Einleitung
Die Schiffergesellschaft zu Lübeck stellt eines der bedeutendsten historischen Bauwerke der Hansestadt dar. Mit einer Geschichte, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, hat das Gebäude an der Breiten Straße 2 zahlreiche Epochen überdauert. Ihre architektonische Bedeutung und ihre Funktion als soziale Institution machten sie zu einem unverwechselbaren Teil des Lübecker Stadtbilds. Besonders bemerkenswert ist die umfassende Restaurierung des Gebäudes in den 1970er Jahren, die das historische Erbe bewahrte und gleichzeitig den Grundstein für seine heutige Nutzung als traditionsreiches Restaurant legte. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte der Schiffergesellschaft, die Besonderheiten ihrer Architektur und die bedeutende Restaurierungsmaßnahme, die das Gebäude bis heute prägt.
Historische Entwicklung der Schiffergesellschaft
Die Wurzeln der Schiffergesellschaft zu Lübeck reichen bis ins späte Mittelalter zurück. Am 26. Dezember 1401 wurde die St.-Niklaus-Bruderschaft gegründet, die später als Schiffergesellschaft bekannt wurde. Die Gründungsurkunde definierte ihren Zweck klar: "Zu Hilfe und Trost der Lebenden und Toten und aller, die ihren ehrlichen Unterhalt in der Schifffahrt suchen."
Im Zuge der Reformation lösten sich fast alle religiösen Bruderschaften auf. Die St.-Nikolaus-Bruderschaft vereinigte sich daraufhin mit der St.-Annen-Bruderschaft und nannte sich fortan "die Schippern Selschup". 1535 erwarben die Brüder der Schiffergesellschaft das Grundstück an der Ecke Breite Straße/Engelsgrube gegenüber der Jakobikirche für 940 Lübische Mark. Das im 13. Jahrhundert erbaute Haus wurde bis 1538 umgebaut und ist bis heute in dieser Form erhalten geblieben.
Trotz der Reformation ging die religiöse Bindung der Bruderschaft nicht vollständig verloren. Im neu erworbenen Haus wurden kleine Statuen des Heiligen Nikolaus und der Anna selbdritt verwahrt. Die Schiffergesellschaft entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer bedeutenden sozialen Institution, die für Alte und Bedürftige Speisen und Wohnraum zur Verfügung stellte.
Mit der Zeit kamen der Schiffergesellschaft durch die seemännischen Kenntnisse ihrer Brüder zusätzliche Aufgaben hinzu. Dazu zählten das Ausstellen von Schiffspässen, die Bewachung des Hafens und die Beratung des Senats. Das hansische Seerecht von 1614 regelte sogar, dass Streitigkeiten zwischen Seeleuten der Schiffergesellschaft vorgelegt werden mussten.
Im 19. Jahrhundert kam es zu tiefgreifenden Veränderungen. 1866 wurde der Zunftzwang aufgehoben, was dazu führte, dass die Schiffergliederung Mitglieder und damit dringend benötigte Einnahmen verlor. Als Konsequenz beschloss man, Teile des Gebäudes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und als Restaurant zu verpachten. 1869 wurde eine neue und bis heute gültige Satzung entworfen und verabschiedet, die vorsieht, dass Mitglied der Schiffergesellschaft nur werden kann, wer das Kapitänspatent auf Großer Fahrt hat und in Lübeck oder Umgebung wohnt.
Ein bedeutender Meilenstein in der jüngeren Geschichte war die Aufnahme der ersten weiblichen Mitglied im Jahr 2019. Mit der damals 33-jährigen Kapitänin Silke Muschitz, die auf Großcontainerschiffen der Reederei Hapag-Lloyd als Kapitän zur See gefahren ist, wurde die Tradition der Schiffergesellschaft modernisiert.
Architektonische Besonderheiten des Gebäudes
Das Gebäude der Schiffergesellschaft zu Lübeck in der Breiten Straße 2 stellt ein herausragendes Beispiel der Frührenaissance dar. Diese Phase der Backsteinrenaissance ist für den Laien äußerst schwer von der Backsteingotik zu unterscheiden und zeugt von der handwerklichen Meisterschaft der Bauzeit.
Besondere architektonische Elemente des Gebäudes sind:
- Der vorgebaute sogenannte Gotteskeller vor dem Eingang
- Die goldene Wetterfahne mit einem Segelschiff als Motiv auf dem Giebel
- Das Gemälde mit dem Adler von Lübeck
- Die bemalten Außenstelen mit der Inschrift "Allen zu gefallen, ist unmöglich!", bevor man das Haus durch die Rokokotür betritt
Die Integration von Nachbargebäuden ermöglichte es, 18 Wohnungen für die Zunftbrüder zu schaffen. Die Raumaufteilung des Gebäudes spiegelt die verschiedenen Funktionen der Schiffergesellschaft wider – von repräsentativen Räumen für Treffen bis zu sozialen Einrichtungen für bedürftige Mitglieder.
Heute beherbergt das historische Gebäude verschiedene gastronomische Bereiche, darunter die Historische Halle, das Hanse-Lübeck-Zimmer und den Kapitäns-Salon. Diese Räumlichkeiten bieten einen authentischen Einblick in die hanseatische Geschichte und schaffen eine einzigartige Atmosphäre für Besucher.
