Einleitung
Die Rombacher Hütte in Bochum-Weitmar ist ein bedeutendes Industriedenkmal mit einer reichen Geschichte, das sich im Laufe der Zeit von einem blühenden Hüttenwerk zu einem modernen Gewerbepark gewandelt hat. Dieser Artikel beleuchtet die Entwicklung des Geländes, die Sanierung historischer Gebäude, aktuelle Projekte wie die Bodenrecycling-Anlage und zukünftige Planungen wie die Wartung des Tunnelsystems. Die Transformation des Areals spiegelt nicht nur die technische und wirtschaftliche Entwicklung der Region wider, sondern zeigt auch auf, wie ehemalige Industrieareale erfolgreich für die Gegenwart nutzbar gemacht werden können.
Historische Entwicklung der Rombacher Hütte
Die Rombacher Hütte wurde im Jahr 1889 von der Westfälische Stahlwerke AG gegründet, die von Heinrich Köhler ins Leben gerufen wurde. Köhler, der zuvor das Bessemerwerk des Bochumer Vereins geleitet hatte, führte das Unternehmen etwa 15 Jahre als Generaldirektor. Volkstümlich wurde das Werk daher auch als "Köhlers Fabrik" bezeichnet. Bereits bis zum Jahr 1900 hatte das Werk stark expandiert und beschäftigte schließlich 1.700 Mitarbeiter.
Das Werk verfügte über ein eigenes Siemens-Martin-Stahlwerk mit fünf Öfen von 20 bis 80 t Einsatzgewicht sowie mehrere Walzstraßen und mechanische Betriebe. Die Produktion konzentrierte sich vor allem auf Eisenbahnmaterial, insbesondere den Bau von Weichen und kompletten Radsätzen. Eine Besonderheit des Werkes war die Herstellung von Stahlgussstücken bis zu 50 t Gewicht.
Nach 1900 expandierte das Unternehmen weiter durch den Kauf der Marienhütte in Siegen-Eiserfeld sowie mehrerer Siegerländer Eisensteingruben. Das 1905 beschlossene Ausbauprogramm erforderte bis zur Inbetriebnahme des neuen Siemens-Martin-Stahlwerks mit fünf Öfen sowie der neuen Schienen-Walzstraße im Jahr 1907 Baukosten in Höhe von 10,5 Millionen Mark, anstelle der ursprünglich geplanten 7 Millionen Mark.
Während des Ersten Weltkriegs wurde die Westfälische Stahlwerke AG aufgrund von Kapitalproblemen von der oberschlesischen Bismarckhütte AG übernommen. Friedrich Flick, der Hauptaktionär der Bismarckhütte AG, gliederte das Bochumer Werk seinem Unternehmen als "Westfalenstahlwerk" ein. Bereits 1921 wurde es jedoch an die Rombacher Hüttenwerke AG verkauft. Als diese Mitte 1925 in finanzielle Schwierigkeiten geriet, wurde die Westfälische Stahlwerke AG Ende 1925 vom Bochumer Verein übernommen und als "Werk Weitmar" weitergeführt.
Umwandlung in ein Gewerbegebiet
Im Dezember 1980 kaufte die Stadt Bochum drei Areale von der Firma Krupp, darunter das Gelände der Rombacher Hütte. Der Kauf wurde mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW in Höhe von 35 Millionen Mark durchgeführt und war das erste Industrieareal, das die Stadt selbst erwarb, um dort neue Betriebe anzusiedeln.
Die Umwandlung des mittlerweile stark bewachsenen Geländes in ein Gewerbegebiet war jedoch von Protesten der Anwohner begleitet, die nach Jahrzehnten der Staubbelastung durch das alte Werk nun neue Belästigungen fürchteten. Trotz dieser Bedenken entwickelte sich das Areal zu einem erfolgreichen Gewerbepark, der heute unter anderem den Sitz von ThyssenKrupp Automotive Systems beherbergt. Lange Zeit war auch die große Diskothek "Tarm Center" über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.
