Kirchenrenovationen in Sand: Von der Außensanierung zur barrierefreien Zukunft

Einleitung

Kirchenrenovationen stellen besondere Herausforderungen dar, da sie nicht nur technische und finanzielle Aspekte berücksichtigen müssen, sondern auch kulturelle und religiöse Bedeutung der Bauten erhalten. In zwei Orten namens Sand – Sand am Main und Sandesneben – laufen derzeit umfassende Sanierungsprojekte, die unterschiedliche Lösungsansweise für die Erhaltung historischer Bausubstanz zeigen. Während die katholische Kirche St. Nikolaus in Sand am Main nach jahrzehntelanger Wartezeit eine umfassende Innen- und Außensanierung erfahren hat, kämpft die evangelische Kirchengemeinde in Sandesneben mit geologischen Herausforderungen und barrierefreiem Zugang. Dieser Artikel beleuchtet die besonderen Aspekte dieser beiden Renovierungsprojekte.

Die Außensanierung der St. Nikolaus-Kirche in Sand am Main

Die katholische Kirche St. Nikolaus in Sand am Main hat nach ihrer Errichtung im Jahr 1928 erstmals wieder eine umfassende Außensanierung erfahren. Wie Pfarrer Michael Erhart berichtet, war diese Maßnahme dringend erforderlich, da normalerweise Ziegel nicht so lange halten. Am 19. April 2016 begannen die Arbeiten an der Außenhülle des Gotteshauses, die sich zu einem großen Kraftakt für die Pfarrgemeinde entwickeln sollten.

Die Außensanierung umfasste mehrere zentrale Maßnahmen:

  • Austausch bestimmter Balken
  • Neueindeckung des Daches
  • Neuverputzen der Fassade
  • Verschiedene Sandsteinarbeiten

Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Dach, das seit fast 90 Jahren nicht mehr grundlegend überarbeitet worden war. Die Arbeiten wurden im Winter abgeschlossen, wie Kirchenpflegerin Edeltraud Schnapp berichtet. Im Frühjahr folgten dann noch fünf neue Türen für die Kirche, darunter eine Doppeltür, die als kleiner "Luxus" mit dem heiligen Nikolaus, dem Kirchenpatron von Sand, verziert wurde.

Innenrenovation und neue Raumschöpfung

Direkt nach Dreikönig 2019 begannen die Arbeiten im Innenraum der Kirche St. Nikolaus. Diese Phase der Renovierung brachte wesentliche Veränderungen mit sich, die nicht nur technische, sondern auch liturgische Implikationen hatten:

  • Das Versetzen des Altars und des Altarbilds nach vorne
  • Einziehen einer Wand zur Schaffung zusätzlicher Raumfläche
  • Umwandlung des vorherigen Altarraums in eine Andachtskapelle

Die Diözese war zunächst gegen diese Umgestaltung, stimmte letztendlich aber zu. Die drei Verantwortlichen – Pfarrer Erhart, Kirchenpflegerin Schnapp und Kirchenrechnerin Mück – sind besonders stolz auf diese neue Kapelle. Wie Pfarrer Erhart erklärt, wollten sie etwas "Sanderisches" schaffen. Da der Ort eine große Korbflechtertradition hat, entschieden sie sich dafür, den Altar und den Ambo der Kapelle flechten zu lassen. Diese Arbeit übernahm Korbmachermeister Stefan Rippstein aus Sand.

Als besonderes Detail überlegte Rippstein, dass der Ambo das Kreuz auf dem Gotteslob darstellen sollte, wenn man ihn von oben betrachtet. Diese künstlerische Einbindung lokaler Handwerkstradition unterstreicht das besondere Bemühen, die Kirche mit Identität zu füllen.

Eine weitere Veränderung betrifft das Beichthaus: Anstelle der bisherigen Beichtstühle wurde ein Beichtzimmer geschaffen, das den Vorteil bietet, dass die Beichtenden sowohl sitzen als auch knien können. Diese Anpassung zeigt die sensibelere Rücksichtnahme auf die individuellen Bedürfnisse der Gläubigen.

Wand- und Deckenputz sowie farbliche Gestaltung

Eine wichtige Etappe in der Renovierung der Kirche St. Nikolaus wurde in den vergangenen Wochen erreicht: Der Wand- und Deckenputz wurde aufgebracht. Ebenso wurde die farbliche Gestaltung mit einem frischen, hellen Anstrich abgeschlossen. Wie Karl Löser von der Kirchenverwaltung in einer Mitteilung an die Medien berichtete, verleiht diese hellere Gestaltung dem Kirchenraum eine neue Leuchtkraft und Offenheit.