Die Restaurierung 1972-1976
Eine der bedeutendsten Epochen in der jüngeren Geschichte der Schiffergesellschaft ist die umfassende Restaurierung des Gebäudes zwischen 1972 und 1976. Diese Maßnahme war besonders bedeutsam, da das Gebäude den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden hatte, während große Teile der Lübecker Altstadt, die ebenfalls unter Denkmalschutz steht, zerstört wurden.
Die Restaurierungsmaßnahmen konzentrierten sich vor allem auf die Innenausstattung des Gebäudes. Dabei wurde besonderer Wert auf die Bewahrung des historischen Charakters und die originalgetreue Wiederherstellung der historischen Elemente gelegt. Die Arbeiten wurden mit großer Sorgfalt durchgeführt, um die architektonische Substanz des Renaissancebaus zu erhalten und gleichzeitig die notwendigen Anpassungen für die moderne Nutzung als Restaurant und Gaststätte zu ermöglichen.
Die Restaurierung in den 1970er Jahren legte den Grundstein für die heutige Nutzung des Gebäudes. Durch die sorgfältige Arbeit der Restauratoren konnte das historische Erbe bewahrt werden, während gleichzeitig eine zeitgemäße gastronomische Nutzung ermöglicht wurde. Hans Leip prägte später den berühmten Ausspruch "Die klassischste Kneipe der Welt", der bis heute als Bezeichnung für die gastronomische Nutzung des Gebäudes dient.
Heutige Nutzung und Pflege des historischen Erbes
Heute ist die Schiffergesellschaft ein Verein kraft Rechtserlass, der vom Vorstand des Vereins geführt wird. Das Restaurant wird seit März 2015 an die EngelHöhne oHG verpachtet, die für den gastronomischen Betrieb verantwortlich ist.
Die Schiffergesellschaft hat sich zu einem renommierten Traditionsrestaurant in der Altstadt Lübecks entwickelt, das hanseatisches Flair ausstrahlt. Eingebettet in mittelalterliche Architektur, bietet das Restaurant nicht nur eine beeindruckende Atmosphäre, sondern auch eine exquisite Küche mit modernem Akzent. Die Speisekarte umfasst klassische norddeutsche Spezialitäten, darunter den beliebten Labskaus, der Feinschmecker begeistert.
Für Gäste, die ein Geschäftsessen oder eine Firmenfeier organisieren, wird ein herausragender Service geboten, der den Besuch unvergesslich macht. Der einladende Außenbereich ist ein weiterer Vorteil, der besonders in den warmen Monaten ein angenehmes Ambiente für Mahlzeiten im Freien schafft. Die historischen Räumlichkeiten, darunter die Historische Halle, das Hanse-Lübeck-Zimmer und der Kapitäns-Salon, schaffen eine einladende Atmosphäre, ideal für verschiedene Anlässe.
Ein besonderes Augenmerk wird auf die Pflege der wertvollen historischen Objekte im Gebäude gelegt. Die alten Schiffsmodelle gelten als der Stolz der Lübecker Schiffergesellschaft. Die professionelle Restauratorin Stephanie Schipper sorgt dafür, dass diese wertvollen Objekte erhalten bleiben und für zukünftige Generationen bewahrt werden. Ihre Arbeit findet unter den "strengen Augen der Kapitäne" statt, was die enge Verbindung zwischen der Pflege des kulturellen Erbes und der maritimen Tradition der Schiffergesellschaft verdeutlicht.
Die Kundenbewertungen loben häufig den freundlichen Service und die erstklassige Qualität der Speisen, während das hanseatische Flair des Restaurants jedem Besuch eine besondere Note verleiht. Die Schiffergesellschaft ist damit nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch ein lebendiger Teil der Lübecker Kultur und Gastronomie.
Fazit
Die Schiffergesellschaft zu Lübeck stellt ein herausragendes Beispiel für den erfolgreichen Erhalt und die zeitgemäße Nutzung eines historischen Bauwerks dar. Ihre Geschichte, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, zeugt von der Bedeutung der Seefahrt für die Entwicklung der Hansestadt. Die umfassende Restaurierung der Jahre 1972 bis 1976 war ein entscheidender Schritt, um das architektonische Erbe zu bewahren und gleichzeitig die Grundlage für die heutige gastronomische Nutzung zu schaffen.
Die Verbindung von historischer Bausubstanz und moderner Nutzung macht die Schiffergesellschaft zu einem Vorbild für die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude. Die sorgfältige Restaurierung der Innenausstattung ermöglichte es, die einzigartige Atmosphäre des Renaissancebaus zu erhalten, während gleichzeitig die notwendigen Infrastrukturen für einen zeitgemäßen gastronomischen Betrieb geschaffen wurden.
Besonders bemerkenswert ist die kontinuierliche Pflege des historischen Erbes durch professionelle Restauratoren wie Stephanie Schipper, die die wertvollen Schiffsmodelle erhalten. Dies unterstreicht die Wertschätzung, mit der die Lübecker Schiffergesellschaft ihr kulturelles Erbe pflegt.
Die Schiffergesellschaft ist somit nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch ein lebendiger Teil der Lübecker Kultur, die Tradition mit Moderne verbindet. Ihr Status als "die klassischste Kneipe der Welt" ist nicht nur eine touristische Attraktion, sondern auch ein Ausdruck der erfolgreichen Verbindung von Denkmalschutz und zeitgemäßer Nutzung. Die Geschichte der Schiffergesellschaft zeigt, wie historische Gebäude durch sorgfältige Restaurierung und innovative Nutzung auch in Zukunft eine wichtige Rolle im städtischen Leben spielen können.