Von den umfangreichen Fabrikanlagen des Hüttenwerkes sind nur geringe Reste erhalten. Erst 2008 wurde eine an der Kohlenstraße liegende umgenutzte Maschinenhalle aus der Zeit vor 1914 abgerissen, um der Erweiterung eines Gewerbebetriebs Platz zu machen. Dies zeigt den ständigen Wandel des Areals und die Anpassung an aktuelle wirtschaftliche Anforderungen.
Sanierung des Verwaltungsgebäudes
Das 1896 errichtete Verwaltungsgebäude des Hüttenwerkes an der Kohlenstraße wurde 1984 bis 1985 durch den Bochumer Architekten Kurt Peter Kremer saniert. Das Gebäude wird seitdem als "Ingenieur Zentrum Bochum" genutzt und steht heute unter Denkmalschutz. Die Sanierung des historischen Gebäudes stellte ein wichtiges Beispiel für die gelungene Integration von Baudenkmälern in moderne Gewerbenutzungen dar.
Bei der Sanierung wurde darauf geachtet, die historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig den Anforderungen eines modernen Business Centers gerecht zu werden. Die Bewahrung des denkmalgeschützten Gebäudes zeigt die Wertschätzung für die Industriegeschichte Bochums und dient als sichtbares Zeugnis der ehemaligen Bedeutung der Rombacher Hütte für die Region.
Aktuelle Entwicklung: Bodenrecycling an der Rombacher Hütte
Ein bedeutendes aktuelles Projekt an der Rombacher Hütte ist die Übernahme des Boden-Recyclingbetriebs der STG Braunsberg GmbH durch die Ecosoil Nord-West GmbH. Der Betreiberwechsel wurde im Vorfeld mit der Bezirksregierung Arnsberg abgestimmt. Ecosoil plant, in den kommenden Wochen circa zwei Millionen Euro in die Platzbefestigung und Infrastruktur des Standorts zu investieren, um die Möglichkeiten der Bodenannahme und des Recyclings zu erweitern.
Der Standort verfügt bereits über eine ausreichende immissionsschutzrechtliche Genehmigung, und die Wiederaufnahme des Betriebs soll im Frühjahr erfolgen. Für die beiden Bochumer Unternehmen bedeutet die Übernahme eine "Win-win-Situation". Als verlässlicher Partner des örtlichen Netzwerks aus Spediteuren, Baustoffhändlern, Gartenlandschafts- und Bauunternehmen ist Ecosoil im zentralen Ruhrgebiet verortet. Die mit dem neuen Standort einhergehenden kurzen Transportwege sorgen für eine nachhaltige Ressourcenschonung und CO2-Einsparung.
Die Übernahme des STG-Recyclingbetriebs soll insbesondere auch einen Teil der Lücke schließen, die durch die Genehmigungsverzögerung am Standort in Gehrte entstanden ist. Ecosoil hatte ursprünglich geplant, im Zuge des 2022 realisierten Umzugs der Hauptverwaltung vom Bochumer Stadtteil Riemke in den nordöstlichen Stadtteil Gerthe auch eine neue Recyclinganlage für ungefährlichen Boden und Bauschutt in Gerthe zu errichten. Die beantragte Behandlungskapazität betrug 4.000 Tonnen pro Tag bei einer Gesamtlagerkapazität von bis zu 40.000 Tonnen.
Anfang 2023 verweigerte jedoch die Bezirksregierung Arnsberg die Betriebsgenehmigung mit der Begründung einer nicht entsprechenden Erschließung. Daraufhin legte Ecosoil Klage beim Oberverwaltungsgericht in Münster ein. Die Klage ist weiterhin anhängig und wird weiterverfolgt. Die Geschäftsführung von Ecosoil betont, dass die Anlage in Gerthe für das Unternehmen und seinen Geschäftszweck notwendig und selbstverständlich sei. Der jetzt übernommene Recyclingbetrieb an der Rombacher Hütte sei insofern auch kein Ersatz für den Standort in Gehrte – weder im Umfang, noch in der örtlichen Lage.