Gemeinschaftliches Engagement und Freiwilligenarbeit

Die Renovierung der Kirche St. Nikolaus wäre ohne das beeindruckende Engagement der Gemeindemitglieder nicht zu bewältigen gewesen. Insgesamt haben die ehrenamtlichen Helfer rund 3500 Arbeitsstunden bei der Renovierung geleistet. Die meisten der Freiwilligen waren zwischen 60 und 80 Jahre alt, aber genauso hätten Väter und Söhne geholfen, berichten die Verantwortlichen.

Besonders erwähnenswert ist, dass Pfarrer Michael Erhart selbst Hand angelegt und den Presslufthammer in die Hand genommen hat. Unter der Woche gab es den sogenannten "Rentnertrupp", der zum Beispiel Fliesen abgeklopft oder viel aufgeräumt habe. Die Sandener Kirchengemeinde zeigte sich als besonders "baulustig", berichtet Erhart, mit einem Bauleiter, einem Fliesenleger sowie einem Maler und Verputzer in den eigenen Reihen.

Die Zusammenarbeit mit dem Pfarrgemeinderat sei in der ganzen Zeit hervorragend gewesen und die Arbeit Hand in Hand gegangen. Trotzdem war es ein langer Weg bis zum Ziel – insgesamt 16 Jahre warteten die Sander auf die Renovierung der Kirche Sankt Nikolaus. Bereits 2004 wurde der Antrag gestellt.

Nach der gelungenen Einweihung am 25. Januar 2020 zeigten sich Pfarrer Erhart, Schnapp und Mück sehr glücklich. Schnapp zeigt in die Luft: "Wir sind irgendwo da oben." Für Pfarrer Erhart war der Gottesdienst ein besonderer Höhepunkt: "Irgendwarum war der Gottesdienst so ein Flow. Wahrscheinlich ist das so ein Gefühl, wie es Brautpaare bei der Hochzeit haben. Nur haben die währenddessen weniger Arbeit", fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Finanzielle Herausforderungen und Finanzierungsmodelle

Auch finanziell war die Renovierung für die Kirchengemeinde ein Kraftakt. Insgesamt kostet sie voraussichtlich über 1,3 Millionen Euro. Der genaue Betrag lässt sich noch nicht beziffern, da noch nicht alle Rechnungen gestellt wurden und somit noch keine Schlussrechnung vorliegt.

Die Finanzierung setzte sich aus verschiedenen Quellen zusammen:

  • Die Pfarrgemeinde hatte einen Anteil von 290.000 Euro zu stemmen
  • Für die Innenrenovierung brachte sie 260.000 Euro auf
  • Hinzu kamen noch 55.000 Euro an Spenden, zum Beispiel auch aus früheren Pfarreiveranstaltungen, wie Theateraufführungen
  • Die politische Gemeinde Sand steuerte 50.000 Euro zur Außenrenovierung und 100.000 Euro zur Innenrenovierung bei
  • Das Bistum übernimmt insgesamt 900.000 Euro der Kosten

Besonders hervorzuheben ist das Finanzierungsmodell: Die Pfarrgemeinde musste die Renovierung zunächst zwischenfinanzieren und bekommt dann stückchenweise das Geld vom Bistum zurück, wie Kirchenrechnerin Mück erklärt. Dies erfordert von der Gemeinde eine erhebliche Liquiditätsreserve, die nur durch das Engagement vieler Mitglieder und die Unterstützung der politischen Gemeinde möglich war.

Technische Herausforderungen bei der Fensterrestaurierung

Während der Renovierungsarbeiten traten auch unerwartete technische Herausforderungen zutage. Mit dem Abbruch der Sakristei in den vergangenen Wochen offenbarte sich die historische Gestalt der südöstlichen Ecke der Kirchenhülle neu.

Beim Anbau der Sakristei mit dem im Untergeschoss befindlichen Heiz- und Ölkeller in den 1960er Jahren waren die unteren zwei Felder des vordersten Kirchenfensters verschwunden. Vom Dachgiebel des nachträglichen Anbaus wurde es seitdem nach außen hin verdeckt. Nach innen verschloss man unterhalb der Empore den unteren Teil des Kirchenfensters hinter einer Backsteinmauer.

Beim ersten Teil der Abrissarbeiten kam nun die ursprüngliche Fensteröffnung und das alte Gewände aus Sandstein auch von innen sichtbar wieder zum Vorschein. Vor dem Schließen der Öffnung waren zwei Glasfelder und ein konstruktives Quereisen entfernt worden. Diese mussten von einem Fachmann für Kirchenfenster wieder ergänzt werden, damit das historische Gebäude zum Winterhalbjahr hin wieder wetterfest verschlossen ist. Der Zuschlag beim Bieterverfahren ging an eine Glaserei in Karlsruhe.

