Theater haben sich gewandelt - flexible Nutzungsmöglichkeiten, moderne Gastronomie und verbesserte Besucherführung sind heute Standard.

  6. Denkmalschutz: Bei historischen Gebäudefassaden und Innenräumen müssen Sanierungsmaßnahmen den Anforderungen des Denkmalschutzes entsprechen.

Das Sanierungsprojekt Badisches Staatstheater Karlsruhe

Nach fast fünfzigjähriger Nutzung muss der aktuelle Bau von Helmut Bätzner den heutigen Anforderungen angepasst und saniert werden. Im April 2014 wurde ein internationaler Architektenwettbewerb ausgeschrieben, dessen Ergebnis am 10. Juli 2015 bekannt gegeben wurde. Mit den weiteren Planungen für die Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters wurde das Architekturbüro Delugan Meissl Associated Architects, Wien mit Wenzel + Wenzel Architekten, Karlsruhe beauftragt.

Das Projekt schreitet in mehreren Phasen voran. Im Sommer 2022 wurden die Vorwegmaßnahmen und die Abbrucharbeiten abgeschlossen. Anfang September 2022 startete der Bau von Modul 1. Die Planung sieht eine umfassende Modernisierung des gesamten Gebäudekomplexes vor, bei der nicht nur technische Anlagen erneuert, sondern auch die Funktionalität und Ästhetik der Räumlichkeiten verbessert werden sollen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Integration neuer Technologie bei gleichzeitiger Bewahrung der architektonischen Qualität des Bätzner-Baus. Das Theater bleibt während der gesamten Bauzeit in Betrieb, was zusätzliche logistische Herausforderungen mit sich bringt.

Der Interimsstandort für die Württembergischen Staatstheater Stuttgart

Ein zentraler Aspekt der Sanierung der Württembergischen Staatstheater Stuttgart ist die Einrichtung eines Interimsstandorts. Im europaweiten Wettbewerb für diesen Standort setzte sich der gemeinsame Entwurf von a+r Architekten (Stuttgart) & NL Architects (Amsterdam) durch. Der Entwurf überzeugte eine Jury bestehend aus Fachleuten, Gemeinderats- und Landtagsmitgliedern sowie Vertreterinnen und Vertretern der Stadtverwaltung und des Landes.

Der Vorsitzende des Preisgerichts, Prof. Jens Wittfoht, lobte den Siegerentwurf: "Die Jury hat richtige Arbeit prämiert. Den Entwurf zeichnet eine Leichtigkeit und Lässigkeit aus und auch einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Das erzeugt Vorfreude auf die Maker City."

Alexander Lange, Geschäftsführer von a+r ARCHITEKTEN, erklärte die städtebauliche Leitidee: "Unsere städtebauliche Leitidee ist, schon in der ersten Bauphase an die Folgenutzung zu denken – im Sinne der Ökologie und Wirtschaftlichkeit, um unnötigen Abriss zu vermeiden. Eine hohe Flexibilität der gebauten Strukturen ermöglicht verschiedenste gewerbliche Nachnutzungen. Das dörfliche Wohnen in den obersten Geschossen verknüpft die Vorteile vom Land mit den Vorteilen der Stadt."

Der Interimsstandort befindet sich in Nachbarschaft zu den Wagenhallen und ermöglicht während der acht- bis zehnjährigen Sanierung des historischen Littmann-Baus Aufführungen der Staatsoper Stuttgart und des Stuttgarter Balletts. Er bietet zudem Raum für Produktion, Proben, Lager, technische Dienste und Teile der Verwaltung. Nach Abschluss der Sanierung und dem Umzug von Oper und Ballett zurück an den Oberen Schlossgarten sollen Teile der Gebäude für die "Maker City" weitergenutzt werden. Die "Maker City" (C1-Quartier) ist Teil der IBA'27-Projekte und soll ein Ort für produktiv-kreative Pilotprojekte und neue Konzepte zur gemischten Stadt werden.

Die Kosten für den Interimsoper werden mit 224 Millionen Euro veranschlagt. Für die weitere Planung des Interimsstandorts beginnen in den kommenden Monaten die Vergabeverfahren für die Planung von Tragwerk, Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro. Verantwortlich dafür zeichnet das städtische Hochbauamt mit Unterstützung der Pesch Partner Architektur Stadtplanung GmbH. Darüber hinaus erarbeitet die Stadt derzeit den Bebauungsplan und bereitet die Erschließung des Gebiets C1 vor. Die Erschließungsarbeiten sollen Mitte 2025 beginnen.

Die Neustrukturierung der Foyerbereiche im Staatstheater Mainz

Das Staatstheater Mainz konzentriert sich aktuell auf die Sanierung und Neustrukturierung der Foyerbereiche. Das Foyer, das der Rundung des ursprünglichen Möller-Baus folgt, erstreckt sich über fünf Ebenen - von den wieder zu integrierenden Arkaden am Gutenbergplatz bis hoch zum gläsernen Aufbau und der Dachterrasse.

Das Projekt, das 2023 ausgeschrieben und 2024 (LP 1-9) beauftragt wurde, stellt besondere Herausforderungen. Die Bauherrschaft liegt bei der Stadt Mainz, vertreten durch die Gebäudewirtschaft Mainz GWM. Bei der Umsetzung müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden:

  • Fragen der inneren Logistik
  • Besucherführung und Orientierungsgebung
  • Gestaltung der Gastronomie
  • Zusammenführende Gestaltung von Alt und Neu
  • Brandschutz und Akustik

Besondere Herausforderung ist die Umsetzung im denkmalgeschützten Kontext, in dem die Maßnahmen zu einem neuen städtischen Raum überführt werden sollen. Das Projekt erfordert eine sorgfältige Balance zwischen Erhalt der historischen Substanz und Schaffung moderner, funktionaler Räumlichkeiten.

Fazit

Die Sanierung von Staatstheatern in Deutschland stellt eine besondere Herausforderung für Architekten, Bauingenieure und Denkmalpfleger dar. Die drei vorgestellten Projekte in Karlsruhe, Stuttgart und Mainz zeigen unterschiedliche Lösungsansätze bei der Modernisierung historischer Theaterbauten.

In Karlsruhe wird der bestehende Bau von Helmut Bätzner durch Delugan Meissl Associated Architects und Wenzel + Wenzel Architekten saniert, wobei der Betrieb während der Bauzeit aufrechterhalten wird. Stuttgart setzt auf einen innovativen Interimsstandort von a+r Architekten und NL Architects, der nicht nur als Ausweichquartier während der Sanierung dient, sondern danach Teil der neuen "Maker City" werden soll. Mainz schließlich konzentriert sich auf die Neugestaltung der Foyerbereiche im denkmalgeschützten Bau von Georg Möller.

Gemeinsam ist allen Projekten der Anspruch, technische Modernisierung mit künstlerischer Qualität und historischer Substanz zu verbinden. Die Sanierung von Theatern ist somit mehr als ein reines Bauprojekt - sie ist eine Investition in die kulturelle Infrastruktur der Zukunft, bei der ästhetische, funktionale und ökologische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden müssen.

Quellen

  1. Sanierung Badisches Staatstheater Karlsruhe
  2. Pressemitteilung zur Sanierung der Württembergischen Staatstheater Stuttgart
  3. Staatstheater Mainz Sanierung Foyerbereiche

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