Infrastruktur und technische Anlagen
Die Rombacher Hütte beherbergt auch verschiedene technische Anlagen, darunter Tunnelanlagen, für die aktuell Wartungsverträge ausgeschrieben werden. Die Ausschreibung "Wartungsvertrag Tunnel Rombacher Hütte 2025-2031" wurde veröffentlicht, mit einer Frist für Angebote bis zum 2. September 2025 um 13:00 Uhr. Dieser Vertrag deckt den Zeitraum von 2025 bis 2031 ab und konzentriert sich auf die Wartung der Tunnelanlagen im Bereich der Rombacher Hütte.
Die Existenz solcher speziellen Anlagen unterstreicht die technische Bedeutung des Areals auch nach der Umwandlung vom produzierenden Gewerbe zu einem Gewerbepark. Die Wartung dieser Infrastruktur ist essenziell für den reibungslosen Betrieb der ansässigen Unternehmen und die Sicherheit des gesamten Geländes.
Ein Forum-Bericht erwähnt zudem, dass Teile der Tunnelanlage nur eingeschränkt begehbar sind und einige Zugänge verschlossen wurden, was auf die Notwendigkeit regelmäßiger Inspektionen und Wartungsarbeiten hindeutet.
Herausforderungen und Perspektiven
Die Entwicklung der Rombacher Hütte spiegelt die allgemeine Herausforderung wider, ehemalige Industrieareale erfolgreich zu revitalisieren. Die Umwandlung von Produktionsstätten zu modernen Gewerbeparks erfordert sorgfältige Planung, Investitionen in die Infrastruktur und die Berücksichtigung von Belangen des Denkmalschutzes und des Umweltschutzes.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der nachhaltigen Entwicklung der Standorte. Die Investitionen von Ecosoil in die Bodenrecycling-Anlage zeigen, wie moderne Technologien zur Ressourcenschonung und CO2-Reduzierung beitragen können. Gleichzeitig ist die Klage gegen die Ablehnung der Genehmigung für den Standort in Gerthe ein Beispiel für die komplexen regulatorischen Herausforderungen im Bereich der Recycling- und Entsorgungswirtschaft.
Die langfristige Perspektive der Rombacher Hütte als Standort für moderne Gewerbebetriebe und umweltfreundliche Recyclingtechnologien zeigt, wie ehemalige Industrieareale nicht nur erhalten, sondern auch zukunftsweisend weiterentwickelt werden können.
Fazit
Die Rombacher Hütte in Bochum ist ein beeindruckendes Beispiel für die erfolgreiche Transformation eines ehemaligen Industriegeländes. Von den Anfängen als Hüttenwerk der Westfälischen Stahlwerke AG über die Zeit als Teil des Bochumer Vereins bis hin zur heutigen Nutzung als moderner Gewerbepark hat sich das Areal kontinuierlich weiterentwickelt.
Die Sanierung des historischen Verwaltungsgebäudes zum "Ingenieur Zentrum Bochum" zeigt, wie Baudenkmäler erfolgreich in die moderne Gewerbenutzung integriert werden können. Gleichzeitig trägt die aktuelle Entwicklung mit der Bodenrecycling-Anlage von Ecosoil zur nachhaltigen Ressourcennutzung bei und schafft neue wirtschaftliche Perspektiven für das Gelände.
Die Ausschreibung für die Wartung der Tunnelanlagen unterstreicht die technische Bedeutung des Areals und die Notwendigkeit der kontinuierlichen Instandhaltung der Infrastruktur. Die Rombacher Hütte demonstriert damit, wie ehemalige Industrieareale nicht nur erhalten, sondern auch erfolgreich für die Zukunft entwickelt werden können.