Die evangelische Kirche in Sandesneben: Geotechnische Herausforderungen

In Sandesneben beschäftigt sich die evangelische Kirchengemeinde mit völlig anderen Herausforderungen. Ihr Kirchberg mit der mehr als 700 Jahre alten Marienkirche ist abrutschgefährdet und muss dringend saniert werden.

Die Probleme sind vielschichtig:

  • Ein Steinwall, der seinerzeit um die Kirche errichtet wurde, um den Berg zu stabilisieren, ist marode
  • Mehr als 20 Linden, die auf den Steinwall gepflanzt wurden, haben ihre Wurzeln mit den Steinen verwachsen
  • Seit ein paar Jahren sterben die Linden nach und nach ab und mit ihnen die tragenden Wurzeln
  • Der Steinwall kommt langsam ins Rutschen
  • Die Kirche ist einem Bodengutachten zufolge buchstäblich auf Sand gebaut, also auf einem nicht sehr tragfähigen Boden

Die Kirchengemeinde, zu der 3500 Mitglieder zählen, hat zusätzlich ein Problem: Für Menschen mit Gehbehinderungen ist die Kirche kaum zu erreichen. Lediglich zwei steile Treppen und eine noch steilere Rampe führen den Kirchberg hinauf.

Im Zuge der Baumaßnahmen ist deshalb geplant, einen barrierefreien Zugang auf den Kirchberg zu schaffen. Die evangelische Kirchengemeinde Sandesneben lädt zu Kulturveranstaltungen ein, deren Erlös der Sanierung des Kirchbergs zugutekommen soll. Die Kosten für diese umfassende Sanierung liegen bei knapp vier Millionen Euro.

Vergleich der beiden Projekte

Die beiden Kirchenrenovierungsprojekte in den Orten namens Sand zeigen unterschiedliche Herausforderungen und Lösungsansätze:

Aspekt St. Nikolaus Kirche (Sand am Main) Evangelische Kirche (Sandesneben)
Alter der Kirche Baujahr 1928 Über 700 Jahre
Hauptproblem Erneuerungsbedarf nach fast 90 Jahren Geotechnische Instabilität des Kirchbergs
Hauptmaßnahmen Innen- und Außensanierung, Umgestaltung des Altarraums Stabilisation des Kirchbergs, Schaffung barrierefreier Zugänge
Besonderheit Einbindung lokaler Handwerkstradition (Korbflechterei) Umgang mit Baumwurzeln als Stabilisationsfaktor
Kosten Über 1,3 Millionen Euro Knapp 4 Millionen Euro
Finanzierung Bistum, politische Gemeinde, Gemeinde, Spenden Fundraising durch Veranstaltungen, Eigenmittel

Fazit

Die Kirchenrenovierungsprojekte in den beiden Orten namens zeigen die Bandbreite der Herausforderungen, mit denen Kirchengemeinden bei der Erhaltung ihrer Gotteshäuser konfrontiert sind. Während in Sand am Main nach 16 Jahren Wartezeit eine umfassende Sanierung der St. Nikolaus-Kirche gelang, die sowohl technische als auch kulturelle Aspekte berücksichtigte, kämpft die evangelische Gemeinde in Sandesneben mit komplexen geotechnischen Problemen und der Notwendigkeit barrierefreier Zugänge.

Beide Projekte verdeutlichen, dass Kirchenrenovationen mehr als nur bauliche Maßnahmen sind. Sie sind Ausdruck des gelebten Glaubens, des kulturellen Erbes und des Gemeinschaftssinns. Die in Sand am Main gezeigte Einbindung lokaler Handwerkstradition und das beeindruckende Engagement der Freiwilligen zeigen, wie wichtig die Beteiligung der Gemeindemitglieder für den Erfolg solcher Projekte ist.

In Sandesneben steht die Bewahrung eines über 700 Jahre alten Kulturerbes im Vordergrund, das durch innovative Lösungen für geotechnische Herausforderungen und die Schaffung barrierefreier Zugänge auch für zukünftige Generationen erhalten werden soll. Beide Projekte sind beeindruckende Beispile dafür, wie Gemeinschaften mit Weitsicht und Engagement ihr kulturelles Erbe für die Zukunft sichern.

Quellen

  1. Mainpost - Sander Kirche strahlt in hellem Gewand
  2. Bistum Würzburg - Renovierung für die nächsten 50 Jahre
  3. EKI Sandhausen - Bautagebuch aktuell
  4. LN-Online - Kirche auf Sand gebaut

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