Einleitung
Schloss Moyland, ein bedeutendes neugotisches Bauwerk am Niederrhein, hat eine wechselvolle Geschichte durchlebt, die von Pracht, Zerstörung und sorgfältiger Restaurierung geprägt ist. Die Anlage, deren Name sich aus den niederländischen Worten "mooi land" (schönes Land) ableitet, stellt ein architektonisches und kulturelles Juwel dar, das heute als Museum und Ausflugsziel dient. Vor seiner umfassenden Renovierung präsentierten sich die Gebäude jedoch in einem Zustand des Verfalls, der das Ergebnis von Kriegsschäden, Vandalismus und Vernachlässigung war. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte Schloss Moylands vor und während seiner Restaurierung, basierend auf historischen Aufnahmen und Dokumenten, die den Wandel von einer Ruine zu einem wiederhergestellten Kulturdenkmal dokumentieren.
Die Geschichte von Schloss Moyland
Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Anlage im Jahr 1307 als mit Gräben und Wällen befestigter Hof namens Moyland. Damals nahm der Geistliche und spätere Archidiakon von Lüttich, Jakob van den Eger, die Anlage von Graf Otto von Kleve in Erbpacht. Van den Eger, der auch Lehrer der gräflichen Kinder war, nannte sich fortan mehrmals auch "von Moyland". Der Name Moyland wurde vermutlich von holländischen Arbeitern geprägt, die der damalige Besitzer Jakob van den Eger an den Niederrhein holte, um die Feuchtgebiete um seinen Besitz herum trocken zu legen.
Im Jahr 1766 kam die Anlage in den Besitz der niederländischen Familie von Steengracht. Adrian von Steengracht hatte das Schloss als naturale Entschädigung für gewährte Kredite im Siebenjährigen Krieg vom preußischen Königshaus erhalten. Moyland verblieb im Besitz der Steengrachts, ehe sie es der am 11. Juli 1990 gegründeten Stiftung Museum Schloss Moyland schenkten. Die Familie hatte lange Zeit nach geeigneten Finanzierungsmöglichkeiten für einen Wiederaufbau gesucht, bevor sie die Anlage der neu gegründeten Stiftung übergab.
Das architektonische Schmuckstück
Schloss Moyland zählt zu den wichtigsten neugotischen Bauten in Nordrhein-Westfalen. Die Schlossanlage besteht aus einem geschlossenen, vierflügeligen Hauptschloss, dem südöstlich Wirtschaftsgebäude vorgelagert sind. Letztere beheimaten heute ein Museumscafé, die Museumsverwaltung und -bibliothek sowie Räume für Wechselausstellungen.
Das zweigeschossige Hauptgebäude aus Backstein präsentiert sich im historisierenden Tudorstil mit einem Zinnenkranz auf Kragsteinen. Die vier Geschosse des einstigen Bergfrieds an der Südost-Ecke des Hauptschlosses werden seit 2008 durch einen polygonalen Helm mit Laterne bekrönt. An den drei übrigen Ecken des Schlosses stehen hufeisenförmige Türme mit drei Geschossen, die dem Ensemble seine charakteristische Silhouette verleihen.
Zustand vor der Restaurierung
Historische Aufnahmen aus der Zeit um 1955/1956, wie die Postkarte aus der Postkartensammlung des Stadtarchivs Kalkar, zeigen Schloss Moyland in einem desolaten Zustand. Die Aufnahme "Blick vom westlichen Kellerflügel in Richtung des Südturms" dokumentiert den Verfall der Gebäude, der das Ergebnis der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges und der unmittelbaren Nachkriegsjahre war.
Die letzten Kämpfe des Zweiten Weltkrieges überstand das Schloss bis zum Einmarsch der Alliierten am 25. Februar 1945 relativ unversehrt. Feldmarschall Bernard Montgomery nahm mit seinem Stab Quartier im Schloss, und in dieser Zeit kam auch Winston Churchill nach Moyland. Doch nach dem Abzug Montgomerys ging fast die gesamte kostbare Innenausstattung durch Raub und Vandalismus kanonadischer Soldaten verloren, und das Schloss wurde schwer verwüstet.
Eine provisorische Reparatur 1954 wurde von einem Brand des westlichen Dachstuhls im Jahr 1956 wieder zunichtegemacht, sodass die Gebäude trotz Notdach allmählich verfielen. In den folgenden Jahrzehnten verfiel die Anlage zusehends, bis in den 1980er Jahren ernsthafte Überlegungen angestellt wurden, das Schloss zu retten.
Beginn der Restaurierung 1987
Im Jahre 1987 begannen die Entschuttungs- und Sicherungsarbeiten zur Wiederherstellung der Anlage. Dieser entscheidende Schritt markierte den Wendepunkt in der Geschichte des Schlosses, das sich zuvor in einem fortgeschrittenen Zustand des Verfalls befand. Der entscheidende Anstoß zur Gründung der Stiftung Museum Schloss Moyland kam 1987 von den Brüdern Franz Joseph und Hans van der Grinten, die einen Standort für ihre private Sammlung moderner Kunst suchten.
Die Brüder van der Grinten hatten über Jahre hinweg eine bedeutende Sammlung moderner Kunst zusammengetragen, und für sie bot Schloss Moyland den idealen Rahmen, um diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gleichzeitig sahen sie in der Wiederherstellung des Schlosses eine Chance, ein wichtiges Stück regionaler Architektur- und Kulturgeschichte zu bewahren.
Die Arbeit der Stiftung Museum Schloss Moyland (1990-1997)
Von 1990 bis 1997 zeichnete die neu gegründete Stiftung Museum Schloss Moyland für eine Restaurierung und den Ausbau des Schlosses verantwortlich. In dieser Phase wurde die historische Bausubstanz des Inneren einer modernen Neugestaltung der Räume für den musealen Zweck weichen müssen. Ein Balanceakt zwischen Erhalt der historischen Substanz und Anpassung an moderne museale Anforderungen.
Die Stiftung, der die Familie Steengracht das Schland geschenkt hatte, verfolgte von Anfang an zwei Ziele: den Wiederaufbau der Anlage und ihre Nutzung als Museum. Am 24. Mai 1997 konnte das bis dahin vollständig renovierte Gebäude samt Gartenanlagen wiedereröffnet werden, nachdem jahrelange Restaurierungsarbeit die Pracht der neugotischen Anlage wiederhergestellt hatte.
Restaurierung des Schlossparks
Neben dem Hauptgebäude wurde auch der Schlosspark umfassend restauriert. In der Zeit von Juli 1995 bis Mai 1997 wurde unter der Leitung von Gustav und Rose Wörner der Schlosspark samt seinem alten Baumbestand und seinen Eichen- und Lindenalleen restauriert, sodass er heute sein Aussehen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wiedergibt.
Der Urheber der ursprünglichen Entwürfe ist nicht bekannt, doch wurden sie in den 1830er und 1840er Jahren unter der Familie Steengracht angefertigt. Die sorgfältige Wiederherstellung des Parks verhalf der gesamten Anlage zu einer harmonischen Einheit aus Baukunst und Gartenkunst.
Skulpturenpark und kulturelle Nutzung
Seit der Restaurierung hat Schloss Moyland eine neue kulturelle Bedeutung erhalten. Im Park finden sich heute Skulpturen zeitgenössischer Künstler aus aller Welt, darunter James Lee Byars, U We Claus, Hans Karl Burgeff, Eduardo Chillida, Huub Kortekaas, Kubach-Wilmsen, Joseph Jaekel, Heinz Mack, Gerhard Marcks, Holger Runge und Antoni Tàpies.
Die Verbindung von historischer Architektur und zeitgenössischer Kunst macht das Schloss zu einem einzigartigen kulturellen Ort. Seit dem Jahr 1997 veranstalten die Gemeinde Bedburg-Hau und die Stiftung Museum Schloss Moyland um den dritten Advent einen großen Kunsthandwerker-Weihnachtsmarkt mit über 100 Kunsthandwerkern aus ganz Europa. Der Markt ist einer der größten Kunsthandwerkermärkte am Niederrhein geworden und trägt zur Beliebtheit des Schlosses als Ausflugsziel bei.
Heutige Bedeutung und Nutzung
Heute beherbergt Schloss Moyland die umfangreiche Sammlung moderner Kunst der Brüder Hans van der Grinten und Franz Joseph van der Grinten. Das Museum Schloss Moyland ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel am Niederrhein, sondern auch ein wichtiger Ort für Kunst- und Architekturinteressierte.
Die Dauerausstellung zeigt Werke aus der Sammlung van der Grinten sowie das Joseph Beuys Archiv des Landes Nordrhein-Westfalen. Daneben finden regelmäßig Wechselausstellungen statt, die internationale zeitgenössische Kunst präsentieren. Das Angebot wird ergänzt durch Führungen, Vorträge und Workshops, die das Verständnis für Kunst und Architektur fördern.
Fazit
Die Geschichte Schloss Moylands vom mittelalterlichen Festungsgebäude über repräsentative Adelsresidenz zu einer schwer beschädigten Kriegsruine und schließlich zu einem wiederhergestellten Kulturdenkmal spiegelt die wechselvolle deutsche Geschichte wider. Die sorgfältige Restaurierung ab 1987 hat nicht nur ein architektonisches Juvel gerettet, sondern auch einen Ort für zeitgenössische Kunst geschaffen, der Geschichte und Moderne verbindet.
Die historischen Aufnahmen aus der Zeit um 1955/1966 dokumentieren eindrücklich den Zustand des Schlosses vor der Restaurierung – ein Bild des Verfalls, das heute unvorstellbar erscheint. Die Transformation von dieser Ruine zu dem heute prachtvollen Schloss ist ein beeindruckendes Beispiel für gelungene Denkmalpflege und kulturelle Wiederbelebung.
Schloss Moyland steht heute nicht nur als architektonisches Meisterwerk der Neugotik, sondern auch als Symbol für den Wille zum Erhalt von Kulturgut und die Schaffung eines lebendigen Ortes der Kunst und Kultur. Die Geschichte des Schlosses lehrt uns, dass selbst aus scheinend hoffnungslosen Situationen durch Engagement und Beharrlichkeit etwas Neues und Wertvolles entstehen